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Die Infoglocke

Die Infoglocke

In unserem Supermarkt gibt es an der Fleisch-Selbstbedienungstheke eine Infoglocke. Wer Fragen zu den Produkten hat, kann da klingeln und dann kommt einer, der Ahnung hat.

Ich selbst habe an so einer Glocke noch nie geläutet und muß gestehen, daß ich auch sonst noch nie jemanden dort habe läuten sehen.

Heute war das anders. Ein junge Frau mit krausen Haaren, die bei 33 °C einen Norwegerpulli und Strickstrümpfe in Birkenstocksandalen trägt, klingelt an der Infoglocke und ein Mann in weißem Kittel mit vorgebundener, blutverschmierter Gummischürze taucht auf.

„Sie, sagen Sie mal! Diese Schweinenieren hier in der Vorteilspackung, warum sind da drei Stück drin?“

Der Mann gibt bereitwillig Auskunft. „Weil drei Nieren immer so etwa ein Pfund ergeben.“

„Von was für einem Tier sind denn diese Nieren?“

„Äh, ja, äh, also Schweinenieren sind bei uns immer vom Schwein.“

„Das weiß ich auch. Ich meine, ob Sie wissen, von was für einem Tier die sind.“

„Hausschwein, ganz normales Hausschwein.“

„Ja, hab ich ja verstanden, ich meine, ob das Tier einen Namen hatte.“

„Einen was?“

„Einen N A M E N !“

„Also, wirklich, äh, nein, nicht daß ich wüßte.“

„Sind da irgendwo Herkunftsdaten auf dem Produkt?“

Die InfoglockeDie Infoglocke

„Wie bitte?“

„Naja, so Angaben von welchem Bauern und von welchem Tier das Produkt ist.“

„Wie ich schon sagte, die Nieren sind vom Schwein.“

„Sagen Sie mal, wollen Sie mich auf den Arm nehmen“, entrüstet sich Frau Birkenstock.

„Nein, die sind wirklich vom Schwein.“

„Ja, das ist mir klar, meinen Sie ich sei blöd?“

„Was wollen Sie denn eigentlich von mir?“, erkundigt sich der Fleischwarenfachmann schon leicht ungehalten.

„Ich will wissen aus welchem landwirtschaftlichen Betrieb diese Nieren stammen und von welchem Tier.“

„Moment, ich geh‘ mal fragen“, meint der Fachmann im weißen Kittel und verschwindet durch eine der grauen Türen, auf denen immer ‚Notausgang – alarmgesichert‚ steht.

Eine Weile später ist er wieder da, hat eine Liste dabei und vergleicht die Packung mit den Schweinenieren mit der Liste. Nach kurzem Suchen sagt er:

„Also ich kann nur feststellen, daß die Nieren vom Hof Bellermann aus Niedersachsen kommen, mehr nicht. Angaben über das einzelne Tier stehen da nicht. Könnte vielleicht bei Biofleisch draufstehen.“

Die Birkenstocktante ist aber immer noch nicht zufrieden und sagt:

„Gut, das sehe ich ein, aber eine Frage werden Sie mir doch beantworten können.“

„Ja, und welche?“, fragt der Weißkittel zurück

„Sie werden mir doch wenigstens sagen können, ob diese drei Nieren auch von ein und demselben Tier sind, oder?“

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung
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  1. Lochkartenstanzer
    Lochkartenstanzer 22 Juli, 2015, 17:41

    Ich hätte ja anstelle des Fleischfachverküufers einfach geantwortet:

    Berta, Kunigunde und Anneliese. 🙂

    Antwort auf diesen Kommentar

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Da geistert gerade mal wieder ein absolut internettypischer Hoax durch das Web. Vielleicht versucht ja...

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