Krieg in der Ukraine, Krieg im Nahen Osten. Beides führt zu einer Verknappung von Öl und Gas. Das wirkt sich logischerweise auf die Preise aus.
Ist ja klar, dass ausgerechnet jetzt die „Uhr“ an unserem Öltank auf „leer“ steht.
Über 1,40 Euro muss ich nun für den Liter Erdöl zahlen.
Ich war kurzzeitig versucht, nur 500 Liter Notvorrat zu bestellen. Vielleicht ist es ja in ein paar Wochen wieder billiger.
Aber komm, was soll’s? Wirklich günstig wird es sowieso nicht mehr.
Unser Haus und die stille Konstante: Heizöl
Unser Haus wurde im Jahr 1935 gebaut. Es wurde mehrfach umgebaut, erweitert und modernisiert. Seit etwa 1970 wird es mit einer Ölheizung beheizt. Was damals als moderner Fortschritt galt, begleitet uns bis heute: Wir müssen regelmäßig Heizöl kaufen.
Vor rund zehn Jahren wurde die Heizungsanlage noch einmal grundlegend modernisiert. Die alte Technik wurde vollständig ersetzt und durch einen Brennwertkessel erneuert. Damit arbeitet die Heizung heute deutlich effizienter als früher, weil sie die im Abgas enthaltene Wärme zusätzlich nutzt. Doch an der grundlegenden Situation hat sich nichts geändert: Wer mit Öl heizt, bleibt von den Preisen am Energiemarkt abhängig.
Gerade deshalb ist ein Blick zurück interessant. Denn die Entwicklung der Heizölpreise zeigt sehr deutlich, wie sich aus einem einst vergleichsweise günstigen Brennstoff im Laufe der Jahrzehnte ein Kostenfaktor mit teils erheblichen Schwankungen entwickelt hat.
Heizölpreise in Deutschland: 1970 bis heute
Die folgende Übersicht zeigt durchschnittliche Verbraucherpreise für leichtes Heizöl in Deutschland in Cent pro Liter. Für 2026 ist zusätzlich ein aktueller Tageswert aufgeführt, da ein Jahresdurchschnitt für das laufende Jahr naturgemäß noch nicht vorliegt.
| Jahr | Preis | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1970 | 8,2 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 1975 | 14,7 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 1980 | 31,7 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 1985 | 40,5 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 1990 | 25,0 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 1995 | 21,9 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2000 | 40,8 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2005 | 53,2 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2010 | 65,0 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2015 | 58,8 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2020 | 49,9 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2025 | 91,6 Cent/Liter | Jahresdurchschnitt |
| 2026 | 142,25 Cent/Liter | aktueller Tageswert vom 17.03.2026, kein Jahresdurchschnitt |
Aussagekräftigerer Vergleich
Aus Transparenzgründen weise ich darauf hin, dass ich die obige Tabelle von einer KI habe rechnen lassen. Dafür ist sie schön zu gebrauchen.
Und da kam mir die Idee, die KI doch auch mal ausrechnen zu lassen, wie lange man für das Öl arbeiten musste, um es kaufen zu können. Das ist doch noch viel aussagekräftiger, da es ja auch Inflation und Lohnentwicklungen gab.
Diese Tabelle sieht so aus:
| Jahr | Heizölpreis (ct/l) | 10 Liter | Ø Stundenlohn | Arbeitszeit für 10 Liter |
|---|---|---|---|---|
| 1970 | 8,2 Pf | 0,82 DM | ca. 5 DM/h | ca. 10 Minuten |
| 1975 | 14,7 Pf | 1,47 DM | ca. 7 DM/h | ca. 13 Minuten |
| 1980 | 31,7 Pf | 3,17 DM | ca. 9,50 DM/h | ca. 20 Minuten |
| 1985 | 40,5 Pf | 4,05 DM | ca. 12 DM/h | ca. 20 Minuten |
| 1990 | 25,0 Pf | 2,50 DM | ca. 15 DM/h | ca. 10 Minuten |
| 1995 | 21,9 Pf | 2,19 DM | ca. 17 DM/h | ca. 8 Minuten |
| 2000 | 40,8 Pf (~0,21 €) | 2,08 DM / 1,06 € | ca. 15 €/h | ca. 4 Minuten |
| 2005 | 53,2 ct | 5,32 € | ca. 16 €/h | ca. 20 Minuten |
| 2010 | 65,0 ct | 6,50 € | ca. 17 €/h | ca. 23 Minuten |
| 2015 | 58,8 ct | 5,88 € | ca. 18 €/h | ca. 20 Minuten |
| 2020 | 49,9 ct | 4,99 € | ca. 20 €/h | ca. 15 Minuten |
| 2025 | 91,6 ct | 9,16 € | ca. 23 €/h | ca. 24 Minuten |
| 2026 | ca. 135 ct | 13,50 € | ca. 24 €/h | ca. 34 Minuten |
Noch anschaulicher wird die Entwicklung, wenn man die Preise ins Verhältnis zu den Einkommen setzt. Während man 1970 nur etwa zehn Minuten arbeiten musste, um zehn Liter Heizöl zu bezahlen, sind es heute mehr als eine halbe Stunde. Heizöl ist also nicht nur teurer geworden – es hat sich auch relativ zum Einkommen massiv verteuert.
Was man daran sehr schön erkennt
Die „gute alte Zeit“ war tatsächlich günstig: In den 1970er-Jahren musste man für 10 Liter Öl nur etwa 10–15 Minuten arbeiten. Heizen war im Verhältnis zum Einkommen ausgesprochen billig.
Die 1990er waren die Zeit der Tiefpreise. Da wurde es sogar noch günstiger: Wir mussten teilweise unter 10 Minuten für 10 Liter Öl arbeiten.
Doch ab 2005 kippt das Verhältnis. Seitdem steigt der Aufwand deutlich auf über 20 bis hin zu über 30 Minuten.
Heute ist Heizöl aber auch real deutlich teurer. Nicht nur nominal – sondern auch im Verhältnis zur Arbeitszeit.
- 👉 1970: ~10 Minuten
- 👉 2026: ~34 Minuten
Das ist mehr als eine Verdreifachung der realen Belastung.
Das Entscheidende ist: Nicht der Preis ist das Problem – sondern das Verhältnis zum Einkommen.
Und genau da sieht man: Früher war Heizöl ein günstiger Massenenergieträger. Heute ist es ein spürbarer Kostenfaktor im Haushaltsbudget
Was diese Entwicklung zeigt
Die Zahlen machen sehr schön sichtbar, wie stark sich der Markt verändert hat. In den frühen 1970er-Jahren war Heizöl noch ausgesprochen billig. Dann kamen die Ölkrisen, später wieder ruhigere Jahre, danach erneut Phasen mit kräftigen Preisanstiegen. Besonders auffällig sind die starken Ausschläge in den vergangenen Jahren.
Dass der aktuelle Wert für 2026 so hoch liegt, zeigt zugleich, wie empfindlich der Heizölpreis auf weltpolitische Krisen, Fördermengen, Transportprobleme, Wechselkurse und staatliche Abgaben reagiert. Wer mit Öl heizt, spürt solche Entwicklungen unmittelbar im Geldbeutel.
Ein Tank macht wenigstens ein bißchen unabhängig
Auf der anderen Seite haben wir einen vergleichsweise großen Tank, der einen Vorrat für anderthalb Jahre aufnehmen kann. Damit kann ich wenigstens ein bißchen auf günstige Preise reagieren und mich bevorraten, wenn es halbwegs erträglich ist. Anders geht es den Nachbarn mit dem gelben G auf der Plastikplakette an der Fassade, die Erdgas geliefert bekommen. Sie müssen immer dann das zu dem Preis nehmen, was ihnen ins Haus gepumpt wird.
Fazit
Wer seit 1970 mit Heizöl heizt, hat eine bemerkenswerte Preisgeschichte miterlebt. Aus einem vergleichsweise günstigen Brennstoff ist ein Energieträger geworden, dessen Kosten heute deutlich stärker schwanken und insgesamt auf höherem Niveau liegen. Die moderne Brennwerttechnik kann den Verbrauch senken und die Anlage effizienter machen. Sie kann aber nicht verhindern, dass man beim Heizölkauf den Launen des Marktes ausgesetzt bleibt.
Bildquellen:
- heizoel_800x500: Peter Wilhelm KI


















Mit dem Gas stimmt ja nun auch nicht so wirklich 😉 da schließt man ja Lieferverzräge von 1Mlnat-2Jahren… kürzere wenn es teuer ist, längere wenn es günstig ist… nichts anderes als bei dir mit dem Öl… mit dem unterschied das das alles nur noch eine Formalität ist und keiner vorbei kommt um dich zu beliefern.
Ah, dann bin ich dumm in dem Punkt.
Ich habe von meinen Bekannten immer nur gehört, dass sie unglaubliche Preise zahlen müssen, weil „Nordstream“ kaputt ist. Von festen Preisen haben die nie was gesagt.
Ich hatte nur einmal in meinem Leben Gas und das war nur für einen Durchlauferhitzer im Gästebad. Das fiel so wenig ins Gewicht, dass ich das gar nicht als Kostenfaktor wahrgenommen habe.
Klar ist Gas mit dem Ukrainekrieg auch noch teurer geworden… in den letzten fünf Jahren schätze ich für uns 20-33% Preissteigerung. Aber wie gesagt, das kann man in gewissen Grenzen dann genauso regulieren wie Du mit dem Heizöl, mit dem Unterschied das man an Vertragslaufzeiten gebunden ist und nicht spontan reagieren kann. Ich mache in günstigen Momenten meist lange Verträge mit 12Monaten Preisbindung/Laufzeit… wenns teuer ist lass ich es bei monatlich kündbaren Verträgen. Wenn es mal wieder richtig günstig ist, dann vielleicht auch mal wieder 24Monate… man muss sich das halt vorher gut überlegen, spontan die Strategie ändern geht halt nicht.