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Werkzeug 1

Werkzeug 1

Ich muß im Bad ein Eckventil abschrauben und meine Zange ist nicht da.

MEINE ZANGE IST NICHT DA!

„Frau, wo ist meine Zange?“

„Das weiß ICH doch nicht!“

„Meine Zange war immer hier im Werkzeugkasten“, keuche ich unter dem Waschbecken hervor, „die war noch nie woanders und wenn sie jetzt nicht mehr da ist, muß sie jemand weggenommen haben.“

„Ich war das nicht.“

Werkzeug 1Werkzeug 1

„Mir ist es egal, ob die Kinder das waren oder du.“

Sie kommt herbeigestapft, scharrt ein wenig im Werkzeugkasten herum und sagt: „Da ist sie doch!“
Spricht’s und gibt mir eine Spitzzange.

„Nein, ich brauche die Rohrzange.“

„Ist das denn keine Rohrzange?“

„Nein, das ist eine Spitzzange.“

„Und mit der geht das nicht?“

„Nein.“

„Dann kann ich dir auch nicht helfen.“

Auch eine anschließend im Familienkreis durchgeführte peinliche Befragung nach altspanischer Art führt zu keinem greifbaren Ergebnis. Die ziemlich neue und ziemlich teure verstellbare Rohrzange bleibt verschwunden.

So bleibt mir, es ist Wochenende, nichts anderes übrig, als zu Schwager Nobbi zu fahren, und ihn leihweise um seine Rohrzange zu bitten.
Nobbi ist sehr empfindlich, was das Ausleihen von Werkzeugen anbetrifft und lässt sich nur unter der Bedingung zum Ausleihen seiner Zange bewegen, daß ich unter Eid versichere, ihm unverzüglich Schadenersatz zu leisten, sollte seine „wertvolle und robuste Profizange“ kaputt gehen. Weil gerade keine Bibel und kein Grundgesetz greifbar sind, leiste ich den Schwur auf einem Hornbach-Katalog und dann holt Nobbi seinen Werkzeugkasten. Die angebliche Profizange entpuppt sich als billigste Baumarktzange, die kaum mehr als 4 Euro gekostet haben dürfte.

Und genau so stellt sich die Zange auch angesichts meines festgefressenen Eckventils an. Sie verweigert ihren Dienst, indem sich ihre Griffe verbiegen und die Zähne der Zangenbacken unverzüglich ausbrechen. Mist!

„Da wirst du Nobbi wohl eine neue Zange kaufen müssen“, unkt die Allerliebste und kann ihre Schadenfreude nur unvollkommen verbergen. Sie hat aber Recht und das Hauptproblem ist, daß ich Nobbi exakt so eine Zange werde kaufen müssen. Er soll nämlich nicht merken, daß ich sein 4-Euro-Teil geschrottet habe, er würde mir dann -trotz Ersatz- nie wieder etwas leihen.

Die Ernüchterung kommt am nächsten Tag im Baumarkt. Es gibt dort auf absehbare Zeit keine billigen 4-Euro-Zangen mehr. „Die kommen erst wieder im Januar“, meint der freundliche Verkäufer und zeigt mir stattdessen wirkliche Profizangen zu einem Stückpreis von 29,90.

Nunja, was soll ich machen? Meine Zange ist weg, Nobbis Zange ist Schrott, also kaufe ich zwei diese teuren Zangen. Damit fahre ich dann nach Hause und packe meine neue Zange aus. Die Allerliebste schaut sie sich kurz an und sagt dann: „Ach die meinst du! Warte mal, die habe ich hier im Kämmerchen gesehen, die habe ich mal gebraucht, um einen Nagel einzuklopfen.“

„Was hast du?“

„Einen Nagel eingeklopft.“

„Mit einer Zange?“

„Ja, womit denn sonst?“

„Mit einem Hammer?“

„Stimmt, hätte man auch nehmen können, es ging aber auch mit der Zange.“

„Weiber!!!“

Wenig später bin ich bei Nobbi und überreiche ihm seine 29,90-Zange. Wortlos holt er seinen Werkzeugkasten und siehe da, in dem Kasten liegt bereits eine solche Profizange. Ich sage: „Aber du hast doch gesagt, daß du mir deine beste Profizange geben willst.“

„Das habe ich mir kurzfristig anders überlegt, denn ich hab‘ mir schon gedacht, daß du die kaputt machen würdest.“

Meine neue Profizange will er nicht und freut sich, daß er richtig entschieden und mir nur seine billige Ersatzzange gegeben hat.

Ist das ein Naturgesetz? Ich meine die Tatsache, daß kleine Töchter aus Kassenzetteln dünne Röhrchen drehen und die dann in kleine Röllchen zerschnipseln, und das ausgerechnet mit Kassenzetteln, die man für einen Umtausch dringend bräuchte?

Die Allerliebste findet das gar nicht schlimm: „Dann hast du jetzt eben eine Zange mehr, da kannst du dann eine zum herumzangen nehmen und die andere zum Hämmern, oder?“

Braucht jemand eine verstellbare Rohrzange, ich habe jetzt drei Profizangen und eine verbogene Billigzange.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!


peter wilhelm autorenlesung
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