Spitze Feder

Die Glashaus-Challenge

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Bei der Performance unseres politischen Spitzenpersonals komme ich irgendwie nicht umhin, zu vermuten, dass es nicht mehr alle Latten am Zaun haben kann.

Wie anders, sollte ich mir diesen stets sprudelnden Quell hanebüchenen Unsinns sonst erklären?

Meine humanistische Erziehung gebietet mir jedoch Nachsicht. Denn ich stelle mir das verdammt schwierig vor, mit einem Staatsexamen in Jura, also mit lediglich rudimentären Kenntnissen des realen Lebens, ein Ministeramt für Digitales und Verkehr zu bekleiden. Oder sich mit einem Studium der Politikwissenschaft um Wohnen, um die Stadtentwicklung und das Bauwesen kümmern zu wollen, oder sich gar mit schöngeistigem Wissen aus Germanistik, Philosophie, et cetera pp, als Key-Account-Manager, um den Vertrieb von chinesischen Wärmepumpen zu kümmern. Das kann ein ganz normaler Mensch mit ganz normaler Ahnungslosigkeit unmöglich wuppen, oder?

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Andererseits verbietet mir meine humanistische Erziehung auch nicht, mich vor Lachen wegzuschmeißen, wenn bei Anne Will & Co, von den immer gleichen Protagonisten, Bagatellen zu Dramen aufgeblasen werden, um Micheline und Michel, vermeintliche Integrität, Engagement mit Herzblut, oder irgend etwas in der Art präsentieren zu wollen. Sprich: Wenn geistige Chihuahuas tatsächlich meinen, ihr erbarmungswürdiges Gekläffe, hinterlasse den gleichen Eindruck, wie das donnernde Bellen eines American Staffordshire.

Aktuell deliriert sich die bajuwarische Elite der Amigo-Lounge mal wieder in hysterische Apnoe. Diesmal über den Bundeswirtschaftsminister von der traurigen Gestalt, Robert Habeck. Dem wirft der abgefeimte Raffke-Klüngel nämlich unbotmäßige Vetternwirtschaft vor, weil sein mittlerweile geschasster Staatssekretär, Patrick Graichen, bei der Jobvergabe für die Subalternen, zu familiär vorgegangen sei. Ich bin zwar der Meinung, dass Graichen einfach nur zu blöd war, dieses traditionelle Postengeschacher, beim Edel-Italiener auszubaldowern, den Chihuahuas der Opposition ein Leckerli zuzuwerfen und hernach den Deal, wie sonst üblich, unter den parlamentarischen Teppich zu kehren, aber mich fragt ja keiner.

Ausgerechnet die CSU wirft also irgend jemandem Vetternwirtschaft vor! Ausgerechnet die CSU? Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen…oder besser doch nicht. Den ekligen Geschmack kriegt man nämlich nie wieder weg und müsste sich, um ihn zumindest zu überdecken, für den Rest seines Daseins womöglich von Obatzter und Leberkäse ernähren. Oder man müsste versuchen, die chinesischen FFP2-Masken zu lutschen, die Andrea Tandler, die Tochter des Ex-Ministers und einstigen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler, zusammen mit der CSU-Politikerin und Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, dem bayrischen Gesundheitsministerium vermittelte und dafür zig Millionen an Provisionen kassierte.

Die Latte an CDU-, CSU-, SPD-, FDP- und Grünen-Promis, sowie die, ihrer nebenerwerblichen Landschaftspflege, ist einfach zu lange, um sie an dieser Stelle alle aufzuzählen zu können. Ich habe mich bei meinem Assay zum Thema Glashaus-Challenge deshalb bewusst auf die CSU eingeschossen. Einfach, weil ich bei ihr Tradition und Korruption, als eine Art Brauchtum, untrennbar verwoben sehe, und da sich die CSU jene unappetitliche Melange offensichtlich als Alleinstellungsmerkmal bewahren möchte.

Aber mal im Ernst: Sollen Micheline und Michel die Aufregung der CSU über Habeck so auffassen, dass die Anwendung des berühmten Stammtisch-Spruchs der Schmalzler-Granden, „mia san mia“, nördlich von Fladungen grundsätzlich als Plagiat zu betrachten ist? Darf nur in Bayern geschmiert und Bares gerafft werden, was das Zeug hält? Oder lässt seine gottesfürchtige Niedertracht, Markus Thomas Theodor Söder, der Nürnberger Sonnenkönig, Isar-II-Endorser und designierter Endschwimmer im Starnberger See, einfach nur seine Militärkapelle schon mal die schmissige Kakophonie in Filz-Moll schmettern, um die Bierzelte für die Landtagswahl im Oktober anzuheizen, oder weil die Langusten-Versteher des 1. FC Bayern-München heuer vielleicht ohne einen einzigen Titel in die Sommerpause gehen? Fragen über Fragen.

So, wie es aussieht, scheint die Glashaus-Challenge jedenfalls offiziell eröffnet zu sein, und man kann nur hoffen, dass möglichst aus allen politischen Lagern richtig fette Kaventsmänner fliegen, um diese stinkende Ruine endlich zum Einsturz zu bringen.

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Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | Peter Grohmüller: © 21. Mai 2023

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