Ach, die Lemminge! Diese kleinen, felligen Ikonen des kollektiven Selbstmords, die sich angeblich in Massen von Klippen stürzen, um – ja, warum eigentlich? Weil sie sich über zu hohe Mieten in ihrer unterirdischen Wohnung ärgern? Weil sie einfach keine Lust mehr auf das monotone Nagen an Gräsern haben? Oder vielleicht, weil sie wissen, dass sie ohnehin nur als Snack für den nächsten Polarfuchs enden? Klingt doch plausibel, oder? Falsch! Aber der Mythos hält sich hartnäckiger als ein Kaugummi unter dem Schuh.
Wie alles begann: Disney’s dunkle Stunde
Die Mär von den suizidalen Lemmingen stammt tatsächlich aus einem beeindruckend „wissenschaftlichen“ Quelltext: der Disney-Dokumentation „Weiße Wildnis“1. Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Gigant der Mickey-Maus-Industrie hat es geschafft, ein komplettes Naturklischee zu erfinden, das bis heute nachhallt. In der 1958 erschienenen Produktion White Wilderness wurde eine Szene gezeigt, in der Lemminge in Scharen von einer Klippe stürzen – eine beeindruckende Darstellung des angeblich „natürlichen Verhaltens“, die allerdings den Haken hatte, dass sie komplett inszeniert war. Die Filmemacher haben die Tiere kurzerhand an einer Klippe „zusammengeführt“ und sie dann regelrecht in den Tod gejagt und geschubst. Warum? Nun, es sah einfach dramatischer aus. Und schließlich verkauft sich der Mythos von der selbstmörderischen Natur besser als die Wahrheit: Lemminge wandern einfach nur und haben dabei keinen Hang zu theatralischen Lebensabschlüssen.
Der Mythos lebt: Eine Welt voller Plappermäuler
08Trotz dieser Enthüllungen wird die Geschichte munter weiterverbreitet. Man findet sie in Büchern, in Schulstunden und – natürlich – in Redewendungen. „Du verhältst dich wie ein Lemming!“, heißt es da, wenn jemand unkritisch einer Masse hinterherrennt. Schade nur, dass das Verhalten der Lemminge mit Gruppensuizid etwa so viel zu tun hat wie ein Fisch mit dem Bergsteigen.
Tatsächlich betreiben Lemminge keine kollektive Todessehnsucht, sondern – Überraschung! – Migration. Ja, sie ziehen einfach los, wenn ihre Heimatregion überbevölkert oder die Nahrung knapp wird. Dass dabei gelegentlich einer in einen Fluss fällt oder an einer Klippe abstürzt, ist kein Massenphänomen, sondern schlicht Pech. Aber hey, warum sollten wir uns von Fakten den Spaß verderben lassen?
Die Wissenschaft der Lemming-Lüge
Wissenschaftler haben längst festgestellt, dass Lemminge keine suizidalen Tendenzen haben. Aber warum sollte man auf Experten hören, wenn man stattdessen einem Disney-Film glauben kann? Schließlich wissen wir doch alle, dass Tiere tanzen und singen, wenn Menschen nicht hinschauen. White Wilderness hat hier Pionierarbeit geleistet: Warum Naturdokumentationen auf Fakten basieren lassen, wenn man auch einfach seine Fantasie spielen lassen kann?
Das perfekte Opfer
Lemminge sind übrigens die idealen Protagonisten für solch einen Mythos. Sie sind klein, unscheinbar und haben keinen PR-Berater, der für sie eine Gegendarstellung herausgibt. Kein Lemming hat jemals gesagt: „Entschuldigung, aber das ist falsch dargestellt.“ Und so bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Jahr für Jahr als Symbol für blinden Gruppenzwang herhalten zu müssen.
Fazit: Der Mythos stirbt nie – genau wie die Lemminge
Warum auch mit Fakten langweilen, wenn der Mythos so viel unterhaltsamer ist? Die Idee, dass Lemminge freiwillig und mit einer gewissen theatralischen Grandezza von Klippen springen, ist einfach zu reizvoll, um sie sterben zu lassen. Die Wahrheit – nämlich dass Lemminge einfach nur umherwandern und manchmal Pech haben – ist doch viel zu banal.
Aber vielleicht ist es ja genau das: Die Wahrheit ist langweilig, der Mythos ist episch. Und so bleibt der Lemming das Symbol für alles, was wir nicht hinterfragen wollen. Also stoßen wir an auf die kleinen Helden der Klippen, die sich geopfert haben – für eine Legende, die nie sterben wird. Applaus für Disney, den Meister der alternativen Fakten!
Bildquellen:
- lemminge-ki: Peter Wilhelm KI


















Wieder was gelernt, ich wusste zwar das das nur ne urbane Legende ist, aber nicht woher sie stammt.
Bei Lemmingen muss ich immer an dieses Computerspiel denken mit den Figuren mit een grünen Wackelfrisuren… Hach waren das noch tolle Spiele.
Du weißt das ja, ich stoße auf Sachen, recherchiere nach, weil mich die Hintergründe interessieren, und dann denke ich immer: Wäre doch besser, wenn ich das für andere noch lesbar aufbereite, damit alle was davon haben.