Pflanzenpflege

So klappt es mit SERAMIS bei Deinen Zimmerpflanzen

Gruenlilie 800x500

Die Pflege von Zimmerpflanzen ist ja eigentlich ganz einfach. Und trotzdem tun sich manche damit schwer. Sie sagen dann: „Ich habe keinen grünen Daumen“. Mit ein wenig Pflanzenwissen kann aber tatsächlich jeder Erfolg haben. Ich verrate Dir viel über die Pflege von Zimmerpflanzen.

Heute geht es um SERAMIS

Ich habe schon in anderen Artikeln zum Thema Zimmerpflanzen geschrieben, für wie wertvoll ich Tongranulat wie SERAMIS bei der Pflanzenpflege halte.
Schaut man aber bei ΑΜΑΖΟΝ, findet man unglaublich viele negative 1-Sterne-Bewertungen. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Misserfolg bei der Zimmerpflanzenpflege mit SERAMIS fast immer auf Anwenderfehler zurückzuführen ist. Deshalb will ich das mal näher beleuchten.

Werbung

Tongranulat statt Erde – warum viele Fehler dem Substrat angelastet werden

Über Tongranulate wie Seramis findet man in unzähligen Rezensionen bereits reichlich Lob. Genau deshalb möchte ich den Blick einmal bewusst auf die negativen Bewertungen richten – insbesondere auf jene Ein-Stern-Urteile, in denen von Schimmelbefall, eingehenden Pflanzen oder angeblich „untauglichem Substrat“ die Rede ist. Viele dieser Aussagen offenbaren weniger ein Problem des Materials als vielmehr ein erhebliches Defizit an Wissen über Pflanzenpflege und mineralische Substrate. Nicht selten werden eigene Pflegefehler kurzerhand dem ungewohnten Medium angelastet, anstatt sich mit den Besonderheiten auseinanderzusetzen und dazuzulernen.

Ich schreibe das nicht aus theoretischem Interesse, sondern aus gelebter Praxis. In meinem Studio stehen rund dreißig Pflanzen ausschließlich in Tongranulat.
Und natürlich gehen auch bei mir hin und wieder Pflanzen ein. Aber nie war das Substrat die Ursache. Es waren immer Fehler in Bewässerung, Düngung oder Standortwahl.

Wer sich also über Schimmel, kränkelnde Pflanzen oder „funktioniert nicht wie Erde“ ärgert, sollte weiterlesen. Die Ursachen liegen fast immer woanders – und lassen sich beheben.

Was ist Seramis? Wie wird es hergestellt? Gibt es Alternativen?

Seramis ist ein sogenanntes Tongranulat, also ein vollständig mineralisches Pflanzsubstrat, das aus natürlichem Ton hergestellt wird. Der Ton wird fein gemahlen, angefeuchtet, zu kleinen Körnchen geformt und anschließend bei sehr hohen Temperaturen gebrannt. Durch diesen Brennprozess entsteht ein poröses, hartes Granulat, das im Inneren unzählige feine Hohlräume besitzt. Genau diese Struktur macht Tongranulat so interessant für die Pflanzenhaltung: Es kann Wasser und darin gelöste Nährstoffe speichern und sie nach und nach wieder an die Wurzeln abgeben, während gleichzeitig sehr viel Luft an die Wurzeln gelangt. Das Substrat selbst zersetzt sich nicht, fault nicht und verdichtet sich kaum, was langfristig stabile Bedingungen im Wurzelraum ermöglicht.

Seramis ist dabei kein „Wunderstoff“, sondern im Grunde ein industriell hergestelltes, standardisiertes Blähton- bzw. Tongranulat mit genau definierten Eigenschaften. Ähnliche Materialien werden seit Jahrzehnten in der Hydrokultur, im Gartenbau und in der professionellen Pflanzenproduktion eingesetzt. Der Vorteil von Markenprodukten wie Seramis liegt vor allem in der gleichmäßigen Körnung, der sauberen Verarbeitung und der guten Wasseraufnahme.

Alternativen gibt es zahlreiche. Sehr verbreitet ist klassischer Blähton (LECA), wie er aus der Hydrokultur bekannt ist, der ebenfalls aus gebranntem Ton besteht, aber meist gröber ist und weniger Wasser speichert. Ebenfalls genutzt werden mineralische Substrate wie Bims, Lava, Zeolith oder Mischungen daraus, die je nach Zusammensetzung unterschiedliche Wasserhaltefähigkeit und Luftigkeit bieten. In der Orchideen- und Bonsaiszene sind solche Substrate seit langem Standard. Auch moderne Substratmischungen auf rein mineralischer Basis, teilweise kombiniert mit kleinen Anteilen organischer Bestandteile, sind im Handel erhältlich. Entscheidend ist nicht der Markenname, sondern das Prinzip: ein dauerhaft luftiges, strukturstabiles, nährstofffreies Substrat, bei dem Wasser- und Nährstoffversorgung bewusst über das Gießwasser gesteuert werden.

Schimmel auf Tongranulat – was wirklich dahintersteckt

Zunächst ein grundlegender Fakt: Tongranulat besteht aus gebranntem, mineralischem Ton. Es ist vollständig inorganisch. Ein solches Material kann nicht schimmeln. Schimmel benötigt organische Substanz als Nährboden. Klassische Blumenerde besteht überwiegend aus organischem Material – sie kann faulen, schimmeln und zersetzt sich biologisch. Tongranulat nicht.

Wenn sich auf Seramis dennoch schimmelartige Beläge zeigen, dann liegt das nicht am Granulat selbst, sondern an den Umgebungsbedingungen. In der Praxis gibt es dafür im Wesentlichen zwei Hauptursachen:

  1. Die erste ist massive Überwässerung. Wird Tongranulat dauerhaft nass gehalten, entsteht ein sauerstoffarmer, feuchter Bereich, in dem sich organische Rückstände – etwa alte Wurzelteile, Staub, Düngerreste oder mit eingeschleppte Erde – zersetzen. Dort können sich dann Schimmelpilze ansiedeln. Genau das Gleiche geschieht in noch stärkerem Maße in zu nasser Blumenerde. Der eigentliche Schaden entsteht jedoch nicht durch den sichtbaren Schimmel, sondern dadurch, dass die Wurzeln keinen Sauerstoff mehr bekommen, absterben und zu faulen beginnen.
  2. Die zweite Ursache ist eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit. Kann das Substrat an der Oberfläche nicht mehr abtrocknen, entsteht ein ideales Milieu für Schimmelbeläge. Auch hier ist Seramis nicht der Auslöser, sondern lediglich der Ort, an dem ein allgemeines Feuchteproblem sichtbar wird. Zu hohe Luftfeuchte führt überall zu Schimmel – an Wänden, Möbeln, in Blumenerde und eben auch auf Tongranulat.

Praktische Hinweise gegen Schimmel und Fäulnis

Der wichtigste Grundsatz lautet: weniger gießen. Die allermeisten Zimmerpflanzen vertragen es problemlos, regelmäßig leicht abzutrocknen. Viele profitieren sogar davon. Dauerhafte Nässe hingegen schadet ausnahmslos jeder Pflanze. Wer unsicher ist, sollte gezielt für die eigenen Pflanzenarten nachlesen, anstatt pauschal „nach Kalender“ zu gießen.

Sehr clever ist es, die Gefäße vor und nach dem Gießen anzuheben oder leicht zu kippen. Mit der Zeit entwickelt man ein erstaunlich sicheres Gefühl allein über das Gewicht, wann Wasser benötigt wird und wann nicht.

Gegossen werden sollte grundsätzlich erst dann, wenn das Tongranulat an der Oberfläche vollständig trocken ist. Das erkennt man deutlich an der Farbe: trockenes Granulat ist hell, feuchtes wird sichtbar dunkler. Gibt man Wasser auf wirklich trockenes Seramis, hört man oft ein leises Zischen, weil sich die Poren schlagartig füllen. Dieses Geräusch ist ein sehr guter Indikator – beim ersten Gießen besonders deutlich, später meist schwächer, aber immer noch wahrnehmbar.

Zusätzlich ist es gut, die Luftfeuchtigkeit im Raum zu kennen. Günstige Hygrometer kosten nur wenige Euro. Ab dauerhaft etwa sechzig Prozent relativer Luftfeuchte steigt generell die Schimmelgefahr – unabhängig davon, ob Pflanzen in Erde oder in Tongranulat stehen. Regelmäßiges Lüften ist hier oft wichtiger als jede Substratdiskussion.

Funktioniert Tongranulat überhaupt ohne Erde?

Auch hier lohnt ein nüchterner Blick auf die Biologie. Pflanzen benötigen kein Substrat im eigentlichen Sinne. Weder Erde noch Granulat ist „Nahrung“. Substrate dienen lediglich als Wasserspeicher, als Depot für Nährstoffe und zur mechanischen Fixierung der Pflanze. Es existieren zahlreiche Anbaumethoden, bei denen völlig ohne Substrat gearbeitet wird – Wurzeln hängen frei in der Luft oder stehen direkt im Wasser.

Was Pflanzen tatsächlich brauchen, sind vier Dinge: Licht, Wasser, Luft und Nährstoffe. In klassischer Blumenerde sind Nährstoffe enthalten, und Mikroorganismen setzen fortlaufend weitere gebundene Stoffe frei. In mineralischen Substraten wie Seramis geschieht das nicht. Hier müssen Nährstoffe zwingend über das Gießwasser oder als Depot beim Einpflanzen zugeführt werden. Das ist zweifellos ein Nachteil – aber auch ein Vorteil, denn man kontrolliert sehr genau, was der Pflanze zur Verfügung steht.

Ein weiterer großer Vorteil mineralischer Substrate liegt in ihrer strukturellen Stabilität. Tongranulat zersetzt sich extrem langsam. Blumenerde hingegen verdichtet sich mit der Zeit, sackt zusammen, verschlammt und schließt Luft aus. Die Folge sind erstickende, faulende Wurzeln. Viele Pflanzen sterben genau daran, wenn sie jahrelang in alter, verdichteter Erde stehen. Mineralische Substrate behalten ihre Luftporen weitgehend über viele Jahre. Selbst nach fünf oder zehn Jahren gelangt noch Sauerstoff bis in die unteren Wurzelbereiche.

Wichtige Grundregeln für den Umstieg auf Tongranulat

Beim Umsetzen von Pflanzen aus Erde in Tongranulat sollte so viel Erde wie möglich vorsichtig von den Wurzeln gespült werden, am besten komplett. Je weniger organisches Material im Granulat verbleibt, desto stabiler und hygienischer ist das System. Bleiben größere Erdreste an den Wurzeln, ist besonders zurückhaltendes Gießen Pflicht.

Der Hersteller von Seramis wirbt damit, dass man auch Pflanzen mit Erdballen in Seramis setzen kann. Ja, das geht, aber man verschenkt viele Vorteile des Tongranulats und nimmt Nachteile der Erdhaltung wieder mit.

Ein oft unterschätzter Punkt ist der pH-Wert des Gießwassers. Pflanzen in Tongranulat benötigen leicht saures Wasser, idealerweise im Bereich von etwa 5,5 bis maximal 6,5. In vielen Regionen ist Leitungswasser deutlich alkalischer. In solchen Fällen sind Regenwasser oder pH-Down-Produkte praktisch unverzichtbar. Ist der pH-Wert dauerhaft zu hoch, können Pflanzen bestimmte Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, verkümmern langsam und gehen schließlich ein – obwohl Wasser und Dünger vorhanden sind.

Ebenso entscheidend ist die Wahl des Düngers. Für Hydrokultur und mineralische Substrate geeignete Dünger unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Nicht jeder handelsübliche Blumendünger ist dafür geeignet. Bewährt hat sich entweder die Methode, bei jedem Gießen etwa ein Viertel bis ein Drittel der angegebenen Düngermenge zuzugeben, oder seltener die volle Dosierung. Die kontinuierliche schwache Düngung ist in der Praxis oft einfacher und sicherer.

Treten auf dem Granulat weiße, kristalline Ablagerungen auf, handelt es sich nicht um Schimmel, sondern um auskristallisierte Salze – ein Zeichen für Überdüngung. In diesem Fall sollte mehrere Male ausschließlich mit klarem Wasser gegossen werden, bis die Ablagerungen verschwinden. Erst danach beginnt man wieder vorsichtig mit der Nährstoffgabe.

Fazit

Tongranulat ist kein Wundermittel – aber ein äußerst stabiles, sauberes und langfristig sehr pflanzenfreundliches Substrat. Fast alle Probleme, die ihm zugeschrieben werden, sind in Wirklichkeit Pflegefehler: zu viel Wasser, falscher pH-Wert, falscher Dünger oder dauerhaft ungeeignete Raumluft.

Wer bereit ist, sich auf diese andere Art der Pflanzenhaltung einzulassen, seine Gießgewohnheiten zu überprüfen und ein wenig Grundlagenwissen zu erwerben, wird mit äußerst gesunden, langlebigen und problemlosen Pflanzen belohnt.

Ich hoffe, diese Ausführungen helfen dem einen oder anderen weiter – und ersparen sowohl Frust als auch unnötig eingegangene Pflanzen.

Transparenzerklärung:

Dies ist keine Werbung. Ich empfehle Seramis aus Überzeugung und weil ich dieses Produkt seit Jahren kenne. Es gibt noch andere, ähnliche Produkte und Alternativen. Ich erhalte kein Geld für diesen Artikel, keine Gratisprodukte und keine Klickvergütung für dieses spezielle Produkt. Wenn Dir Werbung für ein in einem Artikel besprochenes Produkt angezeigt wird, beruht das auf dem cleveren Algorithmus der Werbetreibenden.

Hashtags:

Ich habe zur besseren Orientierung noch einmal die wichtigsten Schlagwörter (Hashtags) dieses Artikels zusammengestellt:

#Hydrokultur Zimmerpflanzen Anleitung #mineralisches Substrat Pflanzenpflege #Pflanzen in Tongranulat halten #pH Wert Seramis Pflanzen #Seramis richtig gießen #Seramis Schimmel Mythos #Seramis Schimmel Ursache #Seramis statt Erde Erfahrungen #Seramis Überwässerung vermeiden #Tongranulat Pflanzenpflege

Lesezeit ca.: 12 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)