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Was verdient eigentlich ein Lehrer?

Was verdient eigentlich ein Lehrer?

Lehrer müssen ja unwahrscheinlich viel verdienen. Gefühlt müssen es so an die 20.000 Euro im Monat sein. – Ich weiß, daß Lehrer in Wirklichkeit nicht so viel verdienen, aber wenn ich mir die Argumentation mancher Lehrer so anhöre, wenn es darum geht unnötige Kosten zu verteidigen, dann könnte man den Eindruck gewinnen, Geld spiele für diese Pädagogen keine Rolle.Mein Sohn ist zum Klassensprecher gewählt worden. Das ist schön für ihn, zeigt daß er beliebt ist und ich bin mir sicher, daß er seine Sache auch sehr gut machen wird. Er ist ein freundlicher Sunny-Boy, der sehr diplomatisch sein kann (allen anderen gegenüber, bei uns zu Hause hat er Pubertät).

Was verdient eigentlich ein Lehrer?Was verdient eigentlich ein Lehrer?

Also Klassensprecher genießt man ja so manches Privileg, man darf zum Beispiel hin und wieder eine Stunde Unterricht verpassen, weil man an wichtigen Sitzungen der SMV teilnehmen darf. Früher hieß SMV mal „Schülermitverwaltung“ heute prangt auf den Schreiben der SMV die ausgeschriebene Erklärung „Schüler Mit verantwortung“. Man darf sich nun aussuchen, ob das Leerzeichen zuviel ist oder der Absender die Groß- und Kleinschreibung nicht konnte. Aber das ist ja sowieso eine Seuche, die jeden befällt, der schulische Rundbriefe oder Elternschreiben verfasst: Wir Eltern bekommen sowieso immer nur Schreiben, die so von Fehlern strotzen, daß wir spontan immer sagen: „Kein Wunder, daß unsere Kinder da nix mehr lernen.“

Doch zurück zum Verdienst der Lehrer: Nun ist die SMV auf die Idee gekommen, man könne alljährlich mit den Klassensprechern einen Planungstag veranstalten. An diesem Tag will man die Arbeit der SMV für das ganze Jahr koordinieren und Pläne schmieden. Tolle Sache! Vor allem weil es dafür Schulfrei gibt.
Wie die Leute allerdings auf die Idee kommen, diesen Planungstag auf mehrere Tage auszudehnen und dann noch in einer weit entfernten Stätte stattfinden zu lassen, ist mir schleierhaft. Da würden dann mal eben 70 oder 80 Euro fällig… (den genauen Betrag weiß ich nicht mehr, ich habe den Zettel schon wieder unterschrieben zurückgeben müssen).

Ich weiß auch gar nicht, warum die Kinder einer Klasse sich alle paar Monate kennenlernen müssen. Da findet tatsächlich immer mal wieder irgendeine Veranstaltung statt (Eislaufen, Fahrt in den Freizeitpark, mehrtägige Kletterabenteuer im Kletterwald usw.) die immer zum Ziel haben, den Zusammenhalt der Klasse zu verbessern und sich besser kennenzulernen.
Mal will der Lehrer die Klasse besser kennenlernen, mal will die Klasse den Lehrer kennenlernen und mal will man sich gegenseitig beschnuppern.
Sollen die schnuppern, meinetwegen, aber das sollen sie dann bitteschön auf einem Wandertag in einen der nahegelegen Wälder tun. Das kost‘ nix, macht Spaß und man lernt sich mindesten genauso gut kennen, als führe man mit Bus oder Bahn erst noch 100 Kilometer weg.
Hier mal eben 175 Euro, da mal eben 89 Euro und dann mal wieder 8 Euro, 9,50 Euro, 13 Euro, das läppert sich!

Von den Lehrern bekommt man sehr erstaunt zu Antwort, das seien doch keine sonderlich hohen Beträge und man wisse doch, daß solche Fahrten kommen, dann müsse man eben vorsorgen und ansparen…

Naja. Man darf ja nicht vergessen, daß die meisten Familien gerade eben erst aus dem Urlaub zurückgekommen sind, so sie sich denn einen leisten konnten. Dann steht der Schuljahresbeginn an und die das Familienbudget wird durch die Anschaffung von Heften, Büchern und Arbeitsmaterialien nochmals strapaziert. Viele Eltern erzählen mir, daß da bei 2 Kindern locker mal eben 300 bis 350 Euro fällig werden. Ja und dann kommen die Kinder schon am zweiten oder dritten Schultag nach Hause und bringen einen Zettel mit, in dem mal eben so nebenbei an die 90 Euro für einen Ausflug gefordert werden. „Bitte dem Kind bis MORGEN mitgeben!“

Es gibt Familien, die haben so mal eben, bis morgen, gar keine 90 Euro und wenn sie die haben, dann ist das der Betrag von dem die Familie die restliche Zeit vom Monat leben muß.
Sagt man das den Lehrern, dann ziehen die immer die Augenbrauen hoch und verweisen auf den Schulfond und den Förderverein: „Aus finanziellen Gründen muß doch kein Kind zu Hause bleiben.“

Nein, muß es nicht. Aber wie sieht ein Kind den Wert des Geldes, wenn es weiß, daß man daheim jeden Pfennig umdrehen muß und dann mal eben 145 Euro vom Förderverein gestiftet werden? Julia S., eine 14jährige, sagte zu mir: „Ich habe so ein schlechtes Gewissen. Mama und Papa haben kein Geld und ich bekomme jetzt Geld vom Förderverein, muß es aber für eine Klassenfahrt ausgeben.“
An diese Sichtweise hatte ich noch gar nicht gedacht, das war mir gar nicht bewußt, daß Kinder aus sozial schwächeren Familien ein schlechtes Gewissen haben könnten, wenn sie daran denken, daß sie teuer verreisen, während daheim vielleicht Schmalhans Küchenmeister ist.“

Jedenfalls finde ich, daß man schulischerseits oft ein doch sehr der Realität entfremdetes Verhältnis zum Wert des Geldes hat. 189 Euro sind da „ein doch recht leicht zu bewältigender Betrag“. Für einen Lehrer vielleicht, für viele Eltern nicht.

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Peter Wilhelm

Peter Wilhelm

Fachjournalist Peter Wilhelm schreibt hier über die Nebensächlichkeiten der Welt.
Er liebt Technik und testet Produkte, Service und Angebote.
Der Bestsellerautor ist Chefredakteur einer Branchenzeitschrift, Sachverständiger und Fernsehexperte.
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Der Psychologe und Dozent wurde in der Halloweennacht geboren und lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Mehr über ihn erfahren Sie u.a. hier und hier.


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peter wilhelm autorenlesung
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