Ach Norbert

Beinahe hätte ich „Ach Nobbi“ geschrieben. Aber diese Koseform von Norbert ist schon vergeben. Und nach dem Co-Titel des Kino-Klassikers Highlander aus dem Jahre 1986, kann es ja ohnehin nur einen geben. Wobei…ich weiß nicht ob es Geldnöte waren, die die Produzenten Peter S. Davis und William N. Panzer 1991 veranlassten, entgegen ihres eigenen Titels, ein Sequel zu drehen, oder ob die Chance, ein zweites Mal Kohle zu scheffeln, ihre Beweggründe waren. Aber das ist zum einen eine andere Baustelle, und zum anderen ertappe ich mich gerade mal wieder dabei, den Faden zu verlieren.

Bei dem Titel gebenden Norbert handelt es sich um einen Cyborg. Geschmeidig wie der T-1000, Schwarzeneggers Antipode aus dem Science-Fiction-Klassiker Terminator II. Allerdings stammt Norbert nicht aus dem Hause Cyberdyne Systems, sondern aus dem Reich der Politik, genauer gesagt aus der Bundespolitik, in der das Modell Norbert aufgrund seiner Programmierung für jeden Einsatz geeignet zu sein scheint.

Die aufmerksame Leserin und der aufmerksame Leser wissen natürlich längst, wer in dieser unnötig aufgeblasenen Einleitung gemeint ist: Norbert Alois Röttgen, das ewig lächelnde christdemokratische Kinngrübchen aus Meckenheim. Muttis Klügster, wie er einst tituliert wurde.

Wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen aus der Politik wusste auch Norbert Alois Röttgen nach dem Abitur weder mit sich im Allgemeinen, noch mit seinem Leben im Besonderen etwas anzufangen und studierte folgerichtig…Jura!

Von 1989 bis zu seiner Promotion anno 2001 ballerte Norbert sich also dicke Bücher en masse in die Birne, um hernach das gleiche Schicksal namens Dunning-Kruger-Effekt, eine besondere Form kognitiver Verzerrungen, zu erleiden…wie alle anderen Juristinnen und Juristen vor ihm und nach ihm. Einhergehend mit einer kompletten Weltfremdheit, die es den daran leidenden schlechterdings unmöglich macht, einem für die Allgemeinheit nützlichen Broterwerb nachzugehen. Deshalb entschied sich Norbert Alois Röttgen auch für einen völlig nutzlosen Broterwerb und suchte fortan sein Glück in der Politik.

Durch seine Gabe, alle Umherstehenden mit einem komplett vertrackten Behelfs-Idiom namens Juristendeutsch in völlige Apathie zu schwafeln, führte ihn seine Karriere vom JU-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen bis auf den Ministerstuhl für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. In diesem mächtig publicity-trächtigen Amt suchte er die Zuschauerinnen und Zuschauer aller einschlägigen Formate wie Tagesschau und heute, sowie der Kollateral-Sendungen von Anne Will bis Frank Plasberg heim und kommentierte in staatstragendem Tremolo spektakuläre Umwelt-Events von Deepwater-Horizon bis Fukushima, mit dem Temperament einer Anstaltspackung Valium.

Aber eines muss zu seiner Ehrenrettung an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden: Norbert Alois Röttgen hat in all den Jahren nachweislich nie eine eigene Meinung vertreten, sondern folge stets den präzise definierten Vorgaben aus der Industrie, dem Bundeskanzleramt, oder dem Handbuch für devote Vasallen aus dem Verlagshaus Atlantik-Brücke.

Ging ja auch all die Jahre gut. Und dafür, dass Juristen im Allgemeinen und Norbert Alois Röttgen im Besonderen niemals nix auf die Reihe kriegen, hat er sich mit seinen gerade mal 54 Lenzen durch seine ganzen bisherigen Posten schon eine derart fette Rentenanwartschaft zusammengeschwafelt, dafür müsste ein Feuerwehrmann, der in Fukushima den Müll der total sicheren friedlichen Nutzung der Kernenergie…das war jetzt wohl ein Freudianischer, oder so. Denn besagter Feuerwehrmann wird vermutlich nie seine Rente erleben, weil er vorher an Leukämie erkrankt und sozialverträglich seinen verstrahlen Arsch zumacht.


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Aber mit dem Gehabe von halbtoten japanischen Schrotthändlern, oder dem Öl-versifften Golf von Mexiko kann sich Norbert Alois Röttgen leider nich abgeben. Sorry. Denn als wichtiger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags hat er rund um die Uhr damit zu tun, über präzise definierten Vorgaben aus der Industrie, dem Bundeskanzleramt, oder dem Handbuch für devote Vasallen aus dem Verlagshaus Atlantik-Brücke die deutsche Aussenpolitik und die Haltung der Bundesrepublik zu der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland, zu dem hinterhältigen Giftgasangriff des syrischen Machthabers Assad gegen die eigene Bevölkerung und zu weiß der Geier was noch alles zu erklären.

Und jetzt der Super-Gau, um im Sprachgebrauch seiner ehemaligen Wirkungsstätte im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zu bleiben: Irgend jemand hat Norbert Alois Röttgen aus einem perfidem Hinterhalt ein Zettel untergeschoben auf dem vorsätzlich falsche Antworten zu Fragen standen, die ihm kürzlich in einem Interview gestellt wurden.

Und so ergab es sich, dass Norbert Alois Röttgen, der zutiefst devote Transatlantiker, der stets treue und ergebene Cyborg amerikanischer Think-Tanks, der niemals nie etwas anderes tat, als die Meinung des Westens zu verkünden…vertreten wäre eine unbotmäßige Unterstellung, Norbert Alois Röttgen habe eine solche…und so ergab es sich also, dass Norbert Alois Röttgen wie in Trance plötzlich darüber fabulierte, dass die Europäischen Union ihr Verhältnis zu Russland nun neu überdenken müsse und die Sanktionen, die völlig zurecht gegen Wladimir Wladimirowitsch Putin verhängt wurden, unter dem Licht neuer Herausforderungen…

Klar, war das wieder die übliche Standard-Sülze, die Norbert Alois Röttgen mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks zu allen Fragen herausplappert. Aber die subtile Anbiederung an Putin, die Relativierung der russischen Aggression mit dem verdeckten Hinweis, dass die EU durch ihren hündischen Kotau gegenüber dem Oval Office und die völlig verblödeten Sanktionen ökonomisch gesehen mittlerweile ziemlich in den Arsch gekniffen ist…also bitteschön, das hätte von Norbert Alois Röttgen nun wirklich niemand erwartet. Am Wenigsten wohl er selbst.

Und deshalb sei an dieser Stelle noch einmal Joachim Gauck erwähnt, der militanteste Pazifist unter allen Bellizisten, die jemals im Schloss Bellevue residierten und der Norbert Alois Röttgen bei seiner Verabschiedung aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Respekt bekundete. Er dankte ihm für seinen langen „Einsatz für das Gemeinwohl“.

Ach Norbert, jetzt isses gut. Mach Dich vom Acker.


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