Internet

Spam-Rückläufer: Wenn andere unter Deinem Namen E-Mails verschicken

Spammm 800x500

In den letzten Tagen und Wochen häufen sich bei mir Mails, die auf den ersten Blick ziemlich irritierend wirken. Es handelt sich nicht um klassischen Spam – also diese üblichen dubiosen Angebote, die wir alle kennen und die zum Glück meist zuverlässig im Spam-Ordner landen.

Nein, es geht um etwas anderes. Etwas, das auf den ersten Blick fast so wirkt, als hätte man selbst plötzlich angefangen, massenhaft E-Mails zu verschicken.

Werbung

Was gerade passiert

Ich bekomme vermehrt automatische Antwortmails. Also Abwesenheitsnotizen, automatische Empfangsbestätigungen oder ähnliche Systemmeldungen. Das Kuriose daran: Diese Antworten beziehen sich auf E-Mails, die ich niemals verschickt habe.

Und genau hier liegt der Knackpunkt.

Irgendjemand da draußen verschickt Spam-Mails – und trägt dabei als Absender fremde Namen und E-Mail-Adressen ein. Mitunter eben auch meine oder die von Menschen aus meinem Umfeld. Die Empfänger dieser Spam-Mails haben automatische Antworten aktiviert, und diese Antworten gehen dann an den vermeintlichen Absender zurück.

Und das bin in diesem Fall angeblich ich.

Das ist kein „normaler Spam“

Der Unterschied zum klassischen Spam ist entscheidend:

Normalerweise bekommst Du Spam zugeschickt. In diesem Fall aber wirst Du selbst – zumindest scheinbar – zum Absender gemacht.

Das nennt man „E-Mail-Spoofing“. Dabei wird die Absenderadresse gefälscht, ohne dass der echte Inhaber dieser Adresse etwas davon weiß oder daran beteiligt ist.

Das ist technisch leider kein großes Kunststück. Die grundlegende Struktur von E-Mails stammt aus einer Zeit, in der Vertrauen noch ein Standard war und Missbrauch nicht in dieser Form eingeplant wurde.

Warum Du plötzlich Rückmeldungen bekommst

Die eigentliche Verwirrung entsteht durch die automatischen Antworten.

Stell Dir vor: Irgendein Spammer verschickt tausende Mails und trägt dabei Deine Adresse als Absender ein. Das geschieht nicht nur hundertfach, sondern tausendfach. Bei den meisten Mailempfängern landen diese sinnlosen Mails einfach im Spam-Ordner oder sie werden gelöscht. Einige Empfänger haben aber Abwesenheitsnotizen aktiviert – und deren Mailserver reagieren automatisch und senden an alle Absender dieser Spammails Rückantworten: „Wir haben Urlaub bis…“, „Diese Mailadresse ist nicht mehr aktiv…“, „Herr/Frau/Fräulein XYZ arbeitet nicht mehr hier…“ usw.

Die Folge: Du bekommst plötzlich Dutzende oder Hunderte Rückmeldungen zu Mails, die Du nie geschrieben hast.

Das fühlt sich seltsam an – ist aber in den allermeisten Fällen völlig harmlos.

Warum das Ganze gemacht wird

Im Gegensatz zu klassischem Spam, bei dem Dir etwas verkauft werden soll, steckt hier oft ein anderes Ziel dahinter.

Es geht nicht um Werbung. Es geht um Störung. Solche Aktionen dienen dazu, Mail-Systeme zu belasten, Verwirrung zu stiften und im Idealfall Infrastruktur zu überlasten. Wenn tausende automatische Antworten generiert werden, entsteht ein nicht unerheblicher Datenverkehr. Oder anders gesagt: Man nutzt die Systeme der Empfänger selbst als Verstärker für den eigenen Angriff.

Kann man sich dagegen schützen?

Die ehrliche Antwort lautet: nur sehr begrenzt.

Ich arbeite natürlich daran, meine Systeme entsprechend abzusichern. Dazu gehören zusätzliche Filtermechanismen, verbesserte Erkennungsverfahren und Maßnahmen, um solche Rückläufer zu begrenzen. Gleichzeitig muss man aber aufpassen, nicht mit der Brechstange vorzugehen. Viele dieser Mails laufen über völlig legitime Dienste, etwa Mailinglisten oder Gruppenfunktionen großer Anbieter. Würde man diese pauschal sperren, würde man sich selbst mehr schaden als nützen.

Ein sauberer Mittelweg ist hier entscheidend.

Musst Du etwas tun?

In den allermeisten Fällen: nein.

Wenn Du solche automatischen Antworten bekommst, kannst Du sie einfach ignorieren. Du musst nichts zurückschreiben, nichts erklären und auch nichts „richtigstellen“. Diese Mails sind kein Angriff auf Dich persönlich. Und sie bedeuten auch nicht, dass Dein Konto kompromittiert wurde. Sie sind lediglich ein Nebenprodukt eines Systems, das an einer ganz bestimmten Stelle ausgenutzt wird.

Die unbequeme Wahrheit

Man muss es so deutlich sagen: Wenn irgendwo auf der Welt – sei es in Osteuropa, Asien oder Südamerika – jemand Millionen von E-Mail-Adressen in Listen einträgt und damit Spam verschickt, dann hast Du als einzelner Nutzer praktisch keine Möglichkeit, das zu verhindern.

Das ist die Schattenseite eines globalen, offenen Kommunikationssystems.

Einordnung: Woher solche Angriffe kommen können

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt, woher solche Aktionen eigentlich stammen. Sicherheitsexperten und Beobachter gehen seit Jahren davon aus, dass ein Teil solcher Störaktionen aus professionell organisierten Strukturen heraus erfolgt – häufig wird in diesem Zusammenhang von sogenannten „Trollfabriken“ gesprochen.

Insbesondere Russland wird in vielen Analysen genannt, wenn es um gezielte Desinformations- und Störkampagnen im digitalen Raum geht. Dabei geht es nicht immer um spektakuläre Angriffe oder große Schlagzeilen. Oft sind es viele kleine, für sich genommen unscheinbare Maßnahmen, die zusammengenommen Wirkung entfalten.

Solche Spam- und Spoofing-Aktionen können Teil dieser Strategie sein. Sie sorgen für Verunsicherung, erzeugen zusätzlichen Aufwand, belasten technische Systeme und untergraben langfristig das Vertrauen in digitale Kommunikation.

Es geht nicht immer darum, direkt Schaden anzurichten – sondern darum, Systeme dauerhaft zu nerven, zu überlasten und Vertrauen zu erodieren.

Ob ein konkreter Vorfall tatsächlich aus solchen Quellen stammt, lässt sich im Einzelfall kaum sicher nachweisen. Klar ist jedoch: Diese Form von Störung passt sehr gut in das Gesamtbild moderner, hybrider Einflussnahme auf offene Gesellschaften.

Wer tiefer einsteigen möchte

Für alle, die sich technisch näher damit beschäftigen wollen, gibt es durchaus Lösungen und Schutzmechanismen wie SPF, DKIM und DMARC. Diese helfen Mailservern dabei, die Echtheit von Absendern besser zu überprüfen.

Ein guter Einstieg sind beispielsweise diese Seiten:

Fazit

Wenn Du aktuell seltsame automatische Antworten erhältst, gilt vor allem eines:

Keine Panik.

Du hast nichts falsch gemacht, nichts verschickt und bist auch nicht gehackt worden.

Du bist lediglich Teil eines Systems, das von Dritten missbraucht wird.

Jemand schreibt unter Deinem Namen Briefe – und Du bekommst die Antworten.

Das ist ärgerlich, aber in den meisten Fällen völlig ungefährlich.

Bildquellen:

  • spammm_800x500: Peter Wilhelm ki

Lesezeit ca.: 7 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)