Wenn bei Diabetes eines nicht passieren darf, dann das: falsch-niedrige Messwerte, die dem Körper eine vermeintliche Unterzuckerung vorgaukeln – und dadurch Fehlreaktionen auslösen. Genau das kann beim Einsatz bestimmter Sensoren der FreeStyle-Libre-3-Reihe geschehen. Der Hersteller Abbott hat deshalb einen dringenden Produktrückruf gestartet. Betroffen sind FreeStyle Libre 3 und FreeStyle Libre 3 Plus.
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- Vorteile von Dauersensoren für Diabetiker
- Der Rückruf
- Was genau ist das Problem?
- So prüfen Sie, ob Ihr Sensor gefährdet ist
- Warum falsche Niedrigwerte so gefährlich sind
- Was ist eine Ketoazidose?
- Was tun, wenn die Werte nicht plausibel wirken?
- Wussten Sie das? Das Libre-Lesegerät misst auch Blutzucker
- Warum Sensorwerte niemals allein ausreichen
- Kontakt für Betroffene
- Bildquellen:
Vorteile von Dauersensoren für Diabetiker
Moderne Glukose-Dauersensoren haben den Alltag vieler Diabetiker grundlegend verändert. Statt mehrmals täglich in den Finger stechen zu müssen, misst ein Sensor den Glukoseverlauf rund um die Uhr im Unterhautfettgewebe und übermittelt die Werte an ein Lesegerät oder eine App. Dadurch entsteht ein viel genaueres Bild des Glukoseprofils, inklusive nächtlicher Schwankungen und unbemerkter Unter- oder Überzuckerungen, die mit Einzelmessungen oft gar nicht erfasst würden.
Besonders wichtig ist, dass nicht nur einzelne Momentaufnahmen, sondern Trends sichtbar werden: Steigt der Wert, fällt er oder bleibt er stabil? Gerade diese Verlaufsinformation hilft dabei, Insulin besser zu dosieren, Mahlzeiten zu planen und Sport oder körperliche Belastung sicherer zu gestalten. Viele Systeme warnen bei drohenden Hypo- oder Hyperglykämien über akustische oder optische Alarme, sodass rechtzeitig reagiert werden kann, bevor eine gefährliche Entgleisung entsteht. Das gibt vielen Betroffenen, aber auch Angehörigen, ein deutliches Plus an Sicherheit.
Darüber hinaus verringert sich die körperliche und psychische Belastung durch häufige Fingerkuppenmessungen. Für Menschen, die schon lange mit Diabetes leben oder deren Haut stark beansprucht ist, bedeutet das eine spürbare Entlastung. Gleichzeitig lassen sich die gesammelten Daten im Rückblick auswerten und mit dem behandelnden Arzt oder der Diabetologin besprechen. So können Therapieanpassungen fundierter erfolgen, und Betroffene werden aktiver in die Steuerung ihrer eigenen Behandlung eingebunden. Insgesamt tragen Dauersensoren damit zu mehr Lebensqualität, mehr Selbstständigkeit und einem besseren Verständnis der eigenen Erkrankung bei.
Der Rückruf
Abbott schreibt in einer Mail an seine Kunden:
Dieses Problem betrifft nur bestimmte FreeStyle Libre 3 und FreeStyle Libre 3 Plus Sensoren. Um festzustellen, ob Ihr aktueller oder noch nicht benutzter Sensor möglicherweise betroffen, besuchen Sie bitte www.FreeStyleCheck.com and klicken auf “SERIENNUMMER DES SENSORS BESTÄTIGEN.” Sie müssen die Seriennummer Ihres Sensors ermitteln, um festzustellen, ob Ihr Sensor möglicherweise betroffen ist
Dieser Rückruf sollte unbedingt ernst genommen werden, denn die Folgen können im Extremfall lebensgefährlich sein.
Was genau ist das Problem?
Abbott hat fehlerhafte Sensoren identifiziert, die zu niedrige Glukosewerte anzeigen können – auch dann, wenn der tatsächliche Blutzucker viel höher liegt.
Und das kann gefährlich werden:
- Diabetiker könnten fälschlicherweise an eine Unterzuckerung glauben
- Sie essen unnötig viel, um „gegenzusteuern“
- Oder sie verzichten auf eine dringend benötigte Insulingabe
- Dadurch können Überzuckerungen oder schwerste Entgleisungen entstehen
- Im schlimmsten Fall kann die Fehleinschätzung lebensbedrohlich verlaufen
Wichtig:
- Das Problem betrifft ausschließlich bestimmte Sensoren.
- Nicht betroffen sind die App, das Lesegerät selbst oder andere Libre-Produkte.
So prüfen Sie, ob Ihr Sensor gefährdet ist
Abbott stellt auf seiner Website eine Prüfmöglichkeit bereit. Nutzer müssen dort:
- Die Seriennummer jedes Sensors eingeben – auch unbenutzter Vorratssensoren.
- Kontaktdaten hinterlassen, falls der Sensor betroffen ist.
- Kostenlosen Ersatz erhalten.
Die Seriennummer steht jeweils auf der Verpackung.
Achtung: Sensoren mit abgelaufenem Verfallsdatum sofort entsorgen
Abbott weist ausdrücklich darauf hin, dass überlagerte Sensoren in keinem Fall mehr verwendet werden dürfen.
Warum falsche Niedrigwerte so gefährlich sind
Zu niedrige Messwerte können gravierende Fehlentscheidungen auslösen:
- unnötige Kohlenhydratzufuhr → gefährliche Überzuckerung
- zu spätes oder falsches Insulinmanagement → Ketoazidose-Risiko
- verzögerte Reaktion bei echten Symptomen
Diabetes-Patienten verlassen sich im Alltag fast blind auf die Sensorwerte – gerade deshalb gilt dieser Rückruf als besonders brisant.
Was ist eine Ketoazidose?
Eine Ketoazidose ist eine gefährliche Stoffwechselentgleisung, die vor allem bei Menschen mit Diabetes auftritt, insbesondere bei Typ-1-Diabetes. Sie entsteht, wenn dem Körper stark oder vollständig das Insulin fehlt und die Zellen keinen Zucker mehr aufnehmen können. In dieser Situation schaltet der Körper auf Notbetrieb um und beginnt, vermehrt Fett zur Energiegewinnung zu verbrennen. Dabei entstehen saure Abbauprodukte, sogenannte Ketonkörper, die sich im Blut ansammeln und es „übersäuern“.
Typische Anzeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, tiefe und schnelle Atmung sowie ein Atem, der manchmal an Aceton oder Nagellackentferner erinnert. Betroffene fühlen sich schnell sehr krank, werden müde, benommen und können im Extremfall bewusstlos werden. Unbehandelt kann eine Ketoazidose lebensbedrohlich sein und ist ein absoluter Notfall.
Besonders tückisch wird die Situation, wenn Messgeräte oder Sensoren fälschlich zu niedrige Glukosewerte anzeigen. Dann besteht die Gefahr, dass Betroffene zu wenig oder gar kein Insulin spritzen, weil sie von einer Unterzuckerung ausgehen. In Wahrheit kann der Blutzucker aber deutlich zu hoch sein und die Entwicklung einer Ketoazidose geradezu begünstigt werden. Deshalb gilt: Passen Messwerte und eigenes Befinden nicht zusammen, sollten Blutzuckerwert und ggf. Ketone unbedingt mit einem verlässlichen Messgerät überprüft werden.
Was tun, wenn die Werte nicht plausibel wirken?
Abbott empfiehlt ganz klar:
- Bei Verdacht immer mit einem Blutzuckermessgerät gegenmessen.
- Behandlungsentscheidungen nur treffen, wenn Werte und Symptome übereinstimmen.
Wenn Sensor und Körpergefühl nicht zusammenpassen, gilt: Finger weg von der Therapieanpassung, bis Klarheit herrscht.
Wussten Sie das? Das Libre-Lesegerät misst auch Blutzucker
Viele Anwender kennen ihr FreeStyle-Libre-Lesegerät ausschließlich als Empfänger für die Sensordaten am Arm. Was oft übersehen wird: Das Gerät ist zugleich ein vollwertiges Blutzuckermessgerät. Es funktioniert mit den FreeStyle-Precision-Teststreifen und ermöglicht damit klassische Blutzuckermessungen, ganz unabhängig vom Sensorbetrieb.
Diese zusätzliche Messmöglichkeit ist besonders dann wertvoll, wenn Sensordaten nicht plausibel erscheinen oder kurzfristig überprüft werden müssen. Der Nutzer kann jederzeit einen herkömmlichen Bluttropfen messen und so sicherstellen, dass er auf korrekte Werte zurückgreift – gerade in Situationen, in denen ein Verdacht auf Fehlmessungen besteht oder Symptome und Sensorwerte nicht zueinander passen.
Durch die Kombination aus moderner Sensortechnik und klassischer Blutzuckermessung bietet das Lesegerät eine doppelte Sicherheitsstufe und gibt Diabetikern mehr Kontrolle, Verlässlichkeit und Selbstvertrauen im Alltag.
Warum Sensorwerte niemals allein ausreichen
Auch wenn moderne Dauersensoren den Glukoseverlauf rund um die Uhr erfassen, dürfen sie niemals als alleinige Entscheidungsgrundlage für die Therapie dienen. Sensordaten sind wertvolle Orientierungswerte, doch sie entstehen im Unterhautfettgewebe und reagieren zeitversetzt auf Veränderungen im Blut. Besonders bei starken Schwankungen, schnellen Anstiegen oder plötzlichen Abfällen kann es zu deutlichen Abweichungen zwischen Gewebewert und tatsächlichem Blutzucker kommen.
Deshalb bleibt die klassische Messung mit Teststreifen unverzichtbar. Sie liefert den echten Blutwert und ist in allen Situationen notwendig, in denen Symptome, Körpergefühl oder der Verlauf nicht zu den Sensordaten passen. Regelmäßige Kontrollmessungen sind vor allem dann dringend geboten, wenn der Stoffwechsel unruhig ist, häufige Über- oder Unterzuckerungen auftreten oder wenn die gemessenen Werte unerwartet erscheinen. Nur die Kombination aus Sensorüberwachung und herkömmlichen Messungen gewährleistet eine sichere Orientierung und verhindert gefährliche Fehlentscheidungen.
Kontakt für Betroffene
Abbott hat eine Hotline eingerichtet, um Fragen schnell zu beantworten:
📞 (0800) 519 9 519
Montag bis Freitag, 8–18 Uhr
(kostenfrei)
Bildquellen:
- Bildschirmfoto-2025-11-29-um-18.48.02_800x500: Abbott ©
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