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Was darf Satire?

Was darf Satire?

Laut Kurt Tucholsky darf Satire ja alles.
Nun, man kann über guten oder schlechten Geschmack natürlich streiten.

Nehmen wir mal an, ein schwarzhumorig angehauchter Vertreter für Schrauben und Nägel kreiert ein Angebot über Nägel zum Sonderpreis, exklusiv gültig am Karfreitag und schmeißt sich weg vor Lachen über seine derbe Idee.
Natürlich könnte der eine oder andere Christenmensch schon etwas pikiert darauf reagieren.
Aber geht davon die Welt unter, zumal über die historische Authentizität Jesus heftigst gestritten wird?
Geschenkt!

Die Anflüge von Größenwahn bei seiner niederwohlgeborenen Oberniedertracht Sultan Recep Tayyip Erdoðan dagegen sind tausendfach belegt.

Bei dem erbärmlichen Gezeter am Münchner Amtsgericht um die Akkreditierungen der Presse in Sachen NSU-Prozess wurden ja bekanntlich die knappen Plätze für die 50 Journalisten per Los gezogen. Dummerweise hatte die Glücksgöttin, Kollegin Fortuna, bei der Hürriyet oder anderen türkischen Zeitungen offensichtlich keinen Bock mehr und diese Zeitungen gingen zunächst leer aus.
Daraufhin bekam der entbehrungswürdige Sultan vom Bosporus, der Berlusconis nicht mehr benötigte Frisur aufzutragen scheint, in der Folge einen mächtig dicken Hals.
OK, man hätte diese Farce einer Gerichtsverhandlung live per Video in einen anderen Saal übertragen und meinetwegen 500 Journalisten mit diesem schäbigen Schauspiel belästigen können. Aber das ist eine andere Baustelle.

Recep Tayyip Erdoðans hysterischer Protest auf die Münchner Lotterie ist allerdings schon ein starkes Indiz für fortschreitende Zerebral-Insuffizienz, bedenkt man, dass er in der Türkei mehr unliebsame Journalisten hat einlochen lassen, als überhaupt in den Münchner Gerichtssaal passen.

Darf Satire alles?
Bei solch durchgeknallten Psychopaten?
Aber hallo, mehr davon!


Bild Tucholsky: Von Sonja Thomassen – Sonja Thomassen, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=452606
Bild Erdogan: Von Kremlin.ru, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45256896

Was darf Satire?Was darf Satire?

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Peter Grohmüller

Peter Grohmüller

Hallo, ich bin Peter Grohmüller und leide nicht an dieser Welt, aber mir fällt ihr Leiden auf.

„This world is sick and we are the doctors.“

Wenn es eine Wunde gibt, dann muß man sie entweder heilen oder Salz hineinstreuen. Wir, das sind die Kritischen, die Hinterfragenden und die Lallbackenentlarver. – So einer bin ich.

Alle namentlich gekennzeichneten Beiträge geben allein die Meinung des Autors wieder.


peter wilhelm autorenlesung
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  1. Lochkartenstanzer
    Lochkartenstanzer 12 April, 2016, 11:25

    > Darf Satire alles?
    > Bei solch durchgeknallten Psychopaten?
    > Aber hallo, mehr davon!

    Finde ich nicht, daß Satire wirklich alles darf. Die Grenzen dürfen zwar weit gesteckt sein, aber nur unter dem Vorwand „Satire“ einfach nur übelste Beleidigungen auszusondern zeugt von keinem guten Geschmack und ist garantiert keine Satire mehr.

    Und moralische Maßstäbe gelten für alle, egal ob für Lieschen Müller oder für eine Diktator wie Erdogan.

    Der Beitrag von Jan Böhmermann an sich ist meiner Meinugn nach unter aller Sau, weil er da einfach nur tumeb beleidigungen abläßt.

    Was ich aber interessant finde, ist das Verhalten der Politiker die jetzt wie die aufgescheuchten Hühner alles mögliche von sich geben, statt einfach die Justiz ihre Arbeit machen zu lassen.

    Antwort auf diesen Kommentar
    • Peter Grohmüller
      Peter Grohmüller 12 April, 2016, 17:57

      @ Lochkartenstanzer:
      vielleicht hätte ich definieren sollen, was ich exakt unter Satire verstehe. Aber dann hätte sich mein Beitrag wieder furchtbar in die Länge gezogen 🙂 Die Bezeichnung „Psychopath“ für die Wesensstruktur Erdogans habe ich einem Fachbuch für Psychologie entnommen, und mir nur erlaubt, das Wort „durchgeknallt“ beizufügen.
      Mag sein, dass ich mit Letzterem und den ganzen Hochadelstiteln die Grenze zur Beleidigung touchiert habe. Erdogan überschreitet noch ganz andere Grenzen. Da kannst Du tausende kurdische Mütter fragen, deren Sohne von seinen marodierenden Banden abgeschlachtet wurden.

      Antwort auf diesen Kommentar
      • Lochkartenstanzer
        Lochkartenstanzer 12 April, 2016, 21:43

        @Peter Grohmüller:

        „durchgeknalter Psychopath“ lasse ich noch als Tatsachenbehauptung gelten. Es ist erwiesen, daß viele „Führungspersönlichkeien“ deutliche Zeichen eines Psychopathen zeigen und bei Erdogan manifestiert sich das ja auch dadurch, daß er jegliche Kritik und damit auch berechtigte, alles als persönlichen Angriff wertet.

        Antwort auf diesen Kommentar
  2. Eisenheim
    Eisenheim 12 April, 2016, 17:34

    Nein, es stimmt nicht, dass sich über den Geschmack streiten liesse, solange wir damit guten Geschmack meinen. Doch werden wir ebensowenig mit einem solchen geboren, wie wir wirkliches Kunstverständnis mit auf die Welt bringen.

    Antwort auf diesen Kommentar
    • Peter Grohmüller
      Peter Grohmüller 12 April, 2016, 19:51

      @ Eisenheim
      Schön mal wieder was von Dir zu hören. „Nein, es stimmt nicht, dass sich über den Geschmack streiten ließe, solange wir damit guten Geschmack meinen“. Wen meinst Du mit wir und/oder mit „gutem“ Geschmack? Ich finde z. B. die Musik von Florian Silbereisen einfach nur Scheiße – Millionen schmelzen bei dem völkischen Geblubber förmlich dahin. Haben die jetzt einen schlechten Geschmack, oder ich, oder wir? Und habe ich kein wirkliches Kunstverständnis, wenn ich weder mit Mainstream, noch mit aufgeblasen intellektuellem Geschmiere/Gedröhne oder verschwurbelten Plastiken etwas anfangen kann? Ich denke, dass Geschmack etwas derart Subjektives ist, dass man sehr wohl darüber streiten kann – nur macht es keinen Sinn 🙂

      Antwort auf diesen Kommentar
  3. Eisenheim
    Eisenheim 13 April, 2016, 09:55

    Es muss einem nicht alles gefallen. Aber man kann ein Verständnis für etwas haben. Nur so kann man etwas aus einer neutralen Sicht bewerten und hinterfragen, ob dies schlecht oder gut ist, auch wenn es einem nicht gefällt. Man muss das Intellektuelle an einer Sache hinterfragen.

    Ich kenne Florian Silbereisen nicht. Aber man könnte nun hinterfragen, ob seine Texte z.B. intellektuell anspruchsvoll sind.

    Natürlich bestimmt nicht die Masse, was Gut oder Schlecht ist. Viele Menschen haben kein wirkliches Kuntsverständnis. Es muss einem nicht alles gefallen, aber man kann dennoch sehr wohl einordnen, was zum guten Geschmack gehört.

    Mir gefallen z.B. die Bilder von Picasso nicht sonderlich. Aber ich weiss trotzdem, weshalb seine Bilder wertvoll sind. Deshalb würde ich niemandem schlechten Geschmack attestieren, nur weil er Picassos Bilder schön findet.

    Übrigens war mein letzter Post ein Zitat von Jan Tschichold.

    Antwort auf diesen Kommentar
  4. Eisenheim
    Eisenheim 13 April, 2016, 10:11

    Was Jan Tschichold ja auch sagen möchte ist: man kommt nicht mit gutem Geschmack auf die Welt. Guter Geschmack ist kein Bauchgefühl, keine Intuition. Guten Geschmack muss man lernen, den hat man nicht einfach so.

    Hier noch ein Zitat aus der Design-Branche:

    «Gutes Design ist nicht demokratiefähig, über schlechtes Design abzustimmen lohnt nicht.» Kurt Weidemann

    Antwort auf diesen Kommentar
  5. Eisenheim
    Eisenheim 13 April, 2016, 11:47

    Um nochmals auf das Thema Satire zurückzukommen:

    Peter Wilhelm hat es sehr gut auf den Punkt gebracht: Satire darf alles, muss aber nicht alles.

    Gute Satire ist deshalb immer gekonnt und nie gewollt. Böhmermanns Satire war eher gewollt als gekonnt. Deshalb war es auch keine gute Satire.

    Antwort auf diesen Kommentar
  6. Peter Wilhelm
    Peter Wilhelm 13 April, 2016, 12:28

    @Eisenheim: Du hast Recht. Was mich immer so ein wenig die Stirn runzeln läßt, ist es, wenn dann immer noch wieder jemand auf einen Zug aufspringt. So nach dem Motto: Es ist halt jetzt in, was gegen die Salafisten zu sagen, dann mach ich das auch mal schnell.

    Antwort auf diesen Kommentar
  7. Peter Grohmüller
    Peter Grohmüller 13 April, 2016, 16:00

    @ Eisenheim,
    Florian Silbereisen ist ein sehr talentierter Trompeter, der seine Perlen eimerweise und extrem profitabel in den Trog der volkstümlichen Musikfreunde schüttet. Ihn nicht zu kennen, ist ein Segen. Achtung: das war nun wieder Satire.

    Und nun noch eine Bemerkung zum Thema Kunstverständnis: ich zitiere mich selbst 🙂 : wenn ich weder mit Mainstream, noch mit aufgeblasen intellektuellem Geschmiere/Gedröhne oder verschwurbelten Plastiken etwas anfangen kann, heißt dies noch lange nicht, dass ich den Künstler oder dessen Werk nicht anerkenne. Ich war schon in unzähligen Museen und Ausstellungen und behaupte jetzt einfach mal, mein Kunstverständnis ein Stück weit kultiviert zu haben. Wenn ein Werk professionell gestaltet und handwerklich gelungen ist, mich jedoch nicht berührt, ziehe ich den imaginären Hut und wende mich dem nächsten zu. Aber ich gehöre nicht zu jenen Kulturpolizisten, die Comics ablehnen und bei denen Literatur mindestens das intellektuelle Niveau von Hegel haben muss. Leonard Bernstein hat einmal den Satz geprägt: es gibt keine E oder U-Musik. Es gibt nur gute oder schlechte Musik. Ich denke, dass es in der Kunst mit allem so ist.

    Antwort auf diesen Kommentar
  8. Peter Grohmüller
    Peter Grohmüller 13 April, 2016, 16:09

    @ Peter Wilhelm
    Das Trittbrett ist das beliebteste Fortbewegungsmittel derjenigen,
    in deren Köpfen Stillstand herrscht.

    Antwort auf diesen Kommentar
  9. Rainer Ostendorf
    Rainer Ostendorf 2 Februar, 2017, 10:49

    „Der große Mangel deutscher Köpfe besteht darin, daß sie für Ironie, Zynismus, Groteskes, Verachtung und Spott keinen Sinn haben.“ Otto Flake, Deutsch-Fanzösisches

    Schöne Grüsse aus der http://www.freidenker-galerie.de

    Antwort auf diesen Kommentar

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