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Still verstorben und doch quicklebendig

Still verstorben und doch quicklebendig

So richtig tief in die Kadaverkiste hat der „Mannheimer Morgen“ in seiner Ausgabe vom letzten Samstag gegriffen.
Da schlägt man als Angehöriger eines im Ort sehr bekannten Urvaters der Gemeindepolitik die Zeitung auf und sieht sofort auf den ersten Blick das bekannte Gesicht und liest dann die Worte „Still verstarb…“ darüber.

Still verstorben und doch quicklebendig

Zwar ging der Titel weiter: „Still verstarb das Freibad-Projekt“ und der darunterstehende Artikel beschäftigte sich mit einem netten Abend, an dem der alte Herr in launiger Runde aus 40 Jahren Gemeindearbeit geplaudert und auch das nicht zustande gekommene Freibad-Projekt angesprochen hatte, doch versetzte dieser etwas geschmacklos platzierte Titel die Angehörigen in sehr kurzfristige aber durchaus ernsthafte Aufregung.
Man kann so einfach nicht titeln, wenn man direkt darunter das Konterfei eines schon betagten Herrn abbildet.


Der Redakteur hatte sich nichts Böses gedacht und auch für den Fehlgriff entschuldigt, der alte Herr auf dem Bild hatte es gelassen aufgenommen, doch der Schrecken den Tochter, deren Kinder usw. im ersten Moment bekommen hatten, der muß erst einmal verdaut werden.

Still verstorben und doch quicklebendigStill verstorben und doch quicklebendig

Sprachlich ist der „MM“ sowieso nicht immer so ganz auf der Höhe.

Heute vergewaltigte man die Redensart „mit Ach und Krach“ und prügelte sie in den ungewohnten Pulral „mit Ächen und Krächen“.

Still verstorben und doch quicklebendig

Einmal abgesehen davon, daß die Mehrzahl von Ach mit einem angehängten s gebildet würde, also Achs lautete, ist die Redewendung „Ach und Krach“ laut Duden und dem gesunden Sprachgefühl sowieso nur im Singular gebräuchlich.
Immer seltener lese ich Artikel, die die journalistischen „Ws“ berücksichtigen, in denen man also gleich in der Einleitung erfährt, wer was wo wann und wie gemacht hat.
Stattdessen versteigt man sich in abstruse Formulierungen, gekünstelte Stilblüten, um dann irgendwann weiter unten auf den zu berichtenden Sachverhalt einzugehen.

Also, der alte Gemeinderat ist mit einem Ach und einem Krach noch am Leben und keineswegs still verstorben.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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