Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in den 1980er-Jahren erstmals mit Teleshopping in Berührung kam. Damals lief im amerikanischen Fernsehen etwas, das für uns Deutsche völlig absurd wirkte: Moderatoren, die stundenlang mit überdrehter Begeisterung Küchenhelfer, Wunderreiniger oder Schmuckstücke anpriesen – und tatsächlich riefen mitten in der Nacht Menschen an und bestellten diesen Kram.
Für uns, geprägt vom eher nüchternen öffentlich-rechtlichen Fernsehen, war das eine Mischung aus Kuriosität und Fremdscham.
Dass sich dieses Konzept einmal auch in Deutschland durchsetzen würde, hätte damals wohl kaum jemand geglaubt.
Vom Fremdschämen zum Geschäftsmodell
Mit der Liberalisierung der Fernsehlandschaft in den 1990er- und 2000er-Jahren änderte sich das schlagartig. Plötzlich war alles möglich. Private Sender, Dauerwerbesendungen – und eben auch Teleshopping.
Was zunächst als Randerscheinung begann, entwickelte sich schnell zu einem festen Bestandteil der Fernsehlandschaft. Sender wie QVC, HSE oder später Channel 21 lebten davon, rund um die Uhr Produkte zu verkaufen.
Selbst Unternehmen wie der Versandhändler PEARL gingen so weit, eigene TV-Spartenkanäle zu betreiben, um ihre Produkte direkt ins Wohnzimmer zu bringen.
Das funktionierte erstaunlich gut. Menschen bestellten per Telefon oder später per Internet – oft spontan, oft nachts, oft Dinge, die sie eigentlich gar nicht brauchten.
Ein Geschäftsmodell aus einer anderen Zeit
Doch diese Welt existiert so heute nicht mehr.
Der klassische Teleshopping-Zuschauer – jemand, der lineares Fernsehen schaut, sich berieseln lässt und dann spontan zum Hörer greift – wird immer seltener.
Die Mediennutzung hat sich grundlegend verändert. Streaming statt Fernsehen, gezielte Suche statt Zufallsfund, Vergleichsportale statt Moderatorinnen mit Dauergrinsen.
Und vor allem: ΑΜΑΖΟΝ.
Was früher ein umständlicher Bestellvorgang über Telefon oder Bestellkarte war, ist heute ein Klick – mit Lieferung am nächsten Tag. Preisvergleich und Kundenbewertungen inklusive.
Und immer weniger Menschen sind bereit, direkten Kontakt aufzunehmen. Zum Anrufen muss man sich aus seiner WhatsApp-Bequemlichkeit herausquälen und aktiv werden.
Heute verkaufen Influencerinnen und Influencer, die in Dubai ein schickes Luxusleben führen, durch ebenfalls übertrieben vorgetragene Werbung mehr Produkte, als Teleshoppingsender.
Die Realität holt die Branche ein
Dass diese Entwicklung Konsequenzen hat, zeigt sich nun immer deutlicher.
Mit Channel 21 ist nun ein weiterer Teleshopping-Sender in die Insolvenz gerutscht – ausgerechnet kurz nach seinem 25-jährigen Bestehen. Das Amtsgericht Hannover hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet, die Zukunft des Senders ist ungewiss.
Und Channel 21 ist kein Einzelfall.
Erst kürzlich wurde bekannt, dass auch der österreichische Teleshopping-Anbieter Mediashop insolvent ist und geschlossen wird. Die Gründe sind dabei erstaunlich eindeutig: verändertes Konsumverhalten, wachsender Wettbewerbsdruck und die massive Konkurrenz durch globale Online-Plattformen.
Mit anderen Worten: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr.
Warum Teleshopping heute nicht mehr funktioniert
Teleshopping lebte von einer Kombination aus Aufmerksamkeit, Verfügbarkeit und Impuls.
Man sah etwas im Fernsehen, hatte keine bessere Alternative und griff zu.
Die Sender strahlten ihre Verkaufsshows in Dauerschleife aus, bei vielen Leuten liefen die Sendungen aus Langeweile die ganze Nacht.
Viele unnütze Dinge, vermeintliche Novitäten und angebliche Supererfindungen, sowie Nahrungsergänzungsmittel mit Wunderwirksamkeit wurden fast ausschließlich über diese Schiene angeboten.
Heute ist das anders. Wer etwas sieht, googelt es sofort. Vergleicht Preise. Liest Bewertungen. Und bestellt dann – wenn überhaupt – dort, wo es am günstigsten und schnellsten geht.
Der emotionale Kaufimpuls, den Teleshopping einst perfekt ausnutzte, verpufft im digitalen Alltag.
Hinzu kommt: Die Glaubwürdigkeit solcher Formate ist gesunken. Zu oft wurden Produkte übertrieben dargestellt, zu oft waren die Versprechen größer als die tatsächliche Leistung.
Das Ende mit Ansage
Die Insolvenz von Channel 21 ist deshalb kein überraschendes Einzelereignis, sondern ein weiterer Schritt in einem längst laufenden Prozess.
Teleshopping ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Informationen knapp, Alternativen begrenzt und Kaufentscheidungen weniger reflektiert waren.
Diese Zeit ist vorbei.
Fazit
Teleshopping wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber es wird langsam, Stück für Stück, an Bedeutung verlieren – bis es irgendwann nur noch eine Randerscheinung ist.
Vielleicht bleibt es als nostalgisches Format erhalten, irgendwo zwischen Retro-TV und Kuriositätenkabinett.
Doch als ernstzunehmender Vertriebskanal hat es seine beste Zeit hinter sich.
Oder anders gesagt: Was früher die Zukunft des Einkaufens war, ist heute ein Auslaufmodell.
Meine persönlichen Teleshopping-Erfahrungen
Ich habe auch schon mal beim Teleshopping bestellt. Nicht oft.
Meine erste Bestellung war ein Koffer, voll mit Bohrern für die Bohrmaschine. Ich muss sagen: Der Kauf hat sich echt gelohnt. Damals habe ich 49 Euro bezahlt. In dem Koffer waren über 120 Bohrer und Aufsätze drin. Nur die ganz dünnen habe ich inzwischen abgebrochen oder verschlissen. Alle anderen funktionieren noch und die Qualität ist insgesamt sehr, sehr gut.
Die zweite Bestellung war ein Messerset. Ja, ich bin darauf hereingefallen. 24 Messer aller Größen. 22 davon absolute Scheiße! Aber ein Hackebeil und ein Sägezahnmesser haben wir auch nach 20 Jahren noch im Einsatz.
Als Angehöriger der US-Streitkräfte hatte ich damals natürlich auch einen NTSC-Fernseher mit passender Antenne zum Empfang der hier für die Soldatenfamilien ausgestrahlten amerikanischen Programme.
Da gab es kein großes Teleshopping, aber ab und zu eine Verkaufsshow. Da habe ich mal einen US-Army-Ring bestellt. Damals kamen regelmäßig Marketender mit ihren großen US-Trucks in die Kasernen und verkauften aus dem LKW heraus alles Mögliche an Zubehör für den militärischen Alltag und das Privatleben amerikanischer Leute.
Auch dort gab es natürlich diese typischen Ringe, aber die Qualität war eher bescheiden. Der Ring aus dem Teleshopping war erste Sahne. Ich konnte die Waffengattung, seinen Namen und den Rang eingravieren lassen, bzw. der Ring wurde damit gegossen. Ich trage ihn heute noch ab und zu, auch wenn er mir, nach 40 Jahren, nur noch am kleinen Finger passt.
Ansonsten fällt mir nichts mehr ein, was wir bestellt haben könnten. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich, abgesehen von dem Ring, eigentlich nie etwas bestellt habe, weil es das nur dort zu kaufen gab. Es war immer auch dieses Kribbeln damit verbunden, jetzt mal diesen Vertriebsweg auszuprobieren.
Ach ja, da fällt mir ein: Einen akkubetriebenen Autostaubsauger habe ich auch mal dort bestellt. 29 Euro. Am Telefon wurde mir dann angeboten, für nur 9 Euro mehr gleich einen zweiten Staubsauger dazubestellen zu können. Und für nur insgesamt 12 Euro mehr gäbe es noch für beide Staubsauger das Super-Zubehör-Luxus-Paket dazu. Also habe ich 41 Euro plus 9,99 Euro Versand bezahlt und einen riesigen Karton voller Staubsaugerzeug bekommen. Das hatte sich meiner Meinung nach auch voll gelohnt.
Und eins will ich noch erzählen: Wenn ich bei PEARL etwas kaufe, schaue ich mir hin und wieder die dort verlinkten Videos von Pearl-TV an. Da kann man die Produkte dann live sehen und oft schon sehr gut erkennen, ob das in die Kategorie „labberiger China-Scheiß“ oder Schnäppchen gehört.
Wie ist das bei Dir? Auch schon mal bei QVC was gekauft?
Bildquellen:
- teleshopping_800x500: Peter Wilhelm KI

















