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Spott + Hohn

Der Esel geht so lange durchs Nadelöhr aufs Eis, bis ihn die Dekadenz in die Tiefe zieht!

Ein stilisiertes Paket von Amazon

Neulich habe ich ein Netzteil für einen Raspberry Pi bestellt. Leider funktionierte das Netzteil nicht.

Ich schrieb den Lieferanten (via AliExpress) an und bat um Ersatz. Kein Problem, meinte das Chinamädchen im Support des Herstellers. „Schneide einfach das Kabel an, mach ein Foto vom zerstörten Netzteil und wir sind Speicher von glücklich dich neu!
Also tat ich, wie geheißen, man weiß ja inzwischen, was die Fernöstlichen mit solchem Gestammel meinen. Kabel durchgeschnitten, Handyfoto gemacht und Bild nach China geschickt.

Ein neues Netzteil war 12 Tage später da und der Kaufbetrag wurde auch noch zurückerstattet. Solche Übererfüllungen sind die Folge restriktiver Bedingungen bei AliExpress und werden aus der Angst vor schlechten Bewertungen geboren.

Von Kywoo hatte ich vor geraumer Zeit einen defekten 3D-Drucker erhalten. Nach längerem Hin und Her war den Chinesen sogar das Zusenden einer Platine als Ersatzteil zu viel Arbeit. Eine Arbeit, die besonderen Aufwand erfordert hätte, einen Aufwand, den sie zu teuer fanden. Stattdessen schickten sie mir einfach einen neuen Drucker. Was ich mit dem bereits vorhandenen machen sollte: Behalten, wegschmeissen, egal!

Amazºn hat demnächst auch eine neue Rückgabestrategie. Sie zielt darauf ab, den Prozess für Kunden zu vereinfachen, indem diesen ermöglicht wird, eine Rückerstattung zu erhalten, ohne die gekauften Artikel zurückschicken zu müssen.
Dies gilt insbesondere für Artikel unter 20 Euro im Falle von Defekten, Schäden oder Unvollständigkeiten.
Kunden sollen regelrecht davon abgehalten werden, geringwertige und kleinpreisige Artikel zurückzusenden. Amazºn wird vom Retourenschrott entlastet und unverhältnismäßige Rücksendekosten, Verpackungen und Transporte vermieden.

Der Ansatz ist nicht völlig risikofrei für Amazºn, da der Erfolg davon abhängt, dass Kunden die Großzügigkeit nicht ausnutzen.
Wenn Kunden diese Richtlinie ausnutzen, könnte dies die Effektivität der Strategie beeinträchtigen.

Es ist ja heute schon so, dass es genügend Honkprotze da draußen gibt, die leere Verpackungen, Kartons mit gewichtsgleichem Vogelsand oder ähnlich aussehende Altprodukte an Amazºn retournieren, weil sie wissen, dass Produkte im Preissegment unter 75 Euro, so heißt es, gar nicht mehr kontrolliert, sondern gleich entsorgt werden. Ich habe auf TicToc sogar schon ein Video dazu gesehen, in dem jemand diesen Betrug, und darum handelt es sich, sozusagen als Geschäftsmodell propagiert.

Bis jetzt kann sich Amazºn nur dadurch vor solchen und künftigen Betrügereien schützen, indem der Kunde nicht schon zum Zeitpunkt der Bestellung weiß, ob im Falle einer Reklamation eine Rücksendung verlangt wird oder nicht, und weil der Kunde nicht weiß, ob dann das zurückgesendete Produkt überprüft wird.

Es ist eine Schande, dass Produkte im Wert von vielen Millionen Euro einfach entsorgt oder zum Tonnenpreis verramscht werden, weil es sich angesichts der niedrigen Preise vor allem für Elektronik nicht mehr lohnt, einen Artikel noch einmal in die Hände zu nehmen.
Und dabei handelt es sich nicht nur um geringwertige Produkte. Überhaupt alles, was hinterher nochmal Arbeit macht und Kosten verursacht, drückt den Gewinn und wird besser entsorgt, als noch einmal umsorgt.
Das können sperrige, schwere und vom Versandweg her aufwendige Güter sein, die einfach nur noch absolut ungeprüft einfach „in die Tonne getreten“ werden.

Und unter den Millionen von geschredderten Artikeln befinden sich massenweise vollkommen intakte Sachen, bei denen der Käufer nur zu blöd für die Bedienung war oder die er einfach nicht haben wollte.

Wahnsinnige 232,9 Milliarden US-Dollar Umsatz hat Amazºn 2018 weltweit eingefahren. Rechnet man das einmal auf kleinere Einheiten herunter, dann ergibt sich folgende Aufstellung (gerundet):

– Tagesumsatz: 638 Mio. USD
– stündlicher Umsatz: 26,5 Mio. USD
– Umsatz pro Minute: 443.000 USD
– Umsatz pro Sekunde: 7.400 USD

Und das sind eben auf die Schnell aus Google gezogene alte Zahlen. Inzwischen ist das alles viel, viel mehr…

Montag bis Samstag knüppel Tausende von unterbezahlten Zustellern die Waren zu den Kunden:

12 Millionen Pakete wurden 2018 durchschnittlich pro Tag ausgeliefert. Heruntergebrochen ist das nicht minder beeindruckend:

– 3 Millionen Pakete pro Stunde (bei ca. 9 Stunden Arbeitszeit pro Tag)
– 22.000 Pakete pro Minute
– 370 Pakete pro Sekunde

Es ist klar, dass Amazºns Geschäft im Ausstoß von Paketen besteht, für die der Kunde bezahlt. Alles, was zurückläuft, ist kontraroduktiv, verursacht nur Kosten und muss minimiert werden.

Der Esel geht so lange durchs Nadelöhr aufs Eis, bis ihn die Dekadenz in die Tiefe zieht!

Bildquellen

  • amazon-paket: Peter Wilhelm

Spott + Hohn

Spott (Verb: spotten oder verspotten) ist ein Stilmittel der Kommunikation. Mit Spott macht man sich lustig über einen Menschen, eine bestimmte Gruppe oder deren tatsächliche oder vermeintliche Werte. Spott ist scherzhaft gemeint und dem Hohn ähnlich.
Der Hohn soll wehtun, Spott dagegen nicht immer.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 21. Februar 2024 | Peter Wilhelm 21. Februar 2024

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