Warum Ariel endlich rausflog – Die neue Generation Reality-Profi: Ariel, Samira – und das perfekt beherrschte Spiel mit dem Skandal. Spätestens um Tag 14 des Dschungelcamps 2026 wird unübersehbar, dass sich im Camp eine neue Form von Professionalität etabliert hat.
Ich habe auf RTL ein weiteres, von mir bis dahin bewusst unbeachtetes „Reality-Format“ gesehen: Couple Challenge. Die Allerliebste und ich haben uns zwei, drei Folgen davon angeschaut, weil da auch die unerträglich freche und vorlaute Schweizerin Valeria, alias Ariel, teilgenommen hat.
Dabei ist uns noch einmal klar geworden, dass wir es mit einer ganz neuen Generation von Protagonisten zu tun haben. Menschen, die nichts Besonderes können, die nichts wirklich beherrschen und die das Dasein als „Reality Star“ ebenso für einen richtigen Beruf halten, wie die Tätigkeit von „Influencern“.
Bedeutungslose, die vor die Kamera gezerrt werden, denen man viel Geld dafür bezahlt, besonders dumm, aggressiv oder sexy zu sein.
Das mögen im realen Leben alles ganz liebe und nette Menschen sein. Aber hier werden sie gebucht, um eben genau das Gegenteil davon zu verkörpern. Und dieses Hässlichsein, das Provozieren und Streiten wird hier zu einer gewissen Professionalität gebracht.
Und das ist eine Erfahrung, die in diesem Jahr ganz besonders die Zuschauerinnen und Zuschauer des „Dschungelcamps“ machen mussten, die nicht in der endlosen Welt der Reality-Formate zuhause sind.
Und genau deshalb sind die Allerliebste und ich – die sonst keinerlei Reality-Formate schauen – spontan aufgesprungen und haben applaudiert, als dieses unerträgliche Kind endlich aus dem Dschungelcamp rausgeflogen ist.
Ja, und genau aus diesem Grund feiern wir derzeit Gil Ofarim. Wir sind der Meinung, dass er allein schon durch diese tagtäglichen, unqualifizierten Kleine-Mädchen-Attacken der unerträglichen Türkisch-Spanierin aus der Schweiz so gebüßt hat, dass er angesichts der Lapalie, die ihm vorgeworfen wurde, mehr als reingewaschen ist.
Wir haben genau verfolgt, was er getan haben soll, was er „verbrochen“ hat. Aber ich schrieb schon: Verurteilte Mörder und Totschläger wurden gefeiert, und diesem vermeintlichen Lügner wird sein Fehlverhalten vorgeworfen und nachgetragen, als hätte er den Papst gehäutet und dessen Augen vor laufender Kamera verspeist.
Professionalität der Banalen
Das ist eine Professionalität, die mit Mutproben, Leidensfähigkeit oder echter Grenzerfahrung nichts mehr zu tun hat. Es ist eine Professionalität der kalkulierten Eskalation. Eine Professionalität der gezielten Provokation. Eine Professionalität, die ausschließlich auf kommunikative Manipulation und maximale Reichweite ausgerichtet ist.
Die jüngeren Teilnehmerinnen – allen voran Ariel und Samira – beherrschen dieses Handwerk in einer Präzision, die selbst abgebrühte Fernsehmacher beeindrucken dürfte. Sie agieren nicht wie Menschen, die zufällig in Konflikte geraten. Sie agieren wie Akteurinnen, die Konflikte gezielt herstellen, dosieren, zuspitzen und verwerten.
Hier geschieht nichts spontan. Kein Wort, keine Spitze, kein Augenrollen, kein Streitgespräch entsteht aus einem emotionalen Impuls heraus. Alles wirkt vorbereitet, einstudiert, innerlich abgehakt. Jede Szene folgt einer inneren Dramaturgie, die exakt auf die Logik sozialer Netzwerke abgestimmt ist: kurze Sätze, klare Feindbilder, einfache Schuldzuweisungen, aggressive Vereinfachungen. Inhalte, die sich in 15-Sekunden-Clips pressen lassen. Inhalte, die Empörung garantieren. Inhalte, die sich hervorragend zu Memes, Reaction-Videos und Kommentarschlachten verarbeiten lassen.
Besonders Ariel demonstriert dabei eine bemerkenswerte Treffsicherheit. Sie bedient jene Trigger, von denen sie weiß, dass sie bei Kindern und Jugendlichen zuverlässig zünden: Respektlosigkeit wird als Coolness inszeniert. Beleidigungen gelten als Selbstbehauptung. Rücksichtslosigkeit wird als Stärke verkauft. Je frecher sie agiert, je weniger Hemmungen sie zeigt, desto größer wird der Applaus aus genau jener Zielgruppe, die am empfänglichsten für einfache Rollenbilder ist.
In den Kommentarspalten tauchen dann immer wieder dieselben Vokabeln auf: „Queen“, „Heldin“, „starke Frau“, „endlich sagt mal jemand die Wahrheit“. Schlagworte, die mehr über das Bedürfnis nach einfachen Identifikationsfiguren aussagen als über tatsächliche Stärke.
Was dabei konsequent untergeht: Diese vermeintliche Stärke besteht nicht aus Haltung.
Sie besteht aus Inszenierung.
Ariel verkauft keine Überzeugungen.
Sie verkauft Wirkung.
Und sie weiß sehr genau, wie Wirkung entsteht.
Das eigentlich Erschreckende ist nicht ihre Dreistigkeit, sondern die technische Sauberkeit ihres Vorgehens. Sie weiß, wann sie eskalieren muss. Sie weiß, wann sie einen Konflikt abkühlen lässt. Sie weiß, wann ein giftiger Halbsatz wirkungsvoller ist als eine lange Rede. Sie weiß, wann ein Augenrollen mehr Resonanz erzeugt als ein Argument.
Das ist kein spontanes Temperament.
Das ist erlernte Medienroutine.
Andere Campbewohner mit Reality-Erfahrung – etwa Hubert Fella oder Bauer Patrick – wirken daneben fast wie Relikte aus einer anderen Zeit. Sie streiten laut, sie provozieren direkt, sie polarisieren grob. Klassisches Reality-TV: manchmal derb, manchmal unbeholfen, oft durchschaubar.
Ariel hingegen produziert keinen Streit.
Sie produziert verwertbaren Content.
Sie liefert keine Szenen.
Sie liefert Clips.
Und genau hier liegt der eigentliche Kulturbruch: Das Dschungelcamp ist für diese Generation kein Abenteuer mehr. Kein Selbstversuch. Kein Spiel mit Ungewissheit. Es ist eine Content-Farm. Der Aufenthalt im Camp dient ausschließlich dazu, sich als Marke zu etablieren, Reichweite aufzubauen und diese Reichweite später in Werbedeals, Kooperationen und Folgeformate zu verwandeln.
Moralische Kategorien spielen dabei keine Rolle mehr.
Richtig oder falsch ist egal.
Anständig oder unanständig ist egal.
Entscheidend ist allein: Klickt es?
Dass ausgerechnet Kinder und Jugendliche dieses Verhalten begeistert feiern, ist kein Zufall. Sie wachsen in einer Medienwelt auf, in der Lautstärke mit Bedeutung verwechselt wird. In der Provokation als Authentizität gilt. In der Sichtbarkeit wichtiger ist als Substanz.
Ariel liefert exakt das, was diese Logik verlangt.
Nicht, weil sie so ist.
Sondern weil sie weiß, dass es funktioniert.
Und genau deshalb flog sie am Ende auch raus. Nicht wegen eines einzelnen Fehltritts. Nicht wegen eines Skandals. Sondern weil ihr Spiel irgendwann zu offensichtlich wurde. Weil selbst ein Format wie das Dschungelcamp Grenzen hat, wenn Manipulation zur alleinigen Daseinsberechtigung wird.
Warum Ariel für Erwachsene zum Kotzen ist
Während Ariel und Samira in Teilen der jungen Zuschauerschaft als Ikonen gefeiert werden, löst dasselbe Verhalten bei vielen Erwachsenen ein Gefühl aus, das man kaum anders als Ekel oder Abscheu bezeichnen kann. Nicht, weil diese Menschen humorlos wären. Nicht, weil sie „keinen Spaß verstehen“. Sondern weil sie sehr genau erkennen, welches Menschenbild hier transportiert wird.
Was dort als „stark“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine aggressive Form von Ich-Zentrierung.
Rücksichtslosigkeit wird zur Tugend umetikettiert.
Respektlosigkeit wird als Mut gefeiert.
Beleidigung wird als Ehrlichkeit getarnt.
Für Menschen, die gelernt haben, dass Kommunikation mehr ist als das Abfeuern von verbalen Handgranaten, wirkt dieses Schauspiel nicht rebellisch, sondern unerquicklich banal.
Gebildete Zuschauer sehen zudem das Kalkül hinter der Fassade. Sie sehen nicht nur die Figur, sondern die Konstruktion. Sie erkennen, dass es hier nicht um Gefühle, Entwicklung oder echte Konflikte geht, sondern um eine gezielte Reizproduktion. Um das planmäßige Erzeugen von Aufmerksamkeit.
Das macht die Sache so abstoßend: Man schaut Menschen zu, die sich selbst zu Karikaturen reduzieren, um möglichst effizient Reichweite zu generieren.
Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Dieses Verhalten trägt nichts bei.
Es erklärt nichts.
Es erweitert keinen Horizont.
Es stellt keine Fragen.
Es beantwortet keine.
Es ist kommunikativ leer – aber emotional ohrenbetäubend laut.
Für Menschen, die Wert auf Inhalt, Differenzierung und Nachdenken legen, fühlt sich das an wie Dauerlärm. Man kann ihn ausblenden. Man kann sich daran gewöhnen. Aber er bleibt unerquicklich.
Problematisch wird es spätestens dann, wenn Erwachsene diese Mechanismen offen benennen. Wer sagt: „Das ist primitiv.“ Wer sagt: „Das ist kalkulierte Provokation.“ Oder schlicht: „Das ist unerquicklich.“
Der wird von der Fanbasis nicht als jemand wahrgenommen, der argumentiert.
Sondern als jemand, der „hated“.
Als jemand, der „toxisch“ ist.
Als jemand, der „das Game nicht versteht“.
Damit schließt sich der Kreis: Kritik wird nicht widerlegt – sie wird delegitimiert. Diskussion wird nicht geführt – sie wird abgewürgt. Das ist die perfekte Schutzschicht für ein Geschäftsmodell, das ohne Reibung nicht funktionieren würde.
Warum Ariel also endlich rausflog?
Weil sie das Spiel perfekt beherrscht hat.
Und genau deshalb irgendwann nicht mehr tragbar war.
Nicht, weil sie „zu ehrlich“ gewesen wäre.
Nicht, weil sie „zu direkt“ gewesen wäre.
Nicht, weil sie „angeeckt“ wäre.
Sondern weil sie in einer Weise funktionierte, die jedes soziale Miteinander zersetzt.
Für Menschen mit gesundem Menschenverstand – für Denkende, für jene, die Kommunikation noch als Austausch und nicht als Dauerbeschuss begreifen – sind solche Banalbürgerinnen und Banalbürger, die sich ausschließlich über laute Aggression, kalkulierte Respektlosigkeit und an den Haaren herbeigezogene Streitigkeiten definieren, schlicht unerträglich.
Diese Figuren haben keine erkennbare Persönlichkeit.
Sie haben keine Haltung.
Sie haben kein inneres Profil.
Sie bestehen aus nichts als Pose.
Und genau deshalb wirken sie so abstoßend. Nicht provozierend im positiven Sinne. Nicht herausfordernd. Sondern ermüdend, unerquicklich, toxisch.
Es wundert mich daher überhaupt nicht, dass mir ein Hausmeister einer Schule – ein ruhiger, besonnener Mann, fern jeder Gewalttätigkeit – einmal sagte: „Mich juckt es da in den Händen. Wenn ich mit so einer im Camp wäre, die würde mich mit ihrer Penetranz so aus der Reserve locken, dass ich ihr irgendwann eine kleben würde.“
Dieser Satz ist keine Aufforderung zu Gewalt.
Er ist eine Zustandsbeschreibung.
Er beschreibt, wie gezielte Dauerprovokation funktioniert.
Diese Menschen leben davon, andere an den Rand der Selbstbeherrschung zu treiben. Sie kalkulieren ein, dass friedfertige, anständige, konfliktscheue Personen irgendwann einen Fehler machen. Einen Ausraster. Eine unbedachte Bewegung. Ein falsches Wort.
Und genau in diesem Moment fühlen sich die Provokateure bestätigt.
Dann können sie sich als Opfer inszenieren.
Dann können sie schreien: „Seht ihr? Die anderen sind die Bösen!“
Das ist kein Zufall.
Das ist Methode.
Ariel und ihresgleichen suhlen sich genau in diesem Mechanismus. Sie ernähren sich emotional von Eskalation. Ohne Reibung existieren sie nicht. Ohne Streit sind sie unsichtbar. Ohne Konflikt sind sie niemand.
Ihr ganzes „Sein“ besteht aus Störung.
Und deshalb sind sie auf Dauer nicht integrierbar – weder in einer Gruppe, noch in einem Format, das zumindest rudimentär noch so tut, als ginge es um Gemeinschaft.
Dass solche respektlosen Gören wie Ariel von Teilen des jungen Publikums auch noch gefeiert und zu Heldinnen erklärt werden, ist vor diesem Hintergrund nur folgerichtig – und gleichzeitig ein kulturpessimistischer Albtraum.
Kindern und Jugendlichen wird in sozialen Netzwerken tagtäglich eingetrichtert, dass Lautstärke gleich Bedeutung sei.
Dass Respektlosigkeit gleich Stärke sei.
Dass Rücksichtnahme Schwäche bedeute.
Wer am rücksichtslosesten schreit, gewinnt.
Wer am meisten aneckt, bekommt Aufmerksamkeit.
Wer am frechsten beleidigt, gilt als „real“.
Das Ergebnis sieht man im Camp – und millionenfach in Kommentarspalten.
Ariel flog also nicht raus, weil sie „zu krass“ war.
Sie flog raus, weil sie das System ad absurdum geführt hat.
Weil sie sichtbar machte, wie hohl, leer und zerstörerisch dieses neue Reality-Spiel geworden ist.
Sie war nicht das Opfer.
Sie war das Symptom.
Und irgendwann wird jedes System von seinen eigenen Symptomen eingeholt.
Bildquellen:
- rausmit-ihr_800x500: KI generiert

















