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Kamera-Katastrophe von Pearl ? – IPC-510 7Links 4MP

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IP-Kameras sind eine tolle Sache. Ich habe etliche davon im Einsatz. Wichtig ist mir, dass sie ONVIF-fähig1 sind.

Pearl hat mehrere solche Kameras im Angebot. Ich habe einige davon im Laufe der Zeit erworben.
Eine davon ist eine Pan-Tilt-Kamera, die man aus der Ferne auch schwenken und neigen kann. Es ist eine kleine Kamera, die ich auf meiner Modellbahn einsetze.
Auch sie soll ONVIF-fähig sein, in der App kann man auch entsprechende Einstellungen vornehmen, jedoch – und das ist ein großes Problem, das ALLE solche Kameras mitbringen können – taucht sie in meinem NVR nicht als verfügbares Gerät auf. Mit der angestrebten Kompatibilität ist es nämlich nicht weit her. Sowohl die verschiedenen Netzwerkrekorder, als auch die Kameras aller Hersteller, versprechen zwar, dass sie miteinander können, aber sie können es eben dann oft doch nicht.

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Deshalb habe ich jetzt wieder einmal einen Versuch gewagt und mir die IPC-510 von 7Links bei Pearl bestellt.
Das ist eine kleine, wetterfeste, würfelförmige Kamera, die man unauffällig überall positionieren kann.

Ausgepackt, eingestöpselt und die Elesion-App aufgerufen. Wunderbar: Die Kamera wird innerhalb von 1 Minute erkannt, eingerichtet und nach 2 Minuten steht das Bild in der App schon zur Verfügung.
Das klappte aber auch bei der vorher beschriebenen Kamera an meiner Modellbahn so.

Nun der Versuch, die Kamera via ONVIF ins Netzwerk einzubinden.
Am NVR den Suchmodus gestartet und siehe da: Die Kamera ist sofort erkannt worden! Klasse!

Das etwas weitwinkelige Bild ist gestochen scharf und gut ausgeleuchtet. Die Farben sind klasse und können auch noch eingestellt werden.
Die Kamera kann bei Bewegungserkennung Alarm geben, blinken und aufzeichnen. So weit, so gut.

Doch dann ging es los:

Andere WLAN-Kameras fielen plötzlich aus.
Die Fernseher (Telekom Entertain) zeigten nur noch stockende Bilder.
Der Router (FritzBox) startete mehrfach neu, bzw. verlor die Verbindung zum DSL.
Am Serverschrank mit dem Netzwerkverteiler blinkten alle Netzwerk-LEDs hektisch.

Das Fehlerbild deutet auf ein „netzwerktoxisches“ Gerät

Flackernde Switch-LEDs, Router-Reboots, IPTV-Aussetzer, Smart-Home-Ausfälle, WLAN-Kameras, die plötzlich offline gehen – ist ein klassisches Muster für:

Broadcast-/Multicast-Stürme oder Paketfluten im lokalen Netz

Das ist kein exotisches Phänomen. Es tritt immer wieder bei billigen IP-Kameras, schlecht implementierten ONVIF-Stacks, fehlerhaften UPnP-/SSDP-Implementierungen oder mangelhaften WLAN-Treibern auf.

Solche Geräte senden dann im Sekundentakt massenhaft SSDP-Broadcasts, Multicast-Discovery-Pakete, ARP-Requests oder fehlerhafte Keep-Alive-Pakete.

Und das überfordert Heimrouter gnadenlos.

Da man als Telekom-Kunde immer mal wieder mit Internetausfällen zu kämpfen hat und als Entertain-Kunde weiß, dass das über den Tag hinweg immer so an die 10 mal ausfällt, denkt man nicht sofort daran, dass das oben beschriebene Ausfall-Szenario etwas mit einer kleinen WLAN-Kamera zu tun haben könnte.

Doch die Allerliebste, die meinen technischen Spielereien mit sehr viel Geduld, aber ebensogroßer Skepsis gegenübersteht, brachte es auf den Punkt: „Mach die neue Scheißkamera weg! Seit die dran ist, geht alles schief.“

Also: Die neue Pearl-Kamera vom Strom getrennt, und nach drei Minuten beruhigt sich das Netzwerk auf einmal wieder.

Eine Stunde später versuche ich es erneut: Kamera mit Strom versorgen, abwarten…
Und: Alles ist sofort wieder gestört. Die Smart-Home–Zentrale meldet als Erstes, dass sie nicht mehr funktioniert. Zwei andere WLAN-Kameras zeigen kein Bild mehr. Mein Google-Assistent verliert sofort die Verbindung zum Netzwerk.
Zwei Fernseher stocken, die Bilder bleiben stehen. An der FritzBox beginnt nach 4 Minuten die LED zu blinken: Verbindungsabbruch!

Es wäre jetzt natürlich sehr, sehr kurz argumentiert, wenn ich sagen würde, dass das alles an dieser einen Kamera liegt.
Sie ist vielleicht nur das Tröpfchen, dass das Fass zum Überlaufen bringt. Sie reizt irgendetwas aus.

Jedenfalls kann ich sagen, dass diese WLAN-IP-Kamera IPC-510 von 7Links/Pearl ganz eindeutig als Verursacher erheblicher WLAN- und Netzwerkprobleme bei uns identifiziert werden konnte. In der IT nennt man das eindeutige Korrelation mit reproduzierbarem Trigger.

Und das finde ich schade. Denn die Kamera ist an und für sich klasse. Sie ist sehr klein. Sie hat einen verstellbaren Fuß, mit dem man sie gut positionieren kann. Sie ist auch für draußen geeignet. Sie hat viele Funktionen. Man kann eine SD-Karte einstecken und direkt in der Kamera aufnehmen, falls man sowas möchte. Sie ist wirklich nicht teuer. Man kann vieles konfigurieren.

Damit hätte sie vieles von dem, was ich mir von solchen Kameras wünsche. Aber… bis jetzt: Eher mal Daumen runter.

Aber: Manchmal haben Heimnetzwerke, so wie das große Internet auch, auch mal Schluckauf bis hin zu Durchfall. Es kann durchaus sein, dass, wenn ich die Kamera morgen nochmal neu installiere, alles reibungslos läuft.

Ich werde weiter testen und hier berichten.

Woran man problematische IP-Kameras früh erkennt

Einige WLAN-IP-Kameras verursachen nicht nur Bildprobleme, sondern können komplette Heimnetze destabilisieren. Auf folgende Warnzeichen sollte man früh achten:

Wenn nach dem Anschließen einer neuen Kamera plötzlich andere WLAN-Geräte langsamer reagieren, Streams stocken oder Smart-Home-Komponenten offline gehen, ist das ein erstes ernstes Indiz. Ebenfalls auffällig ist es, wenn Router oder Repeater häufiger neu starten, die Internetverbindung kurzzeitig wegbricht oder Netzwerk-LEDs an Switches hektisch blinken.

Verdächtig ist auch, wenn eine Kamera zwar sofort von Apps und NVRs gefunden wird, danach aber instabile Zustände auftreten. Das deutet oft auf fehlerhafte Netzwerkprotokolle oder schlecht implementiertes ONVIF hin.

Ein einfacher Test: Kamera vom Strom trennen und einige Minuten warten. Stabilisiert sich das gesamte Netzwerk sofort, ist die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert.

Solche Geräte sollte man nicht weiter produktiv einsetzen, sondern zurückgeben oder höchstens isoliert in einem separaten Gastnetz betreiben.

P.S. Und schreibe mir keiner in die Kommentare, ich soll mir bessere Qualität kaufen. Ich habe alles ausprobiert, von extrem billig bis hin zu aufwendiger und teurer Elektronik namhafter Hersteller. Fazit: Auch teure Sachen machen mitunter dieselben Probleme. Das ONVIF-Thema haben ALLE Hersteller.

Bildquellen:

  • zx5761_9: © Pearl

Fußnoten:

  1. ONVIF (Open Network Video Interface Forum) ist ein globaler Standard, der die herstellerübergreifende Kompatibilität von IP-basierten Sicherheitsprodukten wie Kameras, NVRs und VMS ermöglicht. (zurück)

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(©si)