Amazon gilt für viele Menschen als erste Anlaufstelle, wenn es um den Kauf von Haushaltsgeräten geht. Waschmaschine, Staubsauger, Geschirrspüler – alles scheint nur wenige Klicks entfernt. Umso größer ist die Verwunderung, wenn ausgerechnet Produkte eines der bekanntesten deutschen Hersteller dort plötzlich nicht mehr auftauchen.
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Wir benötigen derzeit keine neue Waschmaschine. Nachdem bei uns drei (!) AEG-Lavamat-Waschmaschinen innerhalb kürzester Zeit kaputtgegangen waren, haben wir eine MIELE gekauft.
Und zwar eine gute, gebrauchte von einem Waschmaschinendienst, der auf EBAY verkauft. Generalüberholt. Das Gerät war schon 8 oder 10 Jahre alt, aber der Händler, der die Maschine persönlich lieferte und anschloss, versicherte, dass sie wie neu sei und wir noch lange Freude daran haben würden.
Und das stimmt. Die MIELE-Waschmaschine tut das, was man MIELE-Waschmaschinen nachsagt: Sie läuft bei uns seit 20 Jahren einwandfrei.
Weil das aber bedeutet, dass die Maschine um die 30 Jahre auf dem Buckel haben müsste, habe ich heute mal vorsichtshalber nach einer neuen geschaut. Schuld war eine Fernsehwerbung, in der eine MIELE gezeigt wurde.
Da sieht man mal wieder, das Werbung doch funktioniert.
Aber ich bin bei Amazon nicht fündig geworden.
Denn wer derzeit bei Amazon nach Waschmaschinen oder anderen Großgeräten der Marke Miele sucht, wird in aller Regel nicht fündig. Das ist kein technischer Fehler und auch kein vorübergehender Lieferengpass – sondern das Ergebnis einer bewussten unternehmerischen Entscheidung.
Miele hat sich Anfang 2024 von Amazon zurückgezogen
Seit dem 1. Januar 2024 ist Amazon kein autorisierter Vertriebspartner für Miele-Produkte mehr. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber Fachmedien.
Miele setzt auf ein sogenanntes selektives Distributionssystem. In diesem System legt der Hersteller fest, über welche Händler und Plattformen seine Produkte verkauft werden dürfen und welche Qualitätsanforderungen dabei einzuhalten sind.
Amazon gehört seit Jahresbeginn 2024 nicht mehr zum autorisierten MIELE-Vertriebskreis.
Die Folge: Waschmaschinen, Trockner, Geschirrspüler, Staubsauger und viele weitere Miele-Produkte verschwinden systematisch aus dem Amazon-Sortiment.
Was bedeutet „selektives Vertriebssystem“?
Bei einem selektiven Vertriebssystem wählt der Hersteller seine Verkaufspartner gezielt aus. Kriterien können unter anderem sein:
- Fachliche Beratungskompetenz
- Präsentation der Produkte
- Servicequalität
- Installation und Kundendienst
- Garantieabwicklung
Der Hersteller möchte damit sicherstellen, dass seine Produkte nicht lediglich als anonyme Massenware angeboten werden, sondern in einem Umfeld verkauft werden, das dem eigenen Qualitätsanspruch entspricht.
Miele betont in diesem Zusammenhang, dass konkrete Anforderungen an die Vermarktung und den Verkauf seiner Produkte gestellt werden.
Ist ein solches Verkaufsverbot rechtlich erlaubt?
Grundsätzlich ja – unter bestimmten Voraussetzungen.
Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs dürfen Hersteller den Verkauf über große Plattformen wie Amazon untersagen, wenn das Verbot objektiv begründet ist, einheitlich für alle autorisierten Händler gilt und der Schutz des Markenimages oder der Qualitätswahrnehmung das Ziel ist.
Ob diese Voraussetzungen im Einzelfall vollständig erfüllt sind, kann juristisch geprüft werden. Betroffene Händler haben grundsätzlich die Möglichkeit, solche Beschränkungen rechtlich überprüfen zu lassen.
Warum tauchen vereinzelt trotzdem Miele-Angebote auf?
Gelegentlich finden sich bei Amazon noch einzelne Angebote zu Miele-Zubehör oder Ersatzteilen. Häufig handelt es sich dabei um nicht autorisierte Händler, Reimporte aus dem Ausland oder verbotene Angebote ohne Genehmigung des Herstellers.
Miele geht nach eigenen Angaben aktiv gegen solche Angebote vor und lässt sie in vielen Fällen entfernen oder abmahnen.
Für Verbraucher bedeutet das: Selbst wenn ein Angebot auftaucht, ist es nicht automatisch ein offiziell autorisierter Verkauf mit vollem Herstellersupport.
Die Gründe für Mieles Entscheidung
Miele verfolgt mit dem Rückzug von Amazon mehrere Ziele. Es geht um die stärkere Kontrolle über das Markenimage. Miele positioniert sich seit Jahrzehnten als Premiumhersteller. Die Präsentation auf Massenplattformen passt aus Sicht des Unternehmens nicht immer zu diesem Anspruch. Große Haushaltsgeräte sind erklärungsbedürftig. Miele setzt stärker auf Fachhandel und autorisierte Partner, die Beratung, Lieferung, Anschluss und Service aus einer Hand anbieten. Plattformen wie Amazon fördern aggressive Preiskämpfe. Miele möchte Preisniveau und Servicequalität stabil halten. Dabei setzt MIELE auf eine konsequente Durchsetzung des Vertriebssystems: Händler, die weiterhin über Amazon verkaufen, müssen mit rechtlichen Schritten rechnen.
MIELE geht es darum, dass niedergelassene Händler, die eine umfassende Beratung, Service und einen Liefer- und Anschlussservice bieten, für ihre gute Leistung auch eine anständige Entlohnung erhalten.
Amazon-Händler könnten mit aggressiven Angebotspreisen diesen Händlern das Wasser abgraben, ohne entsprechende Leistungen bieten zu können.
Wo bekommt man Miele-Geräte stattdessen?
Miele-Produkte sind weiterhin problemlos erhältlich:
- im stationären Fachhandel
- bei großen Elektrofachmärkten
- im offiziellen Miele-Onlineshop
- bei autorisierten Online-Händlern
Dort erhalten Käufer in der Regel auch eine Herstellergarantie, die fachgerechte Lieferung mit optionalem Anschlussservice und die kompetente Beratung. Gerade die Beratung ist nicht durch eine Selbstrecherche im Netz oder durch Frage-Antwort-Portale zu bekommen.
Fazit
Dass es bei Amazon keine Miele-Waschmaschinen mehr gibt, ist kein Zufall und kein Lieferproblem. Miele hat sich bewusst dafür entschieden, Amazon nicht länger als Vertriebspartner zuzulassen.
Für Käufer bedeutet das: Wer ein Miele-Gerät möchte, muss sich an den Fachhandel oder autorisierte Händler wenden – bekommt dort im Gegenzug aber meist auch bessere Beratung, klar geregelten Service und volle Herstellergarantie.
Im Übrigen findet man auch auf ebay nur noch ganz vereinzelt neue Miele-Waschmaschinen.
Bildquellen:
- waschmaschine2026_800x500: Peter Wilhelm ki


















Sehr gute Entscheidung von Miele, das große A ist sowieso viel zu mächtig und gleichzeitig für Hersteller, Händler UND Kunden mit immer mehr Nachteilen verbunden. Da dürfen andere Hersteller gerne nachziehen.
So denke ich auch. Ich hatte ein gutes Gefühl beim Schreiben dieses Artikels. Ich denke, dass Miele – auch wenn man da mittlerweile das eine oder andere hört – immer noch DER Top-Hersteller ist.
Qualität hat ihren Preis und den verlangt Miele. Wenn sich das Unternehmen nun dafür einsetzt, dass diese hochwertigen Produkte auch nur über hochwertige Händler vertrieben werden, finde ich das konsequent.
Amazon sollte es trotzdem weiterhin geben. Aber das ist ein anderes Thema.
Amazon gehört dringend eingehegt, sonst haben wir irgendwann eine fade und teure Monokultur des Onlinehandels. Deren Geschäftspraktiken sind schon lange nicht mehr im Sinne des Kunden, das merkt nur leider kaum jemand.
Es ist, so fürchte ich, bereits zu spät.
Der Online-Handel hat insgesamt die örtlichen Fachhändler kaputtgemacht.
Amazon hat seine Chance erkannt und sich vom Buchhändler zum weltweiten „Über-Nacht-Logistiker“ entwickelt.
Die Leute bekommen doch heute schon Nervenzusammenbrüche, wenn ein anderer Händler 4 Tage zum Liefern benötigt.
Ich erinnere mich an eine Autoantenne, die damals bei Conrad mal 6 Wochen gedauert hat. Ich bestelle hin und wieder bei Pearl und die benötigen auch oft über eine Woche.
Wir werden durch Amazon sehr verwöhnt und vergessen dabei, dass das alles ja irgendwas kostet. Das führt dazu, dass Hersteller unter Preis verkaufen müssen, Leute ausgebeutet werden und wir mittlerweile mit Chinascheiß in Hülle und Fülle überflutet werden.
… wo aber merkwürdigerweise Lieferzeiten von 2-4 Wochen dann plötzlich kein Problem mehr sind
Aber es ist beruhigend, dass ich immer wieder doch Händler finde, die mich was Kaufabwicklung, Schnelligkeit und auch auch den Preis angeht sehr angenehm überraschen. Muss man halt nur suchen und finden. Voelkner ist so ein Beispiel, das gehört ja irgendwie zu Conrad, ist aber in vielem günstiger. Wers noch billiger haben will, schaut bei Pollin rein. Für Werkzeug/Elektronik braucht man eigentlich kein böses A. Und wer mal eben ein Kabel braucht, schaut bei eBay rein. Hier ist die Plattform noch die Plattform und der Händler noch der Händler.
Ach Ebay…
Was hab ich das geliebt! Ich habe hunderte Sachen dort verkauft und gekauft.
Doch dann verkam der schöne Flohmarkt zu einer Händlerplattform.
Ich bin bei Ebay so lange dabei, da hieß das noch gar nicht Ebay.
Aber mittlerweile ist da so ein Durcheinander. Und alles, was ich wirklich gerne günstig kaufen würde, ist nur zur Selbstabholung irgendwo in der Ostzone.
Außerdem sehe ich inzwischen eine Preiskopplung an Amazon. Beispiel: Ich habe dort immer quasi im Werksverkauf Waschpulver gekauft. Weil wir Platz zum Lagern haben, immer gleich 60 Kilo. Zu einem unschlagbaren Preis. Der war so günstig, dass ich dem Paketboten immer einen Sack Waschpulver fürs Schleppen schenken konnte.
Dann kam Amazon. Der Händler bietet also nun auch auf A. an. Dort muss er hohe Abgaben an A. zahlen, was das Waschpulver verteuert. Nun hat er den Preis auf seiner Webseite und auf Ebay an den höheren Amazon-Preis angeglichen.
Und so ist es bei vielen Sachen.
Ansonsten gucke ich IMMER, ob es die Sachen anderswo auch gibt, bevor ich bei Amazon bestelle.
Das ist ja das Problem: Amazon hat zumindest früher mal seine Händler dazu verpflichtet, deren Produkte nirgendwo anders günstiger als bei Amazon anzubieten. Sonst fliegen die raus bzw. deren Angebote wandern weit nach hinten wo sie keinen Umsatz mehr generieren. Irgendwie hintenrum ist das mit Sicherheit auch heute noch so. Was ist die Folge? Durch die hohen Plattformkosten wird der Preis bei A nicht auf das günstigere Niveau von z.B. eBay gesenkt sondern umgekehrt! Durch die pure Marktmacht von Amazon können es sich die meisten Händler nicht leisten, dort in der Angebotsliste ganz hinten zu stehen.
Umgekehrt, zu erfolgreich ist auch doof, dann verkauft nämlich Amazon selbst die Produkte und wenn alle anderen Händler aufgegeben haben, wird selbstredend auch der Preis angezogen. Das ist dann der Unterschied zu eBay, die verkaufen nicht selbst, da sind alle Händler gleich und es gibt eben gerade keinen Plattformbetreiber, der noch etwas gleicher ist.
Leider kapiert das fast niemand und so sind die Billigheimerzeiten schon lange vorbei und keiner hats gemerkt. Viele zahlen ja sogar noch freiwillig eine erkleckliche Summe jeden Monat, um ein „besserer“ Kunde bei Amazon sein zu dürfen. Ehrlich, der Jeff kommt doch vor Lachen nicht mehr in den Schlaf.
Und ja, es gibt 95% der Artikel auch woanders (Galaxus ist z.B. auch so ein Tipp, hab nur gute Erfahrungen mit denen gemacht), niemand ist gezwungen sein Geld dem Monopolisten in den Rachen zu werfen. Und es braucht dringend mehr Mieles und mehr Kunden, die vorher 30 Sekunden nachdenken bevor sie klicken.