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Zeitenwende?

Zeitenwende?

Zeitenwende. Ein großes Wort, ein Monument von einem Wort. Eine wahre Flut von Assoziationen ergießt sich, wenn es fällt. Bilder von Heerführern und Despoten, die kamen und gingen, von Denkern, die alleine mit der Kraft ihres Geistes die Welt aus den Angeln hoben, oder mit geradezu selbstmörderischem Eifer, wie im Falle des Augustinermönchs Martin Luther, der Papst Leo X. vor 500 Jahren die Stirn bot und die erdrückende Dominanz des Vatikans ins Wanken brachte.

Gerade eben war wieder eine Zeitenwende, die 2016te seit Beginn der sogenannten christlichen Zeitrechnung. Ob diese wie 1933, 1945, 1989 oder auch 2001, um nur einige wahllos herauszugreifen, dereinst in die Annalen eingehen wird, vermag zur Stunde niemand vorherzusagen…

Schluss jetzt mit dem melodramatischen Geschwurbel.

Wir schreiben also seit ein paar Tagen das Jahr 2017.
Wie bekannt sein dürfte, bezieht sich diese Zahl auf die Geburt eines jüdischen Predigers, dessen historische Authentizität bis heute zwar höchst umstritten sein mag, dem jedoch eine geradezu vorbildliche Geisteshaltung und in letzter Konsequenz gar die Gründung einer neuen Religion, des Christentums, zugeschrieben wird.

Wie man weiß, gibt es drei große monotheistische Weltreligionen, die seit Hunderten von Generationen mit der ganz dicken Keule die Deutungshoheit für sich reklamieren. Diese dämliche Patt-Situation hält noch immer an, und da bisher niemand den Schneid hatte, dem Spirituellen Klimbim das heimischen Wohnzimmer als einzig gebührenden Platz zuzuweisen, hat sich das christliche Abendland, neuerdings von grenzdebilen Patrioten gegen eine vermeintliche Islamisierung unter Artenschutz gestellt, auf den 31. Dezember als Tag der jährlichen Zeitenwende festgelegt. Kann ja nicht angehen, dass am Ende noch der Jude meint, er müsse uns das Jahr 5777 vorschreiben, oder dass der Moslem uns 1438 aufs Auge drückt, von den zahllosen Mitbewerbern im Markt der Jenseits-Neurosen mal ganz abgesehen.

Bei uns rechtschaffenen Christenmenschen wird der Tag des Jahreswechsels nach Papst Silvester I. benannt, der am 31. Dezember 335 n. Chr. seinen Job als CEO des Bodenpersonals letal quittierte, sprich: das Zeitliche segnete und der seither höchst selbst über seine Namenspatronage, also seit nunmehr 1.681 Jahren, gemäß der frommen Legende für die alljährliche Zeitenwende verantwortlich zeichnet. Aber das sagte ich ja bereits, mehrfach. Das Martyrologium Romanum, quasi die Billboard-Charts der Römisch Katholischen Amtskirche, verzeichnet in seiner 2004 komplett überarbeiteten Ausgabe nicht weniger als 6.650 Heilige und Selige, sowie 7.400 Märtyrer. Allerdings sind das nur approximative Angaben, denn: nix Genaues weiß man nicht. Silvester I. ist laut Wikipedia zwar weder als selig, noch als heilig gelistet, wird von der Christengemeinde trotzdem als Heiliger und Schutzpatron der Haustiere verehrt. Ich gestehe, letzteres Feature ist nicht unbedingt essentiell, aber wer einen Goldfisch oder einen Halsbandsittich sein eigen nennt….

Szenenwechsel in Richtung Zeitenwende: Heute, am 31.12.2016 n. Chr., erreicht uns die frohe Botschaft von einem weiteren CEO, der seinen Dienst quittiert; dummerweise jedoch nicht letal wie einst Silvester I.
OK, das war jetzt ein Freudianischer Fauxpas, bitte streicht diese Unbotmäßigkeit. Aber wenn Ihr gleich lest, von wem die Rede ist, könnt Ihr meine Entgleisung vielleicht ein Stück weit nachvollziehen, wenngleich sie nicht zu entschuldigen ist. So etwas sagt man einfach nicht. Denken… vielleicht… aber sagen?

Zeitenwende?
Sei´s drum. Ich rede von keinem Geringeren, als dem, den böse Zungen das abartigste Schandmaul in der Deutschen Presselandschaft seit dem Nazi-Schergen Julius Streicher nennen könnten. Streicher, dem Gründer, Eigentümer und Herausgeber des antisemitischen und pornographischen Hetzblattes „Der Stürmer“.
Ich rede von dem Mann, den Kabarettisten schon Demagogen, Brunnenvergifter, Lügenmaul und geistigen Brandstifter genannt haben. Der Mann, der für 20 elende Jahre kriminellen, bedruckten Giftmülls verantwortlich zeichnet:

Kai Dieckmann, seines Zeichens (gerade noch eben) amtierender Chefredakteur der Bild-Zeitung und Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe, eines wahren Konglomerats journalistischer Fäkalien. Ein, wie mir neulich jemand auf der Sraße sagte, direkter geistiger Nachfahre Josef Goebbels, der sich 2 Jahrzehnte anmaßte, mit einem billigst zusammengelogenen Stück Dreck in Form einer Tageszeitung, die Republik in Gut und Böse zu scheiden. Dabei waren ihm und seinen speichelleckenden Schreibtisch-Mittätern, seinen Büchsenspannern, all die Jahre jedes noch so dreckige Mittel, jede Lüge, jede Ehrabschneidung recht, um die Bevölkerung gegen alles aufzuhetzen, was nicht in das erzkonservative Weltbild des Hauses Springer passt.

Nun dankt Dieckmann also ab.
Oder wurde abgedankt?
Es gibt noch keine Details zu seiner urplötzlichen Demission.
Vielleicht wurde er ja von der AfD als Pressechef abgeworben, oder gar von Friede Springer an Frauke Petry entsandt, um die bisherige saudumme Pressearbeit der rechtsblöden Gruppierung zumindest auf das Niveau der Bild-Zeitung zu hieven, damit Merkel neben Gabriel, Özdemir und Lindner nächsten Herbst noch eine Option für ein „weiter so“ hat.
Von einer Alternative zu sprechen, wäre ja ziemlich anachronistisch…

Oder es war ganz anders: Friede, Angela und Hubert saßen bei einer Tasse Tee und Gebäck aus Merkels Backofen zusammen und mussten sich selbst eingestehen, dass es so nicht weiter gehen kann, mit dieser Hetze, diesem Jauchen-Journalismus.
Das ganze Gift, das über all die Jahre in der Republik verteilt wurde…
Und man beschloss, einen Gang runter zu schalten, in der späten Erkenntnis, dass „die da oben“ nur ein paar Dutzend sind, „die da unten“ jedoch 80 Millionen.

Ergo brauchte es ein Bauernopfer: Kai Dieckmann.

Denn wenn die da unten, aus welchem Grund auch immer, auf den Trichter kommen, wenn sie bemerken, wie sie all die Jahre als Stimmvieh, als tumber Urnenpöbel benutzt und gegeneinander aufgewiegelt worden sind, und wenn 80 Millionen nun mit den Füßen abstimmen… das wäre die ultimative Zeitenwende. Man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?

Bild: Von Wolfgang Sauber – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20105495

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

"This world is sick and we are the doctors."

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

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