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Anzeigenhauptmeister: Ich zeig‘ Euch alle an

Anzeigenhauptmeister

Er hat sich den selbsterfundenen Titel „Anzeigenhauptmeister“ verliehen und an seinem Fahrrad ein selbstgemaltes Schild mit der verballhornenden Aufschrift POLIZFI angebracht. Niclas M., der junge Mann, der tausende von Anzeigen geschrieben hat und schreibt.

Ein 18-jähriger junger Mann aus Sachsen-Anhalt hat ein ungewöhnliches Hobby. In seiner Freizeit zieht er sich einen gelben oder auch einen orangefarbenen Müllwerker-Warnanzug an und radelt auf seinem POLIZFI-Fahrrad durch deutsche Gemeinden, um Ordnungswidrigkeiten anzuzeigen.
Falschparker, Fahrzeuge mit abgelaufenem TÜV und andere Vergehen, nichts ist vor Niclas M. sicher. Er macht Beweisfotos und sendet die Anzeige gleich an Ort und Stelle über eine Melde-App drahtlos an das zuständige Ordnungsamt. Über 4.000 Anzeigen will er allein im vergangenen Jahr geschrieben haben. Zigtausende Euro seien durch seine Tätigkeit zum Wohle der Allgemeinheit eingenommen worden. Sein erklärtes Ziel: In jeder deutschen Stadt will er mindestens einen Verstoß anzeigen, um so ins Guinessbuch der Rekorde zu kommen.

Übrigens:

Der Bürgermeister des Wohnortes von Niclas M. gibt an, dass die meisten Anzeigen des selbsternannten Ordnungshüters ins Leere laufen und statt der von Niclas M. erhofften Einnahmen nur einen Mehraufwand für die Gemeinde bedeutet.

Jeder Jeck ist anders

Wer sein Leben darauf ausrichtet, anderen Menschen Schwierigkeiten zu bereiten, ohne dafür bestellt zu sein, der muss es sich gefallen lassen, von manchen als ganz armes Würstchen bezeichnet zu werden.
Dass es Menschen gibt, die von Berufs wegen so etwas machen, das muss so sein. Und dass es auch mal eine Situation geben kann, in der Privatleute zum Handy greifen und jemanden anzeigen, ist auch völlig klar.
Aber wenn ein junger Mann nichts Besseres zu tun hat, als sich mit einem Phantasietitel zu versehen und mit einem nachgemachten und abgewandelten Polizeischild durch die Gegend zu fahren, nur um anderen Menschen Probleme zu bereiten, das hat schon krankhafte Züge, wie viele meinen.

Die überwiegende Zahl junger Männer hat andere Interessen. Aber deshalb ist es noch nicht verwerflich, diese Interessen nicht zu teilen. Jeder Jeck ist anders.
Dieser junge Mann hier mag nicht mit anderen Leuten weggehen, er will bei den üblichen Freizeitaktivitäten nicht mitmachen (siehe verlinktes Interview unten). Sein Hobby ist das Aufschreiben von Ordnungswidrigkeiten.
Dabei ist Niclas M. weder der Erste, noch der Einzige, der so schräg unterwegs ist. Berichte vor allem über meldefreudige Rentner gab es schön häufiger im Fernsehen.

Ich will das Tun dieses Typs nicht schönreden. Mich persönlich kotzt Denunziantentum an. Vieles, was die Obrigkeit tut, wird von den Bürgern als Schikane empfunden und wenn dann ein Bürger den anderen Bürger eben dieser Obrigkeit durch Petzen ausliefert, ist er möglicherweise zwar im Recht, leistet aber der so empfundenen Schikane Vorschub.

Es als Hobby zu betrachten, besonders meldeeifrig zu sein, finde ich schon ziemlich schräg.

Der Umgang der Medien ist das Problem

Die Geschichte von Niclas M., dem selbsternannten „Anzeigenhauptmeister“, der durch seine ungewöhnliche Passion, Falschparker akribisch anzuzeigen, zu einer polarisierenden Figur im Internet wurde, wirft ein grelles Licht auf die Schattenseiten der modernen Mediengesellschaft. Seine Handlungen und der daraus resultierende mediale Wirbel sind ein Beleg dafür, wie schnell jemand durch soziale Medien und deren Nutzer zur Zielscheibe werden kann. Es ist beunruhigend, dass eine Person, deren einziges „Vergehen“ es ist, wohl nur ein armes Würstchen zu sein und auf die Einhaltung bestehender Regeln zu pochen, solchen Hass und solche Gewaltandrohungen erfahren muss.

Anzeigenhauptmeister

Jeder holt sich ein paar schnelle Klicks durch „Reaktionen“ auf den Anzeigenhauptmeister“

Eine besondere Verantwortung kommt jenen YouTubern zu, die sich in sogenannten Reaction-Videos nun hämisch mit der Angelegenheit befassen. Allein schon die Nennung des Begriffs „Anzeigenhauptmeister“ garantiert bei YouTube entsprechende Klickzahlen. Unter dem Deckmäntelchen, die rechtlichen Aspekte des Vorgehens des Niclas M. bewerten zu wollen, befasst sich sogar Christian Solmecke mit dem Fall. Und er tut es tatsächlich noch in einer Art und Weise, die man als fair bezeichnen kann. Anders sieht es schon aus, wenn sich da ein Mensch im Unterhemd kauenderweise mit Niclas M. befasst und mehrfach betont, der Typ solle aufpassen, weil ihm sonst Prügel o.ä. drohend könnten. Nein, da ruft niemand zur Gewalt auf, da droht auch in YouTube keiner mit Gewalt, aber sie wird latent immer wieder als mögliche Konsequenz erwähnt, ausgeübt von wem auch immer.

Angriff auf den Anzeigenhauptmeister

Am Wochenende 16./17. März 2024 wurde bekannt, dass Niclas M. von randalierenden Fussballrabauken ausgeraubt und angegriffen wurde.

Die Rolle der Medien und der Content-Ersteller in dieser Dynamik ist besonders kritisch zu betrachten. Die Entscheidung, Niclas M. und seine Tätigkeiten so detailliert und identifizierbar darzustellen, hat unweigerlich dazu geführt, dass er zur Zielscheibe wurde. Während einige das vielleicht als gerechte Konsequenz seiner Handlungen sehen mögen, müssen wir uns fragen, ob es wirklich im öffentlichen Interesse ist, Einzelne auf diese Weise bloßzustellen und zu stigmatisieren. Die Konsequenzen für das Individuum, in diesem Fall ein 18-jähriger Jugendlicher, können gravierend und langanhaltend sein.

Dieser Fall sollte uns auch dazu anhalten, über die Verantwortung der Social-Media-Plattformen und ihrer Nutzer nachzudenken. Die Kommentare und Drohungen, die unter den Beiträgen zu finden sind, spiegeln eine dunkle Seite der Anonymität und Entfremdung wider, die soziale Medien bieten können. Es ist besorgniserregend, dass solch aggressives und gewalttätiges Verhalten als akzeptable Form der Meinungsäußerung angesehen wird.

Zudem zeigt die Situation von Niclas M., wie wichtig es ist, dass Medien und Content-Ersteller die potenziellen Folgen ihrer Berichterstattung berücksichtigen. Sie tragen eine Verantwortung nicht nur für die Genauigkeit und Fairness ihrer Berichte, sondern auch für die Sicherheit der Personen, über die sie berichten. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft einen kritischen Blick darauf werfen, wie wir mit Menschen umgehen, die in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten, und wie wir eine Kultur fördern können, die Empathie und Verständnis über Sensationslust und Schadenfreude stellt.

Der Fall „Drachenlord“

Drachenlord: Ein Extremfall von Online-Harassment

Der Fall des YouTubers Drachenlord, eigentlich Rainer Winkler, steht exemplarisch für die dramatischen Konsequenzen, die eine Karriere als Internet-Meme nach sich ziehen kann. Bereits in seinen frühen Zwanzigern begann Winkler, ungewöhnliche Videos zu veröffentlichen, die rasch die Aufmerksamkeit von Online-Trollen erregten. Diese zogen über den korpulenten YouTuber her, indem sie ihn und seinen ausgeprägtem fränkischen Dialekt verspotteten. Die Auseinandersetzung zwischen Drachenlord und seinen Kritikern nahm schnell eine eigene Dynamik an und machte Winkler zu einem Ziel des Hasses.

Drachenlord

Wenn man selbst immer wieder die Öffentlichkeit sucht, kann es keine Ruhe geben….

Diese Belästigungen beschränkten sich jedoch nicht auf das Internet: Selbst heute, da Winkler 34 Jahre alt ist, wird er von seinen Gegnern unerbittlich verfolgt. Bei öffentlichen Auftritten versuchen Gegner regelmäßig, ihn zu provozieren. Besonders gravierend waren organisierte Treffen zu seinem ehemaligen Wohnhaus, bekannt als das „Schanzenfest“, wo hunderte Gegner zusammenkamen. Solches Verhalten wird oft als Reaktion auf Winklers umstrittene Äußerungen gerechtfertigt. Ein psychologisches Gutachten stellte später eine „verminderte Intelligenz“ bei ihm fest.

Die anhaltenden Belästigungen haben tiefe Spuren bei Winkler hinterlassen. Erst kürzlich kam es zu einer physischen Auseinandersetzung am Bahnhof in Jena. In der Nähe einer Pension bei Plauen musste die Polizei gegen Personen vorgehen, die es auf Winkler abgesehen hatten.

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Links:

Ein Video zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=lF7p0X5cGes
Interview mit dem Anzeigenhauptmeister: https://www.welt.de/…/Anzeigenhauptmeister-Ich-bin-eiskalt-…

Bildquellen

  • anzeigenhauptmeister1: Peter Wilhelm / YouTube-Screenshots
  • drachenlord-anzeigenhauptmeister: Peter Wilhelm
  • anzeigenhauptmeister: Peter Wilhelm

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Lesezeit ca.: 8 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 19. März 2024 | Peter Wilhelm 19. März 2024

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