Notiz für mich selbst

Wichtig ist, was in Dir steckt – Modediktat in den 1970ern

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Ich bin so dankbar dafür, dass es dieses Style- und Modediktat, dem sich heute Kinder und Jugendliche schon unterwerfen, zu meiner Zeit in den 1960er- bis 1980er-Jahren noch nicht in diesem Ausmaße gab.
Es hat sich schlichtweg niemand darum geschert, was für eine Marke die Kleidung des anderen hatte. Es ging, wenn überhaupt, ausschließlich um schön oder hässlich.

Und wenn es da negative Auswirkungen gegeben hat, so ist mir in Erinnerung, dass ein paar Mal Kinder aus ärmeren Familien gedemütigt worden sind, weil sie unmoderne Klamotten ihrer großen Geschwister auftragen mussten.

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Ein ganz kleines bisschen habe ich sogar selbst darunter leiden müssen. Nicht etwa, weil ich Sachen auftragen musste, nein. Aber meine Mutter hatte zwei Eigenheiten, die ihr hoch anzurechnen sind, die aber damals bei meinen Mitkindern nicht auf Gegenliebe stießen. Erstens gehörte meine Mutter zu einer der Generationen, die noch „fürs Leben“ kauften, also bei allen Produkten auf eine lange Haltbarkeit und Lebensdauer achteten. Modische Aspekte standen da im Hintergrund. Wenn es also darum ging, Kleidung anzuschaffen, war nicht der Chic entscheidend, sondern, ob das Material griffig und langlebig war.
Zweitens strickte und häkelte meine Mutter für ihr Leben gern. Viele meiner Kleidungsstücke, von meiner Geburt bis etwa zum neunten Lebensjahr waren also handgestrickt. Und es wurde auch gern mal ein Pullover, aus dem ich herausgewachsen war, wieder aufgeribbelt und was Neues aus dem Garn gefertigt. Das fanden die anderen Kinder aus unserer Straße nicht so toll und haben mich manchmal deswegen gehänselt. Aber ansonsten war eher von Interesse, dass man überhaupt Klamotten hatte.

Trotzdem gab es hin und wieder auch Auswüchse, die entfernt an die heute geltenden Modeschikanen erinnern. Beispielsweise wurden um 1967 die sogenannten Beatles-Hosen populär. Das waren schwarze Stoffhosen mit Schlag und zwingend einem Gürtel aus Stretch-Material in den britischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau. Die Beatles selbst haben diese Kombination nie getragen, aber in der naiven Vorstellung der Kinder und Jugendlichen von damals, entsprach das genau dem englischen Modeideal. Das wollte damals jedes größere Kind gerne haben, doch mit rund 60 DM waren diese Hosen sehr teuer und nur die wenigsten bekamen welche. Aber, und das ist der Unterschied zu heute, wer eben keine hatte, musste nicht mit dem Hohn und Spott der anderen rechnen.

Andere leichte Modediktate gab es zwischendurch mal bei den Jeansmarken. Da dominierte zu unserer Zeit die Marke Wrangler. Sie galt als die Jeans überhaupt. Die heute so populäre Levis-Jeans war damals eher verpönt. Noch verpönter waren Jeans mit unbekanntem Herstellerlogo, wie sie von vielen Nachahmern hergestellt wurden. So gerade noch akzeptabel waren die schnell auf den Markt gekommenen deutschen Antworten von C&A, nämlich die Palomino-Jeans mit dem Pferd auf dem Logo und die noch viel bekannteren Jingler-Jeans mit den hell klingenden Glöckchen an der Seite. Mit 45 D-Mark waren sie rund 15 bis 25 Mark günstiger als vergleichbare amerikanische Nietenhosen.

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Doch letztendlich war es egal, welche Firma die Jeans hergestellt hatte, Hauptsache, man hatte überhaupt Jeans und diese waren schön verwaschen und vor allem eng.

Ab und zu schwappten Modewellen über uns herein, die meist aber nur von kurzer Dauer waren. Da waren die Clogs, unförmige Pantinen mit dicker Holzsohle. Da waren die damals wirklich über Nacht tausendfach aufgetauchten gelben Ostfriesennerze. Und da gab es in den 1970ern die Jungenmode, lange Pullover mit einem absolut sinnfreien Gürtel darüber zu tragen.

Die Frage, ob Turnschuhe nun von Adidas, Nike oder Puma waren, kam überhaupt nicht auf, weil das Tragen von Turnschuhen sowieso komplett verpönt war, und uns unsere Lehrer diesbezüglich auf den Sportunterricht verwiesen hätten. Außerdem waren Turnschuhe damals noch aus blauem Stoff und hatten vorne eine weiße Gummikappe. Hochkomplexe Laufschuhe gab es noch gar nicht.

Das ist heute anders. Schaut man den Leuten auf die Füße, sieht man überall vorwiegend diese Gummi- und Plastikschuhe, die vom Aussehen her für das sportliche Laufen gemacht worden sind.
Früher hieß es, sie würden Schweißfüße erzeugen und zu Fußfehlstellungen führen. Außerdem galten sie überall außerhalb der Turnhalle oder eines Marathonrennens als unpassend und nicht elegant genug. Man wäre ja auch nicht mit Gummistiefeln oder Bergwanderschuhen auf eine Party gegangen. Heute kann man die Schleicher = Sneaker überall anziehen, zum Anzug, zur Hochzeit und zur Beerdigung. Sie sind einfach ein omnipräsentes Kleidungsstück mit Alltagscharakter geworden.

Obwohl: Als ich noch meine Unternehmen hatte, hätte ich einen Bewerber, der sich in Turnschuhen bei mir vorgestellt hätte, nicht unbedingt bevorzugt eingestellt.

Auffallend ist, dass seit etwa 18 Jahren kaum noch jemand seine Sneaker zubindet. Die Schnürsenkel werden einfach in die Schuhe gestopft und man schlüpft so in die Schuhe, ohne eine Schleife zu binden.
Grund dafür ist natürlich die Bequemlichkeit, wobei Bequemlichkeit hier nicht für anschmiegsame Behaglichkeit steht, sondern für Faulheit. Das Wort kann ja beides bedeuten.
Und diese Faulheit hat ihre Wurzeln darin, dass heute kaum noch ein junger Mensch die Fähigkeit besitzt, eine Schleife zu binden. Wer das nicht glaubt, soll einfach mal den Versuch machen und junge Menschen um eine Probe dieser „Kunst“ bitten. Das Internet ist zwar voll von Anleitungsvideos, aber die wenigsten sind in der Lage, diese schwierige Aufgabe auch nachzuvollziehen.

Ich frage mich, was die Kinder in den Kindergärten eigentlich machen? Nur noch gendern lernen und auf ein Transleben vorbereitet werden?

Alles in allem finde ich, dass wir dankbar sein können, a) in einer Zeit aufgewachsen zu sein, als es diese schlimmen Modediktate noch nicht gab, und b) heute wieder in einer Zeit zu leben, in der eigentlich alles erlaubt ist. Das macht doch vieles einfacher.

Überdies glaube ich, dass es besser ist, wenn wir uns auf den Charakter der Menschen konzentrieren und uns nicht so viele Gedanken über das Aussehen machen, sei es in Bezug auf Hautfarbe, Vollständigkeit der Gliedmaßen oder das, was die Menschen anziehen.

Wie hast Du das erlebt?

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