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    frau ruckdäschl

    Wenn ich mir das so anschaue, könnte man meinem, wir wohnen in einer Siedlung von lauter Eichhörnchen. Man kennt das doch: Eichhörnchen rennen den ganzen Tag, um Futtervorräte für schlechte Zeiten anzulegen.

    Schon ab Montag vor Ostern war das schön zu beobachten:
    Die Frequenz mit der die Garagentore gegenüber geöffnet, die Autos hervorgeholt, die Tore wieder geschlossen und weggefahren wurde (bzw. alles wieder umgekehrt beim Zurückkommen) nahm in erschreckendem Maße zu.

    Eichhörnchen

    Die Rentner hier ringsum nehmen sich die samstags zugestellten Supermarkt-Prospekte übers Wochenende zur Brust und studieren sie ganz genau. …


    Dann kauft man bei LIDL die Wurst, bei ALDI die Konserven und bei PLUS den Kaffee. Frischgemüse holt man „im Ort“, dazu fährt man „ins Ort“ und nimmt auf diesem Weg aber keine Eier mit, die es auch „im Ort“ gibt.
    Für jede Besorgung fährt man extra los, kommt zwischendurch heim und lädt die drei oder vier gekauften Artikel aus, macht ein Nickerchen oder guckt Richterin Salesch. Dann fährt man wieder weg, um drei Becher Joghurt zu kaufen.

    So ging das von Montag bis Mittwoch. Am Donnerstag kam dann ein Großkampftag an der Einkaufsfront. Der Feiertag (Karfreitag) stand vor der Tür. Jetzt mußten alle Vorräte aufgefüllt, ja übererfüllt werden, weil man sonst diesen langen Freitag nicht überstehen würde.
    War da früher nicht sowieso mal Fasten angesagt?

    Der Freitag selbst war erstaunlich ruhig, nunja, die Alten mussten sich ja auch von den Anstrengungen der mannigfaltigen Besorgungen erholen.

    Doch diese Kombination von Karfreitag und den beiden Osterfeiertagen mit einem Werk-Samstag dazwischen hat es in sich!
    Der ruhige Karfreitag gibt einem nämlich noch einmal Muße, sich darüber bewußt zu werden, was noch alles fehlt und allmählich schien in unseren Nachbarn die Erkenntnis zu wachsen, daß es unmöglich sei, diese beiden Feiertage zu überleben, wenn man nicht den ganzen Samstag damit verbringt, noch die letzten lebenswichtigen Einkäufe zu erledigen.
    Alles was ich von Montag bis Donnerstag erlebt hatte, spielte sich komprimiert noch einmal an Samstag ab. Gut daß die Läden bis acht aufhaben!

    Natürlich treffen die Senioren hin und wieder aufeinander. Das was man am häufigsten hört, sind dann Sprüche wie zum Beispiel:

    „Wir brauchen ja nicht viel.“
    „Nur das Nötigste!“
    „Unsereins hat ja sowieso alles im Haus.“
    „Bei uns gibt es eh nichts Besonderes.“

    Ganz doll ist aber die Variante von Herrn Muschelknautz. Er uns seine Frau, die logischerweise Frau Muschelknautz heißt, waren vorderste Frontkämpfer an der Einkaufsfront. Sie sind von morgens bis abends, wie die Eichhörnchen, gerannt und haben eingekauft, was das Zeug hält. Hätte es einen Preis für einen Dauerbelastungstest von Garagentoren gegeben, sie hätten ihn gewonnen und zwar mit Auszeichnung.

    Nachdem die Muschelknautzens ungefähr geschätzte 35 Bruttoregistertonnen an Lebensmitteln in ihre Dreizimmerwohnung geschleppt hatten, hörte ich, wie Frau Muschelknautz zu unserer Frau Ruckdäschl sagte: „Wir müssen ja nicht viel einkaufen, wir fahren ja über Ostern weg!“


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