Tipps und Tricks

Denix Dekowaffen – Wie behandele ich die?

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Pistolen und Gewehre üben vor allem auf Männer einen gewissen Reiz aus. Nur die wenigsten dürfen aber wirklich echte Waffen besitzen oder gar führen. Deshalb ist das Interesse an nachgemachten Waffen oder solchen für Sport- und Übungszwecke groß.

Hier geht es heute um reine Dekorationsobjekte, die echten Waffen nur dem Aussehen nach nachempfunden sind. Heiner (29) aus Lauterbach fragt:

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Ich habe bei Dir schon von Dekowaffen gelesen und mir auch eine von Denix bestellt.
Was für Unterschiede gibt es bei Dekowaffen eigentlich? Was sind das genau für Waffen? Und mir ist aufgefallen, dass die Verkäufer immer dazuschreiben, man soll die Waffen nicht zu oft benutzen, weil sie dann kaputtgehen. Beim Karneval darf ich die doch mitnehmen oder? Ach ja, wie pflege ich solche Waffenreplikas?

Denix ist eine spanische Firma, die sich auf die Herstellung von echt aussehenden Waffen aus allen Zeiten spezialisiert hat. Da gibt es Äxte, Schwerter und alle Arten von Schusswaffen.
Gemeinsames Merkmal aller Dekowaffen ist, dass sie nicht zum Schießen oder Kämpfen verwendet werden können.

Colt peacemaker1

Meine erste Dekowaffe war ein Mosin-Nagant-Gewehr, das einmal für einen unglaublich günstigen Betrag von Frankonia-Jagd angeboten wurde. Dabei handelt es sich um ein Repetiergewehr, das aus einem Arsenal stammte. Es war fabrikneu und war nie zum Einsatz gekommen. Im Auftrag von Frankonia war die Waffe unbrauchbar gemacht worden. Veränderungen am Schlagbolzen und ein Bolzen quer durch den Lauf verhindern den Einsatz als scharfe Waffe.
Solche umgebauten, ehemals scharfe Waffen gibt es heute noch zu kaufen. Wenn sie von einem Büchsenmacher nach der EU-Deaktivierungsverordnung geprüft und entsprechend gekennzeichnet worden sind, sind sie meist recht teuer und meines Wissens muss der Besitz zumindest der Behörde mitgeteilt werden.

Wir reden hier aber von Waffen, die von vornherein nur zu Dekorationszwecken, für Film und Fernsehen oder zu Anschauungs- und Schulungszwecken hergestellt werden und niemals zum Schießen gedacht waren/sind.

Denix fertigt seine Waffen aus einer Zinklegierung namens Zamak. Zamak ist schwer, lässt sich vielfältig bearbeiten, ist aber nicht fest genug, um die Explosionskraft eines Schusses auszuhalten.

Hergestellt werden von Denix viele Waffen in unterschiedlicher Ausführung zu verschiedenen Preisen. Da gibt es sehr einfache Waffen, die im Grunde nur die Form des Originals wiedergeben und nur in wenigen Teilen beweglich sind. So ein Colt Government 1911 kostet dann auch unter 60 Euro.
Wenn die Waffe bewegliche Teile haben soll und man auch das Magazin herausnehmen möchte, muss man eine etwas bessere Version kaufen, die rund 100 Euro kostet. Legt man Wert darauf, die Waffe auch, wie das Original, zerlegen zu können, fallen rund 130 Euro an.

Der erste Unterschied zwischen Dekowaffen wäre also der, dass es solche gibt, die aus ehemals echten Waffen umgebaut wurden. Der zweite Unterschied ist, dass es solche mit mehr oder weniger Teilen und Funktionen gibt.

Sind Dekowaffen empfindlich?

Zu Deiner nächsten Frage: Warum soll man die Waffen nicht übermäßig oft leer abschießen bzw. abschlagen und nicht zu oft damit hantieren?

Die nachgemachten Waffen von Denix und ähnlichen Herstellern sind aus einem Zinkdruckguss-Material hergestellt.
Umgebaute echte Waffen kann man wohl so oft und rauh benutzen, wie die echten Waffen auch. Da geht so schnell nichts kaputt.

Die Waffen aus Zinklegierungen hingegen sind extra aus einem Material gefertigt, das keinen Schuss aushalten würde.
Das Material ist, wie ich oben schon schrieb, leicht zu ver- und bearbeiten. Solche Materialien sind aber auch nicht so widerstandsfähig wie Stahl usw.

Ich habe selbst zwei, drei Dekowaffen von Denix und habe die schon unglaublich oft „abgefeuert“, auseinandergenommen und vorgeführt. Da ist noch nie etwas kaputtgegangen.
Denix liefert schon eine gute und haltbare Qualität. Wenn man aber diese Ausstellungsstücke, und darum handelt es sich ja in erster Linie, jetzt für Reenactment, Wild-West-Shows und zum ständigen Herumspielen nutzt, kann es passieren, dass beispielsweise Materialermüdungen auftreten und Teile ab- oder durchbrechen.
Das Material Zamak ist eben kein Waffenstahl.

Während meiner langjährigen Zeit bei der US-Army hatte ich aber schon einen verchromten Colt Government 1911 A1, der eine reine Dekorationswaffe war. Er diente Hunderten Männern als erstes Übungsstück beim Erlernen des Auseinandernehmens und Wiederzusammensetzens, bevor sie dann an echten Waffen üben durften. Diese Waffe von Denix ist durch so viele Hände gegangen und wurde so oft demontiert, dass man meinen könnte, sie wäre abgenutzt oder sowas. Aber nein, das Modell steht heute noch hier bei mir in einer Vitrine, bekommt jährlich einen Abrieb mit Ballistol und sieht fast aus wie neu.

Anscheinswaffen und Führverbot

Übrigens: Es spielt keine Rolle, ob Du eine Spielzeugwaffe, eine unscharf gemachte ehemals echte Waffe oder eine Dekowaffe hast; Du darfst sie, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, nicht in der Öffentlichkeit führen.
Diese Waffen gelten als Anscheinswaffen, weil sie echten zum Verwechseln ähnlich sehen. Du würdest einen Waffenschein benötigen.
Ausnahmen sind das private Gelände, Brauchtumsveranstaltungen und genehmigte Filmaufnahmen oder Aufführungen. Erkundige Dich aber auf jeden Fall vorher bei den zuständigen Behörden, sonst steht die Polizei schneller, als es Dir lieb ist, vor der Tür.

Brauchtumspflege meint hier Umzüge von Trachtengruppen bei denen traditionell Waffen zur Schau gestellt werden. Nicht gemeint ist Karneval, wo eine unkontrollierbare Menge meist betrunkener Menschen sich verkleidet. Wer hier Waffen mitführen will, sollte sich im Spielzeug- oder Karnevalsfachhandel versorgen. Wenn Polizisten genau hinschauen und es ernst meinen, ist der Grat zwischen verboten und erlaubt sehr dünn!

Auf Deinem Privatgelände darfst Du mit solchen Waffen herumlaufen. Aber, wenn die Waffen das können, Du darfst nicht damit Platzpatronen o.ä. verschießen. Wenn Du Luftdruck- oder Airsoft-Waffen verwendest, ist nicht allein das Privatgelände der bestimmende Faktor, sondern die Tatsache, dass die Geschosse das Grundstück nicht verlassen können dürfen. Das beachten immer viele nicht, wenn sie mit dem Luftgewehr im Garten herumballern.
Wenn die Gefahr besteht, dass die Kugeln über das Grundstück hinaus fliegen können, darfst Du nicht schießen!

Müssen Dekowaffen in einem Waffenschrank aufbewahrt werden?

Keine waffenrechtliche Aufbewahrungspflicht besteht, wenn es sich um echte, dauerhaft unbrauchbar gemachte Waffen handelt, die den gesetzlichen Vorgaben entsprechen (z. B. nach der EU-Deaktivierungsverordnung geprüft und entsprechend gekennzeichnet), oder um reine Requisiten und Attrappen, die nicht schussfähig, nicht umbaubar und nicht als Waffe einzuordnen sind. Solche Stücke gelten rechtlich als Deko- oder Sammlerobjekte. Für sie ist kein Waffenschrank vorgeschrieben.

Trotzdem gilt: Sie müssen so aufbewahrt werden, dass kein Missbrauch möglich ist, insbesondere kein Zugriff durch Kinder oder unbefugte Dritte.
Der Transport muss in einem geschlossenen Behältnis erfolgen.

Pflege von Waffenreplikas

Wie sollte ich Waffenreplikas und Dekowaffen pflegen?

Auch wenn Waffenreplikas und Dekowaffen keine funktionsfähigen Schusswaffen sind, bestehen sie meist aus denselben Materialien wie echte Vorbilder: Stahl, Zinkdruckguss, Messing, Holz, Leder oder Kunststoff. Entsprechend lohnt sich eine regelmäßige, schonende Pflege – nicht aus sicherheitstechnischen, sondern aus werterhaltenden und optischen Gründen.

Im Mittelpunkt steht zunächst der Korrosionsschutz. Metallteile sollten staubfrei gehalten und gelegentlich mit einem leicht geölten, weichen Tuch abgewischt werden. Dazu eignet sich ein dünnflüssiges Waffenöl oder notfalls säurefreies Feinmechaniköl. Wichtig ist, nur sehr sparsam zu ölen, damit sich kein schmieriger Film bildet, der Staub bindet. Besonders gefährdet sind blanke Metallflächen, Schrauben, Kanten und Gravuren. Replikas sollten möglichst nicht mit bloßen, verschwitzten Händen angefasst werden, da Hautfette und Salze Rost fördern.

Ich persönlich setze seit Jahrzehnten ausschließlich und aus gutem Grund auf Ballistol.

Holzgriffe profitieren von einer gelegentlichen Behandlung mit Holzpflegeöl oder Waffen­schaftöl, um Austrocknung und Rissbildung zu vermeiden. Lederteile wie Trageriemen oder Holster sollten separat mit geeigneten Lederpflegemitteln behandelt werden, dürfen aber nicht dauerhaft an Metallteilen anliegen, da Leder Gerbstoffe enthält, die Korrosion beschleunigen. Auch hierfür ist Ballistol das geeignete Mittel der Wahl.

Unabhängig vom Material ist ein trockener, möglichst gleichmäßig temperierter Aufbewahrungsort entscheidend. Keller, Dachböden und Außenwände mit hoher Luftfeuchtigkeit sind Gift für Metall. Silicagel-Beutel oder andere Trockenmittel in Vitrinen oder Aufbewahrungsboxen sind eine sinnvolle Ergänzung. Zinkguss verträgt überdies auch keinen Frost, der fördert die sogenannte Zinnpest, bei der sich das Material punktuell aufbläht.

Reinigungsmittel aus dem Haushalt, Scheuermittel oder aggressive Polituren sind tabu. Sie zerstören Oberflächen, Brünierungen und Patina. Dekowaffen leben oft gerade von ihrer authentischen Anmutung – wer sie „auf Hochglanz schrubbt“, mindert nicht selten ihren optischen und sammlerischen Wert.

Meine Meinung: Weniger ist mehr. Staubfrei, trocken, gelegentlich leicht geölt – so bleiben Waffenreplikas und Dekowaffen über viele Jahre ansehnlich und in gutem Zustand.

Welche Dekowaffen würdest Du als Kenner empfehlen?

Wenn Du die Chance hast, eine legal umgebaute echte Waffe zu bekommen, dann ist das mit Abstand die beste Möglichkeit, eine tolle Dekowaffe zu erhalten. Hier sind bis auf die Umbauten alle Teile und Funktionen der echten Waffe gegeben.
Es ist aber schwer und teuer, an solche Waffen zu gelangen.

Einfacher erhältlich und wesentlich günstiger sind Replikas von Denix und ähnlichen Firmen. Wenn Du hier nicht die billigste Variante nimmst, bekommst Du auch was Ordentliches. Dabei musst Du aber im Auge behalten, dass das Anschauungsmodelle für das Auge sind. Die Repliken weichen oft in Details vom Original ab, haben nicht alle Teile im Inneren und die Funktionsabläufe sind oft nur den echten Abläufen angenähert. Das sind eben keine echten Waffen, sondern nachgemachte Dekostücke zu einem sehr niedrigen Preis.

Übrigens: Um es nur an die Wand zu hängen, genügt auch eine Replik aus dem 3D-Drucker. Entsprechend lackiert und behandelt, sieht das schon verdammt echt aus.

Bildquellen:

  • colt-peacemaker1: Peter Wilhelm
  • colt-peacemaker_800x500: Peter Wilhelm

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