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Facebook – nervt langsam

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Irgendwo muß man ja heute sozial vernetzt sein. Viele sind ja bei irgendeinem VZ und wenn ich mich recht erinnere soll VZ für Verzeichnis stehen. Für mich klingt VZ aber immer nach Nazis und ich warte eigentlich darauf, daß jemand, der mir sagt, er sei bei Schüler-VZ, gleich die Hacken zusammenschlägt und den rechten Arm hochreißt. Dabei sind die allermeisten, die sich freiwillig in die VZ-Schutzhaft begeben, viel zu jung, um überhaupt noch die gleiche lautmalerische Parallele herstellen zu können; oder sie sind sowieso schlichtweg zu doof, um irgendetwas zu kapieren.
Am Beeindruckendsten finde ich immer wieder bei allen Sozialnetzen, wie die Leute dort ihre Blödheit auch noch öffentlich und plakativ dokumentieren.
Unter dem Stichwort „Lieblingsbücher“ steht dann da oft: „Lesen is nich Mein ding“ oder auch gerne „Hab Schon ein Buch, geh mich weg Damit!“

Heißa, Blödheit, sei willkommen!

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Am Liebsten wäre ich in keinem dieser Netzwerke.
Martina hatte mich zu „Stayfriends“ eingeladen. Das ist so ein Sozinetz, in dem man alte Schulkameraden wieder finden kann.
Da habe ich mich angemeldet, weil ich fünf Jahre auf einer bestimmten Schule war, und das auch noch ausgerechnet mitten im Übergang von Kindheit zum pubertierenden Jungmann, und noch recht viele schöne Erinnerungen an die Mitschüler und Lehrer habe. Von all den anderen Schulen, die ich vorher und nachher besucht habe, ist nicht einmal der Hauch einer nennenswerten Erinnerung geblieben, außer Beatrix Hildebrandt, die war so richtig süß.

Ob die heute aber noch so süß ist… ich bezweifle es. Die Bilder der meisten Mädchen von damals kann man heute gar nicht mehr anschauen. Meine Güte, die bestätigen alle hundertprozentig meine Aussage, daß Mädchen später immer so werden, wie ihre Mütter.
Guckt Euch die Mütter an, so werden später Eure Mädchen! Habe ich schon immer gesagt!

Nur Roswitha hat es besonders schlimm getroffen, die sieht heute so aus, wie damals ihr Vater…

Die Buben hingegen sehen irgendwie alle noch so aus wie früher, nur eben älter, glatziger und manchmal dicker.

Bei „Stayfriends“ habe ich sie fast alle wiedergefunden, erstaunlicherweise haben sich aber vor allem Mitschüler (und jeweils auch die -innen) bei mir gemeldet, an die ich selbst kaum eine Erinnerung habe. Meines Wissens haben die mich damals für einen Arsch gehalten, haben aber heute am Meisten über mich zu erzählen und wissen einen Haufen toller Erinnerungen zu berichten. Diejenigen, mit denen ich immer am meisten zu tun hatte und mit denen ich so um die Häsuer gezogen bin, von denen findet man bei Stayfriends keine Spur.

So, nun habe ich bei Stayfriends also mein Potential an Wiederfindungen ausgeschöpft und im Grunde könnte man da jetzt einen Haken dran machen und diesen Dienst für mich abbestellen.

Dann wäre da noch WKW. Hallo, bei WEHKAHWEH hatten sich auf einmal alle meine aktuellen Freunde und Bekannten angemeldet und jeder sagte: „Da mußt Du auch rein!“ und man fing dann an, sich gegenseitig zu kennen. Man guckt dann da, wen man innerhalb dieses sozialen Netzwerkes alles kennt und entdeckt in deren Profil dann wieder Leute, die man auch kennt und alle die, die man kennt, die klickt man an und sagt „Ich kenne Dich!“.
Toll, ich habe also -sagen wir mal so- 500 Leute im Kopf, die ich mal irgendwann kennengelernt habe und gebe mich jetzt dem Sammelsport hin und suche mir möglichst viele von denen in WER-KENNT-WEN? zusammen. Bei knapp 300 war Schluss, so viele habe ich angeklickt und so viele haben zurückgeklickt.

Auf einmal habe ich gemerkt, daß es fast interessanter ist, sich die Namen von Leuten besonders zu merken, denen Du jahrelang den Arsch gerettet oder ihr Leben finanziert hast, und die heute nicht einmal mehr bereit sind den „Kenne ich auch“-Button bei WKW zu klicken. Meine innere Arschlochliste ist mit WKW nur länger geworden.
Drei oder vier „verschüttete Bekannte“ habe ich da aufgetan. Leute von denen ich ewig nichts mehr gehört hatte und bei denen ich mich über eine virtuelles Wiedersehen recht gefreut habe. Doch was schreibt man sich da so hin und her?

Abgesehen von einer oder zwei Mails, die noch Interessantes enthalten, kommt dann nur noch Gelaber und es endet immer damit, daß die ehemals angebeteten Butterblumen mir Bilder von ihren Enkeln schicken und ehemalige „Kumpels“ mit Fotos ihres 5er BMWs zusenden. Da ist man schon bald auf dem Niveau, wo man nur noch über Krankheiten spricht…

WKW ist uninteressant geworden, auch hier ist das Potential, noch jemanden von früher zu finden, völlig ausgeschöpft.

„Nee, WKW is‘ out, jetzt is‘ man in Facebook“, sagte mir dann jemand und ich habe mir gedacht: „Leck mich!“

Aber nach einer Weile erfuhr ich, daß da jemand eine Fan-Seite für mich angelegt hat und dann war der Zeitpunkt gekommen, wo ich beschloss, dort auch mal nach dem Rechten zu sehen.

Auf den ersten Blick sieht Facebook am Professionellsten aus, auf den zweiten Blick verwirrt es mich nur.

Gut, auch dort kann man sich gegenseitig „kennen“ und zu „Freunden“ erklären, aber jetzt habe ich auf einmal „Freundschaft“ mit Leuten, die ich gar nicht kenne!
Dafür baut Facebook seinen Dienst ständig weiter aus und mir kommt das immer vor, wie der Wettlauf zwischen Hase und Igel. Und ich bin in diesem Wettlauf immer der Igel, aber dieses Mal ein beinloser Igel ohne Hilfe.

Denn ständig „erweitert Facebook seine Dienste zum Wohle aller Nutzer“, was immer gleichbedeutend ist mit: „Wir verschenken Deine Daten jetzt an noch mehr wildfremde Leute, wenn Du nicht aufpasst und sofort in Deinen Kontoeinstellungen da ein Häkchen wegmachst!“

Außerdem kann man aus Facebook heraus an allerlei komischen Spielen, Umfragen und sonstigen Vernetzungen teilnehmen und so wird meine „Pinnwand“ tagtäglich von Meldungen überflutet, die mich überhaupt nicht interessieren.
Ronny K. aus B. findet, daß ich sexy Augen habe. Katja K. aus E. meint, sie müsse mir mein Liebeshoroskop senden und hunderte von Leuten wollen, daß ich an irgendeinem Spiel teilnehme.
Einmal habe ich bei so einem Farmspiel mitgemacht. Da beackert man virtuell ein Stück Land, das bei entsprechenden Ernteerfolgen auch größer wird, sodaß man mehr virtuelle Geldpunkte sammeln kann, um sich Farmgeräte, Gebäude, Saatgut und Viecher kaufen zu können.

Jedoch bekommt man für dieses virtuelle Spielgeld irgendwie immer nur verkrüppelte Schweine, die richtig guten Sachen muß man mit anderem virtuellem Geld bezahlen und das wiederum bekommt man nur, indem man echtes Geld einzahlt.
Ich gebe doch kein echtes Geld für virtuelles Schweinefutter aus!

Das Spiel an sich macht sogar richtig Spaß. Aber um voran zu kommen, muß man sich auch innerhalb der Farmer-Gemeinschaft wieder vernetzen, die Felder wildfremder Leute gießen oder düngen und so kommt man schnell an einen Punkt, an dem die Facebook-Pinnwand überläuft mit Meldungen, wer alles eine versteckte Sau gefunden hat und wer Dünger gegen Traktor tauscht…

Leute, so lustig das ist, aber ich habe vom Lieben Gott nur vielleicht 85 Jahre geschenkt bekommen, da will ich kein Quäntchen von für Zeichentrickschafe in Facebook abzweigen müssen.

Im Moment ist Facebook ganz oben auf. Es wird eine Zeit kommen, da gibt es etwas anderes und auf einmal werden alle ein Profil bei diesem anderen haben und in Facebook wird es leerer.

Ob ich das dann aber nochmal mitmache? Ich glaube es kaum.

 


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Lesezeit ca.: 9 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 26. November 2012 | Peter Wilhelm 26. November 2012

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