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Elektronik-Detox

Detox 800x500

USB-Kabel, IP-Kameras, Smart-Home-Geräte – all das hat sich bei mir im Laufe der Jahre in Hülle und Fülle angesammelt. Und vieles davon ist inzwischen nichts anderes als: ELEKTRONIK-SCHROTT. Ich habe deshalb beschlossen, den Februar ganz offiziell zum Detox-Monat für alten Elektromist zu erklären.

Die Haushaltshilfe hat wieder einmal eine IP-Kamera zerstört. Devolo hat sein Smart-Home-System eingestellt. Kein Computer besitzt heute noch Centronics- oder PS/2-Schnittstellen. Das alles führt dazu, dass hier derzeit noch jede Menge Kabel und Geräte mitsamt Netzteilen herumfliegen, die schlicht nicht mehr zu gebrauchen sind. Ein großer Teil dieses Chaos geht direkt auf das Smart-Home-Aus von Devolo zurück.

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Der Aachener Hersteller hat zum Jahreswechsel 2025/26 seine Server für das eigene Smart-Home-System abgeschaltet. Vollmundig wurde die Smart-Home-Lösung des Kölner Anbieters Rockethome als Ersatzlösung angepriesen. Dorthin könne man problemlos wechseln und sein smartes Zuhause weiternutzen. Die Erfahrungen der letzten Wochen zeigen jedoch, dass das so nicht stimmt. Rockethome unterstützt nur einen Teil der von Devolo gelieferten Geräte und andere nur eingeschränkt. Das bedeutet ganz konkret: Auf einen Schlag besitzt man eine größere Menge Hardware, die praktisch nicht mehr nutzbar ist.

Im Laufe der Zeit hat sich in meiner Kabelbox, die mit „Computerkabel“ beschriftet ist, eine riesige Menge an Leitungen angesammelt, für die es schlicht keine Verwendung mehr gibt. Spezialkabel, die nur zu einer einzigen Kamera gepasst haben. Kabel für Drucker, die es längst nicht mehr gibt. Und vor allem Kabel, die völlig aus der Mode gekommen sind und kaum noch nicht mehr unterstützt werden.

Hinzu kommen IP-Kameras, die den ONVIF-Modus nur widerwillig unterstützen oder die im Laufe der Zeit ihren Dienst einfach eingestellt haben. Man kann die Kamerabilder zwar noch in der proprietären App des Herstellers betrachten, die Kamera aber nicht mehr sinnvoll ins eigene Netzwerk einbinden.

Der ganze Krempel ist für mich zu einer echten Belastung geworden.

Mich regt es zunehmend auf, dass man da Werte herumliegen hat, die man nicht mehr nutzen kann. Aber wozu weiter aufheben? Verkaufen kannst Du den Mist in der Regel auch nicht. Oft fehlen Kabel oder Zubehörteile, und bei manchen Geräten besteht zudem die Gefahr, dass noch Passwörter und Zugangsdaten gespeichert sind. Die chinesischen Hersteller machen es einem nicht gerade leicht, diese zuverlässig zu löschen.

Also habe ich eine Box aufgestellt, in die ich konsequent alles entsorge, was ich nicht mehr haben will.

Weg mit dem Ballast!

Ich habe es immer schon so gehalten, dass ich Geräte, die ich nicht mehr benötige oder die mir für YouTube-Videos oder Blog-Artikel kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, möglichst schnell an jemand anderen weitergebe. Ich habe im Laufe der Jahre wahnsinnig viel verschenkt. Ziel war stets, die Sachen noch nutzbringend an den Mann zu bringen, solange sie technisch noch aktuell sind. Darüber haben sich viele Menschen ehrlich gefreut.

Aber manches hat man dann doch selbst genutzt und kann es heute schlicht nicht mehr einsetzen. Oft genug gibt es die Herstellerfirma gar nicht mehr. Die Geräte werden nicht mehr erkannt oder funktionieren nicht mehr korrekt.

Weg, weg, weg! Es hat keinen Zweck, diesen Krempel noch ewig zu lagern. Wenn ich heute nach einem Computerkabel suche, wühle ich mich durch mindestens hundert Kabel, die überhaupt keinen Zweck mehr erfüllen können. Bei unglaublich vielen Geräten habe ich keinen blassen Schimmer mehr, wie sie überhaupt funktionieren und auf welche Kniffe oder Tricks man achten müsste.

Wenn die Box voll ist, bringe ich sie zum Elektroschrott und bin physikalisch wie psychisch Ballast los. Was ich nicht mehr habe, darum muss ich mich auch nicht mehr kümmern.

Eine weitere Box stelle ich vorne neben die Garage „zum Verschenken“. Da kann sicher noch der eine oder andere aus der Nachbarschaft etwas gebrauchen. Das war in der Vergangenheit jedenfalls immer so. Nach einer Woche wandert auch diese Box zum Schrott.

Ich schrieb neulich erst, wie dramatisch der Preisverfall bei Elektronik-Artikeln ist. Für ein paar Euro bekommt man heute Geräte, die vor zwanzig Jahren noch Tausende gekostet hätten. Damit erkaufen wir uns allerdings auch eine extrem kurze Produktlebensdauer.

Wenn Geräte nur 28 Euro kosten und dafür auch noch um den halben Erdball reisen, wollen am Ende mindestens drei bis vier Parteien daran verdienen: Hersteller, Transporteur, Großhändler und Händler. Wie viel soll denn da noch für das eigentliche Produkt übrig bleiben?

Kein Wunder also, dass nicht die hochwertigsten Komponenten verbaut werden und jeder Zehntelcent Ersparnis mitgenommen wird.

Man muss sich vor Augen führen, dass bestimmte Geräte überhaupt keiner mechanischen Belastung ausgesetzt sind. In ihnen gibt es keine Mechanik, keine beweglichen Teile, keine Bedienelemente. Sie sind einfach nur dafür da, beispielsweise per WLAN irgendetwas zu tun. Würden hier wirklich gute Komponenten eingesetzt, dürfte so ein Gerät im Grunde niemals kaputtgehen.

Trotzdem „kacken“ elektronische Geräte irgendwann einfach ab. Wenn ich sie dann auseinandernehme, sehe ich auf den Platinen durchgehustete Kondensatoren, schlechte Lötstellen, korrodierte Leiterbahnen oder schlicht durchgebrannte Bauteile. Auch so entsteht vollkommen unnötiger Elektroschrott.

Hinzu kommen die Geräte, die schon nach einer bestimmten Zeit nicht mehr dem aktuellen technischen Standard entsprechen. Sei es, dass sie moderne Übertragungsraten nicht mehr bedienen können, oder sei es, dass der Hersteller beschlossen hat, sie einfach nicht mehr weiter zu unterstützen.

So habe ich beispielsweise noch etliche Apple-Geräte, die aufgrund ihrer außergewöhnlich guten Qualität quasi unkaputtbar sind, die aber trotzdem nicht mehr sinnvoll einsetzbar sind.

Als Beispiel möchte ich meine 2-GB-Time-Capsule nennen, die für mich jahrelang die Backups erledigt hat. Sie arbeitet mit einem veralteten Protokoll, das von Apple sehr lange weiter unterstützt wurde, nun aber demnächst komplett abgeschafft wird. 400 Euro Elektroschrott.

Oder mein großer Mac Pro.

Okay, der Tower-Rechner ist inzwischen zwanzig Jahre alt. Aber ich habe ihm 64 GB RAM, mehrere riesige Festplatten sowie eine superaktuelle, schnelle Grafikkarte spendiert. Mit diesem Rechner könnte ich problemlos noch einmal zwanzig Jahre glücklich sein.

Aber Apple unterstützt dieses alte Gerät nicht mehr mit Softwareupdates. Außerdem – das schrieb ich neulich schon einmal – kommt der Rechner mit modernen Programmen nicht mehr gut zurecht. Heute werden Aufgaben anders zwischen CPU und GPU verteilt, Speicher wird anders angesprochen. Das Ding wird sehr schnell laut und heiß.

Ich hebe ihn aus nostalgischen Gründen dennoch auf dem Speicher auf – und sei es nur als Designikone und Briefbeschwerer.

Aber alles, was weniger wertvoll und weniger ikonisch ist, das kommt jetzt weg.

Infobox: Elektroschrott-Detox – Wenn Aufräumen den Kopf befreit

Wer sich bewusst von defekten, veralteten oder nicht mehr genutzten Elektronikgeräten trennt, erlebt oft weit mehr als nur einen aufgeräumten Keller oder Schreibtisch. Ein solcher „Elektroschrott-Detox“ wirkt auf mehreren Ebenen – praktisch, emotional und mental.

Psychologische Entlastung
Jedes ungenutzte Gerät steht sinnbildlich für eine offene Baustelle: „Das müsste man mal reparieren“, „Das könnte man vielleicht noch brauchen“. Solche inneren Notizen erzeugen unterschwelligen Druck. Wird der Ballast entsorgt, verschwinden diese stillen Verpflichtungen – und damit ein Teil der mentalen Dauerbelastung.

Gefühl von Kontrolle und Handlungsfähigkeit
Aktives Aussortieren vermittelt Selbstwirksamkeit: Man entscheidet, man handelt, man beendet. Gerade in einer digital überfrachteten Welt ist dieses Gefühl, Dinge bewusst abzuschließen, für viele Menschen äußerst stärkend.

Reduktion visueller Reizüberflutung
Weniger Kabel, alte Kameras, Ladegeräte oder defekte Rechner bedeuten weniger visuelles Chaos. Das Gehirn reagiert darauf mit messbarer Entspannung – Konzentration fällt leichter, innere Unruhe nimmt ab.

Symbolischer Neuanfang
Elektroschrott steht häufig für vergangene Lebensphasen, alte Projekte oder gescheiterte Vorhaben. Das Wegwerfen kann sich wie ein stiller Neustart anfühlen: Platz für Neues, ohne Altlasten.

Wertschätzung des Gegenwärtigen
Wer bewusst aussortiert, entwickelt oft automatisch einen achtsameren Umgang mit dem, was bleibt. Geräte werden gezielter genutzt, Anschaffungen überlegter getätigt.

Kurzfazit:
Elektroschrott-Detox ist keine bloße Aufräumaktion, sondern eine Form mentaler Hygiene. Man entsorgt nicht nur Dinge – man entlässt auch Gedanken, Verpflichtungen und alte Erwartungen. Das Ergebnis ist häufig ein spürbares Gefühl von Leichtigkeit und innerer Ordnung.

Bildquellen:

  • detox_800x500: Peter Wilhelm KI

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(©si)