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  • Der letzte Saft aus dem Euter gepresst

    Bemerkungen zur Milch-Quote

    Die Milch-Quote ist weg, der Untergang des Abendlandes somit besiegelt. Wir werden sie sehen, die hippen Investmentbanker, die auf ihr trendiges Müsli verzichten müssen, wenn es keine Milch mehr gibt, und die dann, wie Zombies, in feinstem Zwirn völlig apathisch durch die Frankfurter Innenstadt schlurfen, oder sich gleich von der Brücke in den Main stürzen. Ein verlockender Gedanke. Oder war das etwa anders gemeint? Ja, richtig: nicht die Milch fällt weg, sondern diese merkwürdige Quote. OK. Also werden die City-Boys in ihrem Müsli ersaufen – auch nicht schlecht – weil die Preise durch den Wegfall der Milch-Quote ins Bodenlose stürzen.

    Aber bevor ich mich jetzt an unbotmäßigen Gedanken ergötze, erlaube ich mir zum Heulen und Zähneklappern rund um die Milch-Quote, respektive deren Wegfall, mal einige launige Bemerkungen: Milch ist – nüchtern betrachtet – ein stinknormales Handelsprodukt. Es ist im Tetrapack, in der Flasche, oder jedem anderen Behältnis im Kühlregal – oder als H-Milch ungekühlt, da exzessiv behandelt – zu finden. So weit, so gut. Milch ist – oder besser war – aber auch ein brisantes Politikum. Umwoben mit dem Nimbus des Grundnahrungsmittels schlechthin, machte sie in den siebziger Jahren müde Männer munter, und adelt noch heute selbst einen klebrigen, ungesunden Klotz aus Fett, Zucker, Kakao und Aromastoffen namens Milky Way zur gesunden Zwischenmahlzeit.


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    Deshalb wuchert auch rund um den weißen Saft ein wahrer Filz aus betrügerischen Molkereibesitzern vom Schlage eines Alois Müller oder was, Bauernpräsidenten, Agrarlobbyisten, Agrarkommissare und weiß der Agrar-Geier, wie viele windige Gestalten noch. Und dieser Filz hatte es über Jahrzehnte verstanden, Milch als nahezu sakrosankt darzustellen. Mit der Folge, dass die Produzenten dieses Produktes (die Milchbauern) einen festen Preis bekamen, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf bzw. Verbrauch. So wurden mit dem Segen der Politik auf Teufel komm raus, Kühe getunt, die in ihrem industriellen Idealzustand quasi nur noch aus einem mit Fell überzogenen Hochleistungseuter an einem Skelett bestehen, das ohne Unterlass Milch im Überfluss produziert – die keiner brauchte. Machte ja aber nix aus, denn die Bauern bekamen ihre Kohle so, oder so. Und wenn es mal doch nicht reichte, wurde etwas gedreht und über Milliarden von EU-Subventionen nachgeholfen.

    So gab es in den Siebziger Jahren Butter-Berge und Milch-Seen; es wurden riesige Kühlhäuser vollgestopft mit der Überproduktion, und die Kosten der Lagerung – wie könnte es anders sein – wurden an den Steuerzahler weitergereicht. Der erfuhr dann ab und an, dass ganze Wagenladungen dieser Butter, vornehmlich kurz vor Weihnachten, in die Sowjetunion gekarrt wurden, als noble Geste sozusagen. Tatsächlich musste einfach nur Platz geschaffen werden für die neuen Mengen an überproduzierter Butter.

    Es mutet ein wenig seltsam an, wenn man angesichts dieser Praktiken von den dafür Verantwortlichen nun hört, dass der Preis für ein Produkt oder eine Dienstleistung ausschließlich über Angebot und Nachfrage zu entstehen habe. Keiner der ausserhalb des EU-Labyrinthes steht, wird jemals erfahren weshalb, aber Fakt ist: die Milch-Quote ist Geschichte. Wer seit dem 31.03.2015 nun mit diesem Saft seinen Lebensunterhalt bestreiten will, muss zusehen, dass er die Brühe vom Hof bekommt, und zwar zu dem Preis, der dafür gezahlt wird. Ob dadurch das Abendland untergeht, wie in meiner polemischen Einleitung beschrieben, darf bezweifelt werden. Was mich allerdings brennend interessieren würde: in welchen Arsch werden die freiwerdenden Subventionen denn eigentlich nun geblasen?


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