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peter wilhelm

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Spott + Hohn und Politik

Buckelwal Timmy, Tränen und totaler Irrsinn: Wenn ein Wal ganz Deutschland den Verstand raubt

Quasimodo 800x500

Na, heute schon um den Wal geweint? Das herzzerreißende Drama um den Buckelwal Timmy/Hope bewegt mal wieder „ganz Deutschland“. Die Anteilnahme am Schicksal des glitschigen Sandbank-Quasimodos reicht von „ich würde für Timmy sterben“ bis hin zu „sprengt den Blubber endlich in die Luft“.

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  • Das große Pottwalsterben 2016
  • Was ist dran? „Wale sind genauso intelligent wie wir.“
  • Was ist dran? „Es ist wichtig, mit (dem Wal) zu kommunizieren!“
  • Was ist dran? „Ich spüre, was Timmy uns sagt“
  • Was ist dran? „Die Industrie wartet nur auf den Tod des Wals, um Fischstäbchen daraus zu machen“
  • Was ist dran? „Meine Follower schicken Herzchen und Daumen und helfen dem Wal“
  • Was ist dran? „Ich bin Sternzeichen Fische und habe deshalb eine Verbindung zu Timmy“
  • Was wird nun aus dem Wal?
  • Bildquellen:

Eine interessante Dokumentation habe ich im NDR gesehen und bin einmal mehr glücklich darüber, dass es öffentlich-rechtliche Sender mit gelernten Journalisten und studierten Redakteuren gibt.
In dieser Dokumentation wird eine Zeitleiste gezeigt, was an den einzelnen Tagen geschah und wer, wie in Verantwortung steht.

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Um es gleich vorweg zu sagen: Auch mich dauert das Tier sehr. Ich bin ein Tierfreund und habe natürlich auch Mitleid mit dem gestrandeten Wal.

Aber ich bin auch bekanntermaßen ein Realist und Pragmatiker.

Dass in der Ostsee Wale unterwegs sind, das ist nichts Besonderes. Dass an deutschen Küsten auch mal ein Wal strandet, ist ebenfalls nicht erstmalig passiert.
In Norden/Ostfriesland wurde rund um einen 2003 vor Norderney gestrandeten und verendeten Pottwal ein ganzes Museum1 gebaut.

Pottwal norden 800x500
Das Pottwalskelett im Waloseum in Norden

Das Besondere an diesem Buckelwal Timmy, bleiben wir mal bei diesem von „Horst Schlämmer“ und der BILD-Zeitung erfundenen Namen2, ist die Tatsache, dass er sich lange genug vor der deutschen Küste herumtrieb und immer wieder festschwamm, dass ein ungeheures Medienspektakel entstehen konnte.

Wäre der Wal nach drei, vier Tagen einfach wieder weggeschwommen, wäre das Spektakel gar nicht erst in diesem Ausmaß entstanden, oder sehr schnell vorbei gewesen.
Wäre der Wal innerhalb weniger Tage verendet, hätte er nur ebensoviel Interesse erregt, wie das große Pottwal-Sterben von 2016.

Ach, Du erinnerst Dich gar nicht an das große Pottwalsterben von 20163? Ja, so ist das eben, wenn die dicken Meeressäuger in erster Linie als Riesenhaufen fauligen Blubbers an unseren Stränden herumliegen.

Das große Pottwalsterben 2016

Einer der bekanntesten Fälle überhaupt: Im Januar 2016 strandeten insgesamt 30 junge Pottwale an den Küsten von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, den Niederlanden und Großbritannien.

  • Mehrere Tiere lagen an der deutschen Küste (u. a. bei Büsum und Wangerooge)
  • Alle Tiere verendeten
  • Ursache vermutlich: Navigationsfehler in flache Gewässer

Das war die größte dokumentierte Pottwalstrandung4 in der Nordsee.

Aber vielleicht ist Dir ja noch die große Pottwalstrandung von 1996 in Erinnerung?
Auch 1996 strandeten 16 Pottwale an der Nordseeküste. Es handelte sich um junge Bullen, die alle verendeten.

Und das ist ja nicht alles. Über all die Jahre gab es schon immer Walstrandungen. Meist sind es kleinere Minkwale, Buckelwale sind eher selten.

Meine Güte, ist halt so. Kommt vor. Passiert.

Kein Mensch weiß, weshalb sich die Meeressäuger ab und zu verirren. Man kann da vieles hineingeheimnissen und sich vieles vorstellen, aber, wer behauptet, er wisse, weshalb Wale stranden, der lügt.

Dass dieser Buckelwal, von dem ja nichtmal das Geschlecht 100-%ig sicher ist5, und der genauso gut Tamara oder Hopsassa heißen könnte, jetzt so ein großes Interesse verursacht, liegt ganz eindeutig auch an den sozialen Medien.

2003, als der Pottwal vor Norderney strandete, gab es soziale Medien in diesem Ausmaße noch nicht. 1996 bei der großen Walstrandung erst recht nicht. Und 2016, also vor 10 Jahren, sind auch noch nicht alle Menschen mit einem Influencer-Auftrag oder Meinungskundtuer-Gen in der Birne herumgelaufen.

Ich habe aus Interesse auf einem zweiten Monitor die Live-Bilder vom Wal laufen. Ja, auch ich bin ein Gaffer, ein Schaulustiger.
Aber ich fahre da nicht ungefragt hin, stelle mich nicht den Hilfskräften in den Weg, und vor allem: Ich sehe nicht den Untergang des Abendlandes am Horizont, nur weil meine Meinung zum Wal-Dilemma nicht im Fernsehen übertragen wird.

Ich bevorzuge die Übertragung von „Welt“. Aber ab und zu stockt der Stream, dann schaue ich andere Live-Streams auf YouTube. Einige von denen haben eine Chatleiste, in der die Kommentare der User im Sekundentakt erscheinen.
Ich hab‘ das ausmachen müssen: So viel Dummheit kann ich nicht ertragen. Das ist zu viel für einen Menschen, der auch nur einen Funken Bildung und Anstand hat.

Dennoch schwappen ab und zu Meinungsbrocken der Schaulustigen mit über die Sender.
Es ist erschreckend, wie schnell Leute, die keine Ahnung haben (können) vernichtende Urteile über Politiker, Tierärztinnen und -ärzte und die anderen Verantwortlichen abgeben.
Die einen haben längst Minister Backhaus zum Buhmann erklärt. Die anderen richten ihren Hass auf den lokalen Bürgermeister. Wieder andere schimpfen über einen Biologen, der etwas großmäulig aufgetreten ist.

Aber offenbar alle finden es gut, dass Rocker, Schamanen und Walflüsterer, Kahlgeschorene, Deppen und Selbsternannte genau wissen, was zu tun ist. Erschreckenderweise lassen die Verantwortlichen in ihrer Konzept- und Hilflosigkeit es auch immer wieder mal zu, dass Möchtegern-Walretter es zumindest versuchen, mit fragwürdigen Methoden dem armen Wasser-Quasimodo zu helfen.

Am Rande der Massen von Schaulustigen, die ich schon längst hätte wegschaffen lassen, denn schließlich ist Poel eine Insel und damit kontrollierbar, hört man beispielsweise Sätze wie dieser hier:

„Ich bin Sternzeichen Fische und habe schon deshalb eine innige Verbindung zu Timmy.“

„Ich habe auch eine spirituelle Seite und spüre, was Timmy uns sagt.“

„Ich kann mit Walen reden, man muss ihnen nur erklären, was da vor sich geht. Die verstehen das ganz genau!“

„Wale sind genauso intelligent wie wir. Es ist wichtig, mit ihnen zu kommunizieren!“

„Meine Follower senden Herzchen und Daumen für Timmy-Hope. Man sieht richtig, wie ihm das hilft.“

„Die Industrie wartet nur auf den Tod des Wals, weil sie Fischstäbchen aus dem Tier machen will.“

„Da ist von Anfang an ein Museum involviert, das schon Millionen für das Skelett vorbezahlt hat.“

„Ein ganz normaler Landtierarzt hat genug Erfahrung, um die Lage des Buckelwals einzuschätzen.“

Was ist dran? „Wale sind genauso intelligent wie wir.“

Oben habe ich Euch ein Bild aus dem Waloseum in Norden vom dort ausgestellten Pottwal-Skelett gezeigt. Ich habe noch ein Foto, das Details unter dem Wal zeigt.
Dort sind zum Vergleich Modelle eines menschlichen Schädels und der Gehirne von Pottwal und Mensch ausgestellt.

Norden waloseum gehirne
Unten: Links Pottwalgehirn, Mitte: menschliches Gehirn, rechts: menschl. Schädel

Man kann die Behauptung, Wale seien „so intelligent wie Menschen“, recht deutlich zurückweisen – ohne dabei ihre beeindruckenden Fähigkeiten kleinzureden.

Zunächst: Wale (vor allem Delfine) gehören zweifellos zu den kognitiv leistungsfähigsten Tieren. Sie zeigen komplexes Sozialverhalten, lernen schnell, kommunizieren differenziert und lösen Probleme. Das ist unbestritten und wissenschaftlich gut belegt.

Aber daraus folgt nicht, dass sie dem Menschen gleichgestellt sind.

Der entscheidende Punkt ist nicht ein einzelner Messwert wie die absolute Gehirngröße oder das Verhältnis von Gehirn zu Körper. Solche Zahlen sind nur grobe Anhaltspunkte und sagen für sich genommen wenig über „Intelligenz“ aus. Auch Elefanten oder einige Walarten haben sehr große Gehirne – trotzdem verfügen sie nicht über die spezifischen kognitiven Fähigkeiten, die den Menschen auszeichnen.

Was den Unterschied ausmacht, ist die Art der Intelligenz:

  • Der Mensch besitzt eine hochentwickelte symbolische Sprache mit Grammatik und unbegrenzter Ausdrucksfähigkeit.
  • Er kann abstrakt denken, also über Dinge nachdenken, die nicht unmittelbar vorhanden sind (Mathematik, Philosophie, Physik).
  • Er entwickelt kumulative Kultur: Wissen baut sich über Generationen systematisch auf und wird immer komplexer.
  • Er schafft Technologie – von Werkzeugen bis zu Raumfahrt und Computern.
  • Er hat ein ausgeprägtes Verständnis von Zeit, Kausalität und hypothetischen Szenarien („Was wäre, wenn…?“).

Für all diese Fähigkeiten gibt es bei Walen keine vergleichbaren Belege. Sie zeigen Intelligenz – aber nicht in dieser Form und nicht in dieser Tiefe.

Wale sind faszinierend klug – aber die Gleichsetzung mit menschlicher Intelligenz ist wissenschaftlich nicht haltbar, sondern eine romantische Überhöhung.

Was ist dran? „Es ist wichtig, mit (dem Wal) zu kommunizieren!“

Die Vorstellung, man könne mit Walen „sprechen“, hält sich erstaunlich hartnäckig. Sie speist sich aus beeindruckenden Aufnahmen von Gesängen, Klicklauten und scheinbar gezielten Reaktionen der Tiere. Doch so faszinierend diese Beobachtungen auch sind – echte Kommunikation im menschlichen Sinn findet nicht statt.

Was wir tatsächlich können, ist Signale senden und Reaktionen auslösen. Wale reagieren auf bestimmte Töne, auf Muster oder auf wiederkehrende Reize. Das ist jedoch keine gleichwertige Verständigung, sondern eher vergleichbar mit dem Trainieren eines Tieres: Reiz – Reaktion.

Für echte Kommunikation braucht es mehr: ein gemeinsames Zeichensystem, ein Verständnis von Bedeutung, die Fähigkeit, Inhalte bewusst zu übertragen und zu interpretieren. Genau daran fehlt es. Wir verstehen die „Sprache“ der Wale nicht – und sie verstehen unsere nicht.

Zwar gibt es Hinweise darauf, dass Wale untereinander komplex kommunizieren, etwa durch Gesänge oder Klicklaute. Doch diese Systeme sind bislang nicht entschlüsselt. Wir können sie aufzeichnen, analysieren und teilweise kategorisieren – aber nicht übersetzen.

Die Behauptung, wir könnten mit Walen kommunizieren, ist deshalb vor allem eines: eine romantische Projektion. Sie sagt mehr über unseren Wunsch nach Verbindung aus als über die tatsächlichen Fähigkeiten.

Was ist dran? „Ich spüre, was Timmy uns sagt“

Der Satz „Ich habe auch eine spirituelle Seite und spüre, was Timmy uns sagt“ klingt zunächst harmlos, fast sympathisch. Bei näherem Hinsehen ist er jedoch ein Paradebeispiel dafür, wie subjektive Empfindungen mit tatsächlicher Kommunikation verwechselt werden.

Ich weiß natürlich nicht, was die Frau, die das sagt, spürt. Vielleicht hat sie eine Krankheit, die ein Kribbeln oder komische Denkmuster im Gehirn verursacht. Keine Ahnung.
Aber ich bin mir sicher, dass Timmy Besseres zu tun hat, als mit einer Esoteriktante auf spirituelle Weise im feinstofflichen Bereich zu kommunizieren.

Hier wird keine Information empfangen – hier wird etwas hineininterpretiert. Wer behauptet, die „Botschaften“ eines Wals zu spüren, beschreibt in Wirklichkeit seine eigenen Gefühle, Erwartungen und Projektionen. Das hat mit echter Verständigung nichts zu tun.

Solche Aussagen sind nicht Ausdruck besonderer Sensibilität, sondern ein klassischer Denkfehler.
Wer glaubt, er könne die Gedanken oder Botschaften eines Wals „spüren“, hört in Wahrheit vor allem sich selbst zu.

Was ist dran? „Die Industrie wartet nur auf den Tod des Wals, um Fischstäbchen daraus zu machen“

Die Behauptung aus dem Bereich des Schwachsinns und aus dem Mund eines ganz, ganz dummen Menschen, irgendjemand warte darauf, aus einem gestrandeten Wal Fischstäbchen zu produzieren, ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch ein gutes Beispiel dafür, wie schnell aus Unwissen groteske Verschwörungsgeschichten werden.

Fischstäbchen bestehen aus verarbeitetem Fisch – in der Regel aus Arten wie Seelachs (Alaska-Pollack), Kabeljau oder anderen Speisefischen. Wale sind keine Fische. Walfleisch spielt dabei keine Rolle, weder technisch noch wirtschaftlich noch rechtlich.

Der entscheidende Punkt ist: Wale stehen unter strengem Schutz. In Deutschland und der gesamten EU ist der Handel mit Walfleisch verboten. Selbst wenn ein Tier tot angespült wird, darf es nicht einfach wirtschaftlich verwertet werden. Stattdessen greifen klare gesetzliche Regelungen: Zuständig sind Behörden, Forschungseinrichtungen oder spezialisierte Entsorger.

Und selbst wenn man diese Gesetze ignorieren würde – was niemand tut –, wäre die Idee wirtschaftlich unsinnig. Ein gestrandeter Wal ist kein „Rohstoff“, sondern ein logistisches Problem. Der Körper ist oft bereits in schlechtem Zustand, kann Krankheiten tragen und muss unter hohem Aufwand geborgen und entsorgt werden. Das kostet Geld, statt welches zu bringen.

Die Vorstellung, eine Lebensmittelindustrie würde auf so ein Ereignis „warten“, um daraus ein Massenprodukt herzustellen, scheitert also an drei einfachen Fakten: Verbot, Unwirtschaftlichkeit und fehlende Eignung.

Solche Aussagen sagen letztlich mehr über die Fantasie ihrer Urheber aus als über die Realität.

Was ist dran? „Meine Follower schicken Herzchen und Daumen und helfen dem Wal“

Diese Aussage gehört in die Kategorie gut gemeint – aber vollkommen wirkungslos.

Ein Wal nimmt keine Emojis wahr. Er sieht keine Likes, er spürt keine digitalen „Herzchen“, und er reagiert auch nicht auf virtuelle Zustimmung in sozialen Netzwerken. Zwischen einem Klick auf dem Smartphone und dem Zustand eines mehrere Tonnen schweren Meeressäugers besteht schlicht kein Zusammenhang.

Was hier passiert, ist ein klassischer Wahrnehmungsfehler: Menschen beobachten eine Veränderung beim Tier – etwa eine Bewegung oder eine Lageveränderung – und bringen diese zeitlich mit der eigenen Aktivität in Verbindung. Daraus wird dann eine vermeintliche Ursache konstruiert. In Wirklichkeit handelt es sich um Zufall oder natürliche Prozesse.

Solche Deutungen beruhen auf dem menschlichen Bedürfnis, Geltung und Einfluss zu haben und etwas vermeintlich Gutes tun zu können. In den allermeisten Fällen dienen solche Inszenierungen nur der Selbstdarstellung, und letztendlich auch der Generierung von Reichweite, Klicks und damit Geld.

Likes retten keine Wale. Sie befriedigen höchstens die, die sie verteilen.

Was ist dran? „Ich bin Sternzeichen Fische und habe deshalb eine Verbindung zu Timmy“

Astrologie trifft Biologie (und verliert).

Natürlich. Du bist Sternzeichen Fische – also besteht zwangsläufig eine tiefe, fast mystische Verbindung zu einem mehrere Tonnen schweren Meeressäuger. Das ist ja bekannt: Geburtsdaten aus dem Tierkreis ersetzen zoologische Fakten. Warum hat da eigentlich noch niemand die Meeresbiologie drauf hingewiesen?

Zur Erinnerung: „Fische“ ist ein astrologisches Konstrukt, basierend auf Sternbildern, die aus unserer Perspektive zufällig so aussehen. Ein Wal wiederum ist ein Säugetier und kein Fisch. Er atmet Luft, bringt lebende Junge zur Welt und hat mit dem Tierkreiszeichen ungefähr so viel zu tun wie ein Toaster mit Apfelsaftschorle.

Die behauptete „innige Verbindung“ entsteht daher nicht zwischen Dir und dem Wal, sondern zwischen Dir und Deiner Einbildung. Das nennt man Projektion. Das hat mit der Realität des Tieres nichts zu tun.

Dein Sternzeichen sagt etwas darüber aus, wann Du geboren bist – nicht, mit welchen Tierarten Du telepathisch verbunden bist.

Was wird nun aus dem Wal?

Nun ja, wahrscheinlich wird er verrecken. Nenne es meinetwegen auch „verenden“. Ich persönlich bin kein Meeresbiologe und habe keine Ahnung von Meeressäugern.
Aber nach allem, was ich da sehe, und was ich mir so vorstellen kann, denke ich, dass dieser todkranke Wal sterben wird. Die Chancen, dass er doch noch aus dem Flachwasser geschafft werden kann, sinken doch von Stunde zu Stunde.
Und wenn er denn aus der Bucht bugsiert worden ist, muss er ja noch durch die halbe Ostsee den Weg in die Nordsee finden.

Ja, und wenn er dann vor Vocklenburg-Meerpommern auf der Sandbank stirbt? Dann haben die das Problem, den 15-Tonnen-Berg Walblubber und Knochen da wegzuschaffen.
Ob es angesichts des Dramas um den armen Quasimodo, das ja auch ein Paradebeispiel für Fehlverhalten, Versagen und Kompentenzgerangel ist, sinnvoll ist, das Knochengerüst in einem Museum auszustellen, ist fraglich.

Jetzt werden ja schon Stimmen laut, die die Aufstellung eines Timmy-Denkmals am Strand von Poel fordern.

Es ist ein Wal, der sich verirrt hat. Shit happens.

Und übrigens: Hat schon mal jemand drüber nachgedacht, dass der Wal vielleicht so krank ist, dass er ganz bewusst zum Sterben auf einer Sandbank liegen mag?
Ich jedenfalls würde es, angesichts großer Schmerzen, vorziehen, auf einer Sandbank meine letzten Tage zu verbringen, und in Ruhe sterben zu dürfen, statt im Nordatlantik herumschwimmen zu müssen.
Wenn dem so wäre, wie müssen die ganzen Retter dem Sterbewilligen auf den Sack gehen?
Das wäre ja so, als wenn in einem Hospiz die ganze Garde unserer Ballermannsängerinnen und -sänger die Sterbenskranken vom Ableben abhalten würde. Oh weh!

Bildquellen:

  • quasimodo_800x500: Peter Wilhelm KI
  • norden-waloseum-gehirne: Peter Wilhelm ©
  • pottwal-norden_800x500: Originalfoto von Peter Wilhelm ©

Fußnoten:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Seehundstation_Norddeich (zurück)
  2. der Name für den berühmten Ostsee-Buckelwal „Timmy“ wurde von der Kunstfigur Horst Schlämmer (gespielt von Hape Kerkeling) gemeinsam mit der Bild-Zeitung etabliert. Der Name ist eine Anlehnung an den ersten Fundort des Wals am Timmendorfer Strand. (zurück)
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Walstrandungen_an_der_Nordseek%C3%BCste_2016 (zurück)
  4. https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/meere/meeresschutz/irrwegen (zurück)
  5. Das Geschlecht des Buckelwals „Timmy“ ist nicht eindeutig bestätigt, da er seine Geschlechtsorgane bedeckt hält. Es gibt jedoch Hinweise, die ihn als männlichen Bullen bezeichnen, wie „DerWesten“ berichtet. (zurück)
Kategorie: Spott + Hohn und Politik

Spott + Hohn

Spott ist ein rhetorisches Stilmittel: Man macht sich über Menschen, Gruppen oder ihre Werte lustig – meist mit einem Augenzwinkern. Hohn hingegen will treffen. Er ist schärfer, verletzender, weniger verspielt.

Warum Politik hier ihren Platz hat?
Weil Macht Kritik aushalten muss – und weil jene, die öffentliche Verantwortung tragen, sich auch öffentlicher Zuspitzung stellen müssen.


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Lesezeit ca.: 17 Minuten | Tippfehler melden | Peter Wilhelm: © 23. April 2026
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Peter Wilhelm

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Der Buchautor und Publizist schreibt hier über Technik, Produkttests, und Service. Hier erscheinen auch seine Satiren. Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht an Allerheiligen geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.



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(©si)

2 Kommentare

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  1. Trevor sagte am 23. April 2026 um 18:19

    Ich habe ja schon fast drauf gewartet, dass Sie was dazu schreiben.
    Sie haben so recht, aber so was von!

    P.S. Quasimodo find ich klasse.

    Antworten
  2. Nobody sagte am 23. April 2026 um 19:47

    Hab neulich einen schönen Satz gelesen „das ist ein Anschlag auf den gesunden Menschenverstand“. Das denke ich seit dem bei vielen Nachrichten. Zu dem Wal, klar, wenn man helfen kann, warum nicht? Aber wenn es nicht geht/klappt, dann kann man auch der Natur ihren Lauf lassen, daran ist nichts verwerfliches. Vielleicht will das Tier auch nicht mehr lebensunfähig schwimmt nur immer mal weg weil es seine Ruhe will. Was wissen wir schon?

    Das ist was anderes als einen Vogel wieder in sein Nest zu setzen.

    Antworten

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