Start Geschichten Nomen est omen
  • Nomen est omen

    Eigentlich sind meine Kinder ja Schweine. Nein, nein, nicht weil sie so unsauber sind oder gar so aussehen, nein, damit hat das nichts zu tun, aber sie sind die besten Allesfresser und Futterverwerter die man sich vorstellen kann. Immer hungrig und selbst Sachen die ein normaler Mensch nicht essen würde, werden zuverlässig vertilgt.

    Doch hin und wieder trübt die eine oder andere Speiseverwertung dieses Vertilgungsglück. So mag die Kleine (11) nicht gerne Rosenkohl, Broccoli, Leber, Hase, Nieren, Muscheln und Fisch. Nun mag einer sagen, daß das alles Sachen sind, die Kinder nun mal eben nicht gerne essen, aber mein etwas Größerer (14) frisst das alles mit Begeisterung. Auf seiner Liste der Verweigerung stehen Möhren, Erbsen, Milch und Sahne ganz oben.

    Nun habe ich aber neulich erst Rosenkohl gemacht, er schmeckt mir eben und erneut verzog die Kleine die Schnute und konnte die kleinen Knollen auf gar keinen Fall essen, ja sie drohte mir sogar damit, unverzüglich in den Teller zu göbeln, müsse sie auch nur eine davon essen. Ich erließ ihr den Rosenkohl und so behielt ich einiges davon übrig.

    Am Abend wanderte der Kohl dann mit etwas frischer Gemüsebrühe in den Mixer, etwas Salz und Pfeffer dazu, ein paar angebratene Schinkenwürfelchen und einen Viertelliter Sahne, dann in der heißen Masse einen halben Rahmcamembert auflösen. Man glaubt kaum, wie lecker so eine Käse-Rosenkohlrahmsuppe sein kann!

    Und während meine Allerliebste und ich die Suppe essen, gesellen sich die kleinen Vielfrasse dazu und wollen auch mal: Hmmmm, lecker! Was ist das denn?
    Ich sage nur: „Rahmsuppe!“


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    Hmmm, lecker!

    Seitdem heißen die Sachen bei uns einfach anders. Rosenkohl wird jetzt immer unter einer hellen Sauce verborgen und heißt jetzt „Kohlknospen“, Fisch heißt jetzt „Fischstäbchen ohne Drumherum“, sämtliche Innereien werden jetzt als „Delikatessfleisch“ bezeichnet und wenn ich am gebratenen Hasen zwei Beine wegmache, geht der bei den Kindern als „Springfasan“ durch.

    Geht doch! Alles also keine Frage des Geschmacks, sondern lediglich eine Frage der Einbildung.

    So, und jetzt gehe ich Kutteln, Pansen und Hirn zu „Delikatessfleisch“ veredeln.


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