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    von Peter Grohmüller: Der kategorische Hyperlativ

    Ein absolutes Adjektiv erlaubt keinerlei Steigerung im Sinne der Semantik. Man nennt solche absoluten Adjektive Superlative. Ich weiß, das klingt reichlich aufgeblasen, macht aber durchaus Sinn. Denn wenn etwas komplett ohne jeglichen Inhalt ist, wie beispielsweise die Phrasen eines Politikers bei Günther Jauch oder Anne Will, ist dieses Etwas schlicht und ergreifend leer. Eine Steigerung dieses absoluten Adjektivs machte selbst parteiübergreifend keinen Sinn.

    Der kategorische Hyperlativ
    „Ich habe überhaupt nichts mit dem Artikel zu tun, sehe aber verdammt gut aus.“

    Wenn ein Qualitäts-Journalismus-Darsteller vom Schlage eines Claus Kleber für sich öffentlich-rechtlich höchste Fachkompetenz reklamiert und sich gleichermaßen genötigt wie berufen fühlt, das hirnlose Geschwafel von Alexander Gauland gegenüber dem hirnlose Geschwafel von Alexander Dobrindt als „leerer“ zu bezeichnen, handelt es sich um den speziellen Fall eines medialen Hyperlativ…oder einfach um berufsinduziertes dummes Geschwätz.

    Denn Hyperlative gehen garnicht. Oder etwa doch? Der Kulturradiokanal SWR1 sendet zwischen den besten Hits der 70er, 80er, und 90er, will sagen: Zwischen Abba, Chris de Burgh, Rod Steward und Chris Rea, mit dem aktuellsten Verkehrshinweis halbstündlich eine recht seltsame Steigerung des Adjektivs „aktuell“. Kann es zu aktuell überhaupt eine Steigerung geben? Wenn es etwas gibt, das weniger aktuell, als etwas anderes ist, ist es einfach nur nicht mehr aktuell. Man könnte auch sagen: Obsolet. So sehe ich das jedenfalls, ich kann mich natürlich auch irren.

    Falls nun Hyperlative dereinst den allerhöchsten Segen durch die heilige Kongregation des deutschen Duden-Verlages erlangen sollten und somit Einzug in die fachlich korrekte Sprache, würde es wohl reichlich kompliziert für alle Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, die nach der enervierenden Plackerei im täglichen Schulbetrieb zu Hause im heimischen Wohnzimmer die kruden Aufsätze ihrer twitternden Schüler korrigieren.

    Dann wären nämlich die ehelichen Kinder unseres designierten Innenministers, Ulrike, Andreas und Susanne, plötzlich wesentlich seehoferer, als die beiden ausserehelichen Bälger, die er mittels Fremdpoppen in Berlin gezeugt hat. Dann wäre allerdings auch der Hut, den Napoleon Bonaparte dereinst im Felde bei Waterloo zu tragen pflegte, gemäß den dann geltenden grammatikalischen Regeln, wesentlich dreieckiger, als die eher sphärischen Stahlhelme der Waffen-SS.

    Man könnte zu Klärung dieses vertrackten Sachverhaltes natürlich eine Expertise von Oskar Lafontaine einholen. Schließlich wurde er in seinen Zeiten als Ministerpräsident gerne auch als Napoleon von der Saar bezeichnet und zuweilen auch mit der erstgenannten Kopfbedeckung bei öffentlichen Anlässen gesehen. Und man könnte bezüglich der topographischen Ausformung besagter Stahlhelme der Waffen-SS ein Gutachten durch den ausgewiesenen Rechtsaussenexperten Björn Höcke erstellen lassen, selbstredend gedruckt auf braunem Recycling-Papier.

    Man könnte dann auch höchst genüsslich darüber streiten, ob für die Nachfolge von Horst Lorenz Seehofer…der mit den beiden fremd gepoppten Berliner Bälgern aus dem vorletzten Absatz…also ob für dessen Nachfolge auf dem Thron des Bayrischen Ministerpräsidenten, jemand eher markussöderer, oder doch eher ilseaignerer sein müsste, um dieses hohe Amt in Würde zu bekleiden.

    Aber gottlob haben die königstreuen Christsozialen, wie man weiß, diese schwere Entscheidung bereits auf ihrem Parteitag am 15. Dezember 2017 gefällt, als sie dem operierenden Thetanen des Opus Dei in Deutschland schon mal vorauseilend, will sagen: Vor der anstehenden Landtagswahl am 14. Oktober 2018, die Insignien der bajuwarischen Macht übergeben haben.


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    Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten…

    In deren Reihen gilt es aktuell zwar nicht, eine ministerpräsidiale Nachfolge zu regeln, denn diese Bürde haben ihnen die Wählerinnen und Wähler in NRW freundlicherweise höchst selbst von den Schultern genommen. Gleichwohl sehen sich die Genossinnen und Genossen mit der epochalen Aufgabe konfrontiert, ihren unbedingten Willen zur Übernahme von Verantwortung für das Land und zur Gestaltung…auch in einer so nicht wirklich erhofften Konstellation…kurzum: Da seine Merkwürden Martin Schulz der I. aus Würselen, der Brüsseler Spesen-Messias, der Mister 100%, am 24. September 2017 krachend auf die Fresse geflogen ist und die Verhandlungen für eine erste Jamaika-Koalition auf Bundesebene wesentlich lindnerer verliefen, als vom BDI erhofft, wird es nun voraussichtlich doch weitere vier Jahre sozialdemokratischer Verelendung in der GroKo 3.0 geben.

    Dabei werfen sich nun natürlich die allerallerwichtigsten Fragen wie von selbst auf, gegenüber denen die sattsam bekannten sozialdemokratischen Kernkompetenz-Kleinigkeiten wie Löhne, Rente, Gesundheit, Mieten und das ganze andere Gschwerl um den gesellschaftlichen Zusammenhalt eher zweit- bis drittrangig sind: Wer wird welches Amt bekleiden und welchen Ministersessel breitsitzen? Wer darf sich auf den fetten Weiden in Berlin seine Schatulle füllen und mit welchen Lobbyisten die Geschicke des Landes leiten…oder doch eher die Geschicke von einigen wenigen…das müssen die sozialdemokratischen Genossinnen und Genossen doch schließlich alles noch durchdenken, und darum sind sie nun wahrlich nicht zu beneiden

    Deshalb hält man es sich im Willy-Brandt-Haus klugerweise auch noch offen, ob man für die Gesundheitspolitik jemanden braucht, der lauterbacher ist, als Hermann Gröhe es je war. Oder ob ein sozialdemokratischer Finanzminister deutlich schäubliger sein müsse, als sein stets respektierter Vorgänger im Amte, die schwarze Null aus dem südbadischen Lahr. Dass man im Familienministerium zu Berlin unbedingt jemanden benötigt, der dieser schwierigen Verantwortung deutlich schwesiger Rechnung trägt, haben die Genossinnen und Genossen ja schon bemerkt und mit einer klugen Diäten-Rochade auch entsprechend reagiert.

    Der kategorischste Hyperlativ an der ganzen bundespolitischen Tragik, mit der sich die engagiertere deutsche Volksvertreterin und der engagiertere deutsche Volksvertreter jedweder politischeren Couleur tagtäglicher auf Neue konfrontierter sieht, ist die quälende Frage, ob die heutigere Entscheidung der alternativlosesten Bundeskanzlerin tatsächlich alternativloserer sein kann, als die absolut alternativlosere Entscheidung, die sie erst gestern als absolut alternativloser als alles andere bezeichnet hatte, was sie jemals als absolut alternativloser bezeichnet hatte, obwohl diese heutige absolut alternativlose Entscheidung im Grunde genommen völlig diametraler zu der gestrigen absoluteren Alternativlosigkeit war…

    Man kann sich nun trefflich über die Sinnhaftigkeit des letzten Absatzes streiten. Aber genau das ist es, was den Autor dieser Zeilen schier dem Wahnsinn anheimstellt: Was in drei Teufels Namen treibt meine Mitmenschinnen und Mitmenschen alle vier Jahre an, davon überzeugter denn je, zu sein…was rede ich: Überzeugterer denn je, zu sein, dass es zu Merkel und den anderen Hyperlative des Politbetriebes keine Alternativen gibt?

    Ich kann nur inständig hoffen, dass eine Tages ein aufgeweckter Krypto-Philologe in einem verstaubten Folianten des seligen Immanuel Kant entdeckt, dass es sich hierbei um den seit Äonen als verschollen geglaubten kategorischen Ultralativ handelt und mich und alle, die unter dieser Misere leiden, erlöst.

    Last but not least liegt es nun an den werteren aller werten Leserinnen und Lesern zu beurteilen, ob dieser Beitrag dreibeiniger ist, als es das Blog eigentlich erlaubt.

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