Uhren/Waffen/Gadgets

Uhrengeschichten: Rolex vom türkischen Basar

Tuerkei 800x500

Fake-Uhren sind ein Raub geistigen Eigentums. Kriminelle stellen in Werkstätten gefälschte Markenprodukte her, die den Originalen weitestgehend gleichen. Was diese Fälschungen von nachgeahmten Hommage-Uhren unterscheidet, ist der Markenname. Auf Fake-Uhren steht der Markenname renommierter Weltunternehmen, wie Rolex, Breitling, Lange & Söhne, IWC und Omega.

Schon Hommage-Uhren, die ebenfalls teuren Luxusuhren gleichen, aber unter eigenem Markennamen vertrieben werden, haftet ein gewisses G’schmäckle an. Aber die Hersteller gehen wenigstens ehrlich mit ihren Kunden um, und zeigen deutlich: Ja, wir ahmen nach, aber wir beanspruchen nicht, echte Luxusuhren anzubieten.

Werbung

Trotzdem will jeder Uhrenliebhaber auch gerne mal eine Uhr in seiner Sammlung haben, auf der Rolex oder Breitling steht. Solange man damit nicht herumläuft, und behauptet, eine echte Rolex zu haben, ist das ja auch nur eine persönliche Angeberei. Man hat sich den Abklatsch von etwas Luxuriösem gegönnt und ist nichts weiter als der Träger einer Blenderuhr.

Verboten ist es nicht, so eine Uhr zu kaufen oder zu besitzen. Bei der Einfuhr, egal ob per Postversand oder beim Mitbringen aus dem Urlaub, könnte allenfalls der Zoll zuschlagen und Markenrechte der Originalhersteller durchsetzen. Im Zweifelsfall ist das gute Stück dann weg und wird vernichtet. Bestraft wird man als Privatkäufer hingegen nicht. Anders sieht es aus, wenn man diese Uhren einführt, um sie dann gewerblich zu verkaufen.

Es ist also kein Wunder, dass Touristen in Ländern, in denen es mit dem Markenrecht nicht so genau genommen wird, mit einer Fülle von Fake-Uhren überhäuft werden.
Die Schmuckläden in Fernost und die Basare in der Türkei sind voll mit entsprechenden Angeboten.

Vor ein paar Jahren waren meine Allerliebste und ich in der Türkei in Urlaub.
Natürlich gehörten diverse Busausflüge zu irgendwelchen Sehenswürdigkeiten mit dazu. Man kennt das doch: Die Reise ist etwas günstiger oder die Ausflüge kosten nur wenig, wenn man auch noch eine Verkaufsveranstaltung für Teppiche, Lederjacken oder Goldschmuck über sich ergehen lässt.

Ein Ausflug zu einer berühmten Moschee und zu einem riesigen Basar war mit einem Besuch in einer Teppichmanufaktur verbunden. Schnell wurde klar, dass die teppichwebenden Frauen nur so taten, als würden sie Teppiche weben. Sie waren extra dafür da, den Touristen eine Show zu bieten. In Wahrheit ging es darum, die Kaufwilligen abzusondern und in kleinen Separés bei Tee und Gebäck zum Kauf von Teppichen zu überreden.

Türkei 010107 0113 800x500
Nette alte Frauen führten die Kunst des Teppichknüpfens und -webens vor. Man erkannte jedoch, dass sie das nur für die Touristen taten. Gefertigt wurde da nichts.

Blöderweise war in unserer Reisegruppe ein reiches Rentnerpaar aus Esslingen dabei, das der Überredungskunst der geölten Teppichtürken erlag und wohl Dutzende von Brücken und Läufern kaufte.
Wegen dieser Leute mussten die anderen alle fast anderthalb Stunden im Bus warten, bis die Esslinger genug ausgepresst waren.
Das ging aber von der vorgesehenen Zeit im Basar ab.

Türkei 190308 0007 800x500
Irgendwo im Nirgendwo: Teppichknüpferei mit Verkaufsveranstaltung.

Also kamen wir mit großer Verspätung an diesem riesigen Basar an und mussten quasi in großer Hetze die verschiedenen Stände abklappern.
Die Allerliebste steuerte Stände an, wo Textilien verkauft wurden. Sie wollte T-Shirts und Kapuzenpullis für die Kinder kaufen.
Ich hingegen wurde von einem Uhrenhändler angelockt.

Hunderte Plastikuhren, Dutzende Modeuhren, ein unübersichtliches Angebot an billigem Chinascheiß.
Doch der Mann sah, dass ich ein Opfer für Fake-Uhren sein könnte. Und da hatte er vollkommen recht. Ich war mit der Absicht zu diesem Stand gegangen, eine falsche Rolex zu kaufen.
Ganz schnell zog er mich beiseite und öffnete eine Schublade mit den Fälschungen. Die meisten davon würde ich in die Kategorie Rapper- oder Zuhälteruhren einordnen. Riesige, falsch vergoldete Zeitmesser, über und über mit glitzernden falschen Diamanten besetzt. Sie hatten nichts mit teuren Luxusuhren gemeinsam, außer dass die Hersteller Rolex und Breitling aufs Ziffernblatt gedruckt hatten.

Ich muss so angewidert geguckt haben, dass Ali, der Uhrenverkäufer, eine andere Schublade öffnete. Und da war genau das drin, was ich suchte: Uhren mit Rolex- und Breitling-Branding, die zumindest halbwegs so aussahen, als könnten sie von den Luxusherstellern stammen. Das offene „Tourbillon“ verriet ihre chinesische Herkunft.

Wie das so ist, der Türke verlangte Mondpreise. Ich war aber schon so oft und so lange in Asien unterwegs gewesen, dass mir das Handeln nicht schwerfiel.
Zwei „goldene“ Rolex, eine größere Rolex in Edelstahl und drei Diesel-Uhren suchte ich aus und handelte Ali auf fast nichts herunter.
Zumindest vermittelte mir der Uhrenverkäufer das Gefühl, er und seine Kinder müssten nun wochenlang hungern und sein Großvater müsse auf die dringend benötigte Arztbehandlung verzichten, weil ich ihn so ruinierte. In Wirklichkeit ist Ali aber so geschickt gewesen, dass er mir das Gefühl vermittelte, gut verhandelt zu haben, wobei er trotzdem einen fetten Gewinn gemacht hat.
Keiner von denen verkauft unter Einkaufspreis, das ist alles bloß Show.

Rolex gold fake
Die Uhr sind in Wirklichkeit viel besser aus, ich musste das Bild schlecht vergrößern. Ich trage sie aber nicht, es ist ein Quarzuhrwerk drin.

Er plapperte die ganze Zeit, packte alles sorgfältig in mehrere Lagen Zeitungspapier, nochmals in dünne Plastiktüten, nochmals in Papier und dann in eine Tüte. „Gut wegstecken, nicht dem Reiseleiter zeigen, die melden das!“ warnte er mich.

Und so kam es, dass ich erst Stunden später im Hotel meine Beute näher betrachten konnte.
Die Rolex-Fakes habe ich heute noch. Ich trage sie aber nicht.
Die Diesel-Uhren für meinen Sohn und seine Freunde hingegen, habe ich noch am selben Abend in den Mülleimer im Hotelzimmer geschmissen.
Der Wichser hatte beim Einpacken und Einwickeln, die guten, von mir geprüften Uhren gegen verkratzte Blechuhren ohne Uhrwerk ausgetauscht. Arschloch!

Rolex oyster fake
Diese falsche Edelstahl-„Rolex“ habe ich eine ganze Weile als „Daily Rocker“ getragen, das sieht man ihr auch an. Das japanische Automatikuhrwerk läuft super. Die Uhr ist angenehm zu tragen.

Da habe ich 50 oder 60 Euro Lehrgeld bezahlt. Nochmal würde mir das nicht passieren.
Aber die Händler wissen eben genau, dass die Touristen in der Regel keine Chance haben, diesen 80 Kilometer entfernten Basar noch einmal aufzusuchen.

Wie ich in der Bildunterschrift oben bereits sagte: Die Edelstahl-„Rolex“ habe ich bestimmt zwei, drei Jahre immer wieder getragen. Bei allem, zum Anzug, beim Handwerken und auch sonst so. Das sieht man der Uhr auch an. Aber sie ist robust, ich trage sie gerne und sie sieht auch schöner aus als auf dem Bild.
Ich habe die Fotos aus einem Gesamtfoto eines Uhrenkastens herausvergrößert.

Allein diese „Rolex“-Fakeuhr hat aus meiner Sicht die Kosten, auch inklusive des „Diesel-Betrugs“, völlig wettgemacht.

Trotzdem finde ich es scheiße von dem Basarhändler, seine Kunden so über den Tisch zu ziehen. Ich hätte den Kauf auch getätigt, wenn er 20 oder 30 Euro ehrlich mehr verlangt hätte und ich dafür wenigstens halbwegs ordentliche Ware bekommen hätte.

Jeder weiß doch, dass man für 10 oder 20 Euro für eine Fake-Uhr nichts Besonderes bis hin zu gar nichts erwarten darf. Allenfalls bekommt man etwas, das man ein paarmal anziehen kann und das dann schon abgerockt und billig aussieht.
Mehr wollte ich nicht. Die Edelstahl-Rolex hat mich aber letztlich mit der ganzen Sache versöhnt. Außerdem hatte ich von den „goldenen“ Rolex ja zwei gekauft und konnte eine davon, ehrlich als Fake aus der Türkei benannt, an einen Kumpel verkaufen. Ich habe 20 Euro dafür bezahlt und von ihm 50 Euro geboten bekommen. Für 40 habe ich sie ihm dann gegeben. Man muss ja auch sehen, wo man bleibt.

Bildquellen:

  • Tuerkei_190308_0007_800x500: Peter Wilhelm ©
  • Tuerkei_010107_0113_800x500: Peter Wilhelm ©
  • tuerkei_800x500: Peter Wilhelm KI
  • rolex-oyster-fake: Peter Wilhelm
  • rolex-gold-fake: Peter Wilhelm

Lesezeit ca.: 8 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)