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Lebensmittel-Skandale

Lebensmittel-Skandale

Es ist nur eine Frage der Zeit bis wieder ein neuer Lebensmittelskandal als Sau der Woche durchs Dorf getrieben wird.
Da lösten in der Vergangenheit Bio-Ei-Skandale und Pferdefleischskandale sich mit Gammelfleisch und Zuchtlachsen fröhlich ab, aber eben nur so lange, bis wieder einmal Zucker und Fett in Nutella entdeckt werden. Skandal!

Dabei sagt jeder Lebensmittelexperte seit Jahren, daß es überhaupt nicht so viele Bio-Eier geben kann, wie im Handel angeboten werden.
Das ist so ähnlich wie bei den Himbeeren. Da wird weltweit eine so große Menge an Himbeerjoghurt, Himbeerquark und anderen Produkten mit Himbeergeschmack verkauft, daß jeder Experte weiß, daß die weltweite Ernte an den doch recht teuren Himbeeren für diesen Zweck gar nicht ausreicht.
Man hilft sich also, in dem man den Joghurt mit Rote-Beete-Saft auf himbeerrot trimmt, „naturidentische“ bis künstliche Aromen dazu mixt und aus Baumrinde macht man kleine Späne, die sich um Mund anfühlen, wie kleine Himbeerkerne.

Und wie geht das bei Bio-Eiern?
Sitzen da Studenten der Sozialpädagogik und fertig studierte Betriebswirte an langen Fließbändern und bepinseln ganz normale Legebatterie-Eier mit kleinen Streifen aus synthetischer Hühnerkacke und auf jedes siebte Ei kleben sie eine klitzekleine Daune?
Ach wie süß, an dem Ei ist ja noch ein Federchen, das muß ja quasi direkt aus dem handgeklöppelten Nest eines glücklichen Huhns kommen!

Leute, wer für 19 Cent eine sechs Kilo schwere TK-Lasagne kauft, der darf sich doch nicht wundern, wenn da Pferd drin ist.
Wer für 199 Euro einen Flachbildfernseher kaufen will, der darf das Maul nicht aufmachen, wenn dafür in China Wanderarbeiter für 20 Cent am Tag in riesigen Fabriken schuften müssen und wer Klamotten, beispielsweise T-Shirts für 1,99 bei k*k kaufen will, der nimmt in Kauf, daß in Pakistan Kinder in dunklen Hinterhöfen in tausenden von schmutzigen Fabriken für eine Handvoll Reis arbeiten müssen.

Lebensmittel-SkandaleLebensmittel-Skandale

Jetzt gibt es eben immer mehr bio. Toll! Die Zeiten in denen „bio“ gleichzusetzen war mit verschrumpeltem Mini-Gemüse und wurmstichigem Obst, die sind vorbei. Heute sind die biologisch angebauten Produkte ebenso marktfähig wie die chemisch gepimpte Ware.
Aber um bio zu sein, reicht es nicht mehr, wie zu Zeiten von Baldur Springmann, sich eine handgedrechselte Wollhose anzuziehen und in Jesuslatschen herum zu laufen, sondern man muß seinen Betrieb zertifizieren lassen, ein Heidengeld für Bio-Siegel und Lizenzen ausgeben und permanente Kontrollen auf Einhaltung der Bio-Normen über sich ergehen lassen.

Das kostet heute richtig Geld. Es langt nicht mehr, einfach nur noch selbstgekackte Gülle auf den Kohl zu kippen und Chemie zu verteufeln, sondern man muß heutzutage richtig viel Geld bezahlen und richtig viel in seinen Betrieb investieren, um bio zu sein.

Ja und wenn man eh schon so viel Geld ausgegeben hat und tolle Bio-Eier produziert, warum dann nicht noch flugs mal eben 100.000 aus der Kloake weniger komfortabel gehaltener Hühner ausgeschissene Eier zu Bio-Eiern umlabeln?
Reingucken kann doch sowieso keiner. Alleine die Verpackung und der aufs Ei gedrückte Stempel machen aus allen Eiern Bio-Eier.

Geiz ist geil! Das stimmt sogar. Geiz ist dann geil, wenn man sich selbst gegenüber mal wieder ein bißchen geizig wird und auf so einiges verzichtet, von dem man weiß, daß es der Gesundheit, der Umwelt und dem Geldbeutel weh tun könnte.
Aber das wäre ja unter Umständen mit einem gewissen Verzicht verbunden.
Und wer will schon weniger haben als sein Nächster?
Wir leben in einer egomanischen Welt in der der Respekt nichts mehr zählt, der Respekt vor dem Nächsten, der Respekt vor der Qualität und der Respekt vor der Umwelt.

Wenn man sich nicht jedes Jahr einen neuen Flachbildschirm aus „So muß Technik“ und „Ich bin doch nicht blöd“ kauft, dann kann man sich jede Woche feinstes Bio-Rindfleisch leisten und muß nicht die aus Pferdefleisch zusammengestampfte Pampe für 1,99 fressen.
Und wenn man seinen Arsch in Bewegung setzt und sich in den Buchladen an der Ecke begibt und nicht alles bei Amazon bestellt, dann müssen dort auch nicht aus ganz Europa zusammengekarrte Leiharbeiter unter merkwürdigen Bedingungen arbeiten.

Es ist nicht die Industrie, es sind nicht die Hersteller die uns bescheißen.
Wir bescheißen uns selbst. Wir bescheißen uns, weil wir glauben, daß Geiz dann geil ist, wenn wir für vermeintlich Hochwertiges so gut wie nichts mehr bezahlen müssen!

Ich bin selbst oft genug darauf reingefallen, ich bin nicht frei von diesem Hedonismus, der unsere Welt antreibt.
Aber man muß erkennen können, um dann daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen!

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs mit Bio-Eiern Tagesschau
Bio-Eier Aigner befürchtet großangelegten Betrug tagesschau.de
Schweizer Pasta kann falsche deutsche Bio-Eier enthalten Tages-Anzeiger Online

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peter wilhelm autorenlesung
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  1. Olli
    Olli 26 Februar, 2013, 11:03

    Grundsaetzlich gebe ich Dir ja recht, es gibt genug Grund, sich aufzuregen – oder eben nicht.
    Dass aber alles nur mit dem Preis zusammenhaengt, ist ein grober trugschluss.
    Der Bio-Ei-Skandal ist doch das beste Beispiel dafuer, dass mehr Geld nicht automatisch mehr Qualitaet kauft. Bei vielen reicht dafuer schon ein huebsches Logo mit laendlichem Idyll abgebildet

    Und grundsaetzlich gilt: es ist vollkommen egal, wie viel ein Produkt kostet. Der Hersteller (und als kontrollierende und gesetzgebende Instanz der Staat) muss das liefern, dass er in der Werbung und auf der Verpackung/dem Produkt anpreist. Lass Dir als Verbraucher nicht die Schuld dafuer aufhalsen.

    Das entschuldigt weder falsch deklarierte Eier noch Pferde in Rinderlasagne. Es ist Lug und Betrug; auch dann, wenn das Produkt verschenkt wird!

    Antwort auf diesen Kommentar
    • Peter Wilhelm
      Peter Wilhelm Autor 26 Februar, 2013, 11:34

      Im Prinzip hast Du Recht. Nichts schützt letztendlich vor kriminellen Roßtäuschern.

      Aber: Wenn die Produzenten einen anständigen Preis mit ihrer Ware erzielen, ist der Anreiz für die Täuschung geringer.

      Wenn die Discounter den Milchbauern einen Hungerlohn für ihre Milch bezahlen, dann muß man sich nicht wundern, wenn irgendwann nur noch weißes Wasser in der Packung ist.

      Und natürlich will auch ich das was auf der Packung angepriesen wird.
      Da sind wir völlig einer Meinung.

      Aber immer nur billig, billig, billiger, das kann nicht zu mehr Qualität und Ehrlichkeit führen.

      Antwort auf diesen Kommentar
  2. Peter Grohmüller
    Peter Grohmüller 10 Februar, 2015, 18:11

    Nichts wird doch so wenig wertgeschätzt, wie unser „täglich Brot“. In den 60er Jahren gab die Durchschnittsfamilie noch 30% des verfügbaren Einkommens für Nahrung aus, heute sind es ca. 15%, Tendenz fallend. Es gibt hierbei weder nur schwarz, noch nur weiß, eher eine fatale Rückkopplung, eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale. Erst durch die großen Discounter und deren rücksichtsloses Pressing der Hersteller rutschten die Lebensmittelpreise auf das heutige Niveau. Das schafft freie Recourcen für allerlei unnötigen Nippes.

    Damit LIDL, ALDI & Co auch weiterhin das frische Hähnchenbrustfilet für 1,99 € das Kilo realisieren zu können, müssen immer mehr dieser Turbohühner in immer größeren Ställen immer schneller schlachtreif werden. Das geht nicht ohne Chemie. Der neuste Trend im Massen-Hühnerstall ist deshalb der Einsatz von Ausweich-Antibiotika, die – eigentlich – nur als letzte Waffe gegen multiresistente Keime wie MRSA in Krankenhäusern eingesetzt werden dürfen. Mahlzeit.

    Antwort auf diesen Kommentar
  3. Barney
    Barney 11 Februar, 2015, 16:58

    Wenn jeder mal die Grundlagen der Betriebswirtschaft anwenden würde, könnte sich jeder an den fünf Finger abzählen, dass es eine Qualitäts-Lasagne mit Rinderfleisch von glücklichen Kühen für 1,99 € gar nicht geben kann…

    Tot ziens

    Antwort auf diesen Kommentar

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