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Windows muß es sein -Teil 2-

Windows muß es sein -Teil 2-

Ich bin Linux-Mann und arbeite auch gerne mit Apple. Wenn sich Schwiegervater also einen Windows-Rechner kaufen muß, weil das die anderen alten Männer in seiner Alte-Männer-Turngruppe ihm alle so empfehlen, dann tue ich mein Bestes, bewahre ihn vor einem gravierenden Fehlkauf bei der Hardware, aber ansonsten muß er mich mit dem Mist in Ruhe lassen. Wird er Probleme haben, kann er mich mal fragen, ich werde kaum eine Antwort wissen, zu fremd sind mir „bluescreens“ und das dauernde Nachinstallieren von irgendeinem virenverseuchten Scheiß geworden. Bei größeren Problemen soll er genau die fragen, die ihm zu diesem Windows-Käse geraten haben: Die alten Männer in seiner Alte-Männer-Turngruppe.

Diese Mail schrieb ich meiner Frau kurz nachdem ich vom Rechnerkauf wieder zurück war. Sie ist von den Namen her verändert und man muß wissen, daß der sogenannte Schwiegervater Gustav (im Folgenden nur G. genannt) bereits am Freitag in diesem Computerladen war, um sich einen Rechner (Notebook) anzuschauen und bei dieser Gelegenheit seine Tintenpatrone vom Faxgerät auffüllen zu lassen.

Hier die Mail:

Jaja, puh, fix und alle….
2 x 15 Minuten Todesangst mit dem Kamikaze-Gustav und Volksmusik…

Ständig piepst und pfeift da im Mercedes was und G. hört nichts, sieht nichts, ordnet sich grundsätzlich falsch ein und zieht im letzten Moment zwischen die wild hupenden Abbieger um auch abzubiegen. Der merkt davon gar nichts, der weiß gar nicht daß die da sind.
Und das alles bei Volksmusik….

Im Computerladen eine Szene wie im Opa-Saarländer-Horrorfilm.

G.: „Da hat am Freitag ein Laptbook gestanden oder wie das heißt. Den will ich kaufen.“
Verkäufer: „Der ist weg.“
G. „Haben sie noch so ein Laptbook?“
Verkäufer: „Nee.“
G.: „Was haben Sie denn da?“
Verkäufer: „Nix. Wir haben gar nix da, wir müssen alles bestellen.“
G. „Ihr Laden ist mir empfohlen worden, weil sie so gute Laptbooks haben sollen.“
Verkäufer: „Hammwer nich.“
G.: „Sie haben jetzt gar nichts da?“
Verkäufer: „Nee. Wenn Sie was wolle, bestelle wir des.“
G.: „Wann bekommen Sie die wieder rein?“
Verkäufer: „Gar nicht. Sie müsse‘ sage was sie wolle un dann bestelle mer des.“
G. „Und so einen wie da stand, haben sie jetzt nicht mehr.“
Verkäufer: „Der is weg, das war ein Ausstellungsstück.“
G. „Ist der Kollege denn da, der am Freitag da war?“
Verkäufer: „Der ist auch weg.“

Ich nehme den sogenannten Schwiegervater beiseite und sage ihm, daß ich noch so einen Schrauberladen kenne, wo man alles gleich mitnehmen kann, aber G. wehrt sich mit Händen und Füßen, nur dieser eine Laden komme für ihn in Frage, weil ihm die Altturner den empfohlen haben. Und der M…..-Markt, das wisse ja jeder, verkauft nur kaputte Rechner.

Ich: „Ich will ja auch nicht zum M….-Markt sondern zu einem anderen Laden, der ist genauso wie der hier, aber die haben wenigstens alles da.“
G.: „Nee, jetzt sind wir hier, jetzt bleiben wir hier, die Altturner sind hier sehr zufrieden.“

Ich frage den Verkäufer: „Und wenn am Notebook mal was dran ist, können Sie dann hier auch reparieren?“

Verkäufer: „Nee, wir schicken alles weg.“
Ich: „Aha.“
G.: „Siehste, die reparieren hier auch.“
Ich: „Nee, machen die nicht, die schicken alles weg“
G.: „Hauptsache ich kann hierher kommen, wenn ich mal was repariert haben will.“
Ich: „DIE REPARIEREN NICHT!“
G.: „Die befüllen immer meine Faxpatrone für 10 MARK, dann reparieren die auch.“
Verkäufer: „Soll denn da Windows-Vista drauf oder Windows-XP?“
Ich: „XP.“

Und ich muß dazusagen, daß der sogenannte Schwiegervater seit Wochen mit einem kleinen Fresszettelchen durch die Gegend läuft, auf dem er sich die Buchstaben „XP“ notiert hat und ein durchgestrichenes Wort namens Vista. Irgendwer scheint ihm da geraten zu haben auf keinen Fall das überladene Vista zu nehmen, ein sicherlich guter Rat.
Folgerichtig schaut er mich entgeistert an und ruft:

„Vista!“

Ich: „Gustav, guck mal, die haben Dir doch XP auf den Zettel geschrieben.“
G.: „Ja, und Vista.“
Verkäufer: „Sie müssen sich schon entscheiden, entweder Vista oder XP.“
G.: „Nur mit Textverarbeitung, ich will nicht hinter den Mond fliegen.“
Verkäufer: „Was?“
G.: „Vista.“
Ich: „XP.“
Verkäufer: „Sie müssen sich für ein Betriebssystem entscheiden.“
G.: „Auf keinen Fall Vista, haben die Turner gesagt!“
Ich: „Sag ich doch.“
Verkäufer: „Also XP?“
G.: „Ja sicher.“
Verkäufer: „Und dann noch ein kleines Office-Paket für Textverarbeitung?“
G.: „Aber ohne Internetz.“
Verkäufer: „Das hat mit dem Internet nichts zu tun. Ins Internet kann jeder Rechner.“
G.: „Vista.“
Ich: „Das mit dem Vista haben wir doch jetzt geklärt. Jetzt geht es um die Software.“
G.: „Software? Brauch ich nicht!“
Ich erkläre ihm, wofür er die Software braucht und er nickt es ab: „Ach so, ja schreiben will ich.“

Verkäufer: „Wenns kein Notebook sein müßte, hätte ich was für sie da, sogar mit einer Tastatur mit extragroßen Buchstaben speziell für Ältere.“
G.: „Ich verlasse mich da auf die Turner, ich will ein Notzbuck!“
Verkäufer: „Was?“
G.: „Wir saßen am letzten Dienstag nach dem Turnen da so zusammen und da hat jeder was anderes gesagt.“
Verkäufer: „Das merke ich.“
G.: „Schreiben Sie sich mal die Telefonnummer von meinem Schwiegersohn auf, wir kommen dann wieder, wenn sie so ein Lapnote da haben.“
Verkäufer: „Wir bekommen keine Notebooks auf Lager, wir haben nie welche auf Lager. Sie müssen sagen was sie wollen, dann bestellen wir ihnen so eins. Hier ist unsere Konfigurationsliste.“
G.: „Die haben wir schon, da bedanke ich mich herzlich, gell, sie rufen dann an?“
Verkäufer: Zuckt hilflos mit den Achseln.
Ich: weine fast
G.: guckt enttäuscht.

Draußen sage ich ihm: „Komm, lass uns doch mal zu dem anderen Laden fahren, da kannst Du Dir genau so was günstiges aussuchen und auch gleich mitnehmen.“
G.: „Das hier haben mir alle empfohlen und da bleibe ich jetzt.“
Ich: „Du wirst hier nie einen Rechner bekommen. Die konfigurieren nur auf Kundenwunsch.“
G.: „Dann komm ich wieder, wenn die wieder was da haben.“

So, und jetzt frag ich Euch, warum ich kein Alkoholiker bin!

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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