Mundpropaganda

Mundpropaganda ist für viele ein ganz wichtiges wirtschaftliches Element. Wer etwas anbietet, sei es eine Ware, eine Dienstleistung, etwas Gastronomisches oder etwas Künstlerisches, der ist auf Kunden angewiesen. Wie schön ist es, wenn erfolgreich bediente Kunden so zufrieden sind, dass sie auch anderen davon erzählen.

In einem solchen Fall sprechen wir von Mundpropaganda.

Propaganda (von lateinisch propagare‚ „weiter ausbreiten“, „ausbreiten“, „verbreiten“)

Wenn also Kunden anderen Menschen lobend oder empfehlend von einem Anbieter sprechen, so ist das die klassische Mundpropaganda. Heute im 21. Jahrhundert gehören Empfehlungen in den sozialen Medien im weitesten Sinne auch dazu. Wobei hier die Grenze etwas schwammig ist, denn das Hauptmerkmal der Mundpropaganda ist die persönliche Meinung. Die persönlich gemachte Erfahrung des Empfehlers hebt sie von der Werbung ab. In der Werbung werden Angebote per se positiv dargestellt. Auch der bräsigste und unfreundlichste Händler wird in einem Werbeprospekt freundlich lächeln.

Die sozialen Medien strotzen aber vor tausenden von vermeintlich persönlichen Empfehlungen, die in Wahrheit erfahrungslose und bezahlte Werbeaussagen ohne jegliche Substanz sind.

Das Besondere und für den die Mundpropaganda Empfangenden ist aber eben genau die persönliche Erfahrung des Empfehlenden. Sie ist es, die diese Empfehlung so wertvoll macht.

Trotzdem muss man bei Mundpropaganda auch vorsichtig sein. Denn abgesehen von der oben geschilderten Falle, dass es sich um eine bezahlte Werbemeinung im Tarngewand der mündlichen Empfehlung handeln kann, kommt noch der Entschuldigungsreflex zum Tragen. Hat jemand etwas Teures erworben oder in Anspruch genommen oder hat er gar mit einer teuren Erwerbung bzw. Dienstleistung schließlich doch Pech gehabt, so will er das manchmal vor anderen nicht wahrhaben. Er redet sich, quasi um sich vor sich selbst für diese Fehlinvestition zu entschulden/entschuldigen, die Anschaffung/Geldausgabe schön. Aus einer eigentlich notwendigen Warnung vor Produkt oder Leistung wird aus Scham eine Empfehlung, weil man es sich selbst und vor anderen nicht eingestehen will, für Mist Geld ausgegeben zu haben.

Mundpropaganda ist für den Kaufmann (und sonstige dadurch Bevorteilte) nur schwer zu messen. Wie groß die Werbereichweite dieser wichtigen Werbeform ist, kann kaum ermittelt werden. Kluge Kaufleute fragen daher möglichst jeden Kunden, wie er auf das entsprechende Angebot gestoßen ist. So bekommt man wenigstens grob eine Vorstellung davon, wie bedeutend die Mundpropaganda für den eigenen Betrieb ist.
Ebenso schwer ist es, die Aktion der Mundpropaganda zu steuern. Natürlich gibt es den Spruch:

Wenn Sie zufrieden sind, erzählen Sie es allen anderen; wenn Sie unzufrieden waren, erzählen Sie es mir

Aber, ob dieser Spruch funktioniert oder nur Wunschdenken bleibt, kann kaum beeinflusst werden. Ein probates Mittel sind Kundenwerbeaktionen. Hierbei erhält ein Bestandskunde eine Belohnung, wenn er einen neuen Kunden wirbt. Doch auch hier bleibt es fraglich, ob seine Empfehlung nun auf wirklichen positiven Erfahrungen oder auf dem Gewinnstreben beruht.

Was es jedoch nicht gibt, das ist die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Überall in den Medien verwenden Menschen diesen Begriff. Aber was soll das sein? Eine Werbebotschaft, die in Form eines französischen Kusses dem anderen in den Rachen gerülpst wird? Oder gleicht das mehr dem Hervorwürgen bei der Mund-zu-Mund-Fütterung von winzigen Vogelwelpen? Wie muss man sich das vorstellen?

Es gibt nur die Mundpropaganda, Punkt. Sie erfolgt von Mund zu Ohr und eben nicht von Mund zu Mund. Von Mund zu Mund erfolgt die Rettungsbeatmung.

Und trotzdem hält sich der falsche Begriff hartnäckig. Auch die FH Aachen erwähnt ihn in seinem Wirtschafts-Wiki:


Quelle: FH Aachen WirtschaftsWiki

Mir tut der Begriff „Mund zu Mund Propaganda“ in den Ohren weh und stört mein Sprachempfinden.

Wie geht es Dir dabei?

Bildquellen

  • mund-zu-Mund01: Screenshot
(©co-si)

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