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Gil Ofarim und der Mörder

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Gil Ofarims Teilnahme am diesjährigen Dschungelcamp ist derzeit in fast ganz Deutschland ein Thema. Weit über die Gruppe der Zuschauer von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ hinaus wird diskutiert, ob und warum der Sänger und Schauspieler von RTL eine Bühne geboten bekommt.

Ich hasse die BILD-Zeitungs-Formulierung „ganz Deutschland“. Da wird nämlich impliziert, über 80 Millionen Menschen würden so oder so agieren, und das stimmt nie.
Aber, was Gil Ofarim anbetrifft, so wird früher oder später jeder mit dem Thema konfrontiert, denn es wird omnipräsent in allen Medien durchgekaut. Man kann sich dem einfach nicht entziehen.

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Im Dreibeinblog.de wurde schon ausführlich über verschiedene Aspekte der Teilnahme von Gil Ofarim berichtet.

Was wir wissen: Gil Ofarim hat in einer kurzen Erklärung, die er vor Gericht abgegeben hat, wohl eingeräumt, gelogen zu haben und einen Hotel-Mitarbeiter fälschlicherweise einem Antisemitismus-Vorwurf ausgesetzt zu haben.
Im Gegenzug wurde das Verfahren gegen ihn gegen Zahlung von 10.000 Euro eingestellt. Gil Ofarim ist damit nach dem Gesetz unbescholten, kein Verbrecher, kein Straftäter und hat auch soweit ein sauberes Führungszeugnis. Punkt.

Ich muss etwas ausholen:
In unserem Bekanntenkreis gab es einen „Mörder“. Der Mann ist inzwischen verstorben.
Vor 30 Jahren, vielleicht auch etwas länger, hat dieser Bekannte in besoffenem Zustand im Streit eine Bardame getötet, die ihn zuerst nach einer durchzechten Nacht mit nach Hause genommen hatte und ihn dann abgewiesen hat.
Das Gericht erkannte auf Totschlag und buchtete ihn für 8 Jahre ein, wovon er 5 absitzen musste. Danach begann er ein normales Leben. Heirat, Beruf, alles ganz normal.
Bei diversen Anlässen begegneten wir diesem Mann und ich fand ihn immer sehr sympathisch und eloquent.

In mir herrschte aber immer eine gewisse Unentschlossenheit. Einmal kann man, wenn man erstmal von seiner Tat weiß, das nicht aus seinem Kopf kriegen. Jeder, der mit ihm zu tun hatte, konnte nicht verdrängen, dass er ein „Mörder“ war. Dass der Begriff Mörder hier juristisch falsch ist, spielt keine große Rolle, denn viele Normalbürger machen da den feinen Unterschied einfach nicht.
Auf der anderen Seite wollte jeder, auch ich, dass man normal mit ihm umgeht. Was vorbei ist, ist vorbei, und er hatte für seine Tat gebüßt, seine Strafe abgesessen, und da muss man es dann auch mal wieder gut sein lassen.

Was will ich damit sagen? Ich will damit sagen, dass eine ganze Menge Menschen von der Tat dieses Mannes wussten und dann am Ende doch ganz normal mit ihm umgegangen sind.
Niemand wäre auf die Idee gekommen, ihn bei irgendeiner Geburtstagsfeier oder einem gemütlichen Grillabend immer und immer wieder auf seine Tat anzusprechen.
Niemand hätte die juristisch erledigte Sache immer wieder aufgewärmt und so dem Mann das Leben, über seine abgesessene Strafe hinaus, zur Hölle gemacht.
Das hat auch was mit Rehabilitation, Fairness und Respekt zu tun.
Wer nicht in der Lage ist, die Kraft dafür aufzubringen, der muss einfach den Kontakt zu solchen Menschen meiden.

Und hier kriege ich jetzt die Kurve zu Gil Ofarim:
Die Angelegenheit ist juristisch erledigt, und zwar in einer für Gil Ofarim relativ geschmeidigen Weise. Er ist juristisch unbescholten aus der Angelegenheit herausgekommen.

Dass er jetzt an einem öffentlichkeitswirksamen Format im Fernsehen teilnimmt, holt ihn aber aus der Schutzzone heraus. Das hat er vorher gewusst, das hat RTL vorher gewusst. Und auch die anderen Campbewohner haben vorher gewusst, wer sonst noch alles im Dschungelcamp sein wird.

Gil Ofarim hat damit rechnen müssen, dass Fragen gestellt werden. Er hat es in Kauf genommen, dass andere ihn auf das Geschehene ansprechen. Wenn er das nicht riskieren wollte, hätte er nicht am Dschungelcamp 2026 teilnehmen dürfen. Er ist alleine dafür verantwortlich, dass er nun mit seiner Tat konfrontiert wird.

Auf der anderen Seite spricht er immer wieder von einer ominösen Verschwiegenheitserklärung. Ob es die gibt, wem gegenüber er sie abgegeben hat und was wirklich damit gemeint ist, weiß derzeit niemand. Alles, was auch die ach so klugen Rechtsanwälte in Zeitschriften und auf YouTube jetzt dazu herumblubbern, gehört in den Bereich der Spekulation.

Gil Ofarim sagt, er würde gerne so manches sagen, kann und darf es aber nicht. Er verknüpft damit die Aussage, ihm gehe es um seine Kinder, und er befürchte, bei einem Bruch der Verschwiegenheitserklärung seine Kinder „zu verlieren“.
So. Und das ist damit einfach mal Fakt. Es ist deshalb Fakt, weil ihm keiner etwas entgegensetzen kann. Vielleicht ist das alles nur eine Schutzbehauptung, um nicht reden zu müssen.
Aber, selbst wenn das so ist, muss man dann irgendwann auch einfach mal akzeptieren, dass Gil Ofarim jetzt und unter diesen Umständen keine „Lebensbeichte“ ablegen wird.
Und dann muss es auch einfach mal gut sein.

Besonders negativ sticht die Dschungelcamp-Teilnehmerin Ariel aus der Schweiz hervor, die immer wieder den frisch gesalzenen Finger geschickt und absichtlich in die Wunde legt. Sie bezeichnet Ofarim fortwährend in beleidigender und provozierender Absicht als Verbrecher. Sie bezeichnet ihn als Lügner. Und sie konfrontiert ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit seiner Tat. Dabei wird auch offensichtlich, dass die junge Frau, die meiner Meinung bar jeder Lebenserfahrung ist, auch überhaupt keine Ahnung davon hat, was alles über den Fall Ofarim bekannt ist. Meiner Meinung nach verfügt sie nur über rudimentäres Hörensagen-Wissen.

Ich finde es geradezu ekelhaft, wie penetrant und in welcher kleinkindartiger Weise diese Frau immer wieder auf Gil Ofarim einhackt.

Und was sie anbetrifft, das gilt auch für die ganzen YouTube-Rechtsanwälte, Kommentarschreiber und sonstige Heinis, die sich jetzt am Fall Ofarim aufgeilen.

Wenn Gil Ofarim jetzt in Bezug auf diese Verschwiegenheitserklärung gelogen hat, dann Schande über sein Haupt. Pisst ihn an! Stellt ihn an den Pranger! Aber eben nur, wenn er gelogen hat.
Ob das aber so ist, das weiß doch keiner. Derzeit zumindest.

Und dann ist es eben so, dass man derzeit einfach mal die Klappe halten muss, und hinnehmen muss, dass Ofarim nichts weiter sagen will.
Vielleicht ändert sich das ja noch. Das Dschungelcamp läuft, zum Zeitpunkt des Abfassens dieses Artikels ja noch.

Einige spekulieren ja sogar, Ofarim würde mit seiner Taktik das Interesse der Zuschauer an seinem Verbleib in der Show hochhalten. Möglicherweise erhofften die Leute sich noch ein späteres Auskübeln der wirklichen, wahren, echten Wahrheit….

Warten wir’s ab.

Aber wenn man es im allgemeinen Leben hinkriegt, einen „ehemaligen Mörder“ wieder wie einem normalen Menschen zu behandeln, dann müsste man es doch eigentlich auch hinbekommen, Ofarim mal ein Stück mehr in Ruhe zu lassen.

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(©si)