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  • Der Schrecken des Professor Mandelbaum

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    Mir ist das ja erst gar nicht aufgefallen, die Allerliebste hat es zuerst bemerkt: Herr Prof. Dr. Mandelbaum geht uns aus dem Weg.
    Der Musikprofessor aus dem Nachbahaus führt ein abgeschiedenes und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenes Leben. Wenn man sich sieht, grüßt man sich freundlich und seit ungefähr zwei Jahren lädt er uns immer wieder erneut auf ein Glas Wein und einen ganz persönlichen Vortrag über das Flötenspiel frühmittelalterlicher Schafhirten ein, macht seine Einladung aber nie wahr.

    halloween2009

    Das liegt in erster Linie daran, daß er jedes Mal, wenn er uns sieht, offenbar jemand ganz Neues kennenlernt. Es dauert irgendwie immer so an die 30 Sekunden, bis er begriffen hat, daß ihm da keine Außerirdischen winken, sondern daß es nur die Nachbarn sind die ihm Hallo zurufen. Professor Mandelbaum lebt in seiner eigenen Welt, fernab von dem, was Menschen so für gewöhnlich tun.

    Abgesehen von einigen Schrullen, die ich im Laufe der Zeit sicher noch zur Sprache bringen werde, ist er aber ein ganz liebenswürdiger und sehr kultivierter Herr.
    Warum ausgerechnet er uns seit einigen Wochen aus dem Weg geht, ist mir unerklärlich.

    Gestern treffe ich Professor Mandelbaum bei Anarchimos, dem Griechen drüben an der Ecke. Mir scheint, daß er uns gleich gesehen hat und dann die Zeitung, in der er las, gleich etwas höher nahm. Ganz offensichtlich will er mit uns nichts zu tun haben.

    In einem solchen Fall ist offensives Vorgehen das Allerbeste.

    „Guten Abend, Herr Professor“, begrüße ich ihn und halte ihm meine Hand hin, die er nicht ergreift. Er rückt ein ganzes Stück von mir ab und ich sehe, daß seine Unterlippe bebt. Ganz offensichtlich hat der gute Mann Angst vor mir. Vor mir!

    „Was ist denn los, Herr Professor, was haben Sie denn?“

    „Wegen der Geister!“

    „Was denn für Geister“, sage ich und bin davon überzeugt, daß er irgendeine seiner Hirnwindungen eingebüßt haben muss.

    „Die Geister in Ihrem Haus.“

    „Häh? Wissen Sie was, ich setze mich jetzt mal zu Ihnen und Sie erzählen mir, was Ihnen da solche Angst macht.“

    Stockend beginnt er mir zu erzählen, von langen schlaflosen Nächten, von Albträumen und Panikattacken…

    „Meine Güte, Herr Professor, das ist ja schrecklich, seit wann haben Sie das denn?“

    „Na, seit bei Ihnen im Haus diese Geister wohnen.“

    „In unserem Haus? Da wohnen doch keine Geister.“

    „Doch!“

    „Nein, wirklich nicht.“

    „Doch, die habe ich selbst gesehen“, sagt er und erzählt, wie er im vergangenen Jahr, so gegen Ende Oktober mal herübergekommen wäre, um uns eine Einladung zu einem Festkonzert in den Briefkasten zu werfen; und da habe ihn ein Geist angesprungen, Höllennebel sei ihm ins Gesicht geblasen und der Teufel höchst persönlich sei ihm begegnet.

    Äh, ach nee – der arme Mann muß genau am Halloween-Abend bei uns gewesen sein, als wir anlässlich einer Party und für die sammelnden Kinder ein paar batteriebetriebene Geisterfiguren aufgebaut hatten.

    Nur mit Mühe gelingt es mir, Herrn prof. Mandelbaum davon zu überzeugen, daß er ab sofort wieder völlig gefahrlos an unserem Haus vorbei gehen kann.

    Gefahrlos? Naja…

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    1 Kommentar

    1. Stefan

      2. Februar 2011 at 20:14

      Und im ersten Moment dachte ich Professor Mandelbaum wäre wieder von den Toten auferstanden.
      Aber der, den ich meinte, hieß ja auch Mandelbrot.
      Mein Fehler 🙂
      Professoren und Aberglaube – interessante Mischung.

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