Ganz früher hatten meine Eltern die Hörzu. Später kauften wir jede Woche den GONG1. Eine Fernsehzeitschrift gehörte damals einfach dazu. Ohne Programmzeitschrift hätte man ja gar nicht gewusst, was alles läuft.
Da es nur eine sehr überschaubare Anzahl öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten gab, war das Programmangebot auch noch sehr übersichtlich; zumal erst ab dem Nachmittag gesendet wurde und irgendwann gegen Mitternacht Sendeschluss war.
Die heutige Rund-um-die-Uhr-Bestrahlung auf Hunderten Kanälen wäre damals undenkbar gewesen. Ein paar Alternativen mehr hätten sich damals viele gewünscht, aber das, was wir heute erleben, hätte vor 50 Jahren vermutlich die Mehrheit der Zuschauer für übertriebenen Schwachsinn gehalten.
Als es nur wenige Programme gab, wurden in den Programmzeitschriften bei größeren Produktionen noch die Rollen und ihre Darsteller, sowie manchmal sogar die Synchronsprecher aufgelistet. Zu den wichtigsten Sendungen gab es jeweils noch ein Bild und eine kurze Inhaltsbeschreibung.
Angegeben wurde auch, von wann die Produktion war, ob in Farbe oder s/w ausgestrahlt wurde und mit dem Kürzel (Wh. von 1977) wurde beispielsweise gekennzeichnet, dass es sich nicht um eine neue Sendung, sondern um eine Wiederholung handelte.
Heute wäre das gar nicht mehr möglich. Wir leben in einer Dauerschleife von Wiederholungen. Murmeltiertag ist immer.
Du kannst doch einschalten, wann Du willst, es läuft ganz sicher genau die Serie, bei der Du gestern abgeschaltet hattest. Wir haben überhaupt keine Vorstellung davon, wie stark die Sender ihre teuer gekauften Serien fast schon in Dauerschleife abnudeln.
Folgen aus der Krimireihe aus dem CSI-Universum, laufen über 5.000 Mal im Jahr über den Bildschirm. The Big Bang Theory wurde über 1.600 Mal gesendet und die Medical Detectives kommen 2.000 Mal auf den Bildschirm.
Längst lässt sich das alles nicht mehr wirklich sinnvoll in einer Programmzeitschrift abbilden. Schon mit dem Start der „Privatsender“ in den 1980ern wurden die Programmübersichten nämlich unübersichtlich. Bei, je nach Empfangsweg, über 300 oder 400 Programmen wäre ein Heft geradezu witzlos.
Heute informiert man sich im EPG, dem elektronischen Programmführer, oder im Netz. Und trotzdem gehen mir immer wieder Sendungen durch die Lappen. Die Sender triggern uns ja auch mit zahlreichen Trailern. Diese oft bombastisch aufgemachten Schnipsel, Teaser und Anreißer sollen uns zum Wiedereinschalten dieses Senders animieren. Dabei habe ich übrigens festgestellt, dass die im Teaser gezeigten Highlights oft genug auch die einzigen sehenswerten Höhepunkte der gesamten Sendung waren.
Mittlerweile muss ich Sendungen, auf die ich aufmerksam wurde, entweder sofort zum Aufnehmen einprogrammieren oder schlicht und ergreifend in den Kalender schreiben.
Sonst laufe ich Gefahr, in der Endlos-Murmeltierschleife zum 2.871 Mal einen TATORT zu sehen, während ich „hintendran“ eine schöne Doku, die mich interessiert hätte, einfach vergesse.
- gong-kritik: © GONG, München 1994
Fußnoten:
- Später habe ich für den GONG auch mal Fernsehkritiken geschrieben, siehe Titelbild dieses Beitrags (zurück)
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Schlagwörter: Programmzeitschrift, tv, Wiederholungen