Spitze Feder

Auf der Zielgeraden

Blitzer

Nachdem im allerbesten Deutschland aller Zeiten die Gasspeicher proppenvoll sind,

…und nachdem der Großhandelspreis für eine Megawattstunde an der Gasbörse TTF in Rotterdam von 142 € im Dezember 2022 um satte 100 € auf jetzt 42 €, geradezu eingebrochen ist, nachdem den US-amerikanischen Fracking-Honks deshalb schon der Arsch auf Grundeis geht, nachdem Polen mit der Lieferung von rheumatisch ächzenden MiG-29 an die Ukraine und im Gegenzug mit einem Importstop für Getreide aus der Ukraine, sämtlichen EU-Traumtänzerinnen und Traumtänzern gezeigt hat, wie Realpolitik geht, nachdem der Söder Markus auf die Einstufung bayrischer Atome als föderales UNESCO-Weltkultur-Dingsbums, oder so ähnlich, pocht…

Kurzum: Seit die medialen Dauerbrenner massiv an Aktualität eingebüßt haben, und Micheline und Michel bei den Breaking News aus Kiew nur noch gelangweilt weiterzappen, ließ der Hofreiter Tony einfach mal wieder die Stalltür offen stehen, um seinen Grünen ordentlich Gehör zu verschaffen. Um das Ganze auch nachhaltig zu gestalten, treiben die veganen Säbelrassler zum wiederholten Male die Cannabis-Sau durchs Dorf. Diesmal jedoch nicht roséwangig, im verzagten Konjunktiv, sondern mit knallharten Zahlen, und die Userinnen und User, sehen ihr verstrahltes Hobby schon freudig auf der Zielgeraden.

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Demnach sollen 25 Gramm getrocknete Cannabis-Blüten und drei Pflanzen, auf dem heimischen Balkon in probiotischer Özdemir-Kultur, wahlweise auch neben dem Bio-Mangold-Beet bei Vollmond rechtsdrehend in der Erde gezogen, als Eigenbedarf gelten. Sofern ich den zuständigen Bundesgesundheitsminister, trotz seines legendären Nuschelns, richtig verstanden habe, sollen diese 25 Gramm Cannabis-Blüten als straffreier Tagesbedarf gelten…analog zu 25 Maß Weißbier und einer Flasche Enzian in Bayern.

Ich habe null Ahnung, ob diese Mengenangaben mittels eines streng wissenschaftlich zertifizierten Selbstversuchs der Ethikkommission zustande gekommen sind, oder ob deren Vorsitzende, Prof. Dr. med. Dr. phil. Eva Winkler und Prof. Dr. Karl Lauterbach in einer nächtlichen Krisensitzung im Bundeskanzleramt, alleine sämtlich Platten von Bob Marley und Linton Kwesi Johnson rauf und runtergehört haben und nach cremig fetten Wasserpfeifen, albern kichernd und wie von Sinnen Unmengen an Süßigkeiten in sich hineinstopfend, zu der Erkenntnis gelangten, dass besagte 25 Gramm als straffreier Tagesbedarf für den durchschnittlichen Gebrauch angemessen seien.

So richtig happy können die Userinnen und User damit allerdings nicht sein. Auch hier sollte nämlich gelten: Gründlichkeit vor Schnelligkeit! Denn das Gesetzesvorhaben mit diesen asketischen Mengen, verspricht schon jetzt, bei den roten Roben in Karlsruhe zu landen. Bei ärmlichen 25 Gramm Ganja pro Tag, werden sich austrainierte Rastafaris nämlich zu Recht fragen, was sie denn Bitteschön dann nachmittags rauchen sollen und auf die freie Ausübung ihrer Religion gemäß Art. 4 GG pochen.

Müssen am Ende die Richterinnen und Richter am Bundesverfassungsgericht in der mündlichen Hauptverhandlung dann womöglich Perücken mit Dreadlocks tragen? Grundgütiger Himmel, möge dieser Maßkrug an uns vorübergehen! Das riefe nämlich Stande Pede die ultra-woke Kulturstaatsministerin, Claudia Immimi Roth, auf den Plan, die, mit einer qualmenden Tüte Demeter-Gras wild umherfuchtelnd, dem ehrenwerten Gremium kulturelle Aneignung entgegenschreien würde.

Das ist aber bei weitem noch nicht alles! Man stelle sich vor, die sanften Gärtnerinnen und Gärtner der Home-Grower-Community springen über ihren Bio-Schatten und bestellten sich über das Darknet drei High-End-Hybrid-Hardcore-Gen-Samen und ernteten dann im Oktober zwei fette Kilo Gras an Trockenmasse. Entspräche diese Ernte dann einem Eigenbedarf für 80 Tage, und dürfte man die zuhause straffrei lagern? Hat der Bundesgesundheitsminister, nach der nächtlichen Krisensitzung im Bundeskanzleramt noch leicht derangiert, gleich das RKI, die SAP und die Deutsche Telekom AG nuschelnd damit beauftragt, die Corona-App sofort upzudaten, damit die Hobby-Farmerinnen und Hobby-Farmer dort die ihre Erträge eingeben und dadurch die heikle Situation juristisch wasserdicht klären können?

Fragen über Fragen. Ich stelle fest, dass es auf der vermeintlichen Zielgeraden noch so Einiges an Schlaglöchern gibt, die man vor der Legalisierung, egalisieren sollte.

Bis es soweit ist, gehe ich wohl weiterhin zum Libanesen meines Vertrauens, decke mich mit etwas Illegalem ein und höre dann zuhause im stillen Kämmerlein, sämtlich Platten von Bob Marley und Linton Kwesi Johnson alleine rauf und runter. Halt! Nicht, dass ich es vergesse: Vorher muss ich natürlich noch zu LIDL…Süßigkeiten holen.


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Spitze Feder – Spitze Zunge

Diese Kolumne schreibt vorwiegend Peter Grohmüller seine Gedanken zur Welt und dem Geschehen unserer Zeit auf.
Seine fein geschliffenen „Ergüsse“ – wie er selbst sie nennt – erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hin und wieder erscheinen in dieser Kolumne auch Beiträge anderer Autoren, die dann jeweils entsprechend genannt werden.

Die Texte sind Satire, Kommentare und Kolumnen. Es handelt sich um persönliche, freie Meinungsäußerung.

Für die Texte ist der jeweilige Autor verantwortlich.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | Peter Grohmüller 21. April 2023

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