Spott + Hohn und Politik

1000 Euro Bonus. Steuerfrei.

Merzung 800x500

1000 Euro Bonus. Steuerfrei. Während draußen die Preise durch die Decke gehen, die Inflation fröhlich zweistellige Tendenzen ausprobiert und wir Rentner uns demnächst vermutlich gegenseitig die letzten Pfandflaschen aus der Hand reißen, um die steigenden Medikamentenzuzahlungen irgendwie zu stemmen, kommt die Bundesregierung mit einem echten Knaller um die Ecke.

17 Cent weniger Steuer auf Sprit.

Werbung

Großartig.
Das reicht erfahrungsgemäß genau für eine knappe Woche, in der man sich an der Zapfsäule kurz fragt, ob man sich verrechnet hat – bevor die Preise dann wieder geschniegelt und geschniegelt nach oben klettern, weil irgendwo auf der Welt wieder jemand schief guckt.

Aber keine Sorge, man hat ja noch ein zweites Ass im Ärmel:
Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern bis zu 1000 Euro steuerfrei auszahlen.

Man muss sich das wirklich langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Die Regierung gibt Dir keine 1000 Euro.
Sie gibt mir keine 1000 Euro.
Sie gibt überhaupt niemandem 1000 Euro.

Sie erlaubt lediglich anderen, das zu tun.

Mit anderen Worten: Man greift nicht in die eigene Tasche, sondern öffnet großzügig die Taschen der Arbeitgeber – und erklärt das dann zur Entlastung der Bürger. Das ist ungefähr so, als würde ich meinem Nachbarn erlauben, Dir Geld zu schenken, und mich anschließend für meine Großzügigkeit feiern lassen.

Woher die Unternehmen dieses Geld nehmen sollen?
Ach, Details.

Offenbar geht man stillschweigend davon aus, dass Unternehmer morgens aufstehen, sich einmal kräftig schütteln – und dann fallen aus den Ärmeln pro Mitarbeiter 1000 Euro auf den Boden. Wer das nicht kann, hat vermutlich einfach falsch gewirtschaftet oder noch nicht begriffen, wie leicht Geldverdienen eigentlich ist.

Ich bin ehrlich gesagt heilfroh, dass ich keine Angestellten mehr habe. Ich hätte jetzt vor fast zwanzig Leuten gestanden, die mich mit einer Mischung aus Hoffnung und Erwartung anschauen – und ich hätte ihnen erklären dürfen, dass die Regierung zwar beschlossen hat, dass ich großzügig sein darf, aber leider vergessen hat, mir das nötige Geld dafür mitzugeben.

Das Ganze funktioniert natürlich nur unter einer Voraussetzung:
Es müsste irgendwo eine Entlastung für die Arbeitgeber geben, die diesen plötzlichen Geldregen zumindest teilweise gegenfinanziert.

Aber auch das wäre ja wieder kompliziert gewesen.

Und während man noch darüber nachdenkt, melden sich die nächsten: die Beamten.

Natürlich wollen die auch ihre 1000 Euro.
Gleichbehandlung, versteht sich.

Und bevor jetzt wieder das übliche Beamten-Bashing einsetzt: Ja, es gibt faule Exemplare, ja, es gibt überversorgte Pensionäre. Aber die große Masse arbeitet ganz normal, oft unter eher bescheidenen Bedingungen. Wer das nicht glaubt, soll sich mal mit einem Polizisten unterhalten, der versucht, mit seinem Gehalt eine Familie durchzubringen.

Dass dort also der Gedanke aufkommt: „Wenn alle etwas bekommen, wollen wir das auch“, ist zunächst einmal nachvollziehbar.

Nur: Es bekommt ja eben nicht „alle“.

Die allermeisten Arbeitgeber werden diese 1000 Euro gar nicht zahlen können. Das wird am Ende eine sehr selektive Freude werden – hier ein paar Glückliche, dort viele, die leer ausgehen.

Wenn man dann aber hingeht und sagt: Der Staat zahlt seinen Leuten pauschal 1000 Euro, dann passiert genau das Gegenteil von Gerechtigkeit.

Dann haben wir plötzlich eine Situation, in der die Beschäftigten im öffentlichen Dienst flächendeckend profitieren – während große Teile der freien Wirtschaft in die Röhre schauen.

Das Ergebnis ist dann keine Entlastung, sondern eine neue Ungleichheit, gepaart mit einer ungeheuren Belastung für den Staatshaushalt.

Aber gut, Hauptsache, man konnte mal wieder eine Maßnahme verkünden, die auf den ersten Blick gut klingt.

1000 Euro. Steuerfrei.

Klingt geil. Ist es aber nur für die, die es tatsächlich bekommen.

Bildquellen:

  • merzung_800x500: Peter Wilhelm ki

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)