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Weltkindertag 2010

Weltkindertag 2010

Heul, Jammer, Betroffenheitsgetue…, es ist mal wieder ein Gedenktag, der Weltkindertag und der ist, genauergesagt war, am 1. Juni. Puh, Glück gehabt, er ist vorübergegangen ohne daß meine Kinder was davon gemerkt haben. Wir wollen doch ganz kurz mal sortieren, was der Kindertag eigentlich ist und da gucke ich für Sie gerne mal eben bei Wikipedia nach:
„Der Kindertag geht zurück auf die Weltkonferenz für das Wohlergehen der Kinder im August 1925, (auf der) die Genfer Erklärung zum Schutze der Kinder verabschiedet (wurde). Im Anschluss an die Konferenz führten viele Regierungen einen Kindertag ein. 1954 hat (die UNO) die UNICEF mit der Ausrichtung eines Weltkindertages beauftragt. Jeder Staat soll einen … sogenannten Weltkindertag erklären. … Damit soll ein weltweites Zeichen für Kinderrechte gesetzt werden. (1)“

Nun ist mir in den letzten Wochen vermehrt Fernsehwerbung diverser Unternehmen aufgefallen, die uns Erwachsenen und den Kindern einreden wollten, der Kindertag sei so etwas wie das kindgerechte Pendant zum Muttertag. „Und was haben Sie sich für Ihre Kinder einfallen lassen?“ hieß es da im Radio und an anderer Stelle plärrte es mir entgegen: „Das ideale Geschenk zum Kindertag, damit Ihre Kinder nicht leer ausgehen müssen.“

Weltkindertag 2010Weltkindertag 2010

Ganz ehrlich? Ich könnte kotzen, wenn ich so etwas hören oder sehen muß!
Der Muttertag zum Beispiel, das ist nach meinem ganz persönlichen Verständnis ein „Feiertag“, an dem man einmal mehr der Frau gedenkt, die einen geboren hat, die einem als Schlüpfling die Scheiße vom Arsch geputzt hat und sich jahrelang krummgelegt hat, damit aus einem was werden kann. Der eine oder andere mag vielleicht eine Mutter haben, auf die keinerlei gute Attribute zutreffen, aber in den allermeisten anderen Fällen wird es genügend Gründe geben, seiner Mutter auch mal danke zu sagen.
Okay, und genau dafür haben wir den Muttertag, da macht man ein schönes Frühstück für die Mama, stellt ein paar Blümchen auf den Tisch und wenn man es ganz doll treiben will, dann bastelt man als Kind ein Herz aus roter Pappe. Vielleicht können sich Kinder und Papa sogar dazu durchringen, die Mama an diesem Tag mal so richtig zu verwöhnen.
Alles was darüber hinaus geht, das finde ich persönlich schon absoluten Quatsch, denn es geht um die symbolhafte Wirkung. Macht Mama ihren Job nämlich gut, dann gebührt ihr ganzjährig Dank in Form von Respekt und Unterstützung.
Und außerdem darf man ja nicht vergessen, daß die modernen Zeiten so manche Frau völlig von ihren (klassischen) Mutteraufgaben fernhält und stattdessen der Papa, die Oma oder irgendwer sonst die meiste Arbeit an der Hacke hat.
Aber dennoch treffe ich in der Stadt auf einen Aufgeregten, der unbedingt noch ein goldenes Armband für seine Frau kaufen muß, zum Muttertag eben…

Doch gemach, wir haben ja auch den Vatertag. An Christi-Himmelfahrt nahmen sich die Männer früher eine zusätzliche Auszeit von Fabrik, Zeche und Werkstatt, setzten sich mit ihren Kumpels auf einen großen Bollerwagen, oder zogen zu Fuß durch die Lande, besoffen sich maßlos und ließen es sich einen Tag, ganz nach Männerart primitiv und alkohollastig, gut gehen…
Dazu hätte ich persönlich jetzt eher weniger Lust, aber daß meine Kinder mir am Vatertag hübsch eingepackt eine Flasche Rasierwasser schenken, muß ich aus Höflichkeit superschön finden, irritiert mich aber doch.

Muttertag = Dankestag
Vatertag = ein Tag zum „Feiern“
Kindertag = internat. Gedenktag für Kinderrechte

Welcher Idiot ist eigentlich auf die Idee gekommen, man müsse jetzt diesen Weltkindertag schon rein worttechnisch auf „Kindertag“ verkürzen, damit er besser in die Reihe von Muttertag und Vatertag passt und den Kindern und Erwachsenen den unnützen Floh ins Ohr setzen, da müsse man seinen Kindern auch noch mal was schenken?
Also ganz ehrlich, bei uns sind die Kinder ganzjährig die Beschenkten. Ich wünschte, ich könnte mir beispielsweise nur halb so viele Klamotten kaufen, wie die beiden Kinder von uns bekommen. Ich wünschte, ich hätte die Kohle für einen Urlaub übrig, die wir beinahe schon zwangsweise für schulische Ausflüge, Fahrten und Reisen auf den Tisch legen müssen und ich hätte auch gerne von so manchem anderen nur ein ganz kleines bißchen etwas.
Wir tun alles für die Kinder, stopfen es ihnen aber nicht hinten und vorne rein, bis es zu den Ohren wieder herauskommt und dennoch ist es so, daß es letztlich vor jedem Geburtstag und vor Weihnachten immer so aussieht, daß wir Eltern uns sagen: Meine Güte, da haben wir eben erst 300 Euro für dies und das hinlegen müssen und jetzt ist schon wieder Geschenketag…

Mir ist schon die Scheißschenkerei an Ostern zuwider. Ostern, da gibt’s Eier und Süßigkeiten. Punkt. Da kommt nix mehr…
Oder doch?
Ja klar, moderne Kinder erwarten da richtige Geschenke, die sind vor Ostern beinahe so aufgeregt wie vor Weihnachten und unsere Tochter erklärte dieses Jahr unumwunden, daß zumindest eine X-Box 360 drin sein müsse und unser Sohn schwärmte von einem Flachbildfernseher…
Eier und Süßigkeiten haben sie bekommen und jeder ein schöne T-Shirt (ich konnte meine Frau nicht bremsen), fertig.
Ja und dann tauchen die Großeltern auf und drücken den Kindern noch zusätzliche Geschenketüten und Bargeld in die Hand, weil die geizigen Eltern (also wir) den Kindern ja nichts gönnen…

Glücklicherweise ist der Kindertag noch nicht ins Bewußtsein der Großeltern durchgedrungen, sonst würden sie uns auch wegen dieses Tages ein schlechtes Gewissen einreden.

Wenn die Welt etwas nicht braucht, dann ist es ein von der Spielzeugindustrie künstlich gepushter Hype um einen zusätzlichen Geschenketag.
http://www.ravensburger.de/web/Internationaler-Kindertag-2010__3245368-3245373-76074943.html

Habe ich schon erwähnt, daß ich auch den Valentinstag zum Erbrechen finde?

(1) Seite „Kindertag“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 1. Juni 2010, 13:47 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kindertag&oldid=75052655 (Abgerufen: 3. Juni 2010, 08:08 UTC)

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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