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Werfen Sie Ihr Geld zum Fenster raus!

Werfen Sie Ihr Geld zum Fenster raus!

Vollmundiger kann man kaum finanziellen Erfolg versprechen: „Ich habe innerhalb weniger Wochen einen sechsstelligen Betrag verdient!“
„Kaum zu glauben, aber ich wurde nach drei Monaten zum Millionär“ und „Erst seit ein paar Tagen dabei und schon kann ich davon leben.“

– Weltkonzern vergibt Erfolgslizenzen
– Die Lizenz zum Gelddrucken endlich gefunden
– Finanzriese macht Internetnutzer reich

Das sind nur ein paar der Sprüche, die momentan durch Twitter und Mails verbreitet werden.
Folgt man dann einem der Links, landet man auf einer zunächst etwas verwirrenden Seite, bei der man auf den ersten Blick nicht erkennt, um was es eigentlich geht. Überall blicken einen Fotos glücklich lächelnder Menschen an, die „mit diesem System Erfolg“ gehabt haben wollen. Um was es geht, wie sie ihr Geld gemacht haben, was dort angepriesen wird, Fehlanzeige.
Da muß man sich durch die clever gemachten Folgeseiten klicken und wird während dieser Tour von immer neuen Erfolgsstories begleitet.

Um was geht es wirklich?

Bei den meisten dieser Angebote, unter anderem „freedom.ws“, wird es sich wohl um eine besondere Form des Multilevel-Marketings bzw. des Schneeballsystems handeln.
Zwar werden scheinbar Webseiten, Domains und „Businesscards“ angeboten, doch wird das unter Fachleuten zum Teil allenfalls als Blenderware angesehen, die nur dazu dient, um vor der Hand überhaupt irgendeinen handelbaren Artikel zu haben und nicht sogleich durch das Fehlen einer Ware als aufgeblasenes Scheingeschäft aufzufliegen.

Das Prinzip ist immer das selbe: Möglichst viele Menschen sollen einen Betrag einzahlen und nunmehr selbst wiederum möglichst viele Menschen finden, die ebenfalls einen Betrag bezahlen wovon man selbst dann eine Provision erhält. Das soll binnen kürzester Zeit zu großem Wohlstand führen.

Insbesondere bei „freedom.ws“ scheint es sich um eine Kombination auf Affiliate- und Multilevel-Marketing-Programm zu handeln. Es handelt sich nicht um Betrug, aber man wird auf Dauer kein Geld damit verdienen können. Angeboten werden hier in erster Linie Hosting-Pakete, die etwa halb soviel wert sind wie vergleichbare Angebote bei anderen Anbietern, aber doppelt soviel kosten. Wie es aussieht wird als einzige verfügbare Endung „.ws“ angeboten, was für West-Samoa steht, nicht unbedingt eine Domainerweiterung, die man sich wirklich für ein erfolgreiches Geschäft wünscht.
Zunächst einmal erscheint es verlockend, für einen überschaubaren Betrag eine Domain zu buchen und dann am Programm teilnehmen zu können. Jeder der sich nun auf die eigene Empfehlung hin ebenfalls dort anmeldet und einbezahlt, bringt einem Provisionen. Um aber wirklich die in Aussicht gestellten 5stelligen Beträge pro Woche verdienen zu können, muß man schon Tausende von Nachfolgern in der Pyramidenkette anwerben. Und da stellt sich die Frage, wieviele Leute man mit einer solchen Idee erreichen kann, wer überhaupt bereit ist, so eine Dienstleistung zu kaufen und ob man tatsächlich langfristig genügend Menschen unter sich im System ansiedeln kann, die regelmäßig einbezahlen.
Denn auch diese Leute wollen ja verdienen und müssen nunmehr ebenfalls Hunderte ja möglichst Tausende anwerben, damit genügend Geld von unten nach oben fließt.

Das Problem, das all diesen Systemen gemein ist, liegt darin begründet, daß keine einzigartigen oder besonderen Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden, die man nicht auf überall sonst für wesentlich weniger Geld bekommen könnte. Deshalb wird es zunehmend schwerer für den einzelnen Vertriebspartner neue Kunden zu finden, die Geld für so etwas aufwenden wollen.

Wikipedia schreibt über die verschiedenen Schneeballsysteme:

Herz- und Schenkkreise

In Modellen wie Herz- oder Schenkkreisen, auch in Abgrenzung zu Pyramidensystemen als Schneeballsysteme bezeichnet, ist die fehlende Nachhaltigkeit des Modells sehr offen. Es werden keine tatsächlich werthaltigen Produkte oder Dienstleistungen angeboten. Neue Teilnehmer müssen eine Beitrittsgebühr an denjenigen zahlen, der sie für den Herzkreis geworben hat. Diesen Betrag behält der Werber zu einem je nach Modell unterschiedlichen Anteil. Die neuen Teilnehmer beginnen jetzt ihrerseits neue Mitglieder zu werben. Wenn sie eine ausreichende Zahl neuer Teilnehmer geworben haben, amortisiert sich ihr eigener Mitgliedschaftsbeitrag, und sie machen Gewinn. Ein frühes Beispiel in Deutschland war die 1746 gegründete Dukatensozietät.

Gut durchdachte Schneeballsysteme wachsen eher langsam und kollabieren entweder durch staatlichen Eingriff oder an verbreitetem Erkenntnisgewinn bei den potenziellen Neukunden. Schneeballsysteme sind in der Regel leicht zu erkennen, so dass Neukunden gewarnt werden können. Es wird im Laufe der Zeit immer schwieriger, neue Mitglieder anzuwerben, die auf das System hereinfallen. Allmählich steigt der Anteil der Mitglieder, die ihre Investition nicht mehr amortisieren können. Das System kollabiert, wenn auch die zuvor erfolgreichen Mitglieder aufgeben und das System wechseln.

Pyramidensysteme

Im Gegensatz dazu werden in Pyramidensystemen Produkte von oben nach unten weitergereicht, dabei kommt es zu einer Preissteigerung. A wirbt B, B muss bei A ein Produkt kaufen (dieses kostet B z. B. 50 Cent mehr als A), B kann dieses Produkt nun weiter verkaufen, oder wirbt C, der das Produkt ab sofort von B bezieht (50 Cent teurer) usw… Dies funktioniert nur bis zu einem bestimmten Preis, danach bricht das System für die untersten zusammen. Das Gefährliche daran ist der Produktfluss von oben nach unten in die Breite, die Weitergabe der Produkte von A nach B zu C und die Veränderung der Preise.

Multi-Level-Marketing

Schwierigkeiten bereitet oft die Abgrenzung von illegalen Schneeballsystemen zu legalem Strukturvertrieb oder Multi-Level-Marketing. Der Übergang ist fließend und teilweise nicht alleine von der Ausgestaltung der Regeln, sondern auch dessen faktischer Umsetzung abhängig. Grundfrage für die Abgrenzung ist: Würde der Kunde das angebotene Produkt erwerben, selbst wenn er keine Provision für die Vermittlung von Neukunden erhielte?

Bei einem Schneeballsystem steht regelmäßig die Verdienstmöglichkeit für die Anwerbung von Neukunden im Vordergrund. Dies zeigt sich bereits bei der Ansprache: Bei Schneeballsystemen wird mit Verdienstmöglichkeiten statt mit Konsumprodukten geworben. Bei zulässigem Multi-Level-Marketing wird das Produkt hauptsächlich an Verbraucher vertrieben, die nicht gleichzeitig Teil des Vertriebssystems werden.

Indizien für ein illegales Schneeballsystem sind:

* Verdienstmöglichkeiten bestehen überwiegend aus den Vorteilen, die für die Anwerbung neuer Mitglieder gewährt werden, dabei wird oft von sog. „passivem Einkommen“ (oder „selbständigem Einkommen“) gesprochen.
* Das vertriebene Produkt ist oft überteuert.
* Die Handelsmarge oder Vertriebsprovision ist für Produkt und Branche ungewöhnlich hoch.
* Es gibt kaum Kunden, die das Produkt zum angebotenen Preis ohne Provisionsaussichten erwerben würden.

In der Schweiz wird in erster Linie auf das Kriterium der Ausschließlichkeit abgestellt (entsprechend dem ersten Kriterium): Wenn eine Amortisation der Eintrittssumme ausschließlich über die Anwerbung neuer Mitglieder möglich ist, handelt es sich um ein Schneeballsystem. Diesfalls hängt die Möglichkeit zu einer Amortisation von der bestehenden Marktsättigung ab, d. h. das Neumitglied riskiert, bei gesättigtem Markt an der Amortisation zu scheitern, weil nicht mehr ausreichend viele neue Mitglieder gefunden werden können. Darin, dass ein Neumitglied den Sättigungsgrad des Marktes nicht beurteilen kann und damit letztlich bei der Bezahlung seiner Eintrittssumme mit dem Zufall spielt, liegt das „lotterieähnliche Element“, das dem Verbot von Schneeballsystemen zugrunde liegt.

Quelle: Wikipedia, „Schneeballsystem“, Liste der Autoren

Auch wenn diese Systeme auf den ersten Blick verlockend wirken, läuft es doch am Ende immer darauf hinaus, daß ganz oben in der Kette jemand richtig gut verdient, während weiter unten sich Hunderte abrackern, um neue Kunden zu werben. Früher oder später, so zeigt die Erfahrung, bricht jedes dieser Systeme -und sei es durch staatliche Intervention- zusammen und alle stehen mit leeren Händen da.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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