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USB-C verlängert man besser nicht – man ersetzt

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Stecker gedreht, Anschluss wird erkannt

USB-C gilt als moderner Alleskönner. Laden, Daten, Video, Audio – alles über einen Stecker. Umso größer ist die Verwunderung, wenn eine vermeintlich hochwertige USB-C-Verlängerung plötzlich dafür sorgt, dass der Ton verschwindet.

Genau das ist mir passiert – und wie ich herausgefunden habe, ist es kein Einzelfall.

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USB-C ist nicht gleich USB-C

USB-C ist ja zunächst einmal tatsächlich eine geile Sache. Eine moderne, kompakte Schnittstelle, beidseitig steckbar, mechanisch robust und theoretisch in der Lage, so ziemlich alles zu können: Laden, Datenübertragung, Video, Audio, Power Delivery. Und dank der EU-Verordnung soll nun endlich Schluss sein mit dem jahrzehntelangen Stecker-Zoo. Ein Anschluss für alles – das klingt nach Vernunft.

Aber wie so oft steckt der Teufel im Detail. Denn USB-C ist eben nicht gleich USB-C. Nur weil die Stecker am Ende eines Kabels identisch aussehen, heißt das noch lange nicht, dass sie technisch auch das Gleiche leisten. Manche Kabel können nur langsam laden, andere schnell. Manche übertragen Daten mit Schneckentempo, andere mit mehreren Gigabit pro Sekunde. Wieder andere beherrschen DisplayPort oder Thunderbolt – und sehen trotzdem exakt so aus wie die billigste Strippe aus der Grabbelkiste.

Das ist nicht nur verwirrend, sondern im Alltag schlicht ärgerlich. Man steckt ein Kabel ein, nichts passiert oder es passiert nur halb. Das Notebook lädt nicht, der Monitor bleibt schwarz oder die externe SSD dümpelt mit USB-2-Geschwindigkeit vor sich hin. Und am Ende fragt man sich nicht: „Ist das Gerät defekt?“, sondern: „Welches verdammte USB-C-Kabel ist das jetzt wieder?“

Wenn ein einheitlicher Standard wirklich Sinn ergeben soll, dann müsste er auch einheitlich umgesetzt sein. Dann müssten alle Kabel eine definierte Mindestqualität haben. Dann müssten alle Adern vorhanden, alle Kontakte belegt und alle relevanten Funktionen grundsätzlich unterstützt sein. Kein Rätselraten, kein Nachlesen von kryptischen Symbolen, keine Sternchen im Kleingedruckten. Einstecken – funktioniert. Punkt.

So wie es jetzt ist, fühlt sich USB-C weniger wie ein Standard an, sondern eher wie eine hübsche Verpackung, unter der sich völlig unterschiedliche Inhalte verbergen. Technisch mag das alles erklärbar sein, marktwirtschaftlich vielleicht sogar nachvollziehbar. Für den Nutzer aber ist es vor allem eines: unnötig kompliziert. Und genau das wollte man mit einem einheitlichen Anschluss doch eigentlich abschaffen.

Probleme mit Audio

In einem vorhergehenden Artikel beschrieb ich mein neuen Mac Studio-Gehäuse. Das ist größer als der Mac Studio an sich und der Rechner steht jetzt nicht mehr unterm Monitor, sondern daneben. Und siehe da: Es rächt sich, dass ich vor einigen Wochen 2 Euro gespart habe.

Die Ausgangslage war, dass mein Audio-Klinkenkabel immer geknackst hat. Immer wieder mal, erschreckend laut und in nicht nachvollziehbaren, seltenen Abständen. Die Lösung: Ich kaufe mir ein USB-C-Kabel mit DAC-Chip. Das kann Audiosignale digital wandeln. Damit entfällt die Notwendigkeit, meine Lautsprecher an die knacksende Klinkenbuchse des Rechners anzuschließen. Tja, und ein solches Kabel gab es für 8,99 und für 10,99. Das günstigere war 1 Meter lang, das teurere 2 Meter. Ich habe das kurze genommen. Und das hat genau gereicht, aber ganz genau.

Nun steht der Mac neben dem Monitor und das neue Kabel ist nun zu kurz. 3 Zentimeter fehlen. Bääääh.

Also habe ich mir gestern eine USB-C-Verlängerung bestellt, die heute geliefert wurde.

Ausgangslage: Brummen weg, Ton auch weg

Bisher haben die Boxen an dem USB-C-DAC-Kabel klasse funktioniert.
Mit der Verlängerung geht auf einmal nichts mehr. Die Boxen, bzw. das DAC-Kabel werden gar nicht erkannt.
Aber seltsamerweise nur, wenn ich sie, wie gewünscht, hinten am Mac Studio anschließe.
An einem der vorderen beiden USB-C-Anschlüsse funktioniert auf einmal alles wieder. Aber da will ich das Kabel nicht haben.

Die Ausgangssituation ist typisch:

  • Analoge Klinkenkabel zwischen Computer und Aktivlautsprechern verursachen Brummen und Knackgeräusche
  • Ursache sind meist Masseschleifen und unsymmetrische Signalführung
  • Die Lösung: ein USB-C-auf-3,5-mm-Klinke-Kabel mit integriertem DAC

Solche Kabel wandeln das digitale Audiosignal direkt im Stecker in ein analoges Signal um. Der Rechner erkennt sie als USB-Audiogerät, das Brummen verschwindet – technisch sauber gelöst.

Das Problem begann also erst, als das Kabel zu kurz war. Die naheliegende, aber falsche Idee: USB-C verlängern.

Um mehr Reichweite zu bekommen, wurde eine USB-C-Verlängerung eingesetzt. Und zwar keine billige, sondern ein Modell mit beeindruckenden Eckdaten:

USB 3.2, 20 Gbps Datenrate, 240 W Power Delivery, 5K@60 Hz / 4K@144 Hz Video, „hochwertig“, „High-End“, „Pro“.

Das Ergebnis war, wie gesagt, ernüchternd: An den vorderen USB-C-Ports des Rechners funktionierte alles, an den hinteren Ports: kein Ton, Gerät wird nicht erkannt.
Ein klassischer Grenzfall moderner Schnittstellentechnik.

Die entscheidende Erkenntnis: USB-C ist nicht gleich USB-C. USB-C beschreibt nur die Steckerform, nicht die elektrische Funktion. Was über den Stecker läuft, hängt vom Kabelinneren ab.

Viele USB-C-Verlängerungen sind für spezielle Anforderungen optimiert. Beispielsweise für: Video (DisplayPort-Alt-Mode), hohe Ladeleistung (Power Delivery), hohe Datenraten für Massenspeicher.
Was dabei oft nicht sauber umgesetzt ist: stabile USB-2-Datenpfade für Audio, saubere 5-Volt-Versorgung für kleine aktive Geräte und zuverlässige USB-Handshake-Signalisierung.
Ein USB-Audio-DAC im Klinkenstecker ist kein „dummes Kabel“, sondern ein aktives USB-Gerät. Und genau das macht ihn empfindlich.

Warum es manchmal vorne geht – und hinten nicht

Moderne Rechner haben intern unterschiedlich angebundene USB-Ports:

  • Frontanschlüsse sind oft direkter, toleranter und weniger komplex verschaltet
  • Rückseitige Ports hängen häufig an Thunderbolt-Controllern, Hubs und Multiplexern

Ein grenzwertiges Kabel kann deshalb vorne noch funktionieren, hinten aber bereits am USB-Handshake scheitern.

Das wirkt willkürlich, ist aber technisch erklärbar.

Das ist der Irrtum

Ein weitverbreiteter Irrtum besteht darin, hohe Datenraten automatisch mit uneingeschränkter Tauglichkeit für alle Anwendungen gleichzusetzen. Die Annahme, ein Kabel, das 20 Gbps überträgt und problemlos 5K-Video bewältigt, müsse erst recht für Audio geeignet sein, klingt zunächst logisch – ist technisch jedoch falsch. USB-Audio stellt ganz andere Anforderungen. Zwar sind die benötigten Datenmengen vergleichsweise gering, dafür sind die Signale hochgradig zeitkritisch. Sie müssen kontinuierlich, stabil und ohne Unterbrechungen übertragen werden. Hinzu kommt die Notwendigkeit einer sauberen, störungsarmen Spannungsversorgung, da viele Audio-Interfaces und DACs direkt über den USB-Port gespeist werden.

Genau hier liegt das Problem vieler moderner High-Speed-Kabel. Diese sind in erster Linie für schnellen, paketweisen Datentransfer optimiert, also für kurze, intensive Datenbursts wie sie bei Massenspeichern oder Videostreams auftreten. Für eine konstante, latenzarme und elektrisch saubere Peripheriekommunikation sind sie hingegen oft nur eingeschränkt geeignet. Audio entpuppt sich in diesem Zusammenhang als deutlich anspruchsvoller, als es die nüchternen Zahlen auf dem Datenblatt vermuten lassen.

Die letztlich einzig wirklich zuverlässige Lösung erwies sich daher als erstaunlich unspektakulär, aber technisch konsequent. Anstatt das Signal über Verlängerungen, Adapter oder Zwischenverbindungen zu führen, habe ich einfach nun das 2 Meter lange USB-C-Kabel mit DAC-Chip für 10,99 Euro bestellt.
Es wird also direkt ein ausreichend langes USB-C-auf-Klinke-Kabel mit integriertem DAC eingesetzt. Damit entfallen zusätzliche Steckverbindungen ebenso wie potenzielle Probleme mit CC-Pins, Spannungsabfällen oder fehleranfälligen USB-Handshakes über mehrere Stationen hinweg.

Merksätze für den Alltag

Zum Mitnehmen:
• USB-C ist kein Garant für Kompatibilität
• Verlängerungen sind die häufigste Fehlerquelle
• Video- und Lade-Spezifikationen sagen nichts über Audio-Eignung
• Bei USB-Audio gilt: lieber ein Kabel zu lang als eine Verlängerung zu viel

Oder noch kürzer:

USB-C verlängert man besser nicht – man ersetzt.

Fazit

Mein Fall zeigt exemplarisch, wie moderne Technik trotz beeindruckender Datenblätter an banalen Details scheitern kann. Nicht aus Sparsamkeit, sondern aus gutem Glauben an Spezifikationen, die im Alltag oft missverstanden werden.
Trotzdem würde ich mir wünschen, dass mit dem ganzen Datengebrabbel aufgehört wird und ein USB-C-Verlängerungskabel für alle Arten von USB-Kabeln als Verlängerung genutzt werden kann.
Ich behaupte, mich ganz gut auszukennen, aber an dem ganzen Gebrabbel bei den Produktbezeichnungen und -beschreibungen fühle ich mich fast ein wenig überfordert.

Es ist zum Kotzen!!!

Jetzt suche ich bei ΑΜΑΖΟΝ nach dem Produktfoto des Verlängerungskabels. Du siehst es oben als Titelbild dieses Beitrags. Und unter den Produktfotos des Herstellers finde ich noch dieses Bild:

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Dort heißt es, man soll bei Verbindungsproblemen den Stecker einfach mal andersherum in die Verlängerung stecken…
Normalerweise sollten USB-C-Kabel doch egal wie herum gesteckt werden können, oder?

Nun denn, ich habe es probiert. Einfach Stecker des USB-C-DAC-Kabels aus der Verlängerung raus, einmal umgedreht, wieder rein… und siehe da, jetzt funktioniert’s.

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Stecker gedreht, Anschluss wird erkannt
Headphones

Was für eine Scheiße! Was für ein dummer Blödsinn!

Was ich jetzt mache? Ich storniere das längere 10,99 Euro-Kabel. Um die Verbindung zwischen meinen Kabeln mache ich jetzt ein Stück Isolierband und drucke mit dem Brother-Etikettendrucker einen kleinen Streifen aus, der anzeigt, dass es sich um ein DAC-Kabel handelt, das so bleiben muss, fertig. Was für ein Aufwand wegen so einem Scheiß!

Bildquellen:

  • 81FffcFsiLL._SL1500__800x500: azamonn
  • Bildschirmfoto-2026-02-02-um-22.41.17_800x500: Azamon

Hashtags:

Ich habe zur besseren Orientierung noch einmal die wichtigsten Schlagwörter (Hashtags) dieses Artikels zusammengestellt:

#Audio #DAC #Spezifikationen #USB-C #Verlängerung

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(©si)