Notiz für mich selbst

Ist Micky Maus jetzt public domain?

Maus am Steuer

Anfang Januar erzählten die Moderatoren des „Morgenmagazins“, Micky Maus sei jetzt „rechtefrei“. Der Patentschutz sei abgelaufen, oder so ähnlich.

Was ist da dran? Darf jetzt jeder Micky Maus Filme machen?

In den USA erloschen am 1. Januar 2023 die Urheberrechte an dem Zeichentrick-Kurzfilm Steamboat Willie, in dem 1928 erstmals Micky Maus zu sehen war.

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Damit hat sich am 1. Januar 2023 in den USA sozusagen ein historisches Ereignis vollzogen. Denn der bahnbrechende Zeichentrick-Kurzfilm „Steamboat Willie“ aus dem Jahr 1928 markierte nicht nur den ersten Auftritt von Micky Maus, einem der bekanntesten und beliebtesten Charaktere der Popkultur, sondern spielte auch eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Urheberrechts. Die ursprüngliche Laufzeit der Urheberrechte sollte nämlich bereits 1984 enden, aber die Walt Disney Company setzte sich nach dem Tod ihres Gründers beharrlich dafür ein, die Schutzfrist zu verlängern.

Ein Politikum

Die Verlängerung der Urheberrechte wurde zu einer wiederkehrenden politischen Debatte, und die Walt Disney Company schien geschickt Lobbyarbeit zu betreiben, um die Frist immer weiter auszudehnen. Die Diskussionen erreichten 1998 einen Höhepunkt mit einer umstrittenen Gesetzesreform, die von Kritikern als „Mickey Mouse Protection Act“ bezeichnet wurde. Diese Reform wurde als ein Beispiel für die enge Verflechtung von Unternehmensinteressen und politischen Entscheidungen betrachtet. Nun, nach einer langen Periode der exklusiven Rechte, ist „Steamboat Willie“ endlich gemeinfrei in den USA.

Die Freigabe von „Steamboat Willie“ in den USA bedeutet, dass der Film nun von jedermann frei genutzt und sogar verändert werden kann, ohne vorher eine Lizenz beantragen und hohe Gebühren an Disney zahlen zu müssen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Kreative, den ikonischen Film in ihre eigenen Werke zu integrieren und ihm eine zeitgemäße Note zu verleihen. Die kulturelle Bedeutung von Micky Maus und seiner ersten Erscheinung in „Steamboat Willie“ kann nun von einer breiteren Öffentlichkeit neu interpretiert und reflektiert werden.

Doch bei uns ist alles anders

Allerdings bleibt eine ironische Wendung in diesem historischen Moment bestehen. Während in den USA die Urheberrechte erloschen sind, ist dies in Deutschland nicht der Fall. Ein völkerrechtlicher Vertrag aus dem Jahr 1892 bestimmt die Rechtslage, und somit bleibt der urheberrechtliche Schutz von „Steamboat Willie“ in Deutschland noch bis zum Jahr 2042 bestehen. Diese Situation mag absurd erscheinen, besonders vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt und der digitalen Vernetzung, aber sie wirft wichtige Fragen zur Harmonisierung von Urheberrechtsregelungen auf.

Die Tatsache, dass ein Werk in den USA gemeinfrei ist, während es in einem anderen Land weiterhin geschützt ist, verdeutlicht die Herausforderungen im internationalen Urheberrecht. Die Diskrepanz zwischen den Ablaufdaten der Urheberrechte in verschiedenen Ländern führt zu einem Patchwork von Regelungen, das Kreativschaffende, Unternehmen und die breite Öffentlichkeit gleichermaßen beeinflusst.

Hier muss eine Globalisierung her

Es zeigt sich, wie die digitale Ära und die Globalisierung die Dynamik des Urheberrechts verändern. Technologische Fortschritte ermöglichen eine einfache Verbreitung von Inhalten über Grenzen hinweg, was die Notwendigkeit einer einheitlichen und globalen Herangehensweise an das Urheberrecht unterstreicht. Die Diskrepanz zwischen den Schutzfristen in den USA und Deutschland verdeutlicht die Herausforderungen und Unstimmigkeiten, die noch immer in diesem Bereich existieren.

So wirft die Freigabe von „Steamboat Willie“ in den USA und die gleichzeitige Beibehaltung der Urheberrechte in Deutschland wichtige Fragen zur Modernisierung und Harmonisierung von Urheberrechtsregelungen auf internationaler Ebene auf. Diese Diskussionen sind von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass das Urheberrecht den Anforderungen der digitalen Ära gerecht wird und gleichzeitig einen angemessenen Schutz für Kreative und ihre Werke bietet.

Schlussgedanken

Ich finde es interessant, dass die Geschichte von „Steamboat Willie“ nicht nur die Entwicklung des Zeichentrickfilms und den Aufstieg von Micky Maus repräsentiert, sondern auch einen Spiegel für die komplexen und manchmal inkonsistenten Facetten des Urheberrechts darstellt. Es bleibt zu hoffen, dass die Diskussionen über eine zeitgemäße und global harmonisierte Urheberrechtsregelung weiterhin voranschreiten, um die Interessen aller Beteiligten angemessen zu berücksichtigen.

Bildquellen:
  • maus-am-steuer: KI generiert


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In „Notiz an mich selbst“ habe ich Fragen, die ich selbst hatte und Fragen, die Leserinnen oder Leser an mich gestellt haben, lediglich grob nachrecherchiert und notiert.
Diese Texte enthalten Recherchen, Fakten, Pseudofakten und Informationen, die ich einfach für mich notiert habe.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | Peter Wilhelm: © 7. Mai 2024

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