Ich bin jetzt fast 70 Jahre alt. Irgendwann im Leben kommt man an einen Punkt, da ist es einem egal. Man hat die ganze Zeit mit einem düsteren Geheimnis gelebt.
Es würde keine Mühe bereiten, dieses Geheimnis auch mit ins Grab zu nehmen. Aber die Entwicklungen der letzten beiden Jahre und vor allem der letzten Wochen machen mir das unmöglich. Ich muss befürchten, dass mein Name auch gegen meinen Willen in die Öffentlichkeit gezerrt wird.
Es wird derzeit wieder einmal viel über die sogenannten Ebstein-Files gesprochen.
Sie sollen Listen enthalten. Namen. Kontakte. Begegnungen. Menschen, die irgendwann einmal – in welcher Form auch immer – mit Ebstein in Berührung gekommen sind.
Und jedes Mal, wenn ich das lese, zieht sich bei mir etwas zusammen. Denn ich weiß nicht, ob ich darin auftauche.
Es ist durchaus möglich.
Vielleicht sogar wahrscheinlich.
Ich befürchte es.
Lange habe ich gehofft, dass mein Name darin nicht auftaucht. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben: Die Chancen stehen nicht schlecht.
Und ich habe lange gezögert, diesen Text zu schreiben. Wirklich lange. Aber irgendwann muss man sich der Wahrheit stellen. Und vielleicht ist es besser, wenn ich es selbst sage, bevor andere damit herausrücken.
Denn die Wahrheit ist: Ich hatte damals tatsächlich Kontakt zu Ebstein.
Es ist lange her.
Sehr lange sogar.
Damals war ich noch jung. Man denkt in diesem Alter nicht so viel nach. Man macht Dinge, weil sie gerade passieren. Weil alle es machen. Weil man neugierig ist. Oder einfach, weil es einem gerade Spaß macht.
Das Ganze liegt viele Jahrzehnte zurück. Eine andere Zeit. Eine andere Welt. Man war unerfahren, neugierig, leicht zu begeistern. Und man stellte keine großen Fragen.
Wenn ich heute zurückblicke, muss ich zugeben: Ich war näher dran, als manchem heute lieb ist.
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich zum ersten Mal davon hörte. Freunde erzählten davon. Man tauschte sich darüber aus. Manche waren schon dabei. Andere wollten unbedingt dazugehören.
Es entstand ein regelrechter Sog.
Und irgendwann stand ich vor der Entscheidung: Mache ich mit – oder bleibe ich draußen?
Man wollte Teil von etwas sein.
Und so kam es, wie es kommen musste.
Deshalb möchte ich heute – bevor andere es tun – offen sagen, wie es wirklich war.
Ja.
Ich war Teil davon.
Und zwar ganz offiziell.
Ich war beteiligt.
Und zwar schon früh.
Sehr früh sogar.
Im Jahr 1971.
Wenn ich heute darüber nachdenke, würde ich manches vielleicht anders machen. Aber bereuen? Nein, eigentlich nicht. So ehrlich muss man sein.
Natürlich fragt man sich heute: Wer steht noch alles in diesen Ebstein-Files?
Welche Namen werden dort auftauchen?
Welche Geschichten werden erzählt werden?
Man liest ja so vieles.
Es sollen Listen existieren. Mitgliederlisten. Kontakte. Briefe.
Und ja – ich kann nicht ausschließen, dass auch mein Name irgendwo darin steht.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie das damals begann. Es war eine Zeit großer Begeisterung. Überall wurde darüber gesprochen. In Zeitungen, im Fernsehen, im Radio. Und plötzlich war man mittendrin.
Man wollte dazugehören.
Damals habe ich nämlich – und jetzt kommt alles heraus – einen folgenschweren Schritt getan:
Wenn die Ebstein-Files also wirklich veröffentlicht werden, ist es durchaus möglich, dass mein Name darin auftaucht.
Im Jahr 1971 bin ich Mitglied im Katja-Ebstein-Fanclub geworden.
Ich habe eine Mitgliedskarte bekommen. Und eine Autogrammkarte.
Und wenn die Ebstein-Files jemals vollständig veröffentlicht werden, wird sich herausstellen:
Ich war damals ein begeisterter Fan von „Wunder gibt es immer wieder“.
Bildquellen:
- ebstein_800x500: Peter Wilhelm


















Ich schmeiß mich weg!
Großartig!