Spott + Hohn

Freitag, der Dreizehnte

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Ich schreibe heute nichts über Freitag, den 13. Das ist nämlich alles nur ein blöder Aberglaube, und statistisch gesehen unterscheidet sich ein Freitag, der 13. nicht von einem Freitag, dem 12.

Ich schreibe heute definitiv nichts über Freitag, den 13.
Wirklich nicht. Kein Wort. Keine Silbe. Keine Andeutung.

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Denn das wäre ja völlig überflüssig.

Schließlich handelt es sich dabei um nichts weiter als einen hartnäckigen Aberglauben, der sich seit Jahrhunderten hält, obwohl er statistisch betrachtet ungefähr so belastbar ist wie die Horoskopseite einer Fernsehzeitschrift. Ein Freitag, der auf den 13. eines Monats fällt, unterscheidet sich in keiner einzigen nachprüfbaren Weise von einem Freitag, dem 12., dem 14. oder irgendeinem anderen Freitag.

Autos verunfallen nicht häufiger. Kaffeemaschinen explodieren nicht öfter. Flugzeuge fallen nicht vermehrt vom Himmel.

Kurz: Die Welt geht an diesem Tag genauso gleichgültig ihren Gang wie an jedem anderen.

Ich persönlich bin als gebildeter Mann und aufgeklärter Mensch niemand, der sich von Zahlen oder Wochentagen in emotionale Wallung versetzen lässt, und frei von völkischem Aberglauben, magischem Denken und sonstigem mittelalterlichem Gedankengut.

Und gerade deshalb nehme ich selbstverständlich keinerlei Rücksicht auf irgendwelche irrationalen Befürchtungen.

Dass ich mir heute Morgen rein zufällig eine Hasenpfote umgehängt habe, ist reine Dekoration, versteht sich.
Und das sorgfältig gepresste, getrocknete vierblättrige Kleeblatt in meinem Geldbeutel besitze ich nicht, weil ich an Glücksbringer glauben würde – um Himmels willen –, sondern weil Pflanzenpressen ein schönes Hobby ist.

Auch dass ich beim Verlassen der Wohnung noch dreimal auf das Holz des Türrahmens geklopft habe, dient einzig und allein der Überprüfung der Bausubstanz.

Vorsorglich werde ich heute keine schwarzen Katzen streicheln, um Infektionen zu vermeiden. Ich werde nicht unter Leitern hindurchgehen, keine Spiegel zerbrechen und auch niemandem Salz reichen.
Das unterlasse ich nicht aus Angst. Keineswegs. Ich tue solche Sachen auch an anderen Tagen nicht.

Manche Menschen meiden an einem Freitag, dem 13., wichtige Termine, verschieben Reisen oder bleiben am liebsten gleich im Bett.

Ich nicht.

Ich bleibe nur zufällig etwas weiter weg von potenziell gefährlichen Gegenständen wie Messern, Treppen, Bordsteinkanten, heißen Getränken, elektrischen Geräten, schweren Türen, spitzen Ecken und anderen Menschen, insbesondere Frauen.

Reine Vorsicht. Keine Angst.

Natürlich könnte man argumentieren, dass der eigentliche Unsicherheitsfaktor nicht der Tag ist, sondern der Mensch selbst. Wer fest an Unglück glaubt, verhält sich angespannter, unkonzentrierter und produziert damit erst die kleinen Missgeschicke, die er anschließend dem Datum in die Schuhe schiebt.

Aber solche psychologischen Feinheiten überlasse ich gern anderen.

Ich jedenfalls bin vollkommen entspannt.

So entspannt, dass ich vorsorglich keine größeren Entscheidungen treffe, keine Verträge unterschreibe, keine riskanten Gespräche führe und mich heute Abend möglichst ruhig verhalte.

Ein ganz normaler Tag also.

Und falls heute wider Erwarten doch irgendetwas schiefgehen sollte, dann liegt das selbstverständlich nicht am Freitag, dem 13.

Sondern an den vielen Abergläubigen, die vor lauter Vorsicht bestimmt irgendwo ins Unglück stolpern und damit das karmische Gleichgewicht des Universums stören.

Toi, toi, toi.

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(©si)