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Feuer in der Nachbarschaft

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Feuer! Als gezähmtes Element ist es dem Menschen wichtigster Diener. Doch nicht umsonst spricht man davon, dass Feuer ausbrechen kann. Entzieht es sich der menschlichen Kontrolle, entsteht es durch Naturgewalt oder technisches Versagen, dann kann aus dem treuen Diener ein erbitterter Feind werden.

Ein Feind, der bekämpft werden muss. Das leisten unsere Feuerwehren. Was viele gar nicht wissen: Es gibt viel mehr freiwillige Feuerwehren als Berufsfeuerwehren. Die ehrenamtliche Arbeit der freiwilligen Brandbekämpfer und Retter kann gar nicht hoch genug geschätzt und gewürdigt werden.

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Vor etwas mehr als einem Jahr hat es direkt nebenan gebrannt. Ein kleines Wohnhaus ging in Flammen auf. Glücklicherweise konnten sich die Bewohner (Mieter) rechtzeitig in Sicherheit bringen.
Doch für das alte Häuschen kam jede Hilfe zu spät.

Nein, nicht die Feuerwehr kam zu spät, die war sogar sehr schnell vor Ort. Aber die alte Bausubstanz bot dem Feuer reichhaltige Nahrung und so brannte das Haus komplett aus. Wenige Wochen später, nachdem wohl mit der Versicherung alles geklärt war, wurde es innerhalb weniger Tage abgerissen.

Ich bemerkte das Feuer zuerst auf einer Überwachungskamera, die auf unseren Garten gerichtet ist. Das war gegen 19.28 Uhr. Ich weiß es nicht mehr genau, aber so gegen 19.40 Uhr war die Feuerwehr wohl schon da und begann mit dem Löschen. Es war aber, so glaube ich, von Anfang an klar, dass es kaum gelingen wird, das Haus zu retten. Aber das vermute ich jetzt nur.

Ab 20 Uhr wurde dann mit großem Einsatz von mehreren Seiten gelöscht. Die große Drehleiter wurde ausgefahren und ein Feuerwehrmann löschte von oben.

Davon habe ich dieses spektakuläre Foto gemacht:

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Warum kommen die Fotos erst nach über einem Jahr?

Ich habe extra so lange gewartet, bevor ich diese Bilder hier zeige, weil ich weiß, dass der Brand unseren Nachbarn sehr zugesetzt hat. Nicht nur, dass sie als Eigentümer das Haus verloren haben, auch das angrenzende Firmengebäude wurde in Mitleidenschaft gezogen.
Doch abgesehen vom materiellen Verlust ist die psychische Komponente nicht zu unterschätzen. Die Hilflosigkeit, der man ausgeliefert ist, wenn vor den eigenen Augen ein Stück Geschichte, eine Immobilie ein Raub der Flammen wird, brennt sich tief ein und kann sehr belastend sein. Die Aufregung bleibt lange erhalten. Die nachfolgenden Laufereien, Scherereien und Auseinandersetzungen mit Versicherungen, Ämtern und Bauunternehmern drängen einem Verpflichtungen auf, die man eigentlich gar nicht haben will.

In diese Wunden wollte ich nicht hineinstechen.

Aber auf der anderen Seite sind mir Aufnahmen gelungen, die, wie ich finde, die tolle Arbeit unserer ehrenamtlichen Freiwilligen Feuerwehr in Edingen-Neckarhausen in hervorragender Weise zeigen.

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Darf man eigentlich Feuerwehreinsätze fotografieren?

Die Frage, ob man Einsätze von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei fotografieren darf oder sollte, taucht immer wieder auf. Grundsätzlich gilt: Ja, das Fotografieren solcher Einsatzlagen ist in Deutschland erlaubt – solange bestimmte rechtliche und ethische Grenzen eingehalten werden.

Ich selbst bin Journalist und verfüge über einen Presseausweis, der mir bei Unfällen, Bränden, Katastrophen und größeren Schadenslagen eine gewisse Nähe zum Geschehen ermöglicht. In dem hier geschilderten Fall entstanden die Fotos allerdings nicht an einer Absperrung oder direkt am Einsatzort, sondern von meinem Bürofenster aus. Es handelte sich also um Aufnahmen aus einem privaten, zulässigen Blickwinkel.

Das reine Anfertigen von Fotos ist rechtlich zulässig. Entscheidend ist jedoch, wie und was fotografiert wird und welche Folgen daraus entstehen könnten.

Was man in solchen Situationen nicht darf:

  • Keine erkennbaren Personen fotografieren, insbesondere keine Verletzten, Toten, Betroffenen oder trauernden Angehörigen. Das Persönlichkeitsrecht gilt auch – und gerade – in Ausnahmesituationen.
  • Keine Aufnahmen machen, die Rettungshandlungen behindern oder Einsatzkräfte ablenken. Wer sich in den Weg stellt, Absperrungen ignoriert oder Rettungswege blockiert, begeht im Zweifel eine Straftat.
  • Insbesondere auf Autobahnen, aber auch generell im Straßenverkehr, sollte jedem, der gafft, anhält oder behindert, sofort der Führerschein abgenommen werden.
  • Keine Einsatzstellen betreten, die abgesperrt sind oder als Gefahrenbereich ausgewiesen wurden.
  • Keine Details veröffentlichen, die Rückschlüsse auf Identitäten, Wohnorte oder private Lebensumstände der Betroffenen zulassen.
  • Keine Bilder verbreiten, die sensationsheischend, entwürdigend oder voyeuristisch wirken.
  • Keine Aufnahmen anfertigen oder weitergeben, die Ermittlungen behindern oder Einsatzstrategien offenlegen könnten.

Kurz gesagt: Fotografieren ist erlaubt – Gaffen nicht. Zwischen dokumentarischer Berichterstattung und pietätloser Neugier liegt eine klare Grenze.

Wer aus journalistischem oder dokumentarischem Interesse fotografiert, sollte sich immer fragen, ob das Bild einen Informationswert hat oder lediglich Schockwirkung erzeugt. Respekt vor den Betroffenen und vor der Arbeit der Einsatzkräfte muss stets oberste Priorität haben.

Gerade in Zeiten sozialer Medien gilt mehr denn je: Nicht alles, was man fotografieren kann, sollte man auch veröffentlichen.

Was ist an dem Bild mit dem Feuerwehrmann und dem Schirm aus Wasser so besonders?

Lenz Borgholt aus Österreich ist einer meiner Fotofreunde und lobt dieses Bild:

Das Foto wirkt so stark, weil hier mehrere gestalterische, technische und emotionale Faktoren sehr glücklich zusammenkommen. Es ist nicht einfach nur eine Einsatzdokumentation, sondern ein Bild mit klarer Bildsprache und Symbolkraft.

1. Klare Hauptfigur und eindeutiger Fokus
Der Feuerwehrmann im Korb der Drehleiter ist eindeutig das visuelle Zentrum. Es gibt keinen Zweifel, worum es geht und wer die Handlung trägt. Gute Bilder erzählen eine Geschichte mit einem klaren Protagonisten – das gelingt hier hervorragend.

2. Der Wasserstrahl als visuelle Leitlinie
Der fächerförmige Wasserstrahl funktioniert wie ein natürlicher Pfeil. Er führt den Blick des Betrachters direkt vom Feuerwehrmann in den Brandbereich. Solche Linien nennt man in der Fotografie „Leading Lines“. Sie erzeugen Dynamik und Tiefe.

3. Starkes Hell-Dunkel-Spiel (Chiaroscuro-Effekt)
Der helle Wassernebel, der vom Licht angestrahlt wird, steht im starken Kontrast zum dunklen Hintergrund. Dieses Licht-Schatten-Spiel erzeugt Dramatik, Spannung und räumliche Tiefe – ein klassisches Stilmittel, das man sonst oft aus der Malerei kennt.

4. Rauch als atmosphärisches Element
Der Rauch wirkt wie ein natürlicher Weichzeichner. Er glättet den Hintergrund, lässt Details verschwimmen und hebt dadurch das Wesentliche noch stärker hervor. Gleichzeitig vermittelt er Hitze, Gefahr und Chaos – ohne explizit Flammen zeigen zu müssen.

5. Mensch gegen Element
Das Bild transportiert eine uralte Bildidee: Ein einzelner Mensch steht einem übermächtigen Element gegenüber. Wasser gegen Feuer. Ordnung gegen Zerstörung. Diese archetypische Konstellation wirkt unmittelbar auf den Betrachter.

6. Kein sichtbares Gesicht – universelle Figur
Da man das Gesicht des Feuerwehrmanns nicht erkennt, wird er zu einer Stellvertreterfigur für „den Feuerwehrmann an sich“. Jeder kann sich in diese Rolle hineinversetzen. Das steigert die emotionale Wirkung.

7. Moment statt Pose
Das Foto wirkt nicht gestellt. Es zeigt einen echten Arbeitsmoment. Solche authentischen Augenblicke wirken immer stärker als arrangierte Szenen.

8. Reduzierte Farbpalette
Vorherrschend sind Dunkelblau, Grau, Gelblich-Weiß und ein Hauch Grün. Keine knalligen Farben, keine Ablenkung. Das Bild bleibt ruhig, trotz der Dramatik.

9. Gute Bildbalance
Links die Leiter, mittig der Korb, rechts der Wasserfächer – das Bild ist ausgewogen, ohne statisch zu sein. Es hat Spannung, aber keine Unruhe.

10. Symbolischer Charakter
Das Foto funktioniert nicht nur als Einsatzbild, sondern auch als Symbolfoto für Mut, Einsatz, Schutz und Verantwortung. Das macht es zeitlos.

11. Der Wasserschirm als Schutzsymbol
Die fächerförmig ausgebreiteten Wasserstrahlen wirken nicht nur technisch, sondern auch symbolisch. Sie erinnern an einen schützenden Schirm oder Baldachin. Unbewusst entsteht dadurch das Gefühl von Behütung, Abschirmung und Schutz. Der Feuerwehrmann steht nicht einfach im offenen Feuerkampf, sondern unter einem selbst erzeugten Schutzdach aus Wasser. Das verstärkt die Wahrnehmung von Kontrolle, Professionalität und Sicherheit – mitten im Chaos.

12. Die sichtbare Einsamkeit im kollektiven Einsatz
Obwohl Feuerwehrarbeit immer Teamarbeit ist, zeigt das Foto einen einzelnen Menschen in exponierter Position. Hoch oben, abgeschottet durch Atemschutz, Lärm und Dunkelheit, wirkt der Feuerwehrmann allein mit seiner Aufgabe. Das vermittelt die stille Einsamkeit, die jeder Einsatz in bestimmten Momenten mit sich bringt. Trotz Funkkontakt, trotz Kameraden am Boden steht hier ein Mensch unter schwerem Atemschutzgerät der Urgewalt des Feuers scheinbar ganz für sich gegenüber. Diese Diskrepanz zwischen kollektiver Organisation und individueller Belastung macht das Bild besonders berührend.

Damit bekommt das Foto eine zusätzliche menschliche Dimension: Es geht nicht nur um Technik und Taktik, sondern um den einzelnen Menschen, der bereit ist, seine Kraft, seine Gesundheit und im Zweifel sein Leben einzusetzen.

In Kombination mit den anderen Aspekten bekommt das Bild dadurch eine zusätzliche, fast tröstliche Ebene: Es zeigt nicht nur Gefahr, sondern auch Schutz, Kompetenz und die Fähigkeit des Menschen, sich dem Element Feuer wirksam entgegenzustellen.

Kurz gesagt:
Das Bild ist so gut, weil es Technik, Licht, Komposition und Inhalt in seltener Harmonie verbindet. Es zeigt nicht nur, dass gelöscht wird – es zeigt, was es bedeutet, Feuerwehrmann zu sein.

Wie wurde das Bild gemacht?

Ich hab alles da, eine Spiegelreflexkamera, Dutzende Objektive, noch eine Kompaktkamera, und noch eine…
Aber ganz ehrlich? Ich nutze das alles seit Jahren kaum noch bis gar nicht mehr.
Das Foto wurde schlicht und ergreifend mit meinem iPhone 14 Max Pro gemacht. Und zwar einfach so, ohne besondere Einstellungen, so wie es fotografiert, wenn man die Kamerafunktion aufruft.
In Affinity-Foto habe ich noch den Autokontrast drüberlaufen lassen.

Warum ist mir das wichtig?

Ich war selbst mal halber zu 1 % Feuerwehrmann. Vor vielen Jahren habe ich mal in der Nachbargemeinde Ilvesheim gewohnt. Dort musste jeder geeignete Mann zur Freiwilligen Feuerwehr. Man konnte darum herumkommen, wenn man eine jährliche Feuerwehrabgabe zahlte, oder wenn man bereits in einem Sicherheitsberuf tätig war. Da ich bei der Sicherheitspolizei der US-Streitkräfte arbeitete, musste ich nicht da hin.

Allerdings verpflichtete mich mein Dienstherr zur Teilnahme an Löschübungen und zu einem entsprechenden Feuerwehrtraining. Das war nichts Spektakuläres, aber immerhin bekam man ein Zertifikat.
Später dann arbeitete ich für eine kurze Zeit bei Karstadt. Da musste ich zur Betriebsfeuerwehr und wurde ausgerechnet von einem freiwilligen Feuerwehrmann hier aus Edingen unterwiesen. Der arbeitete nämlich im Hauptberuf als Hausmeister oder Haustechniker bei Karstadt. Ich weiß gar nicht, ob ich Löschhelfer war oder Schlauchkundiger, jedenfalls habe ich die regelmäßigen Übungen sehr interessant gefunden.
Zum richtigen Feuerwehrmann hätte es bei mir nicht gereicht: Zu unsportlich und auch zu wenig Teamgeist.

Was sollen die Fotos bringen?

Diese Fotos – und die gesamte kleine Bildserie – ist für mich weit mehr als eine Momentaufnahme eines spektakulären Einsatzes. Ich sehe darin ein stilles Dankeschön an Menschen, die bereit sind, aufzustehen, wenn andere fliehen. Mit solchen Bildern möchte ich die Arbeit der Feuerwehr sichtbar machen, würdigen und ehren. Nicht pathetisch, nicht überhöht, sondern ehrlich: als das, was sie ist – unverzichtbar für unsere Gesellschaft.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass solche Aufnahmen auch motivieren. Die meisten Feuerwehren in Deutschland sind auf freiwillige Helfer angewiesen. Das sind Nachbarn, Kollegen, Freunde – Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Wer sich engagiert, übernimmt Verantwortung, lernt Teamarbeit, Technik und Kameradschaft kennen und tut etwas Sinnvolles für andere.

Wenn dieses Bild dazu beiträgt, dass auch nur eine Person darüber nachdenkt, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu melden, dann hat es seinen Zweck mehr als erfüllt.

Bildquellen:

  • feuerki03_800x500: Peter Wilhelm ©
  • feuerki01_800x500: Peter Wilhelm ©
  • feuerki04_800x500: Peter Wilhelm ©

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(©si)