Warum meine Zimmerpflanzen kein Wasser mehr halten – und was wirklich hilft: Viele Zimmerpflanzenfreunde kennen das Phänomen: Man gießt, wie man es immer getan hat, doch das Wasser läuft scheinbar ungehindert durch den Topf.
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- Moderne Blumenerde: leicht, luftig – und manchmal widerspenstig
- Gießen oder Tauchen – was ist in diesem Fall besser?
- So funktioniert das Tauchen richtig
- Diese Methode kann Deine Erde retten
- Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
- Was mache ich bei sehr großen Töpfen?
- Der Blick nach vorn: andere Substrate
- Fazit
- Bildquellen:
Trotz regelmäßigen Gießens vertrocknen Deine Pflanzen jämmerlich. Mir ist das jetzt bei schon vier Pflanzen passiert.
Langfristig stelle ich deshalb meine Zimmerpflanzen auf Tongranulat (z.B. Seramis) um. Aber das dauert noch, ich habe fast 50 Pflanzen hier und mache das so nach und nach.
Bis dahin kämpfe ich mit diesem Problem: Meine Blumenerde ist von LIDL. Es ist eine Scheiß-Blumenerde. Aus Umweltschutzgründen enthält Blumenerde heute keinen Torf mehr. Torf hat das Wasser in der Erde sehr gut gebunden. Zum Schutz der Moore wird aber heute normalerweise kein Torf mehr beigemengt. Stattdessen werden andere Ersatzstoffe verwendet. Diese altern aber und verlieren schnell ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern. Es bilden sich Trockeninseln im Erdballen. Diese saugen kein Wasser auf und mein Gießwasser scheint zwar die Erde zu befeuchten, tatsächlich läuft es aber im Grunde unten raus, ohne dass etwas an die Wurzeln gelangt.
(Nebenbei bemerkt: Die LIDL-Erde war extrem mit Trauermücken belastet, brachte Würmer und Tausendfüßler mit und roch auch nicht gut.)
Es tropft also unten heraus, oben ist die Erde kurz feucht – und trotzdem wirkt die Pflanze wenig später wieder schlapp. Die naheliegende Vermutung lautet dann: Die Pflanze braucht wohl einfach mehr Wasser.
Tatsächlich liegt das Problem aber oft ganz woanders.
Moderne Blumenerde: leicht, luftig – und manchmal widerspenstig
Ein Großteil der heute erhältlichen Blumenerden besteht nicht mehr aus klassischem Torf, sondern aus sogenannten Torfersatzstoffen wie Holzfasern, Kokosmaterial oder sehr feinen organischen Bestandteilen. Diese Substrate sind ökologisch sinnvoller, haben aber eine Eigenart:
Wenn sie einmal komplett austrocknen, werden sie wasserabweisend.
Das bedeutet konkret:
Beim Gießen perlt das Wasser an der trockenen Erde ab, läuft bevorzugt am Topfrand entlang und verschwindet durch das Abzugsloch – ohne den eigentlichen Wurzelballen wirklich zu durchfeuchten. Die Pflanze steht dann in einem Topf, der äußerlich gegossen wirkt, innerlich aber trocken bleibt.
Gießen oder Tauchen – was ist in diesem Fall besser?
Solange die Erde noch gleichmäßig feucht ist, reicht normales Gießen völlig aus. Ist das Substrat jedoch bereits ausgetrocknet und nimmt Wasser schlecht an, stößt diese Methode an ihre Grenzen.
In solchen Fällen ist das Tauchen des Topfes deutlich effektiver.
Dabei wird der Pflanztopf für einige Minuten in einen Eimer oder eine Schale mit Wasser gestellt. Durch den sanften Wasserdruck von außen kann sich die Erde langsam und gleichmäßig vollsaugen. Der Wurzelballen bekommt wieder Kontakt zu Feuchtigkeit, statt nur oberflächlich benetzt zu werden.
So funktioniert das Tauchen richtig
Damit das Verfahren der Pflanze nutzt und nicht schadet, sollte man ein paar einfache Regeln beachten:
Der Topf wird nur so weit ins Wasser gestellt, dass der Rand trocken bleibt. Zimmerwarmes Wasser ist ideal. Nach etwa fünf bis zehn Minuten – spätestens dann, wenn keine Luftblasen mehr aufsteigen – wird der Topf wieder herausgenommen und gründlich abtropfen gelassen.
Wichtig ist, dass die Pflanze anschließend nicht im Wasser stehen bleibt, denn Staunässe schädigt die Wurzeln oft nachhaltiger als Trockenheit.
Es heißt immer in den sogenannten Fachforen und Hobby-Meinungsbörsen, diese Methode sei keine Dauerlösung, sondern nur eine sehr sinnvolle Übergangshilfe, wenn die Erde ihre Wasseraufnahme verloren hat.
Tatsache ist aber, dass man das ausprobieren muss. Denn es gibt Pflanzen, die das lieben. Manche meiner Zimmerpflanzen gedeihen besonders gut, wenn ich sie immer fast austrocknen lasse, bis man erkennt, dass die Blätter zu hängen beginnen und die Erde sich wirklich trocken anfühlt. Dann möchten sie gebadet werden und belohnen das mit kräftigem Wuchs, schönem Blattgrün und herrlichen Blüten.
Andere Pflanzen mögen das Baden nicht so gerne. Dazu gehören nach meinen Beobachtungen alle Sukkulenten, also die Pflanzen, die auch Wasser in den Blättern speichern können, sowie die Pflanzen, die feine Härchen auf den Blättern haben, so wie z.B. das Elefantenohr.
Am besten, Du probierst das aus. Bei mir sind es die meisten Pflanzen, die das gerne zu mögen scheinen.
Diese Methode kann Deine Erde retten
Wenn Du das mit dem Tauchen praktizierst, wirst Du nach einer Weile feststellen, dass die wasserabweisende Erde wieder gelernt hat, Wasser zu halten. Die Trockeninseln sind aufgequollen und speichern wieder Flüssigkeit.
Wenn das der Fall ist, kannst Du mit dem Baden aussetzen, wenn Du magst, und weiter normal gießen. Fange mit dem Baden wieder an, wenn die Erde nach 6–9 Monaten wieder wasserabweisend wird.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Zusätzlich kann es helfen, die oberste Erdschicht vorsichtig aufzulockern. Schon ein bis zwei Zentimeter reichen aus, um dem Wasser beim nächsten Gießen den Weg zu erleichtern. Auch langsames Gießen in mehreren kleinen Portionen kann die Aufnahme verbessern, weil die Erde Zeit bekommt, Feuchtigkeit anzunehmen.
Was mache ich bei sehr großen Töpfen?
Für Zimmerpflanzen gilt nach meinen Erfahrungen das Gleiche wie für Aquarien: Größere Behälter machen weniger Arbeit.
Beim Aquarium ist es viel schwieriger, ein kleines Becken in einem biologischen Gleichgewicht zu halten, als ein wesentlich größeres. Bei Blumentöpfen ist das ähnlich. Kleine Erdmengen trocknen schneller aus, es muss häufiger gegossen werden. Auch die Düngerdosierung wird komplizierter.
Größere Töpfe verzeihen mit ihrer vielen Erde so einiges.
Aber man kann große Töpfe natürlich nur schwer durch die Gegend schleppen und in eine Wanne stellen. Deshalb muss man hier mit der o.g. Methode arbeiten: Wenig, langsam und mehrfach gießen, damit die Erde Zeit hat, sich vollzusaugen.
Der Blick nach vorn: andere Substrate
Viele Pflanzenfreunde entscheiden sich langfristig für mineralische Substrate wie Seramis oder ähnliche Tongranulate. Diese speichern Wasser gleichmäßig, werden nicht hydrophob und ermöglichen eine bessere Kontrolle über die Feuchtigkeit. Der Umstieg will allerdings gut vorbereitet sein, insbesondere was das Entfernen alter Erde von den Wurzeln betrifft.
Fazit
Wenn Blumenerde kein Wasser mehr hält, liegt das meist nicht an mangelndem Gießen, sondern an einem Substrat, das den Kontakt zu Feuchtigkeit verloren hat. In solchen Fällen ist das kurzzeitige Tauchen des Topfes die wirksamste Methode, um der Pflanze wirklich zu helfen.
Für mich bedeutet das, dass ich tragbare und kleinere Töpfe tauche und die großen langsam gieße.
Wer das Problem erkennt, kann mit einfachen Mitteln viel bewirken – und seine Zimmerpflanzen danken es sichtbar.
Bildquellen:
- blumi: Peter Wilhelm
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