Ich frage mich ernsthaft, wer dem größten Narren der Welt, Donald Trump, diesen ganzen Mist einflüstert. Ein Mensch allein, auch wenn es ein irrer, selbstverliebter Despot ist, kann so bescheuert gar nicht sein.
Ein Mensch, der ganz deutlich erkennbar, von Wirtschaft überhaupt keine Ahnung hat, wirft unentwegt mit Zahlen um sich, die belegen sollen, wie groß der eigene Genius angeblich ist.
Ich habe nur einmal in meinem Leben einen Kerl erlebt, der ähnlich irre und stringent Blödsinn verzapft hat. Ein älterer Mann, der sexuell nichts mehr zustande brachte, und im Alter nicht mehr wusste, wohin mit seinem Testosteron, und der nicht damit klarkam, dass sein biologisches Ende schon in Sichtweite war, ohne dass er König von Takkatukkaland geworden war. Ein Mensch, der sich sein Leben lang hohe Ziele gesetzt hatte, diese auch durch Glück, Betrug und Verschlagenheit immer erreicht hat, dem aber die Anerkennung der Intellektuellen und der Elite verwehrt blieb.
Donald Trump wirkt auf mich genau wie dieser Mann. Dieser Mann hat es bis zum Ende seines Lebens nicht geschafft, das letzte Ziel, nämlich die Anerkennung der Gesellschaft zu erreichen, immer hat irgendwie noch was gefehlt. Doch Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, er hat die Position des mächtigsten Manns der Welt. Und doch ist er wie des Fischers Frau, die im Märchen immer noch mehr wollte. Nicht die Position des Königs, nicht die des Kaisers und auch nicht die des Papstes waren ihr genug, nein, Gott wollte sie sein, und landete wieder im Dreck.
Trump ist US-Präsident, aber sein testosterongesteuertes Kinder-Ego will immer noch mehr.
Trump lässt keine Gelegenheit ungenutzt, darauf zu verweisen, wie er die Preise gesenkt hat, wie er die Inflation bekämpft hat und wie viel mehr Geld er jedem einzelnen Amerikaner in die Tasche gespült haben will.
Doof ist bloß, dass die Preisschilder in den US-Supermärkten eine völlig andere Sprache sprechen. Dumm nur, dass der Durchschnittsamerikaner noch nie so wenig Geld in der Tasche hatte, wie heute.
Donald Trump war noch nie in seinem ganzen Leben einkaufen. Ich meine damit den Erwerb von Lebensmitteln und nicht den Ankauf von Hochhäusern und Golfplätzen auf Pump.
Dieser verwöhnte Milliardärssohn hat sich noch niemals Gedanken darüber machen müssen, was ein Ei kostet oder wie viel eine Gallone Benzin kostet. Er gehört zu der Gruppe von Menschen, die mit einem goldenen Besteckkasten im Arsch auf die Welt gekommen sind, und die einfach irgendein anderes Auto nehmen, wenn der Tank mal leer ist.
Was es bedeutet, zehn Tage vor Monatsende kein Geld mehr auf dem Konto zu haben und trotzdem Essen für drei oder vier Kinder einkaufen zu müssen, das weiß dieser arrogante Pimmel doch überhaupt nicht.
Das schwere Schicksal, niemals Not gelitten zu haben, niemals ein Nein gehört zu haben und immer alles in Hülle und Fülle zur Verfügung zu haben, teilt Trump mit so vielen Politikern, die sich auf der anderen Seite anmaßen, darüber Bescheid zu wissen, wie es den Menschen da draußen im Lande geht. Ich sag’ hier mal nur die Stichworte Merz und Mittelschicht.
Trump und die gesunkenen Preise
Donald Trump liebt Zahlen. In seiner, nur ihm verständlichen, Logik sind Preise dann gesunken, wenn er es nur kräftig genug behauptet. In einer seiner jüngeren Ansprachen verkündete er stolz, „die Lebensmittelpreise seien gesunken“ – mal wieder einer dieser Momente, in denen Realität und Trumps Rhetorik wie zwei Paralleluniversen existieren, die sich niemals treffen. 
Doch was sagt die harte Realität an der Supermarktkasse?

Die Supermarkt-Wahrheit
Nach offiziellen Daten sind die Lebensmittelpreise in den USA nicht gesunken, sondern gestiegen – und zwar deutlich. Für jeden Amerikaner erkennbar.
Laut dem US-Statistikamt (Bureau of Labor Statistics) legten die Preise für „Food at Home“ im Jahresvergleich um etwa 2,4 % zu, und im Dezember stiegen sie sogar monatlich um 0,7 %, der stärkste Anstieg seit Jahren. Das bedeutet nicht nur, dass Lebensmittel aktuell teurer sind als im Vorjahr – viele Konsumenten berichten, dass alltägliche Produkte wie Kaffee, Rindfleisch oder Süßigkeiten zweistellige Preissteigerungen im Jahresvergleich erlebt haben. 
Und wer sich noch an den Wahlkampf erinnert: Trump versprach, Inflation und Lebensmittelpreise zu besiegen. Was tatsächlich passierte, war eher ein Bumerang: Die Preise blieben hoch und sind in wichtigen Kategorien – trotz leicht niedrigerer Gesamtinflationszahlen – teurer als zuvor. 
Trumps Lieblingsbeispiel – die Eier
Trump nutzte gerne das Beispiel der Eierpreise als klassischen Populismus-Ankerpunkt: „Wir haben die Eierpreise gesenkt!“ Doch in Wirklichkeit stiegen die Eierpreise oder blieben auf hohem Niveau – je nach Region und Zeitpunkt. 
Für viele amerikanische Haushalte sind die Lebenshaltungskosten nach wie vor eine Belastung. Sie empfinden die Preise an der Ladenkasse als hoch – und das im täglichen Einkauf, bei Kaffee, Fleisch, Milch oder Brot. 
Es ist eine wunderbare rhetorische Leistung, den Menschen einzureden, sie hätten weniger zu zahlen, während sie beim Bezahlen im Supermarkt tagtäglich mit einer völlig anderen Realität konfrontiert werden.
Alle Amerikaner leiden darunter, viele MAGA-Anhänger mögen vielleicht denken, das sei der Preis, den man dafür zahlen muss, endlich mal den starken Mann an der Macht zu haben.
Für den einfachen Verbraucher bedeutet es derzeit schlicht: Die Lebensmittelpreise sind hoch und bleiben es. Punkt.
Niveau?
Trump benimmt sich wie ein 5-Jähriger. Natürlich verweist er ständig auf die schwierigen IQ-Tests, die er schon mehrfach „als einziger Mensch überhaupt“ mit großem Abstand vor allen Schimpansen, Gorillas und Meerkatzen erfolgreich absolviert hat. Bei näherer Betrachtung, und das haben amerikanische YouTuber sehr schön aufgezeigt, hat er Tests für Kinder, Demente und Minderbegabte gemacht, mit denen das Vorhandensein von mindestens einer funktionierenden Gehirnzelle belegt werden kann.
Donald Trump begreift überhaupt nicht, was es bedeutet, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein. Die USA sind mit Abstand die mächtigste Nation der Welt. Eine Nation, geboren aus dem Eifer von Millionen von Einwanderern aus Europa und Hunderttausenden gegen ihren Willen aus Afrika geraubten Menschen. Die USA waren einmal die Nation, auf die die ganze Welt schaute, auf die sich die ganze Welt verließ und auch verlassen konnte. Die Nation, die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg die entscheidende Rolle gespielt hat, und das ohne Not. Denn zu Recht verweist Trump darauf, dass die USA durch einen Ozean von all diesen Kriegen getrennt sind/waren.
Lassen wir imperialistisches Verhalten, internationale Einmischungen und all diese ganzen hässlichen Geschichten für einen Moment mal außen vor. Mir sind sie alle sattsam bekannt. Die USA waren noch nie ein Kind mit sauberen Pfoten. Aber bei der Betrachtung, die ich hier anstelle, soll das jetzt mal keine Rolle spielen, denn es geht (mir) um etwas ganz anderes.
Nehmen wir als Beispiel mal die NATO. Ein Pakt des Friedens. Ein Zusammenschluss von Staaten in aller Welt, der gegenseitigen Beistand sichert, wenn ein böser Bube (der vermutlich immer der Russe sein wird), Krieg gegen eines der Mitglieder anzettelt. Es war noch nie ein Geheimnis, dass die größte Macht der Welt, die USA, mit der mächtigsten Armee der Welt, im Falle eines Falles die meisten Soldaten, die mächtigsten Waffen und das meiste Geld würde bereitstellen müssen.
So ist das eben, wenn man der „Große Bruder“ ist.
Man darf aber nicht unterschlagen, dass die Vereinigten Staaten diese mächtigen Streitkräfte mit den modernsten Waffen überhaupt sowieso unterhält. Trump tut aber so, als koste die Mitgliedschaft in der NATO und der ja zunächst einmal nur auf dem Papier bestehende Beistand den amerikanischen Steuerzahler permanent Unsummen. In seinem begrenzten Verständnis zahlen die NATO-Mitglieder so eine Art Beitrag, und nur bei Beitragszahlung gebe es einen Versicherungsschutz. Bei diesem ständigen Sprechdurchfall von 2 %, die nie gezahlt worden seien, gegenüber den 5 % die nur dank ihm jetzt tatsächlich gezahlt werden, unterliegt Trump einem absoluten Mißverständnis. Mit anderen Worten: Der leider mächtigste Mann der Welt versteht die Grundprinzipien dieses Beistandspaktes überhaupt nicht.
Er weiß nicht einmal im Grundansatz, um was es dabei geht. Er hat nicht die geringste Ahnung, was die NATO ist, was sie im weltweiten Gleichgewicht der Kräfte bedeutet.
Alles, was Trump sagt, gleicht dem Auftritt eines Clowns, der durch groteskes Verhalten, Provokation und übersteigerte Albernheiten nur eins erreichen will: Auffallen um jeden Preis, damit alle Augen auf ihn gerichtet sind. Es ist diese Art von Clown, die jeder Zirkus mit Raubtieren hinter dem Vorhang bereithält, für den Fall, dass einer der Löwen dem Dompteur den Kopf abbeißt, und der rausgeschickt wird, um die Zuschauer von dem schrecklichen Geschehen abzulenken.
Und dann also Davos
Dieser Ort, an dem sonst Staatslenker, Konzernchefs und Finanzalchemisten mit ernster Miene so tun, als hätten sie die Welt im Griff, wurde zur Bühne für Donald Trumps nächsten grotesken Kindergeburtstag. Geschniegelt, geschniegelt wie immer, aber mit dem geistigen Tiefgang eines Mannes, der sich in einem Hotelbademantel für Zeus hält. Während richtige Staatschefs über Weltwirtschaft, Kriege, Energiekrisen und den Zerfall ganzer Gesellschaften sprechen, nutzt er die größte Bühne der globalen Politik, um wieder einmal zu erklären, dass er der Größte ist. Der Reichste. Der Klügste. Der Erfolgreichste. Der Präsident mit den besten Zahlen seit der Erfindung der Zahl.
Trump in Davos ist wie ein betrunkener Onkel auf einer Beerdigungsfeier, der plötzlich das Mikrofon bekommt und erst einmal erklären muss, dass er viel besser singen kann als Pavarotti und dass sowieso alle anderen neidisch sind, weil sie nie so ein tolles Moped hatten wie er. Dabei wirft er mit Superlativen um sich wie ein Affe mit Kot im Zoo. Alles „tremendous“. Alles „the best ever“. Alles „nobody has ever seen anything like it“. Davos wird bei ihm zur Selbsthilfegruppe für gekränkte Milliardärsseelen.
Er spricht dort über Weltwirtschaft, als ob ein Mann, der sein ganzes Leben lang mit Spielgeld Monopoly gespielt hat, plötzlich über Quantenphysik sprechen müsse. Er kennt Preise nicht, er kennt Prozesse nicht, er kennt Zusammenhänge nicht. Er kennt nur sich. Und seine immer gleichen, abgewetzten Schallplatten: Ich, ich, ich. Erfolg, Erfolg, Erfolg. Fake, fake, fake. Great, great, great. Davos hätte auch ein leerer Konferenzraum sein können, ein Spiegel und ein Aufnahmegerät. Der inhaltliche Unterschied wäre kaum messbar gewesen.
Besonders bizarr ist dieser Kontrast: Da sitzen Menschen, die sich – ob man sie nun mag oder nicht – wenigstens mit der Illusion beschäftigen, dass globale Verantwortung existiert. Und dann steht da einer, der Politik für eine Art Realityshow hält, in der es nur darum geht, wer am lautesten kräht, wer am häufigsten seinen eigenen Namen sagt und wer es schafft, selbst einen Weltwirtschaftsgipfel in eine egozentrische Talentlosenshow zu verwandeln. Trump redet in Davos nicht zur Welt. Er redet zu seinem Spiegelbild, und die Welt darf zuhören.
Sein Auftritt dort hatte etwas tief Peinliches. In mir kam fast das Gefühl des Fremdschämens auf, und mir taten die Simultandolmetscherinnen und Dolmetscher leid, die diesen unsäglichen Quatsch auch noch nachsprechen mussten. Mich erinnerte das an die Zeiten, als Ärzte Diabetes noch durch eine Leckprobe am Urin des Patienten diagnostizierten. Trumps Sprechmüll zu übersetzen, ist ähnlich schlimm, wie mit Urin gurgeln zu müssen.
Die Welt diskutiert den Ukraine-Krieg, Gaza, Kriegsökonomien, Handelsketten, Klimarisiken, Migrationsbewegungen, technologische Machtverschiebungen – und Trump erzählt, wie hervorragend unter ihm alles ist.
Er kommt einem vor, wie der Kaiser in Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Wann endlich sagt ihm einer, wie nackt er ist?
Davos ist der Ort der Eliten. Trump ist der Karikaturist dieser Eliten. Er bestätigt jedes Klischee, jede Karikatur, jede Verachtung. Der reiche Mann ohne Bildung, der mächtige Mann ohne Verstand, der laute Mann ohne Manieren. Und während er sich selbst beweihräuchert, wird klar, was das eigentlich war: kein Auftritt, keine Rede, kein politisches Statement. Es war eine Selbstbeweihräucherung. Ein Heischen um Aufmerksamkeit.
Trump in Davos war nicht der starke Mann. Er war der Pausenclown der Weltpolitik. Und wie bei jedem Clown würde man gerne lachen, aber ich hatte das Gefühl, als ob den meisten im Saal das Lachen im Halse steckengeblieben ist.
Grönland auf dem Bazar
Auf dem großen Basar der Weltpolitik steht ein Händler, der schon von weitem schreit, noch bevor jemand überhaupt weiß, was er verkauft. Er trägt einen viel zu großen Mantel, klappert mit goldfarbenen Ketten und hat ein Schild um den Hals hängen, auf dem „Der größte Händler aller Zeiten GRÖHÄZ“ steht. Niemand hat ihn darum gebeten, aber er trägt es trotzdem.
Auf einem Tisch liegt eine riesige, grob zusammengezimmerte Holzkiste mit der Aufschrift: „Grönland“.
Was genau da drin ist, weiß keiner so recht. Eis. Steine. Strategische Lage. Rohstoffe. Militärische Bedeutung. Ein bisschen Mythos, ein bisschen Geopolitik, ein bisschen Größenwahn. Der Händler weiß es selbst nicht genau, aber er weiß, dass man mit großen Kisten große Forderungen stellen kann.
Also ruft er, noch bevor jemand stehenbleibt:
„Ich will die ganze Kiste. Und den Tisch. Und den halben Basar dazu. Und wenn ihr nicht spurt, reiße ich euch die Zelte ab.“
Die Umstehenden – eine bunte Gruppe aus europäischen Basarbetreibern, geschniegelt, mit Aktenmappen und ernsten Gesichtern – sind empört. So empört, wie Menschen empört sind, die reflexhaft den Mund öffnen, aber dabei bereits im Kopf ausrechnen, was sie notfalls hergeben würden, damit endlich Ruhe ist.
„Das ist unmöglich!“, ruft einer.
„Völkerrechtlich absurd!“, sagt ein anderer.
„So redet man nicht!“, flötet ein dritter.
Der GRÖHÄZ hört gar nicht richtig zu. Er weiß aus einem alten, vielzitierten Handbuch der Marktschreierei – das er vor Jahrzehnten selbst geschrieben hat –, dass es völlig egal ist, was realistisch ist. Wichtig ist nur, dass die erste Zahl so grotesk hoch ist, dass alles darunter später wie ein Entgegenkommen aussieht.
Also legt er nach:
„Nicht nur die Kiste. Ich will auch den Weg dahin kontrollieren. Und eure Schiffe. Und eure Lagerhäuser. Und Eure Frauen bringt ihr mir in jeder Vollmondnacht vorbei. Nur Du nicht, Emanuell aus Frankreich. Wenn Ihr nicht spurt, könnte ich mich auch mit dem russischen Abdecker da hinten zusammentun und zulassen, dass der alle Eure Hunde tötet. Und wenn ihr nicht wollt, dann scheiße ich auf eure Basartische. Dann kauft keiner mehr bei Euch.“
Nun beginnt das bekannte Schauspiel. Die Europäer rücken ihre Brillen zurecht, ziehen sich in kleine Grüppchen zurück, tuscheln, rechnen, telefonieren. Und während sie noch darüber sprechen, wie unverschämt diese Forderung sei, haben sie innerlich längst akzeptiert, dass es nicht mehr darum geht, ob man etwas hergibt – sondern nur noch, wie viel.
Schließlich tritt einer vor.
„Also gut“, sagt er. „Die ganze Kiste ist natürlich ausgeschlossen. Aber… man könnte ja über Nutzungsrechte sprechen. Über Militärkooperation. Über Investitionen. Über Zugeständnisse.“
Der GRÖHÄZ verzieht angewidert das Gesicht, genau wie er es gelernt hat. Er schimpft, droht, beschimpft den ganzen Basar als unfähig und undankbar. Er erzählt, wie schlecht man ihn immer behandelt habe, obwohl er doch der Größte sei. Dann wirft er mit einem theatralischen Seufzer die Arme in die Luft.
„Na schön. Dann eben nicht den Tisch, nicht die ganze Kiste, nur das was drin ist.“
Die Europäer atmen auf. Das klingt plötzlich fast vernünftig. Man einigt sich auf Arbeitsgruppen. Auf Verträge. Auf Zugänge. Auf Stützpunkte. Auf Einfluss. Auf Dinge, die gestern noch undenkbar gewesen wären und heute als „realpolitischer Kompromiss“ verkauft werden.
Der Händler bekommt nicht den Basar. Aber er bekommt genau das, was er haben wollte, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat.
Und während die Europäer später bei einem lauwarmen Tee zusammensitzen und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil sie „Schlimmeres verhindert“ hätten, hängt der Händler bereits die nächste riesige Kiste an seinen Stand.
Diesmal steht darauf: „Sicherheit“.
Oder „Handel“.
Oder „Schutz“.
Oder irgendetwas anderes, das groß genug ist, um Angst zu machen.
Und irgendwo, ganz unten im Mantel des Händlers, steckt immer noch dieses alte Handbuch. Darin steht der eine Satz, den er nie vergessen hat und den die anderen bis heute nicht begreifen wollen:
Fordere den Mond, brülle nach der Sonne, drohe damit, dass den anderen der Himmel auf den Kopf fällt – und du wirst am Ende genau das bekommen, was du von Anfang an haben wolltest. Während die anderen noch stolz darauf sind, dass du ihnen den Himmel gelassen hast.
Das Fallschirmspringerabzeichen
Als mein Bruder bei der Bundeswehr war, hatte er sich zu einer besonders harten Truppe, den Fallschirmjägern, verpflichtet. Er hatte sich und seiner Familie was zu beweisen. Nach 20 Sprüngen bekam er das silberne Fallschirmspringerabzeichen verliehen. Mit der entsprechenden Verleihungsurkunde konnte er sich für jeweils 1,80 Mark weitere Exemplare für seine diversen Uniformen kaufen. Ein Exemplar hat er mir damals geschenkt. Ich war mächtig stolz auf meinen großen Bruder. Aber, nur weil er mir das Abzeichen geschenkt hat, konnte ich weder Fallschirmspringen, noch könnte ich anhand dieses Ordens behaupten, ich hätte 20 Sprünge absolviert.
Und genauso ist das auch mit dem Friedensnobelpreis. Den hätte Trump ja ach so gerne. Ihn wurmt es bis ins Gedärm, dass der von ihm so verhasste Barack Obama diesen renommierten Preis bekommen hat. Trump phantasiert immer von 8 Kriegen, die er angeblich alle beendet haben will, stolpert dabei über die Namen der Nation, über die einfachsten geographischen Vorstellungen und hat ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung, wovon er da faselt. Nur eins ist sicher: Er empfindet es als persönliche Beleidigung, dass das norwegische Nobelpreiskomitee ihn nicht für würdig gehalten hat.
Dass Frau María Corina Machado, die venezolanische Oppositionelle, die den Preis zuletzt zugesprochen bekam, ihm nun angesichts der gewaltsamen Absetzung von Diktator Maduro ihre Nobelpreis-Medaille geschenkt hat, missversteht der Trottel im Weißen Haus so, dass er nun der wahre Friedensnobelpreisträger sei.
Weil auf dem Basar der Eitelkeiten natürlich kein Auftritt vollständig ist ohne Lametta, Orden und falsche Ehrungen, dürfen auch die Medaillen nicht fehlen.
Der Friedenspreis der FIFA
Weil ihm der Friedensnobelpreis verwehrt blieb, denn den bekommt immer jemand, den das Nobelpreiskomitee für würdig hält, und nicht derjenige, der am lautesten danach kräht, wird plötzlich von einem Fußballverband ein Friedenspreis verliehen. Natürlich fragt sich jeder, was die FIFA mit Weltfrieden und Friedenspreisen überhaupt zu tun hat. Wann stiftet McDonald’s einen Ronald McDonald-Friedenspreis?
Der „Friedenspreis der FIFA“ kommt ausgerechnet von jenem Konzern, der Korruption, Ausbeutung, Zwangsarbeit und schmierige Hinterzimmerdeals zur Kunstform erhoben hat. Die FIFA, dieser moralische Leuchtturm aus Korruption, Schmiergeldern, Bestechung, Koksrückständen und Geldkoffern, verleiht einen Friedenspreis. Das ist ungefähr so, als würde ein Großbrandstifter zum ehrenamtlichen Feuerwehrhauptmann ernannt oder als würden Kindergärten nach Hannibal Lecter oder Jeffrey Epstein benannt.
Aber im Zeitalter der Trump’schen Logik passt das hervorragend: Wenn genug Goldfarbe drauf ist, wird aus jedem Misthaufen ein Denkmal.
Der Friedenspreis der FIFA ist kein Preis. Er ist ein Requisit der Schande. Ein goldfarbener Dildo zur Selbstbefriedigung eines unstillbaren narzisstischen Egos.
Dieser Preis der Lächerlichkeit ist der Beweis, dass Symbole heute nicht mehr für das stehen, was sie bedeuten, sondern nur noch dafür, wer sie gerade in die Kamera hält. Tiefer im Arsch eines Despoten kann man nicht stecken, wie dieser geölte Glatzkopf, dieses Zäpfchen namens Infantino, das Trump diesen Fake-Preis überreicht hat. Die ganze Vorstellung ist ekelhaft und an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
Übrigens: Infantino leitet sich vom Lateinischen Infans („Kind“, „Kleinkind“) ab.
Vernunftbegabte Menschen wissen, weshalb Trump den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat und niemals bekommen wird. Es sei denn, man entschlösse sich, noch eine Kategorie dieses Preises für „Idiotie und schlechtes Benehmen“ auszuloben.
Wer nicht ganz so vernunftbegabt ist, dürfte zumindest eine Ahnung haben, weshalb Proleten wie Trump leer ausgehen. Wie dämlich muss man aber sein, wenn man Trump trotz dieser allseits bekannten Vorbehalte nun einen neu erfundenen Ersatzpreis verleiht? Wie dämlich und niveaulos?
Und dann diese Geschichte mit der Nobelmedaille.
Nicht der Nobelpreis. Nicht die Auszeichnung. Nicht der damit verbundene Geldbetrag. Sondern nur die symbolische Medaille, verschenkt wie ein Souvenir, wie ein Autogramm, wie eine goldene Schokoladenmünze. Frau María Corina Machado, Ikone des Widerstands, überreicht Trump ihre Nobelmedaille – als wäre sie ein magischer Talisman, der ihn durch bloße Berührung in einen Friedensstifter verwandelt. Ein politisches Ablassbriefchen aus Metall. Hier, nimm, halt sie hoch, dann glauben die Leute vielleicht für einen Moment, du gehörst in dieselbe Vitrine wie Mandela, King oder Brandt.
Das ist der Punkt, an dem aus politischer Farce offener Karneval wird. Orden wandern wie Anstecknadeln. Preise werden wie Visitenkarten verteilt. Bedeutungen werden entkernt, bis nur noch glänzende Hüllen übrig sind. Der Friedensnobelpreis, jahrzehntelang Symbol für Vermittlung, Opfer, moralische Standfestigkeit, wird zur Requisite in einem Castingformat für Möchtegern-Messiasse.
Trump braucht diese Medaille nicht, weil er Frieden will. Er braucht sie, weil sie rund ist, goldfarben glänzt und auf Fotos gut wirkt. Sie passt perfekt zu seinem ästhetischen Weltbild: groß, schwer, bedeutungsvoll aussehend, aber innerlich hohl. Dass sie nicht vom Nobelpreiskomitee kommt, sondern aus einer politischen Geste, ist nebensächlich. Hauptsache, sie klimpert, wenn man sie auf den Tisch legt.
Und noch wichtiger: Das große Ego des größten Deppen wird gepinselt, geölt und mit Gold behängt.
Und so schließt sich der Kreis. Der Basarhändler mit den überzogenen Forderungen sammelt jetzt auch noch Abzeichen. Der Mann, der Verhandlungen wie Viehhandel betreibt, lässt sich mit neu erfundenen und geschenkten Friedenssymbolen behängen. Die Welt sucht verzweifelt nach Stabilität und Frieden. Und dieser eitle Pinsel im Weißen Haus befriedigt sich mit geschenkten Preisen, albernen Ehrungen und falschen Ikonen, wie ein Kind, das mit dem glitzernden Lippenstift der Mama spielt, und sich einbildet, nur etwas Glitzer mache aus einem kleinen Mädchen eine Frau.
Aber es bleibt, wie es ist:
Eine Plastikmedaille macht aus einem Brandstifter keinen Feuerwehrmann.
Ein FIFA-Friedenspreis macht aus einem Machtpolitiker keinen Friedensbringer.
Und eine geschenkte Nobelmedaille macht aus einem Narzissten keinen Nobelpreisträger.
Sie macht ihn nur eines: noch zufriedener mit seinem Spiegelbild.
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Es sind mal wieder so viele Punkte wo du mir aus der Seele sprichst…
Ich frage mich nur, wird die Welt lange genug halten um Trump zu überstehen, und wieviel wird bis dahin noch in die Brüche gehen… es sind schwere Zeiten, ich mache mir hierbei keine Sorgen um mich persönlich, aber um unsere Kinder und um alle, die nichts für diese idiotischen Machtspielchen können…