Bülent Ceylan

Da komme ich gestern Abend mit der Allerliebsten in mein Lieblingsrestaurant und wir steuern auf unseren üblichen Stammplatz zu, da sehe ich am Nachbartisch den deutsch-türkischen Komiker Bülent Ceylan mit seiner Familie. Als Schriftsteller bin ich zwar bei weitem nicht so bekannt wie Bülent, den man ja auch aus dem Fernsehen kennt, aber immerhin kommt es hin und wieder vor, daß auch ich von Freunden meiner Kunst angesprochen werde.

So stellte sich mir die Frage, wie ich mich am besten verhalte. Einfach hinsetzen oder doch hingehen und Hallo sagen?

Nein, sowas macht man nicht. Der will bestimmt alleine sein und mag gar nicht erkannt oder angesprochen werden, denke ich mir, sage nur ‚Hi‘ und wir setzen uns.

Von da an ging aber ein gegenseitiges Belauern los. Ständig wanderten seine Augen zu mir und auch ich mußte immer wieder zu Bülent schauen. Bloß keine falsche Bewegung machen, nichts umwerfen und keine komischen Sachen sagen, sonst verwendet der das in seinem nächsten Bühnenprogramm, wer weiß?

Etwas Ähnliches muß aber auch Bülent gedacht haben. Wenn er sich jetzt in irgendeiner Weise auffällig benehmen würde, müßte er damit rechnen, daß ich in einem meiner Bücher oder meiner regelmäßigen Kolumne etwas über ihn schreibe.

An großen bohemienen Genuß war von da an nicht mehr zu denken. Bloß nicht wegschauen, den anderen nicht aus den Augen lassen! Wenig später schon stand mir Schweiß auf der Stirn. Man glaubt gar nicht, wie anstrengend es ist, sich komplett unter Kontrolle zu halten. Schon ein kleines Kleckern mit der Soße würde Bülent schon nächste Woche in einen publikumswirksamen Brüller umsetzen.
Mit Genugtuung sah ich, wie auch er sich immer wieder Schweißperlen von der Stirn wischte. Doch jede seiner Bewegungen war konzentriert und einwandfrei.


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Ha! Da wirft seine Frau ihren Eisbecher um! Ha! Das werde ich in einer meiner Geschichten ausschlachten, gnadenlos! Ich bin der Sieger!

Bülent, Dich kriege ich!


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