Das Thema Hommage-Uhren beschäftigt viele Uhrensammler. Ist das erlaubt? Ist es wirklich eine Schandtat, wenn man sich eine nachgemachte Uhr kauft?
Die Frage taucht in der Uhren-Community immer wieder auf – und sie wird oft erstaunlich emotional diskutiert. Zwischen moralischem Anspruch, persönlichem Geschmack und juristischer Realität liegen hier mitunter große Unterschiede. Kein Wunder also, dass viele Sammler verunsichert sind.
Ich bin aber der Meinung, dass Dich die „Uhren-Community“ überhaupt nicht interessieren muss. Das sind doch nur Leute aus dem Internet, die Du vermutlich weder persönlich kennst, noch ihnen jemals begegnen wirst. Aus der Anonymität heraus tun dort auch viele so, als besäßen sie Dutzende hochwertiger Uhren im Wert von mehreren hunderttausend Euro. Entscheidend ist meiner Meinung nach aber ausschließlich, was Dir selbst gefällt und was Du Dir leisten kannst.
Den Luxusmarken graben die Hommageuhren kein Wasser ab
Zunächst einmal lohnt sich ein nüchterner Blick: Die Vorstellung, man könne durch den Kauf einer Hommage-Uhr ernsthaft die großen Luxusmarken schädigen, ist eher theoretischer Natur. Luxusuhrenhersteller bedienen ein ganz eigenes Marktsegment. Wer sich eine Rolex, eine Omega oder eine Patek Philippe zulegt, tut das nicht einfach, weil er „eine schöne Uhr“ haben möchte. Es geht um Prestige, Markenidentität, Verarbeitung, Tradition und nicht zuletzt auch um den Werterhalt.
Eine Hommage-Uhr richtet sich hingegen an eine völlig andere Zielgruppe. Sie spricht Menschen an, die das Design schätzen, aber weder bereit noch in der Lage sind, mehrere tausend Euro für eine Uhr auszugeben. In den allermeisten Fällen handelt es sich also nicht um entgangene Käufer der Luxusindustrie, sondern um Menschen, die ohnehin nie zu dieser Kundengruppe gehört hätten.
Hommageuhren sind kein Verbrechen
Auch der Vorwurf, man bewege sich damit im Bereich des Illegalen oder gar eines „Verbrechens“, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand. Entscheidend ist hier der Unterschied zwischen einer Hommage und einer Fälschung. Während eine Fälschung bewusst vorgibt, ein Original zu sein, trägt eine Hommage-Uhr ihren eigenen Namen und macht kein Geheimnis aus ihrer Herkunft. Solange keine Markenrechte verletzt werden, ist das rechtlich in aller Regel unproblematisch. Designs lassen sich nur eingeschränkt schützen, und viele klassische Formen haben sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer Art gestalterischem Allgemeingut entwickelt.
Ganz niederträchtig ist es, wenn Händler einem unbedarften Kunden eine 200-Euro-Fake-Uhr für 56.000 Euro verkaufen. So etwas kommt unglaublich oft vor. Es gibt Fälschungen, die nur noch ein Fachmann vom Original unterscheiden kann.
Hier wird der Kunde betrogen und hier wird auch die Luxusmarke geschädigt. Denn hier wäre der Kunde ja bereit gewesen, eine originale Luxusuhr zum vollen Preis zu erwerben.
Wer sich aber bewusst eine Hommage-Uhr kauft, der zeigt letztlich nur, dass ihm das Design und die Formensprache dieser Uhr gefällt, er sich aber das Original nicht leisten kann oder will.
Im Grunde ist das ein Kompliment an die Originaluhr. Das meint ja der Begriff Hommage auch.
Die Hersteller der originalen Luxusuhren ärgern sich mit Sicherheit über Hommageuhren. Schließlich kupfern hier meist fernöstliche Hersteller die Designidee hemmungslos ab. Aber das ist eher eine moralische Frage.
Die moralische Ebene
Interessanter wird die Diskussion auf der moralischen Ebene. Kritiker empfinden Hommage-Uhren oft als unehrlich oder als bloße Nachahmung, die vom Ruf anderer Marken lebt. Für sie hat eine Uhr auch eine kulturelle und handwerkliche Dimension, die sich nicht einfach kopieren lässt. Befürworter sehen das deutlich entspannter. Sie argumentieren, dass gutes Design kein exklusives Privileg weniger sein sollte und dass es legitim ist, sich an bewährten Formen zu orientieren – zumal dies in vielen anderen Bereichen des Alltags ganz selbstverständlich geschieht.
Tatsächlich zeigt ein Blick über den Tellerrand, dass kaum eine Branche ohne solche Anleihen auskommt. In der Automobilwelt, im Möbeldesign oder in der Mode werden erfolgreiche Gestaltungen immer wieder aufgegriffen, weiterentwickelt und neu interpretiert. Die Uhrenwelt bildet hier keine Ausnahme, auch wenn sie sich selbst gern als besonders traditionsbewusst versteht.
Am Ende kommt es vor allem auf die Ehrlichkeit an. Eine Uhr, die offen als eigenständiges Produkt auftritt und lediglich gestalterische Anleihen nimmt, ist etwas völlig anderes als ein bewusst täuschendes Plagiat. Wer sich für eine Hommage entscheidet, tut das in der Regel aus ganz pragmatischen Gründen: Er möchte ein bestimmtes Design tragen, ohne den Preis einer Luxusmarke bezahlen zu müssen.
Und genau darin liegt auch die eigentliche Antwort auf Deine Leserfrage: Niemand schädigt die Luxusindustrie, wenn er sich für eine Hommage-Uhr entscheidet. Und schon gar nicht begeht er damit ein Verbrechen. Es ist schlicht eine Entscheidung für ein bestimmtes Preis-Leistungs-Verhältnis – nicht gegen eine Marke.
Oder, ganz einfach gesagt: Man darf schöne Dinge mögen, auch wenn man sich das Original nicht leisten möchte.
Beides hat seine Berechtigung.
Oder anders gesagt:
Man kann das Design mögen, ohne den Preis bezahlen zu wollen. Und das ist weder unmoralisch noch illegal.


















Ich denke auch, die Käufer einer Hommage-Uhr würden nie das Original kaufen, genauso wenig wie den Originalkäufern es in den Sinn käme eine Hommage zu kaufen… ein Seat Exeo Käufer wäre kein potentieller Audi A4 Käufer, da war auch selbst der VAG Konzern recht sicher.
Man kann das auch auf andere Bereiche übertragen.
Vorweg gesagt: Ich sehe große Gefahren, die durch die KI auf Kreative zukommen werden.
Aber: Ich verwende für meine Beiträge beispielsweise sehr gerne KI-generierte Bilder. Die Blogsoftware, die ich programmiert habe, sieht aus verschiedenen Gründen für jeden Beitrag ein Bild vor.
Ich könnte es mir niemals leisten, hierfür immer einen Grafiker oder Fotografen zu bezahlen. Mit Bildern aus diversen, angeblich freien Datenbanken habe ich schon so viel Ärger gehabt.
Deshalb nutze ich da nun eben die KI, um Bilder zu machen. Neben eigenen Fotos und anderen Wegen der Bilderstellung.
Ich schädige damit aber niemanden, da niemandem dadurch sein Lohn entgeht.
Deinen Vergleich mit den Autos sehe ich genauso.
Manchmal gefällt einem die Formensprache, Größe und Art und Weise eines Produkts, man kann es sich aber einfach nicht leisten.
Dann freut man sich, wenn eine andere Firma etwas Ähnliches zu einem erträglicheren Preis anbietet.
Uhren sind ja nun nicht so wichtig und bedeutsam. Ich recherchiere nur für einen anderen Zweck gerade in diesem Bereich und nutze die Gelegenheit, gewisse Informationen und Geschichten dann auch hier einfließen zu lassen. Dann haben möglicherweise mehr Leute etwas davon.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft und wie lang nach dem ersten Erscheinen manche Artikel aufgerufen werden.
Ach so, noch was: Ich wette, 90 % der Uhrenliebhaber, die in Foren von ihren Rolex und Breitling-Uhren phantasieren, haben in Wirklichkeit auch bloß Nachgemachte oder Hommages.
Könnte man sicherlich unterstellen, aber dann überrascht einen ein Bankraub in GE, und siehe da, da sind die ganzen reichen Menschen die Gold, Schmuck und bestimmt auch Uhren in ihren Schließfächern hatten.
Ich glaube, da waren nur wenige Uhrensammler dabei.
Aber klar, natürlich gibt es unglaublich viele Leute, die entweder viel mehr Geld haben als ich/wir, oder die andere Prioritäten beim Ausgeben des Geldes haben.
Man sieht ja auch bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ immer wieder, was manche an Werten, Schmuck und Bargeld zu Hause aufbewahren.
Ja, da gibt es bestimmt ganz, ganz viele Leute, die sich locker Dutzende Luxusuhren kaufen können. Irgendwer muss diese Produkte ja kaufen.
Aber ich glaube, ab einer gewissen Einkommensklasse schreiben die Leute keine Forenbeiträge in sozialen Medien, um unscharf fotografierte Uhren am Arm zu präsentieren.
Ich mach ja auch noch diese Hörgeräte-Seite. Auffällig ist, dass in speziellen Foren alle nur die Spitzengeräte für 7.000 Euro haben. Was anderes kommt denen gar nicht ins Ohr. Ich frag mich dann, wer die 0,-Euro-Geräte von KIND kauft?
Und als Bestatter weiß ich von vielen Treffen und Kongressen, dass es nur Bestatter gibt, die 12 Millionen Umsatz machen…
Aber is ja auch egal.
Ich weiß nicht, wie das wäre, wenn ich stinkreich wäre. Ich glaube, ich würde mir keine Luxusuhren kaufen. Vielleicht die schon mal angesprochene, unglaublich teure von Lange & Söhne. Da hab ich mal ne Doku gesehen, die mich unglaublich fasziniert hat.
Aber ansonsten sind die Allerliebste und ich eher für Autos, Krimskram und leckeres Essen zu haben.
Man wird auch nicht reich indem man Geld für Luxusgüter ausgibt. 😉
klar kann man sich auch was gönnen… aber in der Regel gönnen sich Reiche nur so viel, das ihr Vermögensaufbau nur verlangsamt wird, sich ihr Vermögen aber nicht signifikant verringert.
Ja, was das Gerede angeht, das angeben und der Neid, das versteh ich ja sowieso nicht. Ich staune auch immer wieder über die entsetzten Blicke wenn ich einfach so über Gehalt und/oder Vermögen spreche… als wenn da irgendwas bei wäre… Ich hab ja immer die Idee das man aus dem Erfolg/Misserfolg anderer lernen kann, deren Fehler nicht wiederholen muss, und das ohne das es denjenigen was kosten würde… hat für mich was von schwarmintelligenz… aber alle drucksen da rum und machen da nen Geheimnis draus. Ich freu mich für den der nen entspanntes auskommen hat und helfe gerne dem wo es angespannter ist als bei mir…