In vielen Haushalten landet derzeit Post von der Deutschen Telekom. Der Konzern informiert Bestandskunden, dass ältere Magenta-Entertain-Receiver aus technischen Gründen ersetzt werden müssen.
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- Was früher anders war: der alte Entertain-Receiver
- Was sich nun ändert: der neue Receiver und IPTV-Streaming
- Der Komfortverlust beim Aufnehmen – und warum er vielen sauer aufstößt
- Technik im Vergleich – moderne IPTV-Plattform statt proprietärer TV-Transport
- Warum die Umstellung polarisiert
- Was bleibt am Ende?
- Bildquellen:
Für viele klingt das zunächst wie ein gewöhnliches Austauschprogramm, doch tatsächlich markiert es eine große Veränderung im TV-Empfangsmodell. Der klassische Entertain-Receiver, der das Fernsehsignal proprietär über das Telekom-Netz ins Haus brachte, verschwindet schrittweise. An seine Stelle tritt ein neuer Streaming-Receiver, über den das TV-Angebot als reguläres IP-TV übertragen wird. Was technisch nach einem nahtlosen Übergang klingt, hat im Detail weitreichende Auswirkungen – auf Komfort, Aufnahmefunktionen, Speicher, Bildqualität und nicht zuletzt auf das Nutzungsverhalten.
Was früher anders war: der alte Entertain-Receiver
Über Jahre empfing der Entertain-Receiver das Programm über ein spezielles Telekom-Protokoll direkt aus dem Netz des Anbieters. Technisch war das kein gewöhnliches Internet-Streaming, sondern eine eigene Übertragungsform – ein Multicast-TV-Signal. Die Datenströme wurden nur einmal ins Netz eingespeist und konnten von vielen Haushalten gleichzeitig genutzt werden, ohne dass jeder Stream einzeln angefordert werden musste. Das war effizient, stabil und bot auch dann zuverlässige Qualität, wenn im Haushalt gleichzeitig Internet genutzt wurde. Besonders geschätzt war der Festplattenreceiver. Sendungen ließen sich lokal aufnehmen, speichern, archivieren und ohne Internetverbindung ansehen. Werbung konnte vorgespult werden, zeitversetztes Fernsehen war unkompliziert und der Speicherplatz hing allein von der Kapazität der Festplatte ab, und man hatte im Prinzip sein eigenes kleines Archiv zuhause.
Was sich nun ändert: der neue Receiver und IPTV-Streaming
Mit dem neuen Receiver verabschiedet sich die Telekom von dieser eigenen Übertragungstechnik. Statt Multicast-Signal aus dem Netz kommt nun klassisches Internet-Streaming zum Einsatz, so wie bei Netflix oder Prime-Video. Jedes Programm wird beim Umschalten einzeln abgerufen. Für den Kunden bedeutet das, dass TV tatsächlich über die normale Internetverbindung läuft. Wird parallel gearbeitet, gestreamt oder heruntergeladen, können Bild und Stabilität stärker vom Heimnetz abhängen als zuvor. Gleichzeitig eröffnet das neue System Möglichkeiten, die im alten Modell nur eingeschränkt oder gar nicht existierten. Angeboten wird nahezu alles in HD-Qualität, Programme können spontan auf dem Tablet, Smartphone oder Zweitfernseher weitergeschaut werden und Softwareupdates kommen regelmäßig und zentral. Die Bindung an ein lokales Gerät ist damit deutlich geringer, das System flexibler, moderner und langfristig besser wartbar.
Zur Erinnerung: Im bisherigen Entertain-System fungierte ein Receiver im Haushalt als Hauptreceiver und alle anderen waren sogenannte Slaves. Aufnahmen wurden auch nur auf dem Hauptreceiver gespeichert. wo die Slaves sie bei Bedarf abriefen.
Der Komfortverlust beim Aufnehmen – und warum er vielen sauer aufstößt
Wo Licht ist, gibt es Schatten. Die größte Veränderung betrifft die Aufnahmefunktion. Der neue Receiver speichert Sendungen nicht mehr lokal auf einer Festplatte. Stattdessen werden Aufnahmen ausschließlich in der Cloud gesichert. Das ist praktisch, weil sie von überall abrufbar sind, sofern Internet verfügbar ist. Doch der Online-Speicher ist begrenzt und längst nicht so großzügig wie eine physische Festplatte. Wer früher ganze Staffeln, Dokumentationen oder Filmreihen sammelte, muss sich nun entscheiden, was wirklich aufgehoben wird. Dazu kommt, dass HD-Material deutlich mehr Speicher beansprucht. Gleich lange Aufnahmen blockieren damit wesentlich mehr Platz als früher in SD oder als komprimierte private Aufnahme auf dem heimischen Receiver. Viele Serienfreunde merken erst nach einigen Wochen, dass die Speichergrenzen schneller erreicht werden als erwartet.
Hinzu kommt ein zweiteiliger Komfortverlust: Während beim alten Receiver die Aufnahme wirklich dem Nutzer gehörte, ist das Cloud-Recording an Rechte, Plattformbedingungen und Sendervorgaben gebunden. Manche Sender schränken das Vorspulen in Aufnahmen ein, besonders in werbefinanzierten Formaten. Wer gewohnt war, Werbung einfach zu überspringen, erlebt plötzlich das genaue Gegenteil. Ärgerlich wird es, wenn ausgerechnet Lieblingsformate davon betroffen sind. Technisch möglich wäre das Vorspulen zwar weiterhin, rechtlich und lizenztechnisch allerdings wird es blockiert. Das sorgt für Frust, vor allem bei denen, die TV aktiv nutzen und nicht nebenbei konsumieren.
Technik im Vergleich – moderne IPTV-Plattform statt proprietärer TV-Transport
Betrachtet man die Umstellung nüchtern, wird klar: Die Telekom orientiert sich an aktuellen Marktstandards. Lineares Fernsehen wandert seit Jahren ins Internet, IPTV ersetzt klassische Kabel- und Satellitenwege, und Cloud-Aufnahmen sind branchenweit auf dem Vormarsch. Streaming löst Broadcast ab. Technisch bedeutet das, dass statt eines reservierten TV-Datenstroms nun ein On-Demand-Stream für jede Abrufhandlung läuft. Für Haushalte mit schnellem Breitbandanschluss ist das meist kein Problem. Doch wo Bandbreite fehlt oder Netzlast schwankt, leidet das TV-Erlebnis schneller. Während der alte Receiver quasi unabhängig vom Internetkomfort zuhause arbeitete, macht der neue das Fernsehen stärker von der Qualität des Heimnetzes abhängig. Wer WLAN nutzt, sollte auf gute Signalversorgung achten oder Powerline/LAN einsetzen.
Auf der anderen Seite bringt IPTV das Telekom-Fernsehen endgültig ins universelle Streamingzeitalter. Funktionen wie zeitversetztes Schauen, Unterwegszugriff, parallele Geräte oder Softwarefeatures lassen sich leichter ausbauen und aktualisieren. Provider können Innovationen schneller aufspielen, statt Hardwarezyklen abwarten zu müssen. Für die Telekom ist die Entscheidung wirtschaftlich und technisch nachvollziehbar. Für Kunden fühlt sie sich aber nicht immer wie Fortschritt an – besonders dann, wenn bisherige Gewohnheiten verloren gehen.
Warum die Umstellung polarisiert
Es gibt Kunden, die freuen sich über moderne Menüs, neues Design und unkompliziertes Streaming auf mehreren Geräten. Andere vermissen das alte Prinzip: Receiver einschalten, aufnehmen, archivieren, unabhängig bleiben. Ich persönlich zähle mich zu jener Gruppe, die der Umstellung eher kritisch gegenübersteht. Nicht, weil der neue Receiver schlecht wäre, sondern weil der Nutzwert des alten Systems für mein Fernsehverhalten besser passte. Ich konnte aufzeichnen, was ich wollte, solange ich wollte, und war nicht von Serverkapazitäten abhängig. Heute muss ich mit Cloudgrenzen leben, und das Vorspulen von Werbung klappt bei manchen Sendern schlicht nicht mehr. Für den Zuschauer ist das nicht nur ein Komfortverlust, sondern auch ein Eingriff in die Autonomie der Mediennutzung.
Was bleibt am Ende?
Technisch betrachtet ist die neue IPTV-Lösung moderner, flexibler und zukunftsfähiger. Inhaltlich und nutzerpraktisch wirkt sie gleichzeitig reglementierter, speicherbegrenzter und stärker kontrolliert als das alte Receiver-Modell. Viele werden die Umstellung kaum bemerken und sich über HD-Qualität freuen. Andere merken erst nach Monaten, dass Archivieren nicht mehr selbstverständlich ist und dass ein Cloudspeicher eben nicht dasselbe ist wie die gute alte Festplatte. Ob die Veränderung positiv oder negativ wirkt, hängt davon ab, wie man Fernsehen nutzt. Wer streamt, live sieht und nicht viel archiviert, profitiert. Wer sammelt, vorspult, aufnimmt und langfristig verwaltet, verliert ein Stück Freiheit.
Die Telekom setzt damit einen Trend fort, der sich im gesamten TV-Markt zeigt: Medien wandern ins Internet, Besitz wandelt sich in Nutzung, Aufnahmen liegen nicht mehr im Wohnzimmer, sondern auf Servern. Für manche ein Fortschritt – für andere der Beginn eines neuen Fernsehalltags mit weniger Kontrolle, aber mehr Vernetzung. Die Zukunft des Fernsehens wird damit klarer: digitaler, zentraler, cloudbasierter. Ob sie auch besser ist, entscheidet nicht die Technik, sondern der Zuschauer.
Bildquellen:
- telemag_800x500: Peter Wilhelm
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