Notiz für mich selbst

Wer wird Millionär? Warum wir glauben, alles gewusst zu haben

Wer wird Millionär

Daheim auf der Couch weiß man immer alle Lösungen von Fernseh-Quiz-Sendungen. Viele Zuschauer mutieren zu Alleswissern. Manche sind gar überzeugt, „die Million“ jedes Mal gewinnen zu können, wären sie nur im Studio mit dabei.

Tatsache ist aber, dass das nicht so ist. Leserin Meike schreibt mir:

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„Bei „Wer wird Millionär“ weiß mein Vater immer alles und er weiß auch immer alles besser. Aber komischerweise nur, wenn die Fernsehsendung gemeint ist. Zu Weihnachten haben ihm das „Wer wird Millionär-Brettspiel“ geschenkt. Das haben wir jetzt mehrmals gespielt und
es hat sich herausgestellt, dass er gar nicht so gut ist, wenn die Lösung schwarz auf weiß auf der Lösungskarte steht. Woran liegt das?“

Der Rückschaufehler: Warum wir glauben, alles vorhergesehen zu haben

Der von Ihnen beschriebene Effekt lässt sich durch den sogenannten Rückschaufehler (englisch: hindsight bias) erklären. Diese kognitive Verzerrung führt dazu, dass Menschen nach dem Eintreten eines Ereignisses ihre ursprünglichen Einschätzungen oder Vorhersagen systematisch in Richtung des tatsächlichen Ergebnisses revidieren. Mit anderen Worten: Nach Kenntnis des Ausgangs glauben wir, das Ergebnis schon vorher geahnt oder gewusst zu haben, selbst wenn dies nicht der Fall war.

Funktionsweise des Rückschaufehlers

Selbsttäuschung: Nach dem Offenlegen der richtigen Antwort neigen wir dazu, unsere ursprüngliche Einschätzung zu überschätzen. Wir erinnern uns fälschlicherweise daran, die richtige Lösung in Betracht gezogen zu haben, auch wenn dies nicht zutrifft. Dies dient oft dazu, unser Selbstwertgefühl zu schützen und unser Vertrauen in unsere Entscheidungsfähigkeit zu stärken.

Anpassung der Erinnerung: Unser Gedächtnis ist konstruktiv und kann durch neue Informationen beeinflusst werden. Wenn wir das tatsächliche Ergebnis kennen, passen wir unsere Erinnerung an frühere Überlegungen unbewusst an dieses Ergebnis an. Dies führt dazu, dass wir glauben, die richtige Antwort bereits vorher gewusst zu haben.

Beispiel im Kontext von Quizfragen

Stellen Sie sich vor, Sie beantworten eine Multiple-Choice-Frage und wählen Option A. Nach der Auflösung stellt sich heraus, dass Option C korrekt ist. Der Rückschaufehler kann dazu führen, dass Sie sich einreden, Option C ebenfalls in Betracht gezogen zu haben, obwohl Sie sich ursprünglich sicher für Option A entschieden hatten. Dieses Phänomen kann das Gefühl verstärken, dass man die richtige Antwort „eigentlich“ wusste, was jedoch eine Verzerrung der tatsächlichen Erinnerung darstellt.

Ursachen des Rückschaufehlers

Kognitive Verzerrung: Menschen haben das Bedürfnis, die Welt als vorhersehbar und verständlich wahrzunehmen. Der Rückschaufehler hilft dabei, diese Wahrnehmung aufrechtzuerhalten, indem er den Eindruck erweckt, dass Ereignisse vorhersehbarer waren, als sie es tatsächlich waren.

Selbstwertschutz: Indem wir glauben, das Ergebnis bereits vorhergesehen zu haben, schützen wir unser Selbstwertgefühl und vermeiden das Eingeständnis, dass wir falsch lagen oder etwas nicht wussten.

Vermeidung des Rückschaufehlers

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, ist es hilfreich, sich der eigenen Entscheidungsprozesse bewusst zu werden und diese zu dokumentieren. Durch das Festhalten von Gedanken und Überlegungen vor dem Eintreten eines Ereignisses kann man später objektiver beurteilen, wie die ursprüngliche Einschätzung tatsächlich war. Zudem fördert das Bewusstsein über die Existenz des Rückschaufehlers eine kritischere Reflexion der eigenen Erinnerungen und Einschätzungen.

Fazit

Insgesamt zeigt der Rückschaufehler, wie unser Gedächtnis und unsere Wahrnehmung durch kognitive Verzerrungen beeinflusst werden können. Dies führt zu einer verzerrten Sicht auf vergangene Entscheidungen und Ereignisse und betont die Bedeutung eines bewussten Umgangs mit unseren Erinnerungen.

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(©si)